Qualitätssicherung in der Psychodiagnostik
Auf dem Gebiet der Psychologischen Diagnostik gibt es verschiedenste Konzepte und Ansätze, die Qualität zu sichern bzw. zu heben. Mit entsprechenden Qualitätsinitiativen soll auch eine Abgrenzung gegenüber einem unqualifizierten Einsatz von Testverfahren (der bis zur Scharlatanerie gehen kann) erreicht werden.
Die Qualität psychodiagnostischer Verfahren ist Auftraggebern von Psychodiagnostik und Diagnostizierten nicht immer leicht ersichtlich, weil häufig nur Ergebnisse der Verfahren bekannt gegeben werden und die Funktionsweise der Instrumente intransparent bleibt. Damit ist es den Beteiligten erschwert, professionell entwickelte Instrumente von solchen zu unterscheiden, welche die Gütekriterien psychodiagnostischer Verfahren nicht oder nur teilweise erfüllen. Nach mehreren Schätzungen der Berufsverbände werden nur etwa 20% aller psychodiagnostischen Untersuchungen von qualifizierten Personen mit geeigneten Instrumenten (also mit ausreichender Qualität) vorgenommen.
Weil solche Instrumente oft und zunehmend für Entscheidungen von hoher Tragweite eingesetzt werden (Zulassungsentscheidungen für Bildungswege, Entscheidungen über Stellenbesetzungen und Karriereplanungen, Tauglichkeitsentscheidungen für bestimmte Tätigkeiten; Feststellung von Erkrankungen und Störungen und Ableitung der richtigen Behandlungsmasnahmen), beginnt sich bei allen Beteiligten ein Qualitätsbewusstsein zu entwickeln. Für die Rechtmässigkeit dieser Entscheidungen ist es notwendig, dass die zugrundeliegenden Regeln sich nicht nur den Experten erschliessen, sondern auch allgemeinverständlich und nachvollziehbar sind. Dem steht entgegegen, dass solche verbindlichen Richtlinien auf Gesetzesebene fehlen und auch nicht in Sicht sind. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass allseits anerkannte Kriterien für Qualität fehlen - auch im Fach selbst über die Details notwendiger Mindeststandards noch diskutiert wird.
In den letzten Jahren hat es mehrere Versuche gegeben, Kriterien zu definieren und allgemeinverständlich darzustellen. Der Prozess der Konsensfindung ist noch nicht abgeschlossen. Angemerkt sei, dass man sich allerdings über die grundsätzlichen Anforderungen innerhalb der Psychologie seit langem einig ist. Diese gehören zum psychologischen Grundwissen und deren Einhaltung zu den berufsethischen Grundlagen psychologischer Tätigkeit. Der Diagnostik-Anbietermarkt ist aber nicht auf psychologische Fachpersonen begrenzt und vor allem ausserhalb der Psychologie liegende Widerstände verzögern die Konsensfindung. Man hat innerhalb der Psychologie erkannt, dass es nicht ausreicht, wenn diese Richtlinien nur für Fachleute verständlich sind. Deren Kenntnis ist auch für Auftraggeber und Diagnostizierte wichtig, um Fehlanwendungen psychologischer Verfahren zu erkennen bzw. geeignete Anbieter zu evaluieren. Denn letztendlich entscheiden vor allem die Auftraggeber in vielen Bereichen, welche Verfahren sich am Markt durchsetzen (z.B. Personaldiagnostik).