Hogrefe Testsystem 4
 
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STAI Ÿ State-Trait-Angstinventar


L. Laux, P. Glanzmann, P. Schaffner, C.D. Spielberger
Beltz Test GmbH, Göttingen

Übersicht

Das Verfahren

Dieses in den USA erfolgreich in Forschung und klinischer Praxis eingesetzte Verfahren basiert auf der Unterscheidung von Angst als Zustand und Angst als Eigenschaft. Das Trait-Modell der Angst, auf dem fast alle bisher entwickelten allgemeinen oder bereichsspezifischen Angstfragebogen beruhen, wurde bei der Konzeption des STAI um den Aspekt der Angst als vorübergehenden, emotionalen Zustand, der in seiner Intensität über Zeit und Situation variiert (State-Angst), erweitert. Angst als relativ überdauerndes Persönlichkeitsmerkmal (Trait-Angst, Ängstlichkeit) bezieht sich demgegenüber auf individuelle Unterschiede in der Neigung zu Angstreaktionen. Die zwei Skalen des STAI  dienen der Erfassung von Angst als Zustand (State-Angst) und Angst als Eigenschaft (Trait-Angst) und können je nach Fragestellung zusammen oder jede für sich eingesetzt werden.

Beschreibung der Skalen bzw. Merkmale

Die STATE-Angstskala des STAI besteht aus 20 Feststellungen, mit denen der Proband beschreiben soll, wie er sich jetzt, d.h. in diesem Moment fühlt. 10 Feststellungen sind in Richtung Angst formuliert ("Ich bin aufgeregt"; "Ich bin beunruhigt"), 10 andere in Richtung Angstfreiheit ("Ich bin entspannt"; "Ich fühle mich ausgeruht"). Die Beantwortung erfolgt auf einer vierstufigen Skala mit Intensitätsangaben: (1) überhaupt nicht, (2) ein wenig, (3) ziemlich, (4) sehr.

Die TRAIT-Angstskala des STAI stützt sich ebenfalls auf 20 Feststellungen, mit denen der Proband beschreiben soll, wie er sich im allgemeinen fühlt. 13 Feststellungen sind in Richtung Angst formuliert ("Ich glaube, dass mir meine Schwierigkeiten über den Kopf wachsen"; "Ich mache mir zu viele Gedanken über unwichtige Dinge"), sieben andere in Richtung Angstfreiheit ("Ich fühle mich geborgen"; "Ich bin ausgeglichen"). Die Beantwortung erfolgt auf einer vierstufigen Skala mit Häufigkeitsangaben: (1) fast nie, (2) manchmal, (3) oft, (4) fast immer.

Populationsbezogen normiert; mit Items verknüpft
Populationsbezogen normiert; errechnet
abgeleiteter/errechneter Wert
(x)Behandlung fehlender Werte:
(0) sie werden ignoriert
(1) Regression zur Antwortschätzung verwendet
(2) mittlere Antwortstufe wird verwendet
(3) definierte Punktzahl wird verwendet
Merkmale STAI X2 Trait
Eigenschaftsangst (trait) (1)

Einsatzbereich

Der STAI ist ab 15 Jahren geeignet. Er findet Einsatz im klinischen Bereich und in der experimentellen Angst- und Stressforschung.

Normierung

Es liegen T-, Stanine- und Prozentrang-Werte für die Trait-Angst (Altersstufen 15 bis 70 Jahre; 1107 Männer und 1278 Frauen) sowie Referenzwerte für studentische und für verschiedene klinische Gruppen vor.
Neben den Manualstichproben stehen als HTS-spezifische Normen die diagnosespezifischen Daten von Patienten eines psychosomatischen Zentrums zur Verfügung.

Norm STAI X2 Trait
Gesamtpopulation, geschlechtsspezifisch
Altersklassen Frauen Männer
Eingabemedium unspezifisch Eingabemedium unspezifisch
von 15J bis 70J N = 1278 N = 1107
Normalpopulation, alters- und geschlechtsspezifisch
Altersklassen Frauen Männer
Eingabemedium unspezifisch Eingabemedium unspezifisch
von 15J bis 29;11J N = 342 N = 244
bis 59;11J N = 748 N = 740
bis 70J N = 188 N = 123
PC: Patienten mit Alkoholabhängigkeitssyndrom (F10.2)
Altersklassen Geschlechts- und Eingabemedium-unspezifisch
von 19J bis 75;11J N = 145
PC: Patienten mit (rezidivierender) depressiver Episode (F32/F33), gesamt
Altersklassen Geschlechts- und Eingabemedium-unspezifisch
von 18J bis 77;11J N = 310
PC: Patienten mit (rezidivierender) depressiver Episode (F32/F33), geschlechtsspezifisch
Altersklassen Frauen Männer
Eingabemedium unspezifisch Eingabemedium unspezifisch
von 18J bis 77;11J N = 210 N = 100
PC: Patienten mit phobischer oder anderer Angststörung (F40/F41)
Altersklassen Geschlechts- und Eingabemedium-unspezifisch
von 17J bis 70;11J N = 138
PC: Patienten mit somatoformer Störung (F45)
Altersklassen Geschlechts- und Eingabemedium-unspezifisch
von 24J bis 69;11J N = 118
PC: Patienten mit Essstörung (F50)
Altersklassen Geschlechts- und Eingabemedium-unspezifisch
von 16J bis 51;11J N = 81
PC: Patienten mit emotional instabiler Persönlichkeitsstörung (F60.3)
Altersklassen Geschlechts- und Eingabemedium-unspezifisch
von 17J bis 56;11J N = 79

 

1. Patienten eines psychosomatischen Zentrums (diagnosespezifische Normen)

Datenquelle: Psychosomatisches Zentrum Waldviertel Eggenburg (AT); A. Remmel, U. Tran, T. Walter; 2007-2009

Beschreibung der Stichprobe:

Das Psychosomatische Zentrum Waldviertel Eggenburg ist eine Modellklinik mit angeschlossener Forschungseinrichtung. Insgesamt stehen zur Behandlung 100 Betten zur Verfügung, die zehn Units (Behandlungseinheiten) zugeordnet sind.  Jede Unit ist spezialisiert auf spezifische Störungsbilder:

A: Posttraumatische Belastungsstörung
B: Borderline-Störung
C: Essstörung
D: Sekundäre Abhängigkeitssyndrome
E: Stabilisierung/Motivation, Schmerzstörungen, Psychoonkologie
F: Angst/Panik
G: Adipositas, kardio-vaskuläre Erkrankungen
H: Depression
J: Somatisierungsstörung, Burnout/Depression
K: Soziale Phobie, generalisierte Angststörung

Die zur Verfügung gestellte Gesamtstichprobe setzt sich aus den Patienten aller Units zusammen.

Den Patienten wird im PSZW zu Beginn und am Ende (prä/post) des stationären Aufenthalts eine standardisierte Testbatterie vorgegeben, um die initiale Symptomatik zu erfassen und die therapeutischen Interventionen zu evaluieren. Die vorliegenden Normen basieren jeweils auf den Daten der Prämessung.

Um die individuellen Ergebnisse eines Teilnehmers bei der Testinterpretation mit typischen Störungsmustern vergleichen zu können, wurden diagnosespezifische Normen für sechs Patientengruppen berechnet. Für die Gruppe der Patienten mit einer depressiven Störung wurden zusätzlich geschlechtsspezifische Normen erstellt. In der Gruppe der Patienten mit einer Angststörung sowie in der Gruppe mit einer somatoformen Störung zeigten sich ebenfalls geschlechtsspezifische Unterschiede, die Stichproben waren jedoch zu klein, um geschlechtsspezifische Normen zu berechnen.

  N Geschlecht Alter in Jahren
Patienten mit ...   männlich weiblich Minimum Maximum Mittelwert Standardabw.
... Alkoholabhängigkeitssyndrom (F10.2) 145 94 (65%) 51 (35%) 19 75 46.7 10.5
... (rezidivierender) depressiver Episode (F32/F33) 310 100 (32%) 210 (68%) 18 77 47.3 11.5
... phobischer oder anderer Angststörung (F40/F41) 138 60 (43%) 78 (57%) 17 70 42.7 11.5
... somatoformer Störung (F45) 118 40 (34%) 78 (66%) 24 69 47.2 10.0
... Essstörung (F50) 81 8 (10%) 73 (90%) 16 51 27.1 8.2
... emotional instabiler Persönlichkeitsstörung (F60.3) 79 21 (27%) 58 (73%) 17 56 29.7 10.0
Geschlechtsspezifische Stichproben
... (rezidivierender) depressiver Episode (F32/F33), männlich 100 100 (100%) - 21 74 47.5 11.3
... (rezidivierender) depressiver Episode (F32/F33), weiblich 210 - 210 (100%) 18 77 47.2 11.6

 

Testwerteverteilung der diagnose- und geschlechtsspezifischen Normgruppen:

Eigenschaftsangst (Trait)

Patienten mit ...

Minimum Maximum Mittelwert Standardabw.
... Alkoholabhängigkeitssyndrom (F10.2) 21 75 45.1 13.4
... (rezidivierender) depressiver Episode (F32/F33) 25 79 55.3 12.4
... phobischer oder anderer Angststörung (F40/F41) 26 78 53.3 11.4
... somatoformer Störung (F45) 27 78 53.4 11.1
... Essstörung (F50) 26 75 55.8 13.4
... emotional instabiler Persönlichkeitsstörung (F60.3) 34 79 60.2 10.8
Geschlechtsspezifische Stichproben
... (rezidivierender) depressiver Episode (F32/F33), männlich 27 79 52.2 12.8
... (rezidivierender) depressiver Episode (F32/F33), weiblich 25 79 56.8 11.9

 

Gütekriterien

Reliabilität

Die innere Konsistenz beträgt r = .90 für beide Skalen. Die Retestreliabilitäten liegen bei der Trait-Angstskala (nach 63 Tagen) bei r = .77 bis r = .90; erwartungsgemäß niedriger liegen die Retestreliabilitäten für die State-Angstskala aus (r = .22 bis r = .53).

Validität

Die Korrelationen der Trait-Angstskala mit der Skala zur Messung Manifester Angst (MAS) von Lück und Timaeus liegen zwischen r = .73 und r = .90. Die kriterienbezogene Validität wurde durch Korrelation mit anderen Testskalen (u.a. FPI, EPI, EWL, BIV, Paranoid-Depressivitäts-Skala, Beschwerdenliste und verschiedenen subjektiven Stress-Skalen) ermittelt.

Bearbeitungsdauer

Testform Dauer ca. Itemzahl
STAI X1 State 15.00 min 20
STAI X2 Trait 15.00 min 20
Zeiten sind "Bruttozeiten" von Start bis Ende der Testbearbeitung (z.B. inklusive Instruktion).

Literaturangaben

Kendall, P.C., Finch, A.J., Auerbach, S.M., Hooke, J.F. & Mikulka, P.J: (1976). The State-Trait Anxiety Inventory: A systematic evaluation. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 44, 406-412.

Laux, L., Glanzmann, P., Schaffner, P. & Spielberger, C.D. (1981). Das State-Trait-Angstinventar. Theoretische Grundlagen und Handanweisung. Weinheim: Beltz Test GmbH.

Spielberger, C.D. (1980). Stress und Angst. Weinheim: Beltz.

Spielberger, , C.D., Gorsuch, R.L. & Lushene, R.E. (1970). Manual for the State-Trait Anxiety Inventory. Palo Alto, Ca.: Consulting Psychologists Press.

Vagg, P.R., Spielberger, C.D. & O`Hearn, T.P. (1980). Is the State-Trait Anxiety Inventory multidimensional? Journal of Personality and Inpidual Difference, 22, 28-33.