> universitas friburgensis juin 2002

 
 

 


allergien den kampf angesagt

Allergische Erkrankungen können durch Inaktivierung eines neuen Schlüsselenzyms verhindert werden, wie Forschungsarbeiten am Departement für Medizin der Universität Freiburg zeigen. Damit steigen die Chancen zur Linderung von Heuschnupfen-Symptomen und anderen Allergien.

Von Markus Züger

Das Erwachen der Natur im Frühling zieht alljährlich Tausende von Spaziergängern ins Grüne, um genussvoll durch Wald und Wiesen zu streifen. Vorausgesetzt, man leidet nicht an Pollenallergie und Heuschnupfen. Denn dann kann der berauschende Spaziergang für Allergiker schnell zur Tortur werden: Die Nase trieft, die Augen tränen, und Frühlingsgefühle arten in übler Laune aus.

Manche Allergien und chronische Entzündungen lassen sich medikamentös im Zaum halten, aber oft müssen zum Teil gravierende Nebenwirkungen in Kauf genommen werden. Deshalb hat sich ein Forscherteam der Biochemie an der Universität Freiburg zum Ziel gesetzt, die Wirkungsweise von entzündlichen Erkrankungen zu untersuchen und diese an der Wurzel zu packen. Zahlreiche Apparaturen säumen den Weg zum Büro des Biochemikers Matthias Wymann. Sie bilden die Kernstücke des Labors, in dem es Wymanns Team auf dem Gebiet der "Phosphoinositide 3-Kinasen" – Schlüsselenzyme in der Erforschung von Krebs, metabolischen Krankheiten und Allergien – indes zu Weltruf gebracht hat.

Allergie-resistente Labormaus
Allergene, wie Blütenpollen und Bienengift, können über längere Zeit eine Erhöhung der Immunoglobulin EKonzentration (IgE) verursachen (siehe Abbildung). Diese IgE Moleküle binden dann an Immunzellen im Gewebe, den sogenannten Mastzellen, lösen aber alleine keine allergische Reaktion aus. Kommt ein Patient jedoch später wieder mit Allergen in Kontakt, werden seine Mastzellen aktiviert. Bei gesunden Menschen hält sich diese Reaktion in Grenzen. Beim Allergiker hingegen kann sie in eine fatale Kettenreaktion münden: Eine massive Überreaktion des körpereigenen Immunsystems, wie zum Beispiel bei einer Bienenstich- Allergie, führt zu einem Blutdruckabfall und zum Übertritt von Blutproteinen ins Gewebe. Im schlimmsten Fall kommt es dann zu einem anaphylaktischen Schock, der innerhalb von wenigen Minuten zum Tode führen kann. Wymann erläutert, dass die Abwehr von Parasiten dem Allergiker zum Verhängnis wird: “Das menschliche Immunsystem hält sich im Normalfall selbst im Gleichgewicht. Es aktiviert sich zur Abwehr von pathogenen Organismen und stellt sich nach vollbrachter Arbeit wieder ab – bei Allergikern jedoch überbordet es.“

In Zusammenarbeit mit einer Turiner Forschergruppe haben Freiburgs BiochemikerInnen nun nachgewiesen, dass die Ausschaltung eines Enzyms aus der Familie der Phosphoinositide 3- Kinasen allergische Krankheitssymptome unterdrückt. Den Beweis hat eine Maus geliefert, der das Gen für die Phosphoinositide 3-Kinase gamma fehlt (erschienen in “Science” 2000).

Erstaunlicherweise zeigten Mastzellen aus solchen Mäusen eine verminderte Aktivierung durch IgE und experimentelle Allergene, welche in normalen Zellen zu der explosionsartigen Freisetzung von Histamin führen. Weitere Abklärungen ergaben dann, dass Mastzellen den Stoff Adenosin abgeben und sich so selbst stimulieren. Diese Stimulierung läuft über einen Adenosinrezeptor zur Phosphoinositide 3-Kinase gamma. Fehlt diese, so bleibt die letzte Phase der Mastzellstimulation aus, und es werden nur kleine Mengen Histamin freigesetzt. Da Histamin für die Gefässerweiterung und Zunahme der Gefässpermeabilität verantwortlich ist, blieben denn Mäuse ohne Phosphoinositide 3-Kinase gamma geschützt gegen allergische Reaktionen (publiziert in “Immunity” 2002).

Allergisch und doch gesund
Inwiefern nun diese Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind, muss weiter erforscht werden: “Wir stehen am Anfang eines neuen Verständnisses von chronischen Entzündungen und von Allergien. Wir wissen jetzt, welche Prozesse wir studieren müssen, doch die primären Funktionen unseres Schlüsselenzyms liegen nach wie vor im Dunkeln.“ Das Ziel ist gemäss Wymann eine Behandlungsmethode, die den leidenden Allergiker in einen symptomfreien Zustand zurückführt: “Der Patient ist immer noch allergisch, aber er fühlt sich gesund. Das heisst, seine Immunoglobulin E-Werte sind zwar immer noch hoch, jedoch hat das keine gesundheitliche Beeinträchtigung mehr.

Das Bedürfnis nach neuen Behandlungsmöglichkeiten ist gross. Allergien, aber auch chronische Entzündungen und Raucherkrankheiten – dabei handelt es sich um chronische, zerstörerische Entzündungen der Lunge – treten mit steigender Tendenz auf. Freiburgs Biochemiker könnten also dazu beitragen, dass ein Loch in der Gesundheitsversorgung des Menschen gestopft wird. Wohl auch, weil die Laborversuche weitere positive “Nebeneffekte“ der Inaktivierung der Phosphoinositide 3-Kinase gamma ans Licht brachten. Neben der Behandlung von Allergien und chronischen Entzündungen zeigten Versuche auch Möglichkeiten zur Verhütung von Thrombosen auf. Auf der anderen Seite vermutet Wymann, dass diese Modulation des Immunsystems möglicherweise eine Erhöhung der Infektionsgefahr mit sich führt: “In dieser Hinsicht sind die Labormäuse – welche auch trotz der deaktivierten Phosphoinositide 3-Kinase gamma durchwegs kerngesund bleiben – wohl widerstandsfähiger als der Mensch.“

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La lutte contre les allergies est engagée

Certaines allergies (rhume des foins, venin d’abeille) et inflammations chroniques peuvent être maîtrisées par des médicaments, mais souvent les effets secondaires ne sont pas négligeables. Une équipe de biochimistes de l’Université de Fribourg étudie le fonctionnement de ces maladies pour tenter de les attaquer à la racine. Elle a démontré que la mise hors circuit d’une nouvelle enzyme clé refoule les symptômes de la maladie. Le patient reste allergique, mais il se sent en bonne santé, même si les valeurs d’immunoglobuline demeurent élevées. Par ces recherches, l’Université de Fribourg pourrait contribuer à combler une lacune dans le domaine de la santé.

 


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Mise à jour: juin 2002 par nf
 
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