{"id":13370,"date":"2021-03-18T17:45:30","date_gmt":"2021-03-18T16:45:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges?p=13370"},"modified":"2021-03-18T17:45:30","modified_gmt":"2021-03-18T16:45:30","slug":"fluchen-in-der-kueche-fuer-den-guten-zweck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/articles\/2021\/fluchen-in-der-kueche-fuer-den-guten-zweck?lang=de","title":{"rendered":"Fluchen in der K\u00fcche f\u00fcr den guten Zweck"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Lecker, gesund und nachhaltig kochen. K\u00f6nnen wir all diesen Anspr\u00fcchen gleichzeitig gerecht werden? Oder sind wir von Vornherein zum Scheitern verurteilt? Ein Selbstversuch im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche 2021 der Unifr.<\/strong><\/h4>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p>Das vielf\u00e4ltige Online-Programm der diesj\u00e4hrigen Nachhaltigkeitswoche hat es mir nicht leicht gemacht, mich f\u00fcr etwas zu entscheiden. Ziel dieser besonderen Woche ist es, Schweizer Hochschulen zu sensibilisieren und sie zu unterst\u00fctzen, Nachhaltigkeitsvorbilder f\u00fcr die Gesellschaft insgesamt zu werden. Besonders sympathisch finde ich, dass Sensibilisierung auch in der K\u00fcche stattfinden kann \u2026 Die sogenannte Green Faculty, ein Konzept der mathematisch-naturwissenschaftlichen und medizinischen Fakult\u00e4t, bot in diesem Rahmen einen vielversprechenden Kochkurs an. Angepriesen wurde ein umweltfreundliches, leicht zu kochendes Men\u00fc mit gesunden Zutaten und ein gem\u00fctlicher Abend mit anderen Menschen \u2013 nat\u00fcrlich per Zoom, da wir ja immer noch in der Pandemie sind.<\/p>\n<p><strong>S\u2019F\u00fcfi und s\u2019Weggli?<\/strong><br \/>\nDie Ausschreibung machte mich stutzig und neugierig zugleich. Die Industrie macht es uns heute ziemlich leicht, rein pflanzliche Produkte zu konsumieren, ohne das Gef\u00fchl zu haben, auf etwas zu verzichten. Es gibt veganen Lachs, veganes R\u00fchrei und in der Schweiz haben wir sogar Raclette- und Fondue-Alternativen! Ein Bio Start-up aus dem Berner Oberland r\u00e4uchert beispielsweise Schweizer Bio-Knospe Karotten und unterst\u00fctzt regionale Bauern und Kleinbetriebe, indem es wenn immer m\u00f6glich einheimische Lebensmittel verarbeitet. Eine andere Firma produziert pflanzliche K\u00e4sealternativen in Thun \u2013 die daf\u00fcr verwendeten Cashewn\u00fcsse stammen aber aus Indonesien. In diesem Fall kaufen oder doch lieber im Regal stehen lassen? Wie aufwendig ist es, beim Kochen gleichzeitig auf Faktoren wie \u00absaisonal\u00bb, \u00abregional\u00bb, \u00abfairtrade\u00bb \u00abg\u00fcnstig\u00bb und \u00abkulinarisch ansprechend\u00bb zu achten?<\/p>\n<p><strong>I f*** love junk food!<br \/>\n<\/strong>Das Kochatelier kam mir \u2013 unabh\u00e4ngig von diesen vielen Fragen \u2013 mehr als gelegen: Ich esse seit drei Jahren keine Produkte tierischen Ursprungs mehr, weil ich Tiere liebe und mir die Umwelt wichtig ist. Selbstverst\u00e4ndlich hat meine Ern\u00e4hrungsweise auch einen positiven Effekt auf meine Gesundheit, aber das ist nicht meine Hauptmotivation. Mit anderen Worten: Ich liebe Junk-Food und habe nichts gegen Fertigprodukte! Doch seit einer Weile nagt das schlechte Gewissen an mir, ausgel\u00f6st durch zahlreiche Videos auf Instagram und Facebook von \u00fcbermotivierten Leuten, die im Lockdown ihr eigenes Brot backen, literweise Hafermilch produzieren und ihren Tofu selbst pressen. Das klingt f\u00fcr mich alles nach sehr viel Aufwand. Konnte ich im Atelier wom\u00f6glich lernen, gr\u00fcner zu kochen, ohne mehrere Stunden daf\u00fcr investieren zu m\u00fcssen?<\/p>\n<p><strong>Federkohl = chou fris\u00e9 = Kale<\/strong><br \/>\nEin Blick in die Agenda und zack! Schon war ich f\u00fcr den Workshop angemeldet. Wenig sp\u00e4ter kontaktierte mich Organisatorin Loetitia. Alle Teilnehmer_innen bekamen Zugang zu einer Webseite mit einer Einkaufsliste, Video-Tutorials und Unterlagen zur Vorbereitung. Ich studierte die Liste und mir wurde klar, wie schlecht mein Franz\u00f6sisch ist, wenn es um das Benennen von Lebensmitteln und K\u00fcchenutensilien geht. Nach etwas \u00dcbersetzungsarbeit besorgte ich mir die Lebensmittel. Kale, eine Zwiebel, frischen Knoblauch \u2026 Und viele Produkte hatte ich bereits zuhause, so beispielsweise Nudeln, Sojasauce und Linsen. Auf dem Speiseplan waren eine Bolognese auf Linsenbasis und ein Federkohlsalat, wobei hier mehrere Saucen zur Auswahl standen. Loetitia achtet sehr darauf, nachhaltig einzukaufen. Wir wurden beispielsweise gebeten, Schweizer Linsen zu besorgen und den Stangensellerie, der gerade nicht Saison hat, beispielsweise mit Gem\u00fcsebr\u00fche oder mit Lauch zu ersetzen. (Gut so, ich hasse n\u00e4mlich Stangensellerie!) Als ich auf der Verpackung nachlas, dass meine Linsen aus den USA stammen, war ich schockiert. Immerhin hatte ich sie damals nicht selbst gekauft, sondern geschenkt bekommen (Ja, das ist die Wahrheit!).<\/p>\n<p><strong>Kochen ist politisch!<\/strong><br \/>\nIch gebe zu, dass ich mir f\u00fcr den grossen Abend Verst\u00e4rkung holte. Unter dem Deckmantel einer gemeinsamen Aktivit\u00e4t zum Wohle unserer Beziehung \u00fcberredete ich meine Partnerin, mir beim Kochen zu helfen. In Wahrheit hatte ich aber Panik vor dem franz\u00f6sischsprachigen Kurs und wollte eine Simultan\u00fcbersetzerin und Kochassistentin vor Ort haben. Die Linsen mussten bereits vor dem gemeinsamen Online-Treffen gekocht werden \u2013 das schaffte ich noch alleine. Kaum hatte ich mich per Zoom zugeschaltet, ging f\u00fcr mich auch schon der Stress los. Da waren Studierende, aber auch Arbeitskolleg_innen online, vor denen ich mich blamieren konnte \u2026 Wo sollte ich den Laptop am besten hinstellen, um gleichzeitig zuzuh\u00f6ren und eine Sauce umzur\u00fchren? Warum war die Tonqualit\u00e4t so schlecht und warum waren alle so viel schneller als ich mit Schnippeln? Etwas Ruhe kehrte ein, als die Bolognese ca. vierzig Minuten lang vor sich hin kochen musste. Wirklich austauschen konnten wir uns in der Zeit allerdings nicht, da alle st\u00e4ndig in Bewegung waren, aufstanden, etwas umr\u00fchrten, im K\u00fchlschrank etwas suchten \u2026 Loetitia liess uns ein Quiz \u00fcber eine App spielen. Ein paar Sad Facts gef\u00e4llig? Zwischen 1980 und 2016 hat sich der Fleischkonsum weltweit verdoppelt. Fleisch aus der Region verursacht immer noch dreimal mehr CO2 als Gem\u00fcse, das per Schiff importiert wurde. Ein Kilogramm Rindfleisch zu produzieren verbraucht 15&rsquo;000 Liter Wasser. Ein Kilogramm \u00c4pfel ben\u00f6tigt hingegen nur 900 Liter. Selbst die ach so verteufelten Avocados ben\u00f6tigen dreizehn Mal weniger Wasser als Fleisch. Ich kannte diese Zahlen bereits, fragte mich aber, wie sie wohl auf jene wirkten, die zum ersten Mal davon h\u00f6rten. Ich war so sehr in Gedanken versunken, dass das Nudelwasser \u00fcberkochte (Schande \u00fcber mein italienisches Haupt!) und ich mich beim Versuch, das Unvermeidliche zu vermeiden, verbr\u00fchte.<\/p>\n<p><strong>I can do better!<\/strong><br \/>\nMeine Partnerin fand das Ganze lustig \u2013 sie war in der K\u00fcche so entspannt, dass sie zwischendurch sogar die Zeit fand, anderes zu erledigen. Ich nahm mir hingegen vor, nie mehr vor einem Bildschirm zu kochen, sondern darauf zu warten, dass die Kochateliers im Real Life wieder starten. Loetitia hat den Workshop gut gemacht und ich kann nur hoffen, dass er n\u00e4chstes Jahr wieder angeboten wird, damit auch andere davon profitieren k\u00f6nnen. Wer aber so wie ich zwei linke H\u00e4nde hat, sollte nicht unbeaufsichtigt bleiben. Kaum stand das Men\u00fc auf dem Tisch, verabschiedeten sich schon alle und verliessen das Meeting. Darauf war ich \u00fcberhaupt nicht vorbereitet. Ich hatte mich darauf gefreut, mich hinzusetzen, gemeinsam zu essen und das Gekochte zu vergleichen und zu kommentieren. Es war aber auch sch\u00f6n, nach dem ganzen Tohuwabohu das Gericht mit meiner Freundin zu geniessen. Wir waren beide richtig begeistert und werden das Rezept garantiert nachkochen. Ich habe an dem Abend folgendes gelernt: 1. Mise en Place ist die halbe Miete. 2. Auch Leute wie ich, die bereits ein paar Jahre vegan leben, k\u00f6nnen Neues lernen, z.B. mit Gew\u00fcrzen zu experimentieren oder den eigenen Einkauf zu optimieren. 3. Ich kann es zuk\u00fcnftig noch besser machen. Was ich tue, hat aber bereits einen grossen Impact auf die Umwelt. Wir brauchen nicht eine Handvoll perfekte Veganer_innen, sondern ganz viele nicht perfekte Menschen, die z.B. bewusst einen veganen Tag pro Woche einplanen, zum Beispiel mit der genialen Bolognese von Loetitia!<\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<div id=\"new-royalslider-117\" class=\"royalSlider new-royalslider-117 rsUni rs-default-template\" style=\"width:100%;height:400px;;\" data-rs-options='{&quot;template&quot;:&quot;default&quot;,&quot;image_generation&quot;:{&quot;imageWidth&quot;:&quot;&quot;,&quot;imageHeight&quot;:&quot;&quot;,&quot;thumbImageWidth&quot;:&quot;&quot;,&quot;thumbImageHeight&quot;:&quot;&quot;},&quot;thumbs&quot;:{&quot;thumbWidth&quot;:96,&quot;thumbHeight&quot;:72},&quot;fullscreen&quot;:{&quot;enabled&quot;:&quot;true&quot;},&quot;video&quot;:[],&quot;width&quot;:&quot;100%&quot;,&quot;height&quot;:&quot;400px&quot;}'>\n<div class=\"rsContent\">\n  <img class=\"rsImg\" src=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/IMG_4700-1024x768.jpg\" data-rsBigImg=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/IMG_4700-rotated.jpg\" alt=\"IMG_4700\"\/>\n  \n  \n  \n<\/div>\n<div class=\"rsContent\">\n  <img class=\"rsImg\" src=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/IMG_4696-768x1024.jpg\" data-rsBigImg=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/IMG_4696-rotated.jpg\" alt=\"IMG_4696\"\/>\n  \n  \n  \n<\/div>\n<div class=\"rsContent\">\n  <img class=\"rsImg\" src=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/IMG_4702-473x1024.png\" data-rsBigImg=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/IMG_4702.png\" alt=\"IMG_4702\"\/>\n  \n  \n  \n<\/div>\n<div class=\"rsContent\">\n  <img class=\"rsImg\" src=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/IMG_4695-768x1024.jpg\" data-rsBigImg=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/IMG_4695-rotated.jpg\" alt=\"IMG_4695\"\/>\n  \n  \n  \n<\/div>\n<div class=\"rsContent\">\n  <img class=\"rsImg\" src=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/IMG_4705-768x1024.jpg\" data-rsBigImg=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/IMG_4705-rotated.jpg\" alt=\"IMG_4705\"\/>\n  \n  \n  \n<\/div>\n<div class=\"rsContent\">\n  <img class=\"rsImg\" src=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/IMG_4708-1024x768.jpg\" data-rsBigImg=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/IMG_4708.jpg\" alt=\"IMG_4708\"\/>\n  \n  \n  \n<\/div>\n\n<\/div>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p><span style=\"color: #ff6600;\">__________<\/span><\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/yoganeuchatel.com\/cuisine\/\">Webseite<\/a> von Loetitias Kochatelier<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.sustainabilityweek.ch\/fribourg\/\">Webseite<\/a> der Nachhaltigkeitswoche Freiburg<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.unifr.ch\/scimed\/de\/faculty\/profile\/greenfaculty\">Webseite<\/a> der Green Faculty<\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lecker, gesund und nachhaltig kochen. 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