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IBES Ÿ Inventar berufsbezogener Einstellungen und Selbsteinschätzungen
Übersicht
Das Verfahren
Mit dem Inventar berufsbezogener Einstellungen und Selbsteinschätzungen (IBES) liegt erstmals in deutscher Sprache ein spezielles Persönlichkeitsverfahren vom Typus so genannter Integrity Tests vor, die sich in Nordamerika seit langem als eine der validesten Methoden zur Personalauswahl bewährt haben. Das IBES ist ein Selbstberichtsverfahren, das aus 115 Items in neun Subskalen besteht, die sich teils der einstellungs-, teils der eigenschaftsorientierten Variante von Integrity Tests zuordnen lassen. Zum ersten Teil gehören die Fassetten Vertrauen, Verbreitung unerwünschten Verhaltens, Nicht-Rationalisierung und Verhaltensabsichten, zum zweiten Teil Gelassenheit/Selbstwertgefühl, Zuverlässigkeit/Voraussicht, Vorsicht, Zurückhaltung und Konfliktmeidung. Für praktische Anwendungen wird jedoch empfohlen, in erster Linie auf den Gesamtwert zurückzugreifen, der nicht als Messwert für ein homogenes Konstrukt aufzufassen ist, sondern unterschiedliche Merkmale aufgrund ihrer Beziehung zum Kriterium kontraproduktiven bzw. abweichenden Verhaltens in Organisationen (z.B. Mitarbeiterdiebstahl, Absentismus, kollegenschädigendes Verhalten, Substanzmissbrauch) zusammenfasst.
Beschreibung der Skalen bzw. Merkmale
1. Einstellungsorientierter Teil (60 Items)
Dieser Teil setzt sich aus den Subskalen 1 bis 4 zusammen und entspricht in etwa dem, was in Integrity Tests von dem Typ gemessen wird, der sich wesentlich auf Einstellungen mit mehr oder weniger direktem Bezug zu kontraproduktivem Verhalten stützt. Für die Forschung zu Integrity Tests kann dies eine wichtige Information sein, in der Anwendung sollte auf die Interpretation in aller Regel verzichtet werden, da dieser Wert inhaltlich schlechter interpretierbar ist als die Subskalen und zur Verhaltensprognose weniger beiträgt als der Gesamtwert.
Subskala 1: Vertrauen (VT, 14 Items)
Menschen mit hoher Ausprägung bei diesem Merkmal vermuten bei anderen zunächst einmal gute Absichten. Sie geben anderen einen Vertrauensvorschuss bis zum Beweis des Gegenteils. Forschungen haben gezeigt, dass solche Personen oft selbst vertrauenswürdig sind. Auf der anderen Seite kann Misstrauen sowohl auf schlechten Erfahrungen beruhen als auch auf der Tendenz, von sich auf andere zu schließen.
Subskala 2: Geringe Verbreitung (unerwünschten Verhaltens) ( GV, 9 Items)
Hier geht es um die Überzeugung, wie stark die Verletzung allgemeiner Regeln und Normen im Berufsleben verbreitet ist. Die Werte sind so berechnet, dass Personen mit hoher Ausprägung dies für relativ selten halten. Die Forschung hat gezeigt, dass Menschen, die selbst oft gegen Regeln verstoßen, dies häufig für „normal“ halten und bei anderen ein ähnliches Verhalten vermuten.
Subskala 3: Nicht-Rationalisierung (NR, 19 Items)
Der psychologische Fachbegriff der Rationalisierung bezeichnet die Tendenz, „vernünftige“ Gründe für eigentlich unvernünftiges Verhalten zu suchen. Menschen, die gegen allgemeine Regeln verstoßen, neigen oft dazu, in den Umständen nach einer Ausrede oder Begründung zu suchen, warum diese Regeln ausgerechnet für sie nicht gelten sollen. Eine hohe Ausprägung in dieser Dimension bedeutet also, dass die Person für sich solche Ausreden nur selten akzeptiert.
Subskala 4: Verhaltensabsichten (VA, 18 Items)
Menschen beschäftigen sich häufig in ihren Gedanken mit bestimmten Verhaltensweisen oder bilden entsprechende Absichten, bevor sie das Verhalten tatsächlich zeigen. Das gilt auch für unerwünschtes oder normverletzendes Verhalten. Eine hohe Ausprägung in dieser Dimension misst das weitgehende Fehlen solcher Absichten und lässt damit auch für das spätere Verhalten eine geringere Wahrscheinlichkeit erwarten.
2. Eigenschaftsorientierter Teil (55 Items)
Dieser Teil setzt sich aus den Subskalen 5 bis 9 zusammen. Im Unterschied zu den einstellungsorientierten Skalen werden die Teilnehmer hier aufgefordert, Aussagen über ihre eigene Person zu treffen, jedoch meist ohne direkten Bezug zu kontraproduktivem oder normverletzendem Verhalten. Aus den gleichen Gründen wie beim einstellungsorientierten Teil ist eine eigenständige Interpretation für die Anwendung nicht zu empfehlen.
Subskala 5: Gelassenheit / Selbstwertgefühl (GS, 19 Items)
Personen mit hoher Ausprägung in diesem Merkmal lassen sich nicht leicht aus der Ruhe bringen, reagieren selten aggressiv und empfinden auch Misserfolge und Stress weniger belastend als andere. Forschungen haben gezeigt, dass diese Eigenschaften u.a. davor schützen, in Regelverstößen einen Ausgleich für empfundene Ungerechtigkeit zu suchen. Sie leisten außerdem einen Beitrag dazu, mit Stress, Konflikten und anderen Problemen bei der Arbeit konstruktiv umzugehen.
Subskala 6: Zuverlässigkeit / Voraussicht (ZV, 15 Items)
Hohe Ausprägungen in diesem Merkmal lassen erwarten, dass die Person planvoll und strukturiert an Aufgaben herangeht, einmal gemachte Zusagen einhält und ihre Impulse kontrolliert. Solche Menschen neigen selten zu unüberlegten Handlungen, wie sie der Verstoß gegen verbindliche Regeln meistens darstellt. Auch ihre allgemeine Arbeitsleistung ist oft überdurchschnittlich.
Subskala 7: Vorsicht (VO, 7 Items)
Menschen mit hoher Ausprägung auf dieser Dimension bevorzugen Sicherheit und Berechenbarkeit gegenüber Risiko und Aufregung. Personen mit geringer Ausprägung brauchen eine hohe Dosis an Abenteuer, um sich wohl zu fühlen. Manche suchen dieses Abenteuer in verbotenen Aktivitäten, weshalb das Merkmal mit schädigendem Verhalten in Verbindung steht. Zu viel Vorsicht kann andererseits zu mangelnder Entschlossenheit führen.
Subskala 8: Zurückhaltung (ZH, 7 Items)
Menschen mit hoher Ausprägung in diesem Merkmal beschreiben sich als ruhig, umgänglich und bescheiden, aber auch als manchmal ein wenig schüchtern. Sie kommen i.d.R. mit ihren Kollegen gut aus und neigen selten zu Aggression, ihre Leistungen werden aber nicht immer anerkannt und sie machen eher selten Karriere.
Subskala 9: Konfliktmeidung (KM, 7 Items)
Hier bedeuten hohe Ausprägungen, dass die Person Konflikten eher aus dem Weg geht bzw. eine harmonische Lösung von Problemen anstrebt. Solche Menschen ecken nicht an, machen sich selten unbeliebt und meiden Verhalten, das ihnen negativ ausgelegt werden könnte. Auf der anderen Seite vermissen Vorgesetzte an ihnen manchmal einen gewissen „Biss“ oder genügende Durchsetzungsfähigkeit.
3. Gesamtwert des IBES (115 Items)
Der Gesamtwert des IBES wird über alle nachstehend aufgeführten Subskalen aufsummiert. Er liefert in der Regel die entscheidende Aussage des Tests, indem darin alle Werte in einzelnen Merkmalen in entsprechender Gewichtung enthalten sind, die zur Prognose beruflichen Verhaltens und damit zur letztlichen Personalentscheidung beitragen können. Inhaltlich ist der Wert jedoch schwer zu interpretieren, weil darin ganz unterschiedliche psychologische Merkmale zusammengefasst sind.
Populationsbezogen normiert; mit Items verknüpft Populationsbezogen normiert; errechnet abgeleiteter/errechneter Wert (x) Behandlung fehlender Werte:
(0) sie werden ignoriert
(1) Regression zur Antwortschätzung verwendet
(2) mittlere Antwortstufe wird verwendet
(3) definierte Punktzahl wird verwendet
Merkmale Standard IBES-Gesamtwert -
VT Vertrauen (0)
GV Geringe Verbreitung (0)
NR Nicht-Rationalisierung (0)
VA Verhaltensabsichten (0)
GS Gelassenheit / Selbstwertgefühl (0)
ZV Zuverlässigkeit / Voraussicht (0)
VO Vorsicht (0)
ZH Zurückhaltung (0)
KM Konfliktmeidung (0)
Besondere Hinweise
Einsatzbereich
Ab 16 Jahre. Berufseignungsdiagnostik und Forschung in Organisations- und Persönlichkeitspsychologie.
Normierung
Für den Gesamtwert und die einzelnen Skalen stehen einheitliche Normen zur Verfügung, die ausschließlich bei externen Bewerbern aus unterschiedlichen Branchen und Berufsgruppen erhoben wurden (N = 332).
Norm Standard Gesamtnorm
Altersklassen Geschlechts- und Eingabemedium-unspezifisch von 18J bis 40J N = 332
Gütekriterien
Reliabilität
Die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) liegt für den Gesamtwert in verschiedenen Stichproben zwischen .91 und .94, für die Subskalen im Mittel bei etwa .73. Die Retest-Reliabilität über einen Zeitraum von fünf Monaten liegt bei r = .89 für den Gesamtwert und zwischen r = .76 und .90 für die Subskalen.
Validität
In Übereinstimmung mit Befunden zu amerikanischen Integrity Tests korreliert der Gesamtwert des IBES substanziell (r > .40) mit den Dimensionen Emotionale Stabilität, Veträglichkeit und Gewissenhaftigkeit des Fünf-Faktoren-Modells der Persönlichkeit (gemessen mit dem NEO-PI-R). Ebenfalls erwartungskonform sind die Beziehungen zu Selbstkontrolle, sozialer Erwünschtheit und beruflichen Interessen sowie die weitgehende Unabhängigkeit von allgemeiner Intelligenz (r = .02 bis .07). Der Zusammenhang mit dem hauptsächlichen Zielkriterium kontraproduktiven bzw. devianten Verhaltens wurde in acht Stichproben mit zusammen mehr als N = 1.400 Teilnehmern untersucht. Alle Korrelationen mit dem IBES-Gesamtwert liegen zwischen r = .46 und .55. Ebenfalls mit großer Konsistenz korreliert das IBES mit fremdbeurteilten beruflichen und akademischen Leistungen sowie mit beruflicher Zufriedenheit.
Bearbeitungsdauer
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Testform Dauer ca. Itemzahl Standard 20.00 min 115
Besonderheiten der Computerfassung
Literaturangaben
Marcus, B. (2006). Inventar berufsbezogener Einstellungen und Selbsteinschätzungen (IBES). Göttingen: Hogrefe.