{"id":1282,"date":"2015-11-09T21:54:44","date_gmt":"2015-11-09T20:54:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www3.unifr.ch\/alma-georges\/articles\/2015\/ich-duze-sehr-selten-2"},"modified":"2015-11-27T14:56:52","modified_gmt":"2015-11-27T13:56:52","slug":"ich-duze-sehr-selten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/articles\/2015\/ich-duze-sehr-selten","title":{"rendered":"\u00ab\u00a0Ich duze sehr selten\u00a0\u00bb"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Diese Frau liebt ihren Job: Die Verwaltungsdirektorin der Universit\u00e4t Freiburg Monique Bersier spricht \u00fcber Gestern und Heute, erinnert sich an prominente G\u00e4ste und gesch\u00e4tzte Rektoren und erlaubt einen Einblick in ihren Arbeitsalltag.<\/strong><\/h4>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p><strong>Monique Bersier, Sie sind direkt nach dem Studium in die Dienste der Universit\u00e4t Freiburg getreten. Wie kam es dazu?<br \/>\n<\/strong>Noch w\u00e4hrend meines Studiums ist der damalige Adjunkt des Rektors krank geworden und musste \u00fcber den Sommer um die vier, f\u00fcnf Monate aussetzen. Ich bin also sozusagen in die Bresche gesprungen und habe die Stelle interimistisch \u00fcbernommen. Das muss so 1977 oder 1978 gewesen sein. Das ging auch recht gut, weil es im Sommer sehr ruhig war. Nach dem Studium war ich dann in den USA und sp\u00e4ter in Z\u00fcrich. Dann bin vom damaligen Rektor Augustin Macheret engagiert worden. Das war so 1989. Er kannte mich bereits vom Studium und hat mich zu einer Bewerbung ermutigt. Es hat dann, offensichtlich, geklappt.<\/p>\n<p><strong>Haben Sie in den USA gearbeitet?<em><br \/>\n<\/em><\/strong>Nein. Wir haben damals unseren Sohn Nicolas bekommen und ich hatte immer gesagt, wenn ich ein Kind bekomme, werde ich mich w\u00e4hrend vier Jahren ausschliesslich um das Kind k\u00fcmmern. Nicht ein Jahr mehr und nicht ein Jahr weniger. Schliesslich hat ein Kind zwei Elternteile, daher m\u00fcssen auch beide in der Erziehung mitmachen. Wir waren insgesamt etwa zwei Jahre in den USA und etwa zwei Jahre in Z\u00fcrich.<\/p>\n<p><strong>Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf war damals wohl noch schwieriger als heute?<br \/>\n<\/strong>Ja, damals war noch das alte Rollenmodell vorherrschend. Aber wie Sie wissen bin ich eine Frau mit Temperament und f\u00fcr mich war immer klar, dass ich wieder in die Arbeitswelt zur\u00fcck will. Als Nicolas so vier, f\u00fcnf Jahre alt war, nahm ich eine Vollzeitstelle an und mein Mann Jacques hat sich die Aufgaben zuhause mit mir geteilt. Am Dienstag, wenn die Schule aus war, war also besipielsweise ich zust\u00e4ndig und am Mittwoch war dann Jacques an der Reihe.<\/p>\n<p><strong>Und wenn eine Sitzung mal l\u00e4nger gedauert hat?<br \/>\n<\/strong>Meine Mutter hat sehr viel mitgeholfen. Nachdem wir nach Freiburg gezogen sind, hatten wir das Gl\u00fcck eine Mietwohnung gleich gegen\u00fcber von meiner Mutter zu finden, so war unser Sohn nie alleine, auch wenn eine Sitzung mal l\u00e4nger gedauert hat als bis 17 Uhr.<\/p>\n<p><strong>Seit Sie ihre Arbeit an der Universit\u00e4t begonnen haben, hat sich einiges ver\u00e4ndert. Nicht zuletzt im technischen Bereich mit den Emails und dem Internet.<br \/>\n<\/strong>Die Technik hat sich tats\u00e4chlich stark ver\u00e4ndert. Daneben hat sich aber auch die Universit\u00e4t unglaublich entwickelt. Wir hatten im Jahre 1989 gut 5&rsquo;000 Studierende. Jetzt haben wir \u00fcber 10&rsquo;000 Studierende und damit nat\u00fcrlich auch mehr Professoren und Professorinnen, mehr Mitarbeitende etc.<\/p>\n<p><strong>Wie hat die Email das Arbeitsleben ver\u00e4ndert?<br \/>\n<\/strong>Durch die Email schreiben wir sehr viel h\u00e4ufiger und damit auch viel Unwichtiges. Fr\u00fcher hatte man noch Briefe geschrieben, sowohl intern an den Rektor oder extern etwa an Staatsr\u00e4te und musste sich gut \u00fcberlegen, was man da reinschreibt. Heute schreibt man einfach drauflos.<\/p>\n<p><strong>Ist es jetzt besser und schlechter?<br \/>\n<\/strong>Hm, ich w\u00fcrde sagen schlechter auf keinen Fall. Es gibt Ver\u00e4nderungen und wir Menschen m\u00fcssen einen Weg suchen, wie wir diese in die richtigen Bahnen lenken. Aber es ist wohl schwerf\u00e4lliger geworden.<\/p>\n<p><strong>Sie haben schon mit vielen Menschen an der Universit\u00e4t zu tun gehabt, mit verschiedenen Rektoren, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Mit wem haben Sie besonders gerne zusammengearbeitet oder ein spannendes Projekt umgesetzt?<br \/>\n<\/strong>Eine sehr sch\u00f6ne Zusammenarbeit hatte ich mit Herrn Andreas Hurni, als wir die Dienststelle Unisport aufgebaut hatten. Es war eine sehr heikle Aufgabe, die viel Gesp\u00fcr und \u00dcberzeugungsarbeit brauchte. Herr Hurni und ich hatten aber nie Probleme oder gar Streit. Es war stets angenehm und wir haben ein sch\u00f6nes Projekt umgesetzt. Aber gute Zusammenarbeiten gab es nat\u00fcrlich h\u00e4ufig. Herr Hurni ist mir einfach spontan als Erster eingefallen.<\/p>\n<p><strong>Was war denn am Ausbau des Dienstes Unisport so heikel?<br \/>\n<\/strong>Der damalige Universit\u00e4tssport entwickelte das Sportangebot so wie es heute ist und organisierte auch einen Teil der universit\u00e4ren Ausbildung von Sportlehrerinnen und Sportlehrern. Das war eine akademische Aufgabe und wir haben diesem Bereich aus dem Unisport herausgel\u00f6st und in die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakult\u00e4t \u00fcbergeben, in den Fachbereich Sport- und Bewegungswissenschaften. Damit ist nat\u00fcrlich der prestigetr\u00e4chtige Teil der akademischen Lehre weggefallen, was nicht allen gepasst hatte.<\/p>\n<p><strong>Gab es auch schwierige Zeiten?<br \/>\n<\/strong>Ja, nat\u00fcrlich das gab es. Wie Sie wissen wechselt das Rektorat alle vier Jahre. Das Personal der zentralen Dienste muss sich also immer wieder anpassen an eine andere Art zu arbeiten. Das ist manchmal einfacher und manchmal schwieriger.<\/p>\n<p><strong>Was macht die Verwaltungsdirektorin eigentlich den ganzen Tag?<br \/>\n<\/strong>Das frage ich mich manchmal auch. Fr\u00fcher, bis in die 90er Jahre, umfasste meine Stelle alle zentralen Dienste. 1995 haben wir die Direktion aufgeteilt und mein Kollege Lukas Bucher hat den akademischen Teil \u00fcbernommen, also den Bereich f\u00fcr die Studierenden, der beispielsweise die Zulassungen oder auch den Sozialdienst umfasst. Mir als Verwaltungsdirektorin unterstehen die Bereiche Personaldienst, Geb\u00e4udedienst sowie verschiedene Verwaltungsbereiche, wie auch die Finanzen \u2013 ein ganz wichtiger Teil meiner Arbeit. Ich muss die Finanzen \u00fcberwachen und die Budgets erstellen. Diese Arbeit mache ich zusammen mit der Rektorin und ich bin daf\u00fcr besorgt, dass die Regeln eingehalten werden. Insgesamt sehe ich meine Aufgabe darin, f\u00fcr alle eine gute Arbeitsplatzsituation zu schaffen. Und nat\u00fcrlich muss ich die Direktiven des Rektorats umsetzen und an die Dienste weitergeben und allenfalls auch erkl\u00e4ren, warum das nun so ist.<\/p>\n<p><strong>Als Herrscherin \u00fcber die Finanzen erleben Sie auch immer wieder Druck von verschiedenen Seiten. Ist das f\u00fcr Sie ein Stress oder sehen Sie das eher technisch-pragmatisch?<br \/>\n<\/strong>Das ist schon Stress. Wenn das Budget gek\u00fcrzt wird, muss ich mit der Rektorin oder dem Rektor zusammensitzen und schauen wie man das Problem am besten l\u00f6st. Wo man den Rotstift ansetzen soll und welche Argumente es daf\u00fcr gibt. Das sind keine angenehmen Aufgaben.<\/p>\n<p><strong>Welches Ereignis an der Universit\u00e4t hat sich Ihnen besonders eingepr\u00e4gt?<br \/>\n<\/strong>Ein speziell grosser Anlass war der Besuch des Papstes Johannes Paul II im Jahre 1983. Das war ein eindr\u00fcckliches Erlebnis. Interessant war auch der Besuch des spanischen K\u00f6nigs Juan Carlos, als er den Ehrendoktor erhielt. Damals musste ich f\u00fcr einen Tag mein B\u00fcro K\u00f6nigin Sophia zur Verf\u00fcgung stellen, damit sie Gelegenheit hatte sich auszuruhen. Als ich am n\u00e4chsten Tag zur Arbeit kam, hing immer noch dieser royale Duft in der Luft (<em>lacht<\/em>).<\/p>\n<p><strong>Promi-Besuche als besondere Herausforderung?<br \/>\n<\/strong>Ja, kann man sagen. Ein spezieller Anlass war auch der Besuch des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl. Ich habe noch nie so viele Menschen an unserer Uni gesehen wie damals. Man hatte den Eindruck, als wolle der ganze Kanton Freiburg Helmut Kohl h\u00f6ren. Wir mussten Sicherheitsschranken aufstellen und eine spezielle Security organisieren. Und trotzdem kam es zum Schluss zu einer lustigen Anekdote.<\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<h6><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/tube.switch.ch\/embed\/ffd5a90e\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><em><br \/>\nRetrouvez, en fran\u00e7ais, les anecdotes qui ont marqu\u00e9 Monique Bersier.<br \/>\n<\/em><\/h6>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p><strong>Was ist passiert?<br \/>\n<\/strong>Kohl hat seine Rede gehalten. Danach erhob sich der damalige Syndic der Stadt Freiburg, Dominique de Buman, um dem Bundeskanzler eine Strassentafel zu \u00fcbergeben. Einige Wochen zuvor hatte Freiburg n\u00e4mlich entschieden, die Strasse bei der Uni Mis\u00e9ricorde in Avenue de l\u2019Europe umzubenennen. De Buman hob die Strassentafel mit der Bezeichnung \u201eAv. de l\u2019Europe 20\u201c hoch und erkl\u00e4rte feierlich, dass Freiburg eben auch in Richtung Europa schaue. Die Idee war, dass Kohl im Anschluss die Tafel aufh\u00e4ngen sollte. Doch dieser hatte das offenbar nicht verstanden und die Tafel dann einfach mitgenommen, weil er dachte, sie w\u00e4re ihm als Geschenk \u00fcberreicht worden. Die Tafel muss jetzt also irgendwo in Berlin sein.<\/p>\n<p><strong>An der Uni gibt es ja viele spannende Personen. Welche haben Sie besonders beeindruckt im Laufe Ihrer langen Karriere?<br \/>\n<\/strong>Da gibt es einige. Professor Luigi Tagliavini war sehr faszinierend. Oder Prof. Jean-Marie Valarch\u00e9, ein \u00d6konom. Man hatte den Eindruck, er sei ein wandelndes Buch. Er wusste einfach alles. Eine beeindruckende Pers\u00f6nlichkeit hat auch Prof. Othmar Keel, der das Museum Bibel + Orient gegr\u00fcndet hatte. Er konnte einen mit seiner Begeisterung richtig anstecken. Und nat\u00fcrlich Paul-Henri Steinauer, der Rechtsprofessor und sp\u00e4tere Rektor. Ich kannte ihn gut, weil ich auch Kurse bei ihm besucht hatte. Er war ein Intellektueller und hatte eine beeindruckende Pers\u00f6nlichkeit. Ihn umgab eine Aura. Zudem war er auch ein Vision\u00e4r. Wenn er etwas gesagt und erkl\u00e4rt hatte, dann hat man es einfach geglaubt und war \u00fcberzeugt auf dem richtigen Weg zu sein. Ich habe sehr gerne mit Rektor Steinauer zusammengearbeitet.<\/p>\n<p><strong>Duzt man sich eigentlich, wenn man so nahe zusammenarbeitet?<br \/>\n<\/strong>Nein, ich habe nie geduzt. Die einzige Person, die ich duze, ist die aktuelle Rektorin. Dies liegt daran, dass wir uns schon vorher gekannt haben. Ich duze sehr selten. Dass mein Kollege Bucher und ich uns sehr lange Zeit gesiezt haben, hat zu manch einem Spruch gef\u00fchrt. Lukas Bucher kam ja auch schon 1995 an die Uni und wir haben uns erst so um 2012 zu duzen begonnen, als ich mal an einem Anlass gemurmelt habe, dass man sich eigentlich auch \u201eDu\u201c sagen k\u00f6nnte. Das \u201eSie\u201c bringt halt etwas mehr Distanz als das \u201eDu\u201c und das ist mir lieber.<\/p>\n<p><strong>Welcher Teil Ihrer Arbeit ist Ihnen der liebste?<br \/>\n<\/strong>Am liebsten mache ich die Finanzen. Das ist das Spannendste. Auch interessante ist der Bereich der Geb\u00e4udeverwaltung. Da muss ich immer ein bisschen k\u00e4mpfen und es ist stets innovativ.<\/p>\n<p><strong>Was m\u00f6gen Sie nicht an Ihrem Job?<br \/>\n<\/strong>Ich freue mich jeden Tag auf die Arbeit. Was ich manchmal nicht so mag sind zu viele Sitzungen. Weil ich dadurch in einigen Dossiers dann nicht weiterkomme.<\/p>\n<p><strong>Ist die Uni noch dieselbe wie damals, als Sie studiert haben?<br \/>\n<\/strong>Ich finde die Studierenden von heute sind nicht mehr so frei im Kopf, wie wir es waren. Wir haben noch aus Lust studiert. Heute gilt es, etwas daraus zu machen, die Karriere zu planen \u2013 und das sp\u00fcrt man. Ich glaube, die heutigen Studierenden sind weniger gl\u00fccklich. Wir haben nat\u00fcrlich auch studiert und waren fleissig, aber wir hatten auch noch Zeit zum Feiern.<\/p>\n<p><strong>Gab es fr\u00fcher mehr Parties als heute?<br \/>\n<\/strong>Also wenn ich auf meinen Freundeskreis zur\u00fcckschaue, dann denke ich, dass wir mehr Parties machten als dies heute der Fall ist. Wobei erst k\u00fcrzlich einige Junge ja ein grosses Fest in der BlueFactory organisiert haben, die Unifactory. Es gibt sie also schon noch, die Parties. Aber nat\u00fcrlich sollte man nicht nur feiern, sondern auch studieren (<em>schaut streng<\/em>).<\/p>\n<p><strong>Ihre Arbeit macht Ihnen offensichtlich noch immer Spass&#8230;<br \/>\n<\/strong>Ja absolut. Wenn ich Leute an der Uni sehe, die gebeugt gehen und keine Lust mehr haben, dann denke ich immer, sie sollten etwas ver\u00e4ndern. Dieses Gef\u00fchl hatte ich pers\u00f6nlich nie.<\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<span style=\"color: #ff6600;\">__________<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>Video<\/strong>: Christian Doninelli<\/span><\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Frau liebt ihren Job: Die Verwaltungsdirektorin der Universit\u00e4t Freiburg Monique Bersier spricht \u00fcber Gestern und Heute, erinnert sich an prominente G\u00e4ste und gesch\u00e4tzte Rektoren und erlaubt einen Einblick in ihren Arbeitsalltag. 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