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HAMD Ÿ Hamilton Depression Scale
Übersicht
Das Verfahren
Die Hamilton Depression Scale (HAMD) stellt eine der am weitesten verbreiteten Fremdbeurteilungsskalen zur Einschätzung des Schweregrades einer diagnostizierten Depression dar. Die Gesamtskala besteht aus 21 Items, die sich auf Tagesschwankungen, Depersonalisation und Derealisation, paranoide Symptome und Zwangssymptome beziehen. Im einzelnen werden die folgenden depressionsrelevanten Bereiche beurteilt: depressive Stimmung, Schuldgefühle, Suizidalität, Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen, Schlafstörungen am Morgen, Arbeit und sonstige Tätigkeiten, depressive Hemmung, Erregung, psychische Angst, somatische Angst, gastrointestinale Symptome, allgemeine körperliche Symptome, Genitalsymptome, Hypochondrie, Gewichtsverlust, Krankheitseinsicht, Tagesschwankungen, Depersonalisation und Derealisation, paranoide Symptome, Zwangssymptome. Die Beurteilung der einzelnen Bereiche erfolgt 3- bzw. 5stufig. Für die einzelnen Antwortstufen sind Kurzbeschreibungen vorgegeben. Grundlage der Beurteilung ist ein Interview mit dem Patienten. Das Interview sollte etwa 30 Minuten dauern, wobei der Patient Gelegenheit haben sollte, alles zu sagen, was er möchte, ohne dass er unter Zeitdruck steht. Die Anzahl direkter oder stereotyper Fragen sollte auf ein Minimum begrenzt werden. Es ist oft hilfreich, eine eingehendere Befragung des Patienten und die Erfassung seiner Symptomatik auf ein zweites Interview zu verschieben. Dies ermöglicht es, eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen, in welcher der Patient leichter frei über seine Probleme spricht. Falls Zweifel an der Zuverlässigkeit der Angaben des Patienten bestehen, können auch zusätzliche Informationen von Verwandten, Freunden, Pflegepersonen u.a. herangezogen werden. Als zeitlicher Bezugsrahmen gelten die letzten Tage oder eine Woche vor dem Interview. Dabei wird in Kauf genommen, dass kleinere Veränderungen in der Symptomatik keine Berücksichtigung finden.Beschreibung der Skalen bzw. Merkmale
Populationsbezogen normiert; mit Items verknüpft Populationsbezogen normiert; errechnet abgeleiteter/errechneter Wert (x) Behandlung fehlender Werte:
(0) sie werden ignoriert
(1) Regression zur Antwortschätzung verwendet
(2) mittlere Antwortstufe wird verwendet
(3) definierte Punktzahl wird verwendet
Merkmale Standard HAMD17-Depressionswert (0)
Besondere Hinweise
Einsatzbereich
Die HAMD wird häufig eingesetzt, um den Verlauf der depressiven Störung unter Therapie zu beschreiben. Aufgrund des zeitlichen Bezugsrahmens ist eine Wiederholung der Beurteilung in kürzeren Abständen als einer Woche nicht sinnvoll. Bei der Wiederholungsuntersuchung sollte nicht gezielt nach Veränderungen gefragt werden, sondern es sollte in ähnlicher Form wie bei der Erstbeurteilung ein Bild der Symptomatik erhoben werden.
Normierung
Es liegen Vergleichswerte (Mittelwert und Standardabweichung) für neurotische Depressionen (N = 234), endogene Depressionen (N = 100), Involutionsdepressionen (N = 154) und bipolare Störungen, depressive Phase (N = 150) vor. Die Normwerte sind einer Erhebung von Beneke aus dem Jahre 1987 entnommen.
Norm Standard Baumann: Aufnahmebefund
Altersklassen Geschlechts- und Eingabemedium-unspezifisch von 18J bis 80J N = 197 Baumann: Befund bei Tag 10
Altersklassen Geschlechts- und Eingabemedium-unspezifisch von 18J bis 80J N = 194 Baumann: Befund bei Tag 20
Altersklassen Geschlechts- und Eingabemedium-unspezifisch von 18J bis 80J N = 163 Berrios et al.: Dysthymie
Altersklassen Geschlechts- und Eingabemedium-unspezifisch von 18J bis 80J N = 774 Berrios et al.: Major Depression
Altersklassen Geschlechts- und Eingabemedium-unspezifisch von 18J bis 80J N = 430
Gütekriterien
Reliabilität
Die Interraterübereinstimmung liegt im Bereich von r = .52 und R = .98. Die Interne Konsistenz der Faktoren liegt zwischen .73 und .91 in Abhängigkeit vom Zeitpunkt der Untersuchung (vor der Behandlung oder nach 10 bis 20 Tagen Therapie).
Validität
Die inhaltliche Validität der HAMD ist dadurch gegeben, dass die erfassten Symptome alle zum klinischen Bild der Depression gehören und dass sie aufgrund klinischer Erfahrung mit depressiven Patienten entwickelt wurde. Die kriterienorientierte Validität wurde nachgewiesen, so wurde z.B. eine Korrelation von r = .48 mit einer fünfstufigen Globalskala zur Beurteilung der Schwere der Depression sowie eine Korrelationen mit dem Beck Depressions-Inventar (BDI) von r = .37 ermittelt. Weitere Hinweise zur Validität stammen aus zahlreichen klinischen Studien mit Antidepressiva. Dabei wurden die Gesamtwerte im Verlauf der Behandlung niedriger und bildeten dadurch die Besserung der subjektiven Befindlichkeit des Patienten ab. Ähnliche Studien liegen auch für andere Therapieformen vor.
Bearbeitungsdauer
Testform Dauer ca. Itemzahl Standard 15.00 min 22
Besonderheiten der Computerfassung
Literaturangaben
CIPS (Hrsg.) (1996). Internationale Skalen für Psychiatrie (4., überarbeitete und erweiterte Auflage). Göttingen: Beltz Test GmbH.Hamilton, M. (1996). Hamilton Anxiety Scale (HAMA). In: CIPS (Hrsg.), Internationale Skalen für Psychiatrie. Göttingen: Beltz Test GmbH.
Hamilton, M. (1960). A Rating Scale for Depression. J. Neurol. Neurosurg. Psychiat. 23, 56-62.
Hamilton, M. (1967). Development of a rating scale for primary depressive illness. Brit. J. soc. clin. Psychol. 6, 278-296.