> universitas friburgensis juin 2002

 
 

 


der duft des geldes

In der Schweiz verfügen drei Prozent der privaten Steuerpflichtigen über gleich viel Vermögen wie die übrigen 97 Prozent. Doch wie äussert sich die Bedeutung des Reichtums für Wirtschaft und Gesellschaft? Das Buch “Reichtum in der Schweiz” liefert Porträts von Reichen, Fakten und Hintergründe.

Von Sonja Spreitzer

Wie vertragen sich Reichtum und soziale Verantwortung? Dieser Frage gehen Elisa Streuli und Ueli Mäder in ihrem kürzlich erschienenen Buch “Reichtum in der Schweiz” nach. Die Autoren haben dreissig reiche Menschen über ihr Privileg befragt, über mehrere Millionen Franken zu verfügen, und ihre Bereitschaft, Mittel für soziale Zwecke zu spenden. Denn während der Graben zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander klafft, geht es den Reichen immer besser. Das Vermögen der 100 Reichsten hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als vervierfacht. Ende 2001 besassen die 300 Reichsten in der Schweiz ein Vermögen von 390 Milliarden Franken.

Reichtum als Last
Doch reich sein, ist nicht einfach. Während viele reiche Menschen sehr selbstbewusst auftreten, geraten viele andere in konfliktive Situationen, die mit der Verwaltung des Reichtums zusammenhängen, wie die Autoren feststellten. Darüber hinaus fühlen sich Kinder von Reichen oft einsam, und Reiche stellen sich vielfach die Frage nach dem Sinn des Lebens. Dadurch, dass sie fast alles haben (können), erhält diese Frage ein besonderes Gewicht. Dennoch sind sie in vielen Lebensfragen aufgeschlossen und geben Ausbildung, Kultur und Ökologie einen grossen Wert. Auch die soziale Verantwortung liegt vielen Reichen am Herzen. So sollen Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind, unterstützt werden, während die staat- lich verordnete Umverteilung innerhalb der Gesellschaft eher auf Ablehnung stösst. Nicht zuletzt schreiben sich die reichen Menschen aussergewöhnliche Fähigkeiten zu, wobei auch die Vermehrung ihres Reichtums als persönliches Verdienst gilt.

Immaterielle Werte
Den Autoren sind insbesondere die immateriellen Werte aufgefallen, die als Teil des Reichtums zu verstehen sind. Viele Reiche investieren in Gegenstände, oftmals in Kunst, oder spenden Legate an gemeinnützige Organisationen, von denen sie eine grosse symbolische Rendite - wie gesellschaftliche Anerkennung - erwarten. Dennoch sind gerade reiche Unternehmer davon überzeugt, die wirtschaftliche Entwicklung kaum beeinflussen zu können, obwohl sie über Kapital, Produktionsmittel und Menschen verfügen. Daraus stellt sich für die Autoren die zentrale soziale Frage der Verteilung in der heutigen Gesellschaft. Trotz den zahlreichen Spenden ist die Auswirkung auf eine gerechtere Verteilung äusserst gering. Ein Beispiel ist die im Herbst 2001 debattierte Steuerreform. Der Nationalrat beschloss eine Steuererleichterung für die unteren Einkommen, und gleichzeitg wurden massive Steuergeschenke für höhere Einkommen gewährt. Deshalb, so das Fazit, müsse in der Analyse des Reichtums in der Schweiz nebst den Spenden der Reichen auch die Spenden an die Reichen berücksichtigt werden.

Ueli Mäder, Elisa Streuli: "Reichtum in der Schweiz: Porträts - Fakten - Hintergründe", Rotpunktverlag, Zürich, 2002 ISBN 3-85869- 234-4

 


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Mise à jour: juin 2002 par nf
 
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