{"id":11424,"date":"2020-09-10T13:48:32","date_gmt":"2020-09-10T12:48:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www3.unifr.ch\/alma-georges?p=11424"},"modified":"2020-10-02T10:14:43","modified_gmt":"2020-10-02T09:14:43","slug":"batman-and-ramon-gesichtserkennung-fur-fortgeschrittene","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/articles\/2020\/batman-and-ramon-gesichtserkennung-fur-fortgeschrittene","title":{"rendered":"Batman and Ramon &#8211; Gesichtserkennung f\u00fcr Fortgeschrittene"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Wenn sie auf dem Revier auftaucht, freut sich die Polizei! Meike Ramon forscht am Departement f\u00fcr Psychologie und wird von Beh\u00f6rden gerne als Beraterin hinzugezogen. Wir haben uns mit der Expertin f\u00fcr Gesichtserkennung \u00fcber die Zusammenarbeit von Polizei und Forschung, Super-Recognizer und Datenschutz unterhalten.\u00a0<\/strong><\/h4>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p><strong>Meike Ramon, Sie f\u00fchren das AFC Lab (= Applied Face Cognition), das Sie dank des SNF gegr\u00fcndet haben. Was ist das und was macht das Lab genau?<br \/>\n<\/strong>Das AFC Lab wird gef\u00f6rdert durch einen PRIMA (Promoting Women in Academia) Beitrag des SNF, der mir f\u00fcr das Projekt \u00abMechanisms of Superior Face Recognition\u00bb zugesprochen wurde. Wir interessieren uns f\u00fcr die menschliche F\u00e4higkeit, Gesichter zu verarbeiten. Wie unterscheiden sich Personen hinsichtlich dieser F\u00e4higkeit? Worauf lassen sich diese Unterschiede (z.B. im Gehirn) zur\u00fcckf\u00fchren? Wie k\u00f6nnen wir dieses Wissen im Alltag verwenden, z.B. um Gerechtigkeit und \u00f6ffentliche Sicherheit zu erh\u00f6hen?<\/p>\n<p><strong>Sie hoffen, die \u00abProbleme der realen Welt zu l\u00f6sen\u00bb. Was meinen Sie\u00a0damit und haben Sie uns ein paar konkrete Beispiele?<br \/>\n<\/strong>Durch die zunehmende Verf\u00fcgbarkeit und Nutzung digitaler Kommunikationstechnologien wie z.B. Smartphones und CCTV (= \u00dcberwachungskamerasysteme, <em>Anmerkung der Redaktion<\/em>), sind Sicherheitsbeh\u00f6rden mit immer mehr Material konfrontiert, dass es zu verarbeiten gilt. Weil eine ausschliesslich computergest\u00fctzte Verarbeitung aus mehreren Gr\u00fcnden ausgeschlossen ist, werden Menschen noch lange eine wesentliche Rolle spielen. Zwei konkrete Beispiele, wie wir die Forschung zur L\u00f6sung echter \u00ab\u00a0Probleme der realen Welt\u00a0\u00bb nutzen k\u00f6nnen, sind z.B. die Personalauswahl f\u00fcr sicherheitsrelevante Berufe und die Einsch\u00e4tzung von Zeugenaussagen. Solchen Herausforderungen verdanke ich meine allererste Polizeikollaboration mit der Kantonspolizei Freiburg, bis hin zu meiner langj\u00e4hrigen T\u00e4tigkeit als wissenschaftliche Beraterin des Berliner Landeskriminalamts.<\/p>\n<p><strong>Wie man den Medien entnehmen kann, setzt die Polizei immer mehr auf sogenannte \u00abSuper-Recognizer\u00bb. Wer sind die denn genau und wie werden sie geschult?<br \/>\n<\/strong>Der Begriff Super-Recognizier beschreibt Personen, die Gesichter u\u0308berdurchschnittlich gut verarbeiten k\u00f6nnen. Das kann sich z.B. auf die visuelle Wahrnehmung und\/oder auf das Ged\u00e4chtnis fu\u0308r Gesichter beziehen. Derzeitige Forschungsergebnisse legen nahe, dass Super-Recognizer etwas haben, das \u00fcber das Trainierbare hinausgeht. Daher steht bei einigen Beh\u00f6rden in Bezug auf die Gesichtserkennung die Auswahl von Personal mit speziellen F\u00e4higkeiten im Vordergrund.<\/p>\n<p><strong>Sie arbeiten aktuell eng mit der Polizei Z\u00fcrich zusammen. Erz\u00e4hlen Sie uns bitte mehr dar\u00fcber!<br \/>\n<\/strong>Da man davon ausgehen muss, dass nur wenige Personen \u00fcber die speziellen F\u00e4higkeiten von Super-Recognizern verf\u00fcgen, fokussieren sich einige Beh\u00f6rden auf den gesamten Personalstab. Diese Beh\u00f6rden sind dann eher daran interessiert, die F\u00e4higkeiten aller Mitarbeitenden zu optimieren, was demnach zun\u00e4chst eine Bestandsaufnahme des normalen Leistungsniveaus erfordert. Genau zu diesem Thema hat das AFC Lab eine Forschungskollaboration mit der Fachstelle Forschung &amp; Entwicklung der Kantonspolizei Z\u00fcrich begonnen.<\/p>\n<p><strong>Sind Sie selbst eine Super-Recognizerin?<br \/>\n<\/strong>Ich denke, dass ich von Natur aus ziemlich gut bin, und 15 Jahre Forschung auf meinem Gebiet haben bestimmt auch Spuren hinterlassen. Das Niveau einer Super-Recognizerin habe ich aber glaube ich nicht.<\/p>\n<div id=\"attachment_11429\" style=\"width: 320px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-11429\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-11429\" src=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Meike_ramon_2019_29-804x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"310\" height=\"395\" srcset=\"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Meike_ramon_2019_29-804x1024.jpg 804w, https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Meike_ramon_2019_29-236x300.jpg 236w, https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Meike_ramon_2019_29-768x978.jpg 768w, https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Meike_ramon_2019_29.jpg 1571w\" sizes=\"(max-width: 310px) 100vw, 310px\" \/><p id=\"caption-attachment-11429\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Christopher Kuhn f\u00fcr<em> annabelle<\/em><\/p><\/div>\n<p><strong>Sie geben auch Workshops. Wer bucht Sie als Expertin? Und k\u00f6nnen Sie sich vorstellen, auch mal vom Schweizer Fernsehen angefragt zu werden? Vielleicht f\u00fcr Unterst\u00fctzung bei der n\u00e4chsten Krimiserien-Produktion?<br \/>\n<\/strong>Ich habe als wissenschaftliche Expertin Vortr\u00e4ge \u00fcber das Thema Super-Recognizer gehalten. Diese waren z.B. im Rahmen verschiedener Veranstaltungen Europ\u00e4ischer Forschungskonsortien, die sich mit dem Thema \u00f6ffentlichen Sicherheit besch\u00e4ftigen. Manchmal gibt es auch Anfragen aus der Industrie, z.B. hat Audi ein \u00f6ffentliches Event zum Thema Super-Recognizer organisiert. Eine meiner Probandinnen und ich waren als G\u00e4ste eingeladen und haben Fragen der Moderatorin und Zuschauerinnen und Zuschauer beantwortet. Jetzt, da die Entwicklung des \u00abBerlin Model for Super-Recognizer Identification\u00bb abgeschlossen ist, kommen immer mehr Anfragen zu dieser Kollaboration. Das Projekt ist wirklich toll: als Resultat einer echten interdisziplin\u00e4ren Kollaboration zwischen Polizei und Forschung haben wir bald ein wissenschaftlich validiertes, polizeirelevantes Verfahren, das auch kostenfrei anderen Polizeibeh\u00f6rden zur Verf\u00fcgung gestellt werden soll.<\/p>\n<p><strong>Immer mehr Menschen laufen wegen der Corona-Pandemie mit einer Gesichtsmaske herum. Erschwert das die Arbeit der Super-Recognizer oder reicht die obere Gesichtspartie v\u00f6llig aus, um sich jemand gut zu merken?<br \/>\n<\/strong>Das ist eine gute Frage! Ich habe schon viele Manuskripte, aber noch keine \u00abpeer-reviewed\u00bb Ver\u00f6ffentlichungen gesehen. Wir wissen einerseits, dass die Augenpartie i.A. einen wesentlichen Teil zur Wiedererkennung beitr\u00e4gt (nicht ohne Grund maskieren Batman oder Karnevalbesucherinnen und -besucher diesen Teil des Gesichts). Andererseits nehmen wir diese Partie nicht isoliert wahr &#8211; die Informationen des gesamten Gesichts beeinflussen die Wahrnehmung der Augenpartie. Daher w\u00fcrde es mich nicht erstaunen, wenn das Maskentragen die Wiedererkennung erschweren w\u00fcrde. Da vor allem die Wiedererkennung nur kurz gesehener, relativ unbekannter Personen sehr fehleranf\u00e4llig ist, k\u00f6nnte ich mir vorstellen, an Menschen, die ich mit Maske kennen gelernt habe, ohne zu gr\u00fcssen vorbei zu laufen.<\/p>\n<p><strong>Wie sieht die Zukunft Ihres Forschungsfelds aus? Werden Super-Recognizer eines Tages von Maschinen ersetzt oder ist die James-Bond-Technologie noch in weiter Ferne?<br \/>\n<\/strong>Ich glaube nicht, dass die Maschinen Menschen in naher Zukunft ersetzen werden k\u00f6nnen. Einerseits bringen automatisierte Verfahren Datenschutzbedenken mit sich, die bei der menschlichen Erkennung vergleichsweise gering sind: die Wiedererkennung gesuchter Personen durch die Polizei ist einfach Bestandteil ihrer Arbeit. Andererseits gibt es so viele Aspekte, in Bezug auf die Menschen Algorithmen noch immer weit \u00fcberlegen sind. Mein Eindruck ist interessanterweise, dass gerade Computerwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler auch diese Position vertreten. Fragen Sie sie am besten in n\u00e4chsten Interview!<\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<p><span style=\"color: #ff6600;\">__________<\/span><\/p>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www3.unifr.ch\/psycho\/de\/departement\/mitarbeitende\/dept\/people\/185474\/78b81\">Webseite<\/a> von Meike Ramon<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/p3.snf.ch\/Project-179872\">SNF-Projekt<\/a> \u00abMechanisms of superior face recognition\u00bb<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.snf.ch\/de\/foerderung\/karrieren\/PRIMA\/Seiten\/default.aspx\">Informationen<\/a> zum F\u00f6rderungsinstrument PRIMA<\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n<div class=\"clear\" style=\"height:20px\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn sie auf dem Revier auftaucht, freut sich die Polizei! Meike Ramon forscht am Departement f\u00fcr Psychologie und wird von Beh\u00f6rden gerne als Beraterin hinzugezogen. 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Wir interessieren<\/p>\n","protected":false},"author":48,"featured_media":11426,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":true,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[80,75],"tags":[249,623,292,323,130,503,117],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11424"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11424"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11424\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11438,"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11424\/revisions\/11438"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11426"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11424"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11424"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unifr.ch\/alma-georges\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11424"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}