> universitas friburgensis juin 2002

 
 

 


kyoto - utopie oder programm?

Fünf Jahre nach der Verabschiedung des Kyoto-Protokolls stellt sich die Frage nach dessen praktischen Nutzen im Kampf gegen die globale Erwärmung. Experten aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Publizistik zeigten sich an der Tagung "10 Jahre nach Rio: Kyoto - Utopie oder Programm?" der Koordinationsstelle Umweltwissenschaften zuversichtlich und skeptisch zugleich.

Von Markus Züger

Die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts waren das wärmste Jahrzehnt seit 1861. Für die kommenden 100 Jahre sagen Klimasimulationen einen weiteren Temperaturanstieg zwischen 1,4 und 5,8 Grad voraus. Die globale Erwärmung wird als Folge des ansteigenden CO2-Gehalts gedeutet. Diese klimatischen Veränderungen beeinflussen die empfindlichen Land- und Meeresökosysteme der Erde.

Das Kyoto-Protokoll (s. Kasten) gilt nun als erste Grundlage einer international verbindlichen Emissionsreduktionspolitik – und damit als ein erstes Werkzeug zur Bekämpfung der globalen Klimaerwärmung. Die Möglichkeiten und Grenzen dieses Abkommens standen an der Weiterbildungsveranstaltung “10 Jahre nach Rio: Kyoto – Utopie oder Programm“ der Koordinationsstelle Umweltwissenschaften im Zentrum. Grundlage der Tagung war der Synthesereport 2001 des IPCC, des “Intergovernmental Panel on Climate Change“ – ein zwischenstaatlicher Sachverständigenausschuss, der sich wissenschaftlich und sozio-ökonomisch mit den Ursachen und Folgen der globalen Klimaveränderungen auseinandersetzt. Dieser Report hält unter anderem fest, dass die globale Erwärmung seit den 70er Jahren nicht mehr allein durch die natürlichen Schwankungen des Klimas erklärt werden kann.

Härtere Massnahmen vonnöten
Martin Beniston, Professor am Institut für Geographie der Universität Freiburg, ist Mitglied des IPCC. Dem Kyoto-Abkommen steht er hoffnungsvoll, aber auch skeptisch gegenüber: “Die Massnahmen sind vielleicht zu schwach und kommen zu spät. Dennoch sind sie ein richtungsweisender Schritt im Kampf gegen die Ursachen des Klimawechsels.“ Es seien aber strengere Massnahmen nötig, um die Klimaerwärmung in den Griff zu bekommen.

Botschafter Beat Nobs, Chef der schweizerischen Verhandlungsdelegation im Kyoto-Prozess, bestätigt dies: “Als der Entwurftext des Abkommens vorgelegt wurde, waren Wissenschaftler und Juristen gleichermassen geschockt. Dennoch ist das Abkommen ein Erfolg, weil es die bestmögliche Basis zur weltweiten Bekämpfung des Klimaproblems bietet.“

Als nächsten, wichtigen Schritt sieht Nobs nun die Inkraftsetzung des Abkommens. Die Ratifizierung durch die Schweiz wird frühestens im Winter 2002/2003 erfolgen. Praktische Auswirkungen wird die Klimakonvention jedoch nur begrenzt haben, da die jetzi- gen Ziele der schweizerischen Energiepolitik ambitionierter sind als die milden Kyoto-Bestimmungen. Das CO2-Gesetz, das Energiesparprogramm “Energie Schweiz“ und die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe LSVA bilden den straffen Rahmen für eine nachhaltige Energiewirtschaft. Kyoto könnte sich gar nachteilig herausstellen, wenn etwa die in einem Positionspapier der SVP geforderte Ersetzung des CO2-Gesetzes durch die largeren Kyoto-Vorschriften Gehör findet.

Allein ein symbolischer Wert
Zweifel an der praktischen Wirkung der Kyoto-Bestimmungen zeigen sich auch beim Umweltpublizisten Dirk Maxeiner. Er bedauert, dass die umfassende, wissenschaftliche Arbeit des IPCC im Protokoll auf eine politische Botschaft reduziert wurde, die von Kompromissen geschwächt und wenig effizient ist. Die Umsetzung des Abkommens wird nach Maxeiner so gut wie keinen Einfluss auf das Klimageschehen haben. Das Protokoll habe einzig einen wichtigen symbolischen Wert. Scharfe Kritik äussert Maxeiner an den Kosten für die Umsetzung der Bestimmungen, welche jährlich bis 350 Milliarden Dollar verschlingen. Dies entspricht dem siebenfachen der weltweiten Entwicklungshilfe. So empfindet es Maxeiner als “Perversion, Menschen aus Entwicklungsländer als tragische Klimaopfer von morgen zu betrachten und nicht als Hilfsbedürftige von heute.“

Nachhaltige Wirtschaftsstrategien als Ziel
Durch Umweltkatastrophen und Unwetter, welche unmittelbar von Klimaänderungen abhängen, entstehen enorme sozio-ökonomische Kosten. Philip Cottle, Versicherungsspezialist der Rückversicherungsgesellschaft “PartnerRe“, fordert angesichts der nur schwer vorhersagbaren Versicherungsrisiken von solchen Umweltereignissen ein Umdenken im ökonomischen Handeln.

Die Wirtschaft muss dem Klimawechsel notwendigerweise mit langfristigen Wirtschaftsstrategien und innovativen Technologien begegnen, betont David Hone, Climate Change Advisor der “Shell International Ltd.“. Nicht mehr allein dicke Profite dürfen im Vordergrund stehen. Ziel ist eine nachhaltige Entwicklung, welche auf lange Zeit auch der wirtschaftlichen Prosperität zugute kommt. Deshalb investiere der Shell-Konzern zunehmend in die Entwicklung alternativer Energietechnologien und erneuerbarer Energien – wobei dies keinesfalls als PRKampagne zu verstehen ist, wie Hone beteuert.

 


Das Kyoto-Protokoll

Umweltprobleme sind nicht an nationale Grenzen gebunden. Klimatische Veränderungen zeigen sich nicht unmittelbar dort, wo ihre Ursachen liegen. Zu ihrer langfristigen Lösung bedarf es der international koordinierten Zusammenarbeit. Aufgrund dieser Erkenntnis wurden 1979 die Regierungen an der ersten Weltklimakonferenz aufgefordert, "potentielle, von Menschen verursachte Änderungen im Klima, die sich nachteilig auf das Wohl der Menschheit auswirken können, zu verhindern". 1992 wurde am Umweltgipfel von Rio de Janeiro das "Rahmenabkommen der Vereinten Nationen über Klimaände- rungen" verabschiedet, zu dem an der Konferenz von Kyoto 1997 konkrete Emissionsreduktionen formuliert wurden (Kyoto-Protokoll). Grundlegendes Ziel ist die Stabilisierung der Treibhaus- gaskonzentrationen in der Atmosphäre. Angepeilter Richtwert ist ein Konzentrationsniveau, bei welchem sich die Ökosysteme auf natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen können. Für die Industriestaaten bedeutet dies, dass sie ihre durchschnittlichen Treibhausgasemissionen der Jahre 2008-2012 (sog. "erste Verpflichtungs- periode") um 5,2% unter den Wert von 1990 zu reduzieren haben. Die Reduktionsvorgabe für die Schweiz wie für die Europäische Union sieht indes eine Verringerung um 8% gegenüber 1990 vor.


Kyoto - Utopie ou programme ?

Cinq ans après l’élaboration du Protocole de Kyoto, qui s’inscrit dans le prolongement du Sommet de la Terre tenu à Rio en 1992, on peut se demander quelle est son utilité pratique dans la lutte contre le réchauffement de la planète. Cet accord international, ratifié par de nombreux pays industriels, impose des réductions d’émissions de gaz à effet de serre soupçonnés de réchauffer l’atmosphère, mais il suscite tout à la fois confiance et scepticisme. La tiédeur de ses dispositions s’oppose par exemple aux objectifs plus ambitieux de la politique énergétique suisse.

 


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Mise à jour: juin 2002 par nf
 
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