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Tagung zum Europarecht
"Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte und die Entwicklung eines europäischen Verfassungsrechts"

9. Mai 2000

Festvortrag von Prof. Dr. Luzius Wildhaber, Präsident des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte

Der neue, vollamtliche Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ist, so wie ich die Sache sehe, ein unausweichlicher Bestandteil der gesamteuropäischen Landschaft des 21. Jahrhunderts. 41 Staaten Europas gehören ihm an und unterstellen somit ihre Verpflichtung auf Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit einer unparteiischen gerichtlichen Kontrolle. Wer darin nur einen Verlust an Souveränität erblicken kann, der sieht nur in die Vergangenheit und dem fehlt der Blick in die Zukunft. Nicht die Verlustseite ist zu betonen, sondern in der Waagschale überwiegt der Gewinn, ein Europa des Friedens und der Freiheit, der Offenheit und der Toleranz anstreben zu dürfen.

Wenn ich es so formuliere, so ist damit gesagt, daß die Europäische Union der heute 15 Staaten nur eine Art von Europa darstellt, daß es aber im ideellen, politischen und konzeptionellen Bereich ein darüber hinaus reichendes, größeres Europa gibt, das es mit zu bedenken und zu integrieren gilt. Ob das räumlich konzentriertere, vorrangig wirtschaftliche EU-Europa mit dem größeren EMRK?Europa deckungsgleich werden wird, das wird die Zukunft weisen. Und dazu möchte ich Einstein zitieren, der bemerkt hat: "Ich denke nie an die Zukunft - sie kommt rasch genug."

Der neue Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, der die Aufgaben der früheren Kommission und des früheren Gerichtshofs übernommen hat, hat seine Tätigkeit am 1. November 1998 aufgenommen. Mit Ausnahme weniger Restbestände der alten Sowjetunion (Belarus, Armenien und Azerbaïdjan) und ex-Jugoslawiens (Serbien, Montenegro, Bosnien und Herzegovina) gehören sämtliche europäischen Staaten diesem einzigartigen und einzigartig effektiven System an, welches von Reykjavik bis nach Vladivostok, von Diyarbakir bis nach Malta betroffenen Einzelpersonen gestattet, den Staat, dessen Gebietshoheit sie unterstellt sind, zur Rechenschaft zu ziehen.

Damit sind eigentlich auch schon unsere beiden Hauptprobleme umschrieben. Das eine ist es, die seit 1989 neu aufgenommenen Staaten in einen gemeinsamen europäischen Menschenrechtsraum einzufügen, die Gemeinsamkeit der Wertvorstellungen zu fördern, für Demokratie und Rechtstaatlichkeit und gegen Willkür einzutreten. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs sind 17 zentral- und osteuropäische Staaten zur EMRK dazugekommen. In diesem Jahr sollen noch Armenien und Azerbaïdjan in den Europarat aufgenommen werden. Da die Türkei sich erst 1987 der Individualbeschwerde und erst 1990 der obligatorischen Zuständigkeit des Gerichtshofs unterstellt hat, kann man in einem gewissen Sinn auch die Türkei zu den neuen Staaten rechnen. Für das Jahr 1999 zeigen die Statistiken, dass 30 % aller registrierten Beschwerden aus den gennanten 17 zentral- und osteuropäischen Staaten stammten, 19% aus der Türkei, was umgekehrt bedeutet, dass 51% aller Beschwerden aus den 23 anderen westeuropäischen Staaten kamen.

Unser Gerichtshof hat auf diese Zunahme der Mitgliedstaaten so reagiert, wie man es im Grunde erwarten konnte und durfte. Meiner Ansicht nach war das Leitmotiv der letzten eineinhalb Jahre dasjenige der Kontinuität. Der Gerichtshof hat in seiner Rechtssprechung die bestehenden Fälle befolgt und hat dabei die Standards nicht gesenkt, sondern hat sie vielmehr nach verschiedener Hinsicht angehoben, beispielsweise in den Fällen Selmouni (28.7.1999), Matthews (18.2.1999), Lustig-Prean (27.9.1999) oder Immobiliare Saffi (28.7.1999), die ich gleich noch eingehender erörtern werde. Der Gerichtshof hat somit das gemacht, was ein internationales quasi-Verfassungsgericht wie unseres auf jeden Fall machen müsste : Es hat die Verbindlichkeit gerichtlicher Präjudizien anerkannt, außer in jenen Fällen, wo es glaubte, aus gewichtigen Gründen die Auslegung der Konvention der Entwicklung der Gesellschaft und den heutigen Bedingungen anpassen zu sollen. Davon abgesehen anerkannte es - jedenfalls implizit - daß Präjudizienbindung im Interesse rechtlicher Sicherheit und einer kohärenten Entwicklung der Rechtssprechung liege. Dem könnte man noch beifügen, daß es auch ein Gebot der Rechtsgleichheit, des Rechtsstaats und der Gewaltenteilung ist, aller Regel nach Präjudizien zu befolgen.

Wenn ich die Aufgaben unseres Gerichtshofs so umschreibe, gehe ich offensichtlich von einer bestimmten Vorstellung der Rolle des europäischen Quasi-Verfassungsrichters aus. Zweifellos wirkt unser Gericht rechtsschöpferisch. Sonst könnte es seiner Aufgabe überhaupt nicht nachkommen. Wie soll man Konventionsgarantien wie Folterverbot, Waffengleichheit, Meinungsfreiheit und Privat- und Familienleben deuten, wenn man mit Montesquieu den Richter nur als Sprachrohr des Gesetzes sehen will ? Aber das heisst noch lange nicht, dass ein Richter beliebig Recht setzen darf. Statt daß man versucht, auf möglichst viele offene Fragen möglichst viele Antworten zu geben, hat man somit als Richter das Recht, sogar die Verpflichtung, abzuwägen, zu zögern, sich schrittweise voranzutasten und sich selbst die Möglichkeit von Zweifeln zuzubilligen. Statt allzu generelle Antworten zu geben, hat man als Richter das Recht, ja sogar die Verpflichtung, sich nicht primär als Gesetzgeber zu sehen, was bekanntlich nicht unsere Rolle ist und auch nicht sein kann. Kurz gesagt sehe ich meine Aktivität als europäischer Richter also als realistisch, pragmatisch, evolutiv und induktiv.

Das andere Hauptproblem - neben der Integration der neuen Staaten - ist die Bewältigung der Beschwerdenflut. Ende April 2000 hatten wir beim Gerichtshof eine Gesamtzahl von 13770 hängigen und registrierten Beschwerden. Im Jahre 1993 wurden in Strassburg 2040 Beschwerden registriert, 1997 waren es 4750, 1999 waren es 8400, dieses Jahr werden es 10000 sein, wenn wir die Zahlen der ersten vier Monate auf das ganze Jahr umlegen. Dies bedeutet seit 7 Jahren eine Zunahme von knapp 500%.

Der Gerichtshof hat seine Arbeitsmethoden ständig verbessert und zugleich auch seine Produktivität. Aber erstens einmal ist für ein Gericht Produktivität nicht alles. Qualität ist mindestens so wichtig. Dazu kommt, dass wir wahrscheinlich bald einmal den Punkt erreicht haben werden, wo wir über die "Reform der Reform" nachdenken sollten. Unser Gerichtshof hat intern bereits begonnen, dazu Überlegungen anzustellen. An einer "Journée de réflexion" in Strassburg am 8. Juni werde ich wahrscheinlich erste Überlegungen dazu vortragen. Wir sollten beginnen, uns darauf einzustellen, vermehrt der Rolle eines künftigen europaïschen Verfassungsgerichts für Menschenrechte gerecht zu werden und zu versuchen, in "grossen" Entscheiden die tragenden Grundsätze der gemeinsamen europäischen Standards herauszuarbeiten, ohne in der Masse der Beschwerden unterzugehen.

Nun will ich einige Fälle aus der neueren Rechtsprechung vorstellen. Dabei mache ich Ihnen eine Konzession, die ich eigentlich als europäischer Richter nicht machen sollte. Ich beginne nämlich mit zwei jüngeren, die Schweiz betreffenden Fällen.

Im Fall Athanassoglou c. Schweiz (6.4.2000) war der Gerichtshof zum zweiten Mal innerhalb von vier Jahren mit der schweizerischen Atomenergie-Gesetzgebung befasst. Verschiedene Nachbarn des Kernkraftwerks Beznau II widersetzten sich der Verlängerung der Betriebsbewilligung durch den Bundesrat und verlangten insbesondere eine gerichtliche Beurteilung im Sinne von Art. 6 der Konvention. Diesselbe Rüge war im früheren Fall Balmer-Schafroth c. Schweiz (26.8.1997) in bezug auf das Kernkraftwerk Mühleberg erhoben worden. Im früheren Fall entschied der Gerichtshof 1997, dass die Verfahrensgarantien des Artikel 6 der Konvention nicht anwendbar seien, da die Beschwerdeführer den direkten Zusammenhang ("direct link") zwischen dem Betrieb des Kernkraftwerks und etwaigen gesundheitlichen Auswirkungen nicht belegt hatten.

Im Fall Athanassoglou wurden erneut gesundheitliche Risiken geltend gemacht. Der Gerichtshof verneinte wiederum eine Verletzung von Art. 6 der Konvention. Im vorliegenden Fall hätten nämlich die Beschwerdeführer nicht hinreichend belegt, dass das Kernkraftwerk Beznau II eine schwerwiegende, konkrete und unmittelbare Gefährdung für ihre Gesundheit oder für ihr Eigentum bedeutete. Wie die Beschwerdeführer selbst sagten, widersetzten sie sich vielmehr grundsätzlich der Verwendung der Atomenergie. Damit stand kein zivilrechtlicher Anspruch im Sinne von Art. 6 zur Diskussion, und diese Bestimmung war mithin nicht anwendbar. Die Verwendung der Atomenergie, so schloss das Urteil, beruhe letztlich für die Vertragsstaaten auf politischen Entscheidungen, die nicht durch Artikel 6, sondern im Rahmen demokratischer Prozesse von den hierfür berufenen politischen Instanzen zu treffen seien.

Im Fall Amann c. Schweiz (16.2.2000) hatte der Gerichtshof die von schweizerischen Polizei- und Strafbehörden angelegten "Fichen" auf ihre Übereinstimmung mit der Konvention zu überprüfen.

Der Beschwerdeführer handelte mit Haarentfernungsgeräten. 1981 rief eine Frau aus der damaligen sowjetischen Botschaft an und bestellte ein solches Gerät. Die Bundesanwaltschaft hörte dieses Telefongespräch ab. In der Folge wurde eine Fiche über den Beschwerdeführer angelegt, worin er als "Kontaktperson zur Russischen Botschaft" bezeichnet wurde. Der verwendete Code verwies auf das Stichwort "Spionage". Nachdem 1990 die Öffentlichkeit von diesen Fichen vernommen hatte, verlangte der Beschwerdeführer Schadenersatz. Dieser wurde ihm vom Bundesgericht verweigert, da es sich nicht um eine schwere Verletzung der Persönlichkeit gehandelt habe. In Strassburg beschwerte sich Amann über eine Verletzung seines Rechts auf Achtung der Privatsphäre gemäss Art. 8 der Konvention.

Der Gerichtshof überprüfte vor allem die gesetzliche Grundlage der Massnahmen. Die Bundesstrafprozessordnung in der damals geltenden Fassung nannte die Voraussetzungen für das Abhören von Telefongesprächen, beispielsweise dass ein Untersuchungsrichter die Massnahme anzuordnen hatte. Im Falle des Beschwerdeführers entsprach das Vorgehen der Behörden in keiner Weise diesen Vorschriften. Auch die Erstellung der Fiche sowie deren fortgesetzte Aufbewahrung waren gesetzlich nicht gedeckt, gab es doch keine Vorschrift, welche die Bundesanwaltschaft hierzu ermächtigte. Im Gegenteil, die Gesetzgebung sah sogar ausdrücklich vor, dass Aufzeichnungen von Telefongesprächen nach Abschluss der Untersuchung in der Regel zu vernichten waren.

Der Gerichtshof stellte eine doppelte Verletzung von Art. 8 der Konvention fest: Das Abhören des Telefongesprächs wie auch die Erstellung und Aufbewahrung der Fiche des Beschwerdeführers waren ohne ausreichende gesetzliche Grundlage erfolgt.

Natürlich könnte man beschönigend sagen, dass die Fichen auf die fünfziger Jahre und den Geist des Kalten Kriegs zurückgingen, und dass der Datenschutz damals - jedenfalls in der Schweiz - erst ansatzweise thematisiert war. Sicher war der Entscheid aber nicht nur vergangenheitsorientiert. Oft kommt solchen Entscheiden - im Gesamtbereich Grosseuropas - plötzlich wieder eine völlig neue und zukunftsweisende Bedeutung zu, was ich anhand des jüngsten Falles Rotaru c. Rumänien illustrieren möchte.

Im Falle Rotaru c. Rumänien (vom 4. Mai 2000) beklagte sich der Beschwerdeführer über eine Verletzung seiner Privatsphäre nach Art. 8. Der Rumänische Intelligenz-Dienst - als Nachfolger der früheren, berüchtigten Securidade - besass eine Fiche mit persönlichen Informationen über Aurel Rotaru, grösstenteils aus den Jahren 1946-1948. In einem Eintrag von 1937 stand, Rotaru sei als Student Mitglied eines Legionär-Typ-Vereins gewesen, d.h. einer rechtsextremen, nationalistischen, antisemitischen und paramilitärischen Bewegung. Der Betreffende war damals in Tat und Wahrheit knapp 16 Jahre alt. Dieser Eintrag von 1937 wurde bekannt infolge eines Briefes des Innenministeriums von Ende 1990. Das Bukarester Appellationsgericht erklärte den Eintrag 1997 für falsch und ungültig, ohne Schadenersatz zuzusprechen. In Rotarus Fiche steht der Eintrag aber offenbar weiterhin, währenddem das Urteil von 1997 in der Fiche nicht erwähnt ist. Ein Schadenersatzbegehren Rotarus gegen den Rumänischen Intelligenz-Dienst wurde 1994 abgewiesen. Die rumänische Rechtsordnung erlaubt es anscheinend nach wie vor nicht, gegen solche Datensammlungen gerichtlich vorzugehen, und gewährt weder Berichtigungs - noch Löschungsansprüche. Unser Gerichtshof stellte Verletzungen der Art. 6, 8 und 13 EMRK fest. Zu Art. 8 hielt er das Fehlen einer genügenden gesetzlichen Grundlage fest. Ich habe dem Urteil noch eine zustimmende Meinung beigefügt und habe erklärt, meiner Ansicht nach könne man sich zur Rechtfertigung von derart eklatanten Verletzungen der Privatsphäre nicht ganz generell auf die Staatssicherheit berufen. Zudem sei der Eingriff in einer demokratischen Gesellschaft keineswegs erforderlich gewesen.

Laissez-moi maintenant rendre hommage au bilinguisme de l'Université de Fribourg en continuant en français.

Dans l'affaire Brumarescu contre Roumanie (du 28 octobre 1999), la Cour a tout particulièrement souligné l'importance du principe de la prééminence du droit (" rule of law "). La maison de la famille Brumarescu avait été nationalisée après la prise de pouvoir communiste en 1948. En 1993, le requérant obtint un jugement définitif ordonnant que la maison lui fût restituée. Or, le procureur général de Roumanie saisit la Cour suprême de justice et réussit à faire pencher la majorité de cette juridiction en faveur de l'annulation de la décision de 1993, le requérant n'ayant pas été partie à cette procédure. Notre Cour a estimé qu'il y avait eu méconnaissance du principe du procès équitable garanti par l'article 6 de la Convention et violation du droit au respect des biens protégé par l'article 1 du Protocole n° 1. Certains commentateurs voient dans l'arrêt Rekvényi contre Hongrie (du 20 mai 1999) un arrêt spécifique au contexte de l'Europe orientale. Je dirai d'emblée que cette appréciation me paraît fausse. Dans cette affaire, la Cour était appelée à considérer une loi de 1993 modifiant la Constitution et selon laquelle les membres des forces de police se voyaient interdire de s'affilier à un parti politique et de se livrer à des activités politiques. Notre Cour a jugé ces mesures conformes à la Convention ; en effet, il se peut qu'au vu du passé communiste ou totalitaire d'un pays, il soit nécessaire, pour contribuer à la consolidation et au maintien de la démocratie, de restreindre la liberté politique des fonctionnaires qui représentent par excellence l'autorité de l'Etat, à savoir les policiers et les militaires. La Hongrie où, de 1949 à 1989, plus de 95 % des policiers étaient membres du parti communiste, n'a pas excédé la marge d'appréciation laissée à l'Etat en prenant des mesures particulières, au moins pendant une période transitoire, pour protéger ses structures démocratiques.

L'affaire Selmouni c. France (du 28 juillet 1999) avait trait aux mauvais traitements infligés par des policiers à un trafiquant de stupéfiants ayant la double nationalité néerlandaise et marocaine pendant sa garde à vue. On avait frappé l'intéressé avec une batte de base-ball et uriné sur lui. Six certificats médicaux attestaient qu'il présentait une quarantaine de blessures et d'hématomes sur tout le corps. La Cour a qualifié les faits de torture, précisant dans sa motivation qu'il y a quelques années, elle se serait sans doute contentée de parler de " traitement inhumain et dégradant ", mais que les normes en matière de protection des droits de l'homme étaient entre-temps devenues plus rigoureuses. Le passage pertinent de l'arrêt se lit ainsi :

" Compte tenu de ce que la Convention est un " instrument vivant à interpréter à la lumière des conditions de vie actuelles ", la Cour estime que certains actes autrefois qualifiés de " traitements inhumains et dégradants ", et non de " torture ", pourraient recevoir une qualification différente à l'avenir. La Cour estime en effet que le niveau d'exigence croissant en matière de protection des droits de l'homme et des libertés fondamentales implique, parallèlement et inéluctablement, une plus grande fermeté dans l'appréciation des atteintes aux valeurs fondamentales des sociétés démocratiques. " (arrêt du 28 juillet 1999, § 101).

Dans l'affaire Buscarini contre Saint-Marin (arrêt du 18 février 1999), les requérants, qui avaient été élus au Parlement de ce pays, durent prêter serment sur les Evangiles. Ils s'y refusèrent d'abord, mais finirent par prêter le serment prescrit, sous peine d'être déchus de leur mandat. Le Gouvernement fit valoir que la valeur religieuse du serment était aujourd'hui remplacée par la nécessité de protéger l'ordre public, à savoir la cohésion sociale et la confiance des citoyens dans leurs institutions traditionnelles. Vous ne serez guère surpris d'apprendre que la Cour a conclu qu'un serment de la sorte n'était pas nécessaire dans une société démocratique. Peut-être pourra-t-on regretter qu'elle n'ait pas répondu à l'argument du Gouvernement selon lequel pareil serment s'imposait eu égard aux impératifs de la cohésion sociale dans une démocratie. Personnellement, je ne crois pas que la Cour eût accueilli cet argument.

Dans l'affaire Lustig-Prean contre Royaume-Uni, une chambre de la Cour a estimé que l'exclusion totale des homosexuels de l'armée britannique (qui touchait également des personnes ayant des états de service exemplaires) constituait une atteinte au droit au respect de la vie privée. Eu égard à cette conclusion, elle n'a pas jugé nécessaire d'examiner aussi les faits sous l'angle de l'article 14 combiné avec l'article 8 de la Convention pour rechercher s'ils s'analysaient de surcroît en une discrimination. Là aussi, je vous lis un des passages décisifs de l'arrêt :

" La Cour estime également que l'Etat peut imposer des restrictions au droit d'un individu au respect de sa vie privée là où il existe une menace réelle pour l'efficacité opérationnelle des forces armées, le bon fonctionnement d'une armée ne se concevant guère sans des règles juridiques destinées à empêcher le personnel militaire de lui porter préjudice. Les autorités nationales ne peuvent toutefois pas s'appuyer sur de telles règles pour faire obstacle à l'exercice par les membres des forces armées de leur droit au respect de leur vie privée, lequel s'applique aux militaires comme aux autres personnes se trouvant sous la juridiction de l'Etat. En outre, les affirmations quant à l'existence d'un risque pour l'efficacité opérationnelle doivent être " étayées par des exemples concrets " " (l'arrêt est du 27 septembre 1999 ; je viens de citer le paragraphe 82).

L'affaire Immobiliare Saffi contre Italie (28.7.1999) concernait les griefs d'un bailleur qui, malgré quinze tentatives s'étendant sur plusieurs années, n'avait pas réussi à faire exécuter une ordonnance d'expulsion émise par un tribunal à l'encontre d'un locataire. Dans un premier temps, les autorités refusèrent de prêter leur concours, et par la suite le législateur lui?même fut à l'origine d'autres sursis à l'exécution. La Cour a confirmé sa jurisprudence selon laquelle le droit d'accès à un tribunal garanti par l'article 6 de la Convention oblige aussi l'Etat à faire appliquer des décisions de justice finales et exécutoires.

L'affaire Pellegrin c. France (arrêt du 8 décembre 1999) a donné à la Cour l'occasion de préciser dans quelle mesure l'article 6 de la Convention s'applique aux litiges opposant les fonctionnaires à l'Etat. La jurisprudence antérieure refusait d'appliquer cette disposition surtout lorsque les contestations concernaient essentiellement le recrutement, la carrière et la cessation d'activité des fonctionnaires, et disait à l'inverse que les prétentions principalement patrimoniales relevaient de l'article 6. La Cour se fonde maintenant sur le critère classique de la fonction publique et déclare en conséquence que là où l'Etat accomplit spécifiquement des actes de puissance publique, l'article 6 ne trouve pas à s'appliquer. En revanche, en cas de litiges en matière de pensions, il y a toujours lieu de prendre l'article 6 en considération.

L'affaire Matthews contre Royaume-Uni a sans doute donné lieu à l'un des arrêts les plus importants et les plus intéressants de l'année passée. L'arrêt est du 18 février 1999. Il s'agissait d'une ressortissante britannique résidant à Gibraltar qui, en application du droit communautaire, n'avait pas pu voter dans le cadre des élections au Parlement européen. Elle se plaignait d'une violation de son droit à participer à des élections libres au scrutin secret sur le choix du corps législatif, garanti par l'article 3 du Protocole n° 1. La Cour a déclaré le gouvernement britannique responsable, en ce qu'en vertu de l'article 1 de la Convention tous les Etats contractants ont l'obligation de reconnaître aux personnes relevant de leur juridiction les droits et libertés définis dans la Convention. La Cour a aussi estimé que le Parlement européen jouait un rôle assez important dans l'adoption de textes législatifs ayant un impact à Gibraltar pour que l'on puisse considérer qu'il constituait une partie du " corps législatif " de ce territoire. La Cour a ainsi constaté une violation de la Convention. Certes il demeure impossible de présenter une requête à Strasbourg contre l'Union européenne en tant que telle, car elle n'est pas partie à la Convention, mais les Etats contractants sont tenus de respecter les droits et libertés garantis par la Convention, même après avoir transféré certains pouvoirs souverains à des organisations supranationales.

Par ailleurs, la Cour a rendu une série d'arrêts importants sur la liberté d'expression et de la presse. Le tout premier a été celui dans l'affaire Fressoz et Roire contre France (du 21 janvier 1999) : les deux requérants avaient reproduit dans le célèbre hebdomadaire satirique Le Canard enchaîné des photocopies de l'avis d'imposition du directeur général de l'entreprise automobile Peugeot. Ils signalaient que le directeur général avait bénéficié d'une augmentation de salaire de 45 % en deux ans, alors que son personnel revendiquait des augmentations de salaires de 6 à 7 %. Les requérants ne s'étaient pas procuré eux?mêmes les documents, mais les avaient vraisemblablement obtenus à la suite d'une fuite au sein des services fiscaux compétents. Ils furent toutefois condamnés à des peines d'amende pour recel de photocopies obtenues au mépris du secret professionnel. En pareil cas, il n'appartient pas à la Cour de dire si elle approuve ou non ce type de journalisme ni s'il lui paraît judicieux du point de vue économique de procéder à une comparaison entre l'augmentation de salaire du directeur général et les revendications salariales du personnel. Elle doit rechercher si la question controversée a fait l'objet d'un débat public, s'il existait un intérêt suffisamment important qui primait sur le droit du public à recevoir des informations et, enfin, si les journalistes ont agi de bonne foi. Etant donné que dans le cas d'espèce les informations véhiculées par les photocopies n'étaient plus totalement secrètes, puisqu'elles pouvaient être consultées sur les listes publiques tenues par les services fiscaux dans la commune du contribuable, l'intérêt du directeur général de Peugeot à la confidentialité des informations ne pouvait l'emporter sur le droit du public à être informé. En outre, même si les journalistes n'ignoraient certainement pas l'origine douteuse des photocopies des avis d'imposition, la Cour a estimé qu'ils devaient avoir le droit de communiquer des informations sur des questions d'intérêt général, dès lors qu'ils s'exprimaient de bonne foi, sur la base de faits exacts et fournissaient des informations fiables et précises.

Dans treize affaires dans lesquelles elle a rendu ses arrêts le 8 juillet 1999, la Cour s'est penchée sur diverses formes de débat sur la question kurde en Turquie ; certaines concernaient la presse, des courriers de lecteurs à des journaux ou des interviews, d'autres la responsabilité d'éditeurs, des thèses historiques, des poèmes ou encore des travaux universitaires. Dans la plupart des affaires, la Cour a conclu, presqu'à l'unanimité, à des violations de la Convention. Le plus difficile pour les juges a été de se mettre d'accord sur le moment à partir duquel l'on pouvait légitimement réprimer les propos incitant à la haine ou à la violence. L'appréciation a certainement été influencée par le caractère fortement disproportionné des condamnations (dans la plupart des cas, des peines d'emprisonnement d'environ un an et demi assorties de lourdes amendes). Dans deux affaires, je me suis moi?même rallié à la minorité, en ce que j'aurais tenu compte de la réalité des termes extrêmement haineux employés dans un contexte de guerre civile. L'affaire Karatas, par exemple, concernait un recueil de poèmes. La majorité de la Cour a estimé que la poésie s'adressait à une minorité de lecteurs et avait un impact restreint. Je ne puis partager ce point de vue. Historiquement, on ne saurait considérer que la Marseillaise, avec son appel aux armes, a eu un impact restreint. Les poèmes renfermaient des expressions particulièrement insultantes (" les chiots de la putain ottomane "), alarmistes (" les génocides se préparent ") ou appelant à l'insurrection (" je vous invite à la mort ", " c'est dans le sang que se lave le sang ", " je meurs martyr ", " le jeune Kurde se vengera "). En pareil cas, j'aurais préféré suivre l'avis formulé par la majorité elle-même, à savoir que là où les propos litigieux incitent à l'usage de la violence, les autorités nationales jouissent d'une large marge d'appréciation. A cet égard, la Cour ne s'est pas encore forgé une opinion très précise sur le point de savoir ce qui est admissible et ce qui ne l'est pas.

Dans l'affaire Wille contre Liechtenstein (l'arrêt du 28 octobre 1999), le Prince du Liechtenstein avait annoncé par lettre au président du tribunal administratif du Liechtenstein qu'il refuserait à l'avenir de le nommer à une fonction publique, au motif que l'intéressé n'avait pas respecté la Constitution liechtensteinoise. Ce reproche était motivé par les propos tenus par M. Wille au cours d'une conférence publique, selon lesquels la Cour constitutionnelle pouvait être saisie en cas de désaccord entre le gouvernement et le peuple. D'après M. Wille, la notion de gouvernement comprenait le prince, de sorte que la compétence judiciaire s'étendait également aux conflits entre le prince et le peuple. Notre Cour a jugé que les faits révélaient une atteinte à la liberté d'expression de M. Wille.

En dernier lieu, j'évoquerai l'arrêt Hashman et Harrup contre Royaume-Uni (du 25 novembre 1999). Dans cette affaire, des opposants à la chasse au renard en Grande-Bretagne tentaient systématiquement de gêner et de saboter une chasse de ce type en provoquant de l'agitation sur les lieux, en huant les chiens et en jouant du cor de chasse. A la suite de ces événements, ils furent " sommés " (" bound over ") de respecter l'ordre public et de bien se conduire (" to keep the peace and be of good behaviour "), pour reprendre le langage quelque peu suranné employé. La Cour a estimé que dans le cas d'espèce la base légale n'était pas suffisamment précise pour permettre aux intéressés de savoir quels comportements étaient admissibles et lesquels ne l'étaient pas.

Ces exemples de notre jurisprudence devraient servir d'illustration pour la doctrine de la Convention en tant qu' " instrument vivant ", doctrine bien connue et qui n'est pas sans importance lorsqu'il s'agit de l'intégration de la Convention au droit interne. C'est la méthode de l'interprétation dynamique ou évolutive qui permet à la Cour d'interprèter les droits et libertés protégés par la Convention à la lumière des conditions d'aujourd'hui. D'aucuns disent que cette doctrine a pour base théorique le préambule de la Convention combiné avec l'article 31 de la Convention de Vienne sur le droit des traités. Les termes " le développement des droits de l'homme et des libertés fondamentales " figurant dans le préambule peuvent s'entendre comme participant de " l'objet et du but de la Convention ". Cela pourrait toutefois impliquer un rôle trop actif pour la Cour et ses juges. Comme je l'ai déjà expliqué, à mon sens, la Cour de Strasbourg a avant tout pour tâche de prendre acte des changements qui se produisent dans la société, qui se traduisent par des changements d'attitude et se trouvent confirmés par l'évolution des systèmes juridiques internes (comme dans les affaires Matthews ou Fressoz et Roire). Elle doit reconnaître, par exemple, quand le contenu du droit protégé a lui-même suivi les changements de la société, par exemple quand la protection des données ou la discrimination des homosexuels nécessitent la protection par notre Cour (comme dans les affaires Amann, Rotaru et Lustig-Prean). Ainsi aussi l'unité sociale désignée sous le nom de famille et, partant, la teneur du droit au respect de la vie familiale se sont sensiblement modifiés depuis que la Convention a été élaborée. Dans certains cas, ce sont une plus grande sensibilisation et une modification des attitudes qui auront une incidence sur la portée du droit ou de la liberté protégés (comme dans les affaires Selmouni et Brumarescu). La Convention a témoigné de sa grande aptitude à évoluer en fonction de progrès sociaux et technologiques que ses auteurs, quelque perspicaces qu'ils aient pu être, n'auraient jamais pu imaginer. La Convention a montré qu'elle est capable de grandir avec la société, et ses formulations ont fait leurs preuves au fil de cinq décennies.

Nun darf ich Ihnen zum Abschluss noch einige kurze Bemerkungen machen zum Vorhaben der Europäischen Union, sich eine Charta der fundamentalen Freiheiten zu geben. Das hauptsächliche Bestreben unseres Gerichtshofs muss es dabei sein, zwei sich konkurrenzierende und möglicherweise miteinander rivalisierende Menschenrechts-Systeme zu vermeiden. Dies würde der Rechtssicherheit nur schaden. Wenn man zudem zwischen einem - vermutlich höheren - Schutzniveau für EU-Länder und einem - wohl tieferen - Niveau für Nicht-EU-Länder unterscheiden wollte, so liefe man die Gefahr, die Fortschritte speziell der 17 zentral- und osteuropäischen Staaten im Bereich der Demokratie und des Vorrangs des Rechts in Frage zu stellen. Was das grössere Europa braucht, das ist eine Einigkeit im Bereich der Menschenrechte, ohne doppelte Standards und ohne Mitglieder zweiter Klasse.

Die kollektive und subsidiäre Garantie des Strassburger Mechanismus beruht auf der externen Kontrolle durch unser Gericht. Wenn die Europäische Union die Grundrechtskonformität von Gemeinschaftsakten einer internen Kontrolle durch ihre EU-Gerichte unterstellen will, so lässt sich dagegen aus unserer Sicht wenig einwenden. Ebensowenig stösst es auf Bedenken, wenn der Schutz einer EU-Charta weiter reichen sollte als derjenige der Europäischen Menschenrechtskonvention.

Sollte man die Europäische Union auch einer externen Kontrolle unterwerfen ? Dies könnte ohne weiteres durch den Beitritt der EU zur EMRK erfolgen. Wenn man indessen hintereinander eine interne Kontrolle durch den Europäischen Gerichtshof in Luxembourg und eine externe Kontrolle durch unseren Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg vorsehen wollte, so würde dies verschiedene Probleme schaffen. Unter dem Gesichtspunkt der Verfahrensökonomie wäre dies zu kompliziert und würde zu lange dauern.

Praktisch wäre es aller Regel nach überflüssig, weil der Luxemburger Gerichtshof seit Jahren in vorbildlicher Weise die Strassburger in seine eigene Rechtsprechung hat einfliessen lassen. Alles, was im übrigen zu sehr nach einer hierarchischen Unterordnung der Europäischen Union unter Strassburg aussehen würde, würde zudem dem Selbstverständnis der EU diametral zuwiderlaufen. Es wird nötig sein, dass sich die beiden Gerichte im Gleichschritt bewegen, im gegenseitigen Respekt ihrer jurisdiktionellen Autonomie und im Bemühen, Divergenzen im Schutzniveau und in der Konventionsauslegung zu vermeiden. Eine Möglichkeit könnte darin bestehen, den EuGH zu ermächtigen, den Strassburger Gerichtshof in einem beschleunigten Verfarhen um Rechtsgutachten zu unklaren Fragen des Menschenrechtsschutzes im Bereich des Gemeinschaftsrechts zu ersuchen.

Lassen Sie mich hier enden. Der Menschenrechtsschutz sollte im Grunde weder in Strassburg noch in Brüssel oder Luxemburg irgendwie zentralisiert werden. Menschenrechte gehören allen. Sie liegen zuallererst in den Händen der nationalen Parlamente, Regierungen, Gerichte und der jeweiligen Oeffentlichkeit. Tragen Sie ihnen Sorge.

Quelle:
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