| Liebe Kandidatinnen und Kandidaten
Es ist ein offenes Wort zu den Angeboten kommerziell orientierter
Trainingsanbieter notwendig. Die sich verschärfende Konkurrenzsituation
um die Studienplätze wird von einigen Anbietern sehr aggressiv
dazu ausgenutzt, Angst zu schüren, dass man nur mit Hilfe dieser
Trainingskurse einen Studienplatz erhalten kann. Das Wort "aggressiv"
ist dabei durchaus nicht übertrieben - finden sich doch Unwahrheiten
ebenso wie direkte persönliche Diffamierungen auf einzelnen
WEB-Seiten. Sie sollten sich also erst gründlich informieren, bevor Sie Verpflichtungen eingehen.
Natürlich sind nicht alle Anbieter gleich und nicht jede Bezahlung
für Hilfe bei der Vorbereitung (etwa ein organisierter Probelauf, betreute Selbststudien, andere Unterstützungen der Vorbereitung)
stellt gleich ein Problem dar. Es sind einige wenige Anbieter, auf die sich immer wieder die Kritiken beziehen.
Es sind vor allem die vorgebrachten
Argumente, wie man den Sinn und die Notwendigkeit des Besuches solcher
Kurse begründet, hinsichtlich derer sich die Anbieter unterscheiden.
Es bleibt Tradition des ZTD, keine Anbieter konkret zu benennen. Wir
halten Sie für kompetent, die Argumente der Trainingsanbieter
selber dahingehend zu prüfen, ob solche problematischen Argumente
gebraucht werden und dann die richtigen Schlussfolgerungen für
die eigene Auseinandersetzung zu ziehen. Es ist Ihre Entscheidung,
ob Sie solche Kurse besuchen, niemand will Ihnen das verbieten.
Ihre Sorgen vor der Prüfung sind verständlich und machen
Sie auch empfänglicher für Versprechungen,
Ihnen bei der Testvorbereitung zu helfen. Niemand sollte mit diesen
Ängsten Geschäfte machen können. Deshalb sehen wir
es auch als unsere Pflicht an, Ihnen einige Argumente zu liefern,
die einige Trainingsanbieter gern verschweigen. Bilden Sie sich
daraufhin selbst eine Meinung.
Auf einzelnen WEB-Seiten finden sich vor allem diese eindeutig
falschen Behauptungen in verschiedenen Nuancen:
1. Offizielle Stellen
hätten etwas dagegen, wenn man sich auf den Test vorbereitet,
weil der angeblich nur bei unvorbereiteten Kandidaten funktionieren
würde. Man solle sich gar nicht vorbereiten oder alle müssten
gleich vorbereitet sein.
2. Das "Training" wäre einer
selbständigen Vorbereitung oder einer Vorbereitung in Gruppen
überlegen.
3. Jede/r könne durch das "Training"
einen Studienplatz erhalten, wenn man nur genau genug den Anweisungen
im Kurs folgen würde.
Zu 1. Haben wir etwas dagegen, dass
Sie sich vorbereiten?
Wir wissen nicht, wo dieses Argument herkommt - widerspricht es
doch voll der Realität. Vom ersten Jahr an wurde die Test
Info herausgegeben, damit man sich gut vorbereiten kann. Es gibt
veröffentlichte Originalversionen in jeder Sprache zum Üben.
Seit 2003 wurden drei Vorbereitungsreports geschrieben, um
aus Befragungsdaten der Teilnehmer Hinweise auf eine optimale
Vorbereitung für die Nachfolgenden zu geben.
Unvorbereitete Kandidaten haben schlechtere Ergebnisse.
Der Grad der Vorbereitung ist ein Ausdruck dafür, wie viel man unternimmt,
um sein Berufsziel zu erreichen und sagt daher auch etwas über
die Motivation aus. Darauf bezogene Unterschiede in der Leistung
sind also überhaupt keine "Störgrössen",
sondern gewollt: Diese Personen werden auch im Studium bereit sein,
mehr Zeit und Energie aufzuwenden. "Je mehr, desto besser" gilt dabei
aber nicht, wie die Vorbereitungsreports zeigen.
Es müssen auch nicht alle Personen gleich vorbereitet sein, unvorbereitete Kandidaten erreichen ihr Leistungsoptimum vielleicht deshalb nicht, weil sie nicht genügend motiviert waren.
Noch in keinem Jahr haben sich alle Personen gleich vorbereitet. Alle seriösen Evaluationen
haben gezeigt: Der Test "funktioniert" unter diesen Bedingungen
sehr gut.
Zu 2. Ist das kommerzielle Training
anderen Vorbereitungsarten überlegen?
Alle wissenschaftlichen Ergebnisse sprechen klar gegen eine Notwendigkeit
von speziellem "Training": Es konnte in zwei Studien bereits in
Deutschland wissenschaftlich abgesichert werden, dass durch eine
selbständige, gezielte Vorbereitung auf den TMS, anhand der
kostenlos abgegebenen Test-Broschüre und einer veröffentlichten
Originalversion, ebensolche Leistungen erreicht werden können,
wie sie durch Nutzung zusätzlicher Trainingskurse erzielt werden
(zu Details vgl. Beitrag von Hofer u.a. im Bericht 3 des ZTD, 1997).
Ohne Vorbereitung und eigene Übung sind die Leistungen allerdings
nachweislich schlechter. Seitens der Trainingsanbieter ist man eine
wissenschaftlich fundierte und objektive Wirksamkeitsprüfung
ihrer Angebote bisher schuldig geblieben. "Leserbriefe" und Erfolgsbehauptungen
ersetzen keine objektive Evaluation.
In allen drei bisherigen Befragungen zur Vorbereitung in der Schweiz
hat sich das Ergebnis klar und nahezu identisch bestätigt:
Die Teilnehmer kommerzieller Kurse haben einen deutlich grösseren
Zeit-Aufwand, erzielen aber ganz klar keine besseren Ergebnisse
als Personen, die sich selbständig oder gemeinsam vorbereiten.
Statistisch gesehen ist im Verhältnis zum Einfluss der Maturitätsnoten der
Einfluss der Vorbereitung wesentlich geringer. Man kann durch Vorbereitung
sein optimales Leistungsniveau erreichen - nicht mehr, aber auch
nicht weniger.
Zu 3. Können die Trainingsanbieter
wirklich das Wunder vollbringen, dass jede/r einen Studienplatz
erreicht?
Eine Unschärfe gilt es auszuräumen: Den Unterschied zwischen
"Vorbereitung" und "Training". Setzt man beide
Worte wirklich gleich und versteht darunter das, was wir mit "Vorbereitung"
meinen, könnte man dazu auch "Training" sagen.
Der Begriff "Training" wird aber häufig anders gebraucht:
Es werden auch "Erfolgsgarantien"
suggeriert, dass man mit Hilfe des Trainings einen Studienplatz erhält, wenn man nur fleissig genug übt ("Mit uns gehören Sie zu den Erfolgreichen"). Das ist ein gefährlicher Trugschluss.
Durch die Verschärfung des Numerus Clausus ist man da zwar vorsichtiger
geworden, denn auch Teilnehmer kommerzieller Trainingskurse erhalten
nicht immer einen Studienplatz. Die Befragungen ergaben: Im Jahre
2003 haben jeweils 25% bei selbständiger Vorbereitung, 17%
bei gemeinsamer nichtkommerzieller Vorbereitung und 27% bei kommerzieller
Vorbereitung das Zulassungskriterium nicht erreicht. Im Jahre 2004
haben jeweils 39% bei selbständiger, 36% bei gemeinsamer nichtkommerzieller
und 38% bei kommerzieller Vorbereitung das Zulassungskriterium nicht
erreicht (Zulassungskriterium als genau kapazitätsentsprechender
kleinster Testwert).
Deshalb noch einmal präzise formuliert: Der Test ist nicht trainierbar in
dem Sinne, dass beliebige Verbesserungen erzielbar sind. Das sieht
man auch darin, dass Maturitätsnoten statistisch gesehen einen viel grösseren
Einfluss haben als die Vorbereitung. Man kann, wie schon gesagt, durch
entsprechende Vorbereitung sein optimales Leistungsniveau im Test
erreichen - aber auch nicht mehr. Wenn man ein gewisses Mass an Vorbereitung investiert hat, lässt
sich die Leistung nachweislich kaum noch steigern. Dies meinen wir
damit, dass der EMS nicht wirklich trainierbar ist. Ursache ist,
dass kein Wissen abgefragt wird, sondern es sich um einen Fähigkeitstest
handelt.
Probleme von Trainingskursen
Die Originalaufgaben des EMS wurden von einem Gremium aus Fachleuten
mit einer sehr hohen Unterrichtserfahrung an Gymnasien oder Universitäten
entworfen und in aufwändigen Revisionsprozessen bis zur Endform
gebracht. Alle neuen Aufgaben wurden dann an vorhandenen Aufgaben
geeicht, um über die Jahre hinweg eine vergleichbare Testschwierigkeit
und -qualität zu erhalten. Sie wurden als Einstreuaufgaben
vor dem ersten Einsatz bereits erprobt.
Für den EMS werden in jedem Jahr neue Aufgaben verwendet.
Sie sind vorher nicht öffentlich bekannt. Es wird durch verschiedene
Massnahmen dafür gesorgt, dass die Tests auch nach ihrem Einsatz
nicht bekannt werden. Einige Aufgaben sind in der im Buchhandel
erhältlichen Originalversion veröffentlicht, einige weitere
in der "Test Info".
Es können Ihnen in Trainingskursen definitiv nicht die unveröffentlichten
Originalaufgaben vorgelegt werden, obschon nach unseren Informationen
manchmal der Eindruck erweckt wird oder sogar gezielt damit geworben wird, dass man "Originalaufgaben"
habe. Es ist sogar vorgekommen, dass Aufgaben aus der Test Info vorab als "Original Aufgaben" angeboten worden sind. Die meisten Aufgaben wurden den Originalaufgaben daher nachempfunden.
Entweder man orientierte sich an den veröffentlichten Aufgaben
oder verliess sich darauf, was Teilnehmer
nach der Testabnahme aus dem Gedächtnis aufschreiben
konnten (man möge einmal eine Aufgabe vom "Textverständnis"
oder einem anderen schwierigen Untertest auswendig lernen und dann
nach einiger Zeit aus der Erinnerung aufschreiben, wenn man wissen will, ob man so Aufgaben rekonstruieren kann). Beispielsweise
wurde 2005 nach dem ersten Einsatz von "Planen und Organisieren"
von einem Anbieter eine Belohnung öffentlich im Internet für
alle Hinweise zu den verwendeten Aufgaben ausgeschrieben.
Darunter hat die Qualität vieler nachempfundener Aufgaben natürlich gelitten
- sie sind auch nie "geeicht", d.h. unter Ernstfallbedingungen
empirisch überprüft worden. Den Aufgaben fehlt vor allem
die aufwendige wissenschaftliche Überprüfung und Revision,
denen die tatsächlich verwendeten Testaufgaben unterzogen wurden.
Sogar der Testentwickler, das ITB in Bonn rechnete damit,
dass 50% der bei ihnen sehr sorgfältig konstruierten Aufgaben
nach der ersten empirischen Prüfung dann doch nicht verwendbar
waren. Es ist schwer vorstellbar, dass die Erfolgsquote der Trainingsanbieter
höher liegt.
Um das Problem zu verdeutlichen, was auch dem ZTD dadurch entstehen
kann, sei eine objektive Quelle zitiert, in welcher sogar der EMS
fälschlich in Misskredit gezogen wurde. Das ZTD erhielt am
19.7.04 die nachfolgende Kritik eines Gymnasiallehrers aus Zürich
per E-Mail:
Bei einer Nachhilfeschülerin, die sich auf den EMS vorbereitete, sah ich einen alten Test oder einen Vorbereitungstest, ich weiss nicht genau. Jedenfalls fiel mir auf, dass viele Fragen fachlich nicht über jeden Zweifel erhaben sind. Nur ein Beispiel: Oft werden Konzentrationen von chemischen Lösungen angegeben. Nie aber ist präzisiert, ob das Volumen- oder Massenprozente sind. Oft muss sich der Kandidat/die Kandidatin fragen, wie eine Aufgabe wohl gemeint ist, welche Annahmen getroffen werden sollen, was man vernachlässigen darf, was nicht. So gerät das Lösen zu einer vagen Arbeit, die erst noch unter grossem Zeitdruck erledigt werden muss. Ich schlage vor, dass die Testaufgaben vor der Durchführung entsprechenden Fachexperten (Physikern, Mathematikern etc.) vorgelegt werden zur kritischen Begutachtung. Sonst besteht die Gefahr, dass wir Ärzte kriegen, die oberflächlich denken. Leute, die den Problemen auf den Grund gehen (die die Probleme überhaupt bemerken!), stolpern im EMS ständig über zeitraubende Ungereimtheiten!
Diese Kritik überraschte uns natürlich ziemlich und wir fragten daher nach, welche Aufgaben damit konkret gemeint sind. Am 22.8.04 erhielten wir dann eine Email, in welcher sich der Sachverhalt aufklärte:
Ich habe von meiner Nachhilfeschülerin nun deren Quellen für die Vorbereitung auf EMS noch mal angefordert - und es ist genau so, wie Sie schreiben: Ein zwar professionell ausschauender Verlag (…) publiziert zum (kleinen) Teil zweifelhafte Aufgaben, die manchmal aus alten TMS stammen (abgewandelt). Die Lösungshinweise ziehen hie und da eigenartige Rezepte bei. Daneben gibt es noch um Einiges schlimmere Druckerzeugnisse, deren Herkunft unklar ist (zum Teil von EMS-Absolventen aus dem Gedächtnis oder während des Tests aufgeschrieben) Also gehe ich davon aus, dass die originalen EMS-Aufgaben von hoher Qualität sind und ziehe meinen Vorwurf ans ZTD zurück!
Diese Kritik bezieht sich nicht nur auf einen einzelnen Anbieter,
sondern ist genereller gemeint und beschreibt quasi die "Marktsituation". Es ist leider auch keine Ausnahme. Im April 2006 erreichte uns folgende Email:
Ich bin Maturand am Gymnasium N... und habe mich für das
Medizinstudium angemeldet. Kürzlich wurde
ein sogenannter Probelauf im Gymnasium K... ausgeschrieben, der heute
statt gefunden hat. Ich habe daran
teilgenommen und musste Folgendes feststellen: Die Aufgaben stammten von
einer kommerziellen Firma ("xxxxxxx").
Ich habe dabei gemerkt, dass diese Aufgaben nicht genau der Art von Aufgaben
aus der Test-Info 2006 entsprachen.
Zudem enthielt dieser Test z.T. unzumutbare Fehler (unlogische
Satzkonstruktionen, Kohärenz- und Stilistikfehler,
Druckfehler etc.). Ich gehe natürlich davon aus, dass im richtigen Test der Aufgabentyp demjenigen der Test-Info entsprechen wird...
In den Anfangsjahren des EMS hatten einige Anbieter sogar selbst
die Einsicht, bestimmte Druckerzeugnisse nicht mehr zu verwenden
oder zu vertreiben. Wir zitieren das Beispiel auch, um deutlich
zu machen, dass wir nicht die Verantwortung für das gesamte
auf dem Markt befindliche Material übernehmen können und auch keines empfehlen können.
In diesem Zusammenhang erhielten wir am 6.6.2006 das folgende Email:
Nun habe ich in den letzten Wochen und Monaten mich für den Test vorbereitet. Zuerst befasste ich mich intensiv mit der mitgegebenen Test-Info. Sobald ich mit diesen Aufgaben abgeschlossen hatte, widmete ich mich dem Übungsheft „Test für medizinische Studiengänge vom Hogrefe Verlag“. Sobald ich alle diese Aufgaben erfolgreich lösen konnte, entschloss ich mich das Buch „xxx“ vom xx Verlag zu kaufen. In der Test-Info wird immer auf die aktualisierte Originalversion 2 hingewiesen. Als ich das Vorwort im „xxx“ gelesen hatte, musste ich mit Erschrecken feststellen, dass die Aufgaben von der aktualisierten Originalversion 2 überhaupt nicht dem Schwierigkeitsgrad des wirklichen Tests entsprechen. (Zitat: Das Anspruchsniveau des EMS /TMS wurde gegenüber den Originalversionen kräftig erhöht.) Meiner Meinung nach entsprechen die Aufgaben der „Test-Info“ fast genau den Aufgaben der aktualisierten Originalversion 2 vom Schwierigkeitsgrad. Bitte um umgehende Benachrichtigung, ob die „aktualisierte Originalversion 2“ wirklich zu leicht ist als Vorbereitung für den Test.
Hier sieht man, wie mit unwahren Behauptungen die Kandidatinnen und Kandidaten massiv verunsichert werden. Die hervorgehobene Aussage entbehrt jeder Grundlage, der Absender hat richtig bemerkt, dass das Schwereniveau von Test Info und der empfohlenen Originalversion identisch sind - und beide entsprechen dem Niveau des verwendeten Originaltests (deswegen heisst die empfohlene Version eben auch "Aktualisierte Originalversion"). Wie oben schon gesagt, die Originalaufgaben sind den Trainern nicht bekannt. Hier wird also wieder nur spekuliert - vielleicht um den Buchabsatz weiter zu steigern.
Eine weitere Beschreibung ging am 27.11.2006 bei uns ein, aus der wir ebenfalls zitieren möchten. Wohlgemerkt: nicht alle Kursanbieter sind so, es handelt sich um ein Extrembeispiel, dort aber keinesfalls um eine Ausnahme. Es weist darauf hin, dass Sie genau prüfen müssen, welche vertraglichen Verpflichtungen Sie eingehen (Allgemeine Geschäftsbedingungen, das "Kleingedruckte"). Trotzdem kann es Ihnen passieren, dass Ihnen mehr als gewollt aufgeredet wird.
Als ich vor drei Jahren beschloss mich für das Medizinstudium anzumelden musste ich mich zwangsläufig auch mit dem Thema EMS auseinandersetzten. Dabei fand ich im Internet ein Buch mit Übungen welches ich bestellen wollte. Am gleichen Abend rief dann der Empfänger meines E-Mails an und wollte mir gleich den ganzen Kurs verkaufen. Ich teilte ihm mit, dass ich, da ich berufstätig bin, keine Zeit hätte eine Woche lang seinen Kurs zu besuchen. Er redete weiter über sein "super Kursmaterial" und beteuerte, dass in seinem Ordner nicht publizierte Übungen enthalten seien (...). Ich bestand darauf, dass ich einfach nur das Buch haben wolle und sonst nichts. Und er versprach, es auf die Post zu bringen.
3 Tage später. Nachts um 23.15 klingelt es an meiner Haustüre. Es war wieder der Herr aus XXX! Er sei gerade eben in der Schweiz und habe sich daher gedacht, dass er das Material gleich selber vorbei bringen wolle. Er drückte mir einen Ordner in die Finger und verabschiedete sich. Am nächsten Morgen hatte ich dann die Rechnung für seinen Kurs im Briefkasten. Er vermerkte noch darauf, dass ich mit der Entgegennahme des Ordners mich definitiv zum Kurs angemeldet habe und dass die Kursgebühren zwingend entrichtet werden müssen. Er drohte gleich mit "den besten Anwälten der Schweiz" usw.
Problematisch sind auch einige uns bekannte Trainingsstrategien,
die in den Kursen verwendet werden:
Immer wieder wird beispielsweise die "Ausschlussmethode" als ultimatives
Know-how der Trainingskurse angepriesen. Diese besteht darin, dass
man bei Multiple-Choice-Aufgaben die richtige Lösung auch durch
Ausschluss der falschen finden kann. Das ist erstens keine Neuigkeit
und steht auch in der "Test Info". Zweitens wird dies beispielsweise
in jeder Folge von "Wer wird Millionär?" mehrfach praktiziert
und ist eigentlich trivial. Drittens ist allerdings etwas Vorsicht
geboten: Nach unserem Eindruck ist in den veröffentlichten
Test-Aufgaben die Ausschlussmethode etwas häufiger anwendbar
als in den tatsächlich verwendeten. Das tut der Vorbereitung
im übrigen keinen Abbruch. Unser Vorschlag: Suchen Sie beim
Üben die "richtige" Lösung zuerst auf normalem Wege und
verwenden Sie dann zur Absicherung auch die Ausschlussmethode. So
üben Sie beide Strategien und beherrschen sie dann auch beim
richtigen Test.
Es ist auch darauf hinzuweisen, dass der EMS kein Wissenstest ist.
Es ist nicht notwendig, sich mit Fakten aus den Naturwissenschaften
"vollzustopfen". Die Aufgaben bestehen vielmehr darin, vorhandenes
Wissen in einem Diagramm, einem Text oder einer Tabelle zu erkennen und logisch
richtig damit zu operieren. Bei allen Aufgaben dieser Art wird sogar
sehr genau darauf geachtet, dass alle notwendigen Fakten in der
Aufgabe enthalten sind und noch kein spezielles Fachwissen vorausgesetzt wird.
Hin und wieder wird in der Polemik von Trainingsanbietern gern
auf imaginäre "Eigeninteressen" des ZTD oder anderer
offizieller Stellen hingewiesen, die es zu "durchschauen"
gelte. Welches Interesse sollten wir aber haben ausser demjenigen,
dass wir die Leistungsbesten finden mit der besten Aussicht auf
ein erfolgreiches Studium? Einmal ganz hart gesagt: Wir müssen
niemanden von irgendetwas überzeugen - es ist wie es ist. Leistungsunterschiede
aufgrund von Vorbereitungsunterschieden sind gewollt. Diese kommen
entweder aus Kursen oder man bereitet sich genauso gut selbst
erfolgreich vor. Letztendlich macht es aber keinen Unterschied,
wie man sein optimales Leistungsniveau erreicht.
Auch die jahre- oder sogar jahrzehntelange Erfahrung von Trainingsanbietern, mit der gern geworben wird, ist kein Qualitätsnachweis. Man kann auch viele Jahre die gleichen problematischen Angebote machen - solange sich immer wieder Personen finden, welche diese Angebote in Anspruch nehmen.
Was uns stört und warum wir dies alles schreiben: Einige Prämissen
bestimmter Trainingsanbieter stimmen nicht, es entstehen "Geschäfte" aufgrund
falscher Voraussetzungen, indem der Eindruck erweckt wird, man müsse solche Kurse besuchen. Die Polemik einiger Anbieter scheint
daher eine "Scheinpolemik" und soll offenbar davon
ablenken, dass einige Trainingsanbieter selber ein massives Eigeninteresse
haben: Müssen diese Sie doch davon überzeugen,
dass ein Besuch der kommerziellen Kurse sich lohnt oder gar unbedingt
notwendig ist (warum sonst sollten Sie sich nicht so wie empfohlen
vorbereiten?). Einige glauben dabei offenbar, dass dies am einfachsten
funktioniert, indem man die offiziellen Empfehlungen und Stellen
pauschal schlecht macht und eine Polemik bis zu persönlichen
Angriffen wählt - man sich dann selber als "Retter"
darstellen kann.
Wir sind aber - auch aus vielen Gesprächen mit Kandidatinnen
und Kandidaten - der festen Überzeugung, dass Sie in ihrer
Urteilsfähigkeit dabei stark unterschätzt werden.
Sie sollten auch darauf achten, ob und wie Sie zum Stillschweigen über die Kurse und deren Inhalte verpflichtet werden. Es scheint vorzukommen, dass dann sofort mit Anwälten gedroht wird oder anders eingeschüchtert wird. Sollten Qualitätsmängel evident sein, dürfen Sie auch darüber öffentlich reden - das können keine noch so ausgeklügelten "Geschäftsbedingungen" ausschliessen. Gute Kursanbieter sollten ein Interesse daran haben, dass über ihre Kurse auch öffentlich geredet werden darf.
Wie sollte man sich vorbereiten?
Die Vorbereitung und Übung sollte vier Punkte umfassen und ist in der "Test Info" näher erläutert, welche den Kandidatinnen und Kandidaten Ende März, also rechtzeitig vor dem Test, zugestellt wird.
- Die Test Info sollten Sie genau durcharbeiten. Dort sind alle notwendigen Hinweise zum Test und zur Testvorbereitung noch einmal ausführlich dargestellt. Sie erfahren etwas über die Art der einzelnen Aufgaben, machen sich mit den Instruktionen vertraut (damit im Test keine Zeit mehr damit verloren wird, diese zu lesen) und bekommen Tipps, wie die Aufgaben gelöst werden können. Auch der Ablauf des Tests wird genau dargestellt.
- In der Test Info sind erste Probeaufgaben, die Sie bearbeiten sollten, um dann Ihr Ergebnis mit den richtigen Lösungen zu vergleichen.
- Den Test "Konzentriertes und Sorgfältiges Arbeiten" sollten Sie mehrfach durchführen, um Ihr normales Arbeitstempo zu erreichen. Beachten Sie aber die Veränderungen bei diesem Test gegenüber der tatsächlich verwendeten Version, die in der Test Info erläutert sind.
- Es gibt in jeder Sprache eine empfohlene veröffentlichte Originalversion, die Sie sich z.B. im Buchhandel besorgen und unter realistischen Zeitbedingungen bearbeiten sollten. Auch dort sind die richtigen Lösungen angegeben. Sie sollten Ihre möglichen Fehler analysieren. Hier lohnt es sich, dies unter Anleitung zu tun. Viele Schulen organisieren die Probetest-Abnahmen als gemeinsame Übungen, in welchen beispielsweise die Zeiten genau angesagt und eingehalten werden. Sprechen Sie mit Ihren Lehrern, ob auch an Ihrer Schule (oder im Wohnort) eine solche Probetest-Abnahme organisiert werden kann.
Mit weiteren Fehlern und Unklarheiten professioneller Trainingsanbieter setzen wir uns im Dokument " Fiktionen und Fakten zum EMS " auseinander.
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