{"id":15260,"date":"2022-02-04T08:37:31","date_gmt":"2022-02-04T07:37:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges?p=15260"},"modified":"2022-02-04T08:45:39","modified_gmt":"2022-02-04T07:45:39","slug":"die-uni-freiburg-soll-zum-hub-fuer-umweltethische-fragen-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/articles\/2022\/die-uni-freiburg-soll-zum-hub-fuer-umweltethische-fragen-werden?lang=de","title":{"rendered":"Die Uni Freiburg soll zum Hub f\u00fcr umweltethische Fragen werden"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Fairere, ethisch korrekte L\u00f6sungen f\u00fcr Umweltprobleme \u2013 das ist das Ziel des jungen UniFR_ESH Instituts an der Universit\u00e4t Freiburg. Direktor Ivo Wallimann-Helmer ist \u00fcberzeugt, dass der Mix aus Natur- und Geisteswissenschaften seine Studierenden zu kompetenten und gefragten Generalist_innen werden l\u00e4sst. F\u00fcr die Zukunft des Instituts hat er ambitionierte Ziele.<\/strong><\/h4>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p>An welchen Orten sind Abfalldeponien vertretbar? Wie gehen wir mit den realen und den eingebildeten Risiken von nuklearem Abfall um? Und wie beim Biodiversit\u00e4tsschutz mit gebietsfremden Arten? Ist eine einzelne Person moralisch \u00fcberfordert, wenn von ihr lapidar verlangt wird, sie solle ihre CO2-Emissionen um \u00abso viel wie m\u00f6glich\u00bb reduzieren? Wird sie wom\u00f6glich sogar ungerechtfertigterweise gegen\u00fcber denjenigen benachteiligt, die sich nicht um ihre Emissionen scheren?<\/p>\n<p>Umweltprobleme und deren L\u00f6sungsans\u00e4tze werfen fast immer ethische Fragen auf. Und diese sind oft nicht leicht zu beantworten. Wer zum Beispiel ist verantwortlich daf\u00fcr, dass Anpassungsmassnahmen in Nepal ergriffen werden? Die Industriel\u00e4nder, die schliesslich haupts\u00e4chlich f\u00fcr den Klimawandel verantwortlich sind? Oder doch die Nepales_innen selbst, da man weiss, dass Massnahmen effektiver sind, wenn sie von der Lokalbev\u00f6lkerung mitgetragen werden? Und falls dem so ist, wer muss Ressourcen und Know-how zur Verf\u00fcgung stellen?<\/p>\n<p><strong>Immer wieder neue Fragen<br \/>\n<\/strong>Umweltprobleme m\u00fcssen angegangen werden, da ist sich zumindest die Wissenschaft einig. \u00abEs ist aber auch wichtig, dass dies auf eine faire, ethisch korrekte Art gemacht wird\u00bb, sagt Ivo Wallimann-Helmer. Er ist Professor f\u00fcr Umweltgeisteswissenschaften am Departement f\u00fcr Geowissenschaften und Direktor des University of Fribourg Environmental Sciences and Humanities Institute (UniFR_ESH Institute), dem Institut, das vor zweieinhalb Jahren gegr\u00fcndet wurde und in seiner Forschung bestrebt ist, Antworten auf Fragen wie die eingangs formulierten zu finden.<\/p>\n<p>Denn man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass in den kommenden Jahren immer wieder neue solcher Herausforderungen und Dilemmata hinzukommen werden. \u00abEine neue Herausforderung ist zum Beispiel, dass mit Klimaschutz auch Gewinn gemacht werden kann.\u00bb Wallimann-Helmer denkt da etwa an die CO2-Entfernung aus der Atmosph\u00e4re und deren Lagerung. \u00abDiejenigen, die den besten Zugang zu Lagerst\u00e4tten und auch die Technologie dazu haben, sind diejenigen, die mit am meisten zum Klimawandel beigetragen haben: die \u00d6lfirmen. Die investieren nun in Lagerst\u00e4tten in der Nordsee.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Weg von der technizistischen Idee<\/strong><br \/>\nUmweltwissenschaften gibt es an der Universit\u00e4t Freiburg schon l\u00e4nger, mit der Gr\u00fcndung des neuen Instituts sind nun aber die Umweltgeisteswissenschaften und damit ethische Fragestellungen ein zentraler Bestandteil davon geworden. Im Zentrum steht nicht mehr haupts\u00e4chlich interdisziplin\u00e4re empirische Wissenschaft, weil nackte Zahlen nicht immer der Weisheit letzter Schluss sind. \u00abWir wollen weg von der technizistischen Idee, dass sich alles von selbst regeln wird, wenn man nur gen\u00fcgend Daten sammelt. Oft gibt es ethische und historische Zusammenh\u00e4nge, die nahelegen, dass ein anderes Vorgehen sinnvoll ist, als die nackten Zahlen vermuten liessen.\u00bb Bei Klimafragen etwa f\u00e4llt mitunter der Begriff Pfadabh\u00e4ngigkeit. W\u00e4hrend es Luxusemissionen tats\u00e4chlich zu beschr\u00e4nken gilt, ist es in den meisten Gesellschaften unm\u00f6glich, radikale Emissionsreduktionen zu realisieren, ohne drastische Ungerechtigkeiten in Kauf nehmen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Als Philosoph bezeichnet sich Wallimann-Helmer als das, was man in der Politik manchmal einen \u00abRealo\u00bb nennt. Als \u00abMann der kleinen Schritte\u00bb erarbeitet er mit den Studierenden zwar \u00absehr kreative Ideen\u00bb, wie er sagt, ruft aber gleichzeitig gewisse Errungenschaften in Erinnerung, die angesichts von Umweltherausforderungen nicht einfach \u00fcber Bord geworfen werden d\u00fcrfen: Demokratie, Freiheit und Gleichheit etwa.<\/p>\n<p><strong>An allen f\u00fcnf Fakult\u00e4ten<\/strong><br \/>\n\u00dcber den Tellerrand schauen, ein Problem von verschiedenen Seiten betrachten, das ist bei den Umweltwissenschaften in Freiburg zentraler Kern. \u00abDie Studierenden sollen am Ende f\u00e4hig sein, ethische Konflikte und Herausforderungen zu erkennen, im breiten Kontext einzuordnen, sie zu analysieren, neu zu sortieren und eine L\u00f6sung zu suchen. Das alles vor dem Hintergrund von breitem, interdisziplin\u00e4rem Grundwissen\u00bb, sagt Wallimann-Helmer.<\/p>\n<p>Und wo Interdisziplinarit\u00e4t draufsteht, ist im Fall der Umwelt- und Umweltgeisteswissenschaft an der Uni Freiburg auch tats\u00e4chlich Interdisziplinarit\u00e4t drin. Studiert wird an allen f\u00fcnf Fakult\u00e4ten. Die Studierenden belegen Geowissenschaften mit den Geograph_innen und Geolog_innen, Umwelt\u00f6konomie mit den \u00d6konom_innen und Umweltrecht mit den Jurist_innen. Das ist herausfordernd, aber nat\u00fcrlich lehrreich. \u00abSie lernen immer mit den Spezialist_innen, lernen so, die verschiedenen Sprachen der verschiedenen Fachbereiche zu verstehen.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Fast einzigartig<\/strong><br \/>\nWallimann-Helmer ist zuversichtlich, dass seine Studierenden auf dem Arbeitsmarkt eine L\u00fccke schliessen werden. \u00abIch bin fest davon \u00fcberzeugt, dass Kompetenzen in Ethik im Umweltkontext gefragt sind, sei es bei Umweltberatungsunternehmen, NGOs oder in der Verwaltung\u00bb, nennt er drei Bereiche, in denen die Studierenden in Zukunft ihr Wissen als Fachkraft einbringen k\u00f6nnten. \u00abZurzeit fehlt dieses Bewusstsein an vielen Orten n\u00e4mlich noch.\u00bb<\/p>\n<p>Der Mix aus Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften, den die Universit\u00e4t Freiburg anbiete, sei fast einzigartig. \u00abF\u00fcr den Bereich `Umweltgeisteswissenschaften\u2019 gibt es nach unseren Recherchen auf Master-Ebene in der Schweiz und im n\u00e4heren Ausland neben unserem noch ein weiteres Angebot in Lausanne \u2013 sonst sind wir die einzigen.\u00bb Rund 120 Bachelor-Studierende und 20 Master-Studierende sind derzeit f\u00fcr Umweltwissenschaften und Umweltgeisteswissenschaften eingeschrieben. F\u00fcr Wallimann-Helmer d\u00fcrften es in Zukunft gerne noch ein paar Studierende mehr sein, er hat ambitionierte Ziele: \u00abIch bin bestrebt, dass die Uni Freiburg in einigen Jahren schweizweit und auch \u00fcber die Landesgrenzen hinaus als Hub f\u00fcr Umweltgeisteswissenschaften, als breit aufgestelltes Kompetenzzentrum f\u00fcr umweltethische Fragestellungen bekannt sein wird, das inspirierende Forschung betreibt und auch internationale Studierende und Forschende anzieht.\u00bb<\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<ul>\n<li>Webseite von <a href=\"https:\/\/www.unifr.ch\/env\/de\/\">UniFR_ESH<\/a><\/li>\n<li>Webseite von <a href=\"https:\/\/www3.unifr.ch\/directory\/de\/people\/200532\/40c4c\">Ivo Wallimann-Helmer<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"color: #ff9900;\">__________<\/span><\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fairere, ethisch korrekte L\u00f6sungen f\u00fcr Umweltprobleme \u2013 das ist das Ziel des jungen UniFR_ESH Instituts an der Universit\u00e4t Freiburg. 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