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Erwerb und Revision von Alltagswissen |
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Der Erwerb von Wissen im alltäglichen Leben ist zum Teil geprägt durch die Überbewertung von nicht oder nur wenig relevanter Information und durch voreilige Schlussfolgerungen. Einmal erworbenes falsches Wissen erweist sich als äusserst resistent gegenüber Widerlegung durch neue Fakten. |
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Im Laufe unseres Lebens erwerben wir ein grosses Repertoire an Alltagswissen. Hierbei handelt es sich um Erkenntnisse, die auf eigenen oder fremden Alltagserfahrungen beruhen. Dieses Wissen sollte uns helfen, uns im täglichen Leben besser zurecht zu finden. Es zeigt sich jedoch, dass sich Personen im Alltag aufgrund voreiliger Schlüsse, die auf unreliablen Informationen beruhen, falsches Wissen über Zusammenhänge aneignen. Weiterhin entwickeln Leute spezielle Strategien, welche verhindern, dass einmal erworbenes Wissen angesichts neuer widerlegender Evidenz revidiert wird. Erwerb von Alltagswissen Ich möchte mit einer kleinen Geschichte aus dem Alltag beginnen: Herr Bürli möchte sich ein Auto kaufen und entscheidet sich für einen schwedischen Wagen, einen Saab oder Volvo. Da er nicht genau weiss, welche der beiden Marken solider ist, studiert er die einschlägigen Fachzeitschriften und Reparaturstatistiken. Aufgrund dieser Informationen, die auf Hunderten von Erfahrungen beruhen, entschliesst er sich, einen Saab zu kaufen. Am Sonntag Abend vor dem Kauf trifft er am Stammtisch seinen Freund Willi und erzählt ihm von seiner Entscheidung. Dieser reagiert mit Erstaunen. «Ich habe einen Bekannten, der hatte einen Saab. Zuerst waren die Bremsen defekt, dann ging die Einspritzpumpe kaputt und ständig hatte er Probleme mit der Elektronik. Nach drei Jahren verkaufte er den Wagen zu einem Schrottpreis.» Aufgrund dieser Auskunft kauft Herr Bürli schliesslich einen Volvo. Diese Geschichte zeigt in typischer Weise, wie Menschen selektiv Informationen erwerben und verarbeiten: Aufgrund einer einzigen lebhaften Schilderung wird Information, die auf Hunderten von Vorerfahrungen beruht, einfach ignoriert. Menschen räumen lebhafter und persönlich erlebter Information einen höheren Stellenwert ein als abstrakter, statistischer Information. So hat Spielbergs Film «Schindlers Liste» keine grundlegend neuen Erkenntnisse über die Nazi-Greuel gebracht, trotzdem hat er die Menschen viel mehr bewegt als Statistiken, die Auskunft geben, wieviele Millionen Juden während der Nazi-Zeit ermordet wurden. Der Grund liegt darin, dass der Film konkrete Schicksale lebensnah miterleben lässt. Die Übergewichtung von persönlicher Erfahrung erweist sich als problematisch, wenn sie zusammen mit Übergeneralisierung auftritt. Damit ist gemeint, dass Personen schon aufgrund von sehr wenig Erfahrung ungerechtfertigte Schlussfolgerungen über allgemeine Zusammenhänge machen. So kann jemand, der eine Situation erlebte, in der eine Frau emotional argumentierte, zum Schluss kommen, dass «Frauen gewöhnlich emotionaler argumentieren als Männer». Ein typischer Ausdruck der Anfälligkeit für konkrete Information, gepaart mit Übergeneralisierung, ist die auch unter Akademikern grassierende Untugend, mittels Beispielen und Anekdoten zu argumentieren und sich durch Einzelbeispiele überzeugen zu lassen. Wer kennt nicht Argumente wie: «Mein Grossvater hat geraucht "wie ein Schlot" und ist 90 Jahre alt geworden». Und leider zu selten hört man die für derartige Argumentationen wohl einzig sinnvolle Antwort: «Sicher, aber was willst du damit beweisen. Dies kann doch nicht den statistisch gesicherten Zusammenhang zwischen Rauchen und Krebs, sowie zwischen Rauchen und einer verkürzten Lebenserwartung, widerlegen.» (Falls es dem Leser entgangen sein sollte, auch ich habe bisher nur Beispiele und Anekdoten verwendet. Der Grund liegt darin, dass es mir in erster Linie darum geht, einen Sachverhalt darzulegen und weniger darum, wissenschaftlich zu argumentieren. Wen jedoch diese Beispiele nicht überzeugen, der sei auf das Buch von Nisbett & Ross (1980) verwiesen. Dort findet man eine grosse Anzahl von «harten» Experimenten, die das hier Gesagte empirisch beweisen.) Fassen wir das bisher Besprochene zusammen: Menschen tendieren dazu, aufgrund von Einzelerfahrungen nicht gerechtfertigte Zusammenhänge zu «erlernen» bzw. wahre Zusammenhänge zu ignorieren (auf diesen letzten Punkt werde ich unten noch speziell eingehen): Oft reichen ganz wenige, sehr lebhafte persönliche Eindrücke aus, damit Personen ungerechtfertigte Zusammenhänge erschliessen. Eine Menge unseres Alltagswissens erwerben wir nicht durch direkte Erfahrung, sondern durch die Vermittlung anderer. Hierzu gehören einerseits «Weisheiten», wie sie in Sinnsprüchen zusammengefasst sind, z.B. «Stille Wasser sind tief». Andererseits handelt es sich um allgemeine Einschätzungen, wie z.B. «Die Franzosen verstehen, gut zu leben». Es ist möglich, dass viele dieser «Weisheiten» ebenfalls aufgrund von Übergeneralisierungen entstanden sind und einer genaueren Prüfung nicht standhalten. Korrektur falschen Wissens Die bisher dargestellte Situation ist zwar nicht optimal, sollte jedoch nicht weiter schlimm sein, wenn Personen ihre einmal gebildeten Vorurteile aufgrund neuer Information revidieren. Ich werde mich daher im folgenden mit der Frage beschäftigen, inwieweit Personen angesichts neuer Fakten, zuvor erworbenes fehlerhaftes «Wissen» korrigieren. Die Nichtbeachtung von negativer Information Folgendes einfache Experiment von Ross, Lepper & Hubbard (1975) soll zeigen, dass Personen negative Information nicht ausreichend beachten: Versuchspersonen (Vpn) wurden mit dem angeblichen Ziel angeworben, die Wirkung von Rückmeldungen beim Problemlösen auf physiologische Reaktionen zu testen. Während der Bearbeitung einer Reihe von Problemen erhielten sie falsche Rückmeldung darüber, ob ihre Leistung überdurchschnittlich, durchschnittlich oder unterdurchschnittlich war. Nach Absolvieren der Aufgabe wurde den Vpn erklärt, was der Sinn der Aufgabe war und dass sie falsche Rückmeldung erhalten hatten. Es wurde ihnen der genaue Plan gezeigt, nach welchem ihnen die Rückmeldungen gegeben worden waren. Anschliessend mussten die Vpn Fragebogen ausfüllen, wobei sie ihren wirklichen Erfolg bei der Aufgabe einschätzen, sowie ihren Erfolg bei ähnlichen zukünftigen Aufgaben vorhersagen sollten. Vpn, denen überdurchschnittliche Leistung signalisiert worden war, schätzten sich als besser geeignet für die Lösung dieser und ähnlicher Aufgaben ein als Personen, die durchschnittliche Rückmeldung erhalten hatten. Ebenso schätzten sich Personen, denen im Test unterdurchschnittliche Leistung rückgemeldet wurde, als ungeeigneter ein im Vergleich zu den durchschnittlichen Personen. Die Logik des Experiments ist folgende: Personen sollten zuerst aufgrund von unkorrekter Information einen falschen Eindruck erhalten. Anschliessend wird die Information, aufgrund derer sie zu ihrem Urteil kamen, diskreditiert. Dies sollte bewirken, dass der gebildete Eindruck zurückgenommen wird. Wie das Ergebnis des Experiments zeigt, ist dies nicht der Fall: Die Personen revidieren ihr zuvor gebildetes Urteil nicht vollständig, obwohl sie wussten, dass die Information, auf der sie ihr Urteil gründeten, falsch ist. Ein Experiment von Anderson, Lepper & Ross (1980) untersuchte den Einfluss von falschen Erklärungen auf das Beibehalten zuvor gebildeter Einstellungen. Die Vpn wurden zuerst mittels falscher Information dazu gebracht, einen Zusammenhang zwischen dem Erfolg bzw. dem Scheitern eines Feuerwehrmanns und der gezeigten Risikobereitschaft in einem zuvor absolvierten Test zu sehen. Vpn der einen Gruppe wurde beigebracht, dass ein Zusammenhang zwischen hoher Risikobereitschaft und Erfolg bestünde, den Vpn der anderen Gruppe wurde der umgekehrte Zusammenhang beigebracht. Sodann mussten die Vpn schriftlich den jeweiligen Zusammenhang erklären, um alsbald mitgeteilt zu bekommen, dass die für den Zusammenhang relevanten Daten völlig fiktiv waren. Am Ende wurden sie über ihren Glauben in den Zusammenhang (zwischen Risikobereitschaft und Erfolg als Feuerwehrmann) befragt. Diese Umfrage ergab, dass die Diskreditierung der Information als fiktiv praktisch überhaupt keine Wirkung auf das Urteil der Personen hatte: Die Vpn insistierten darauf, dass der postulierte Zusammenhang «offensichtlich» sei (unabhängig von den diskreditierten Daten). Manche drückten sogar ihre Verwunderung darüber aus, dass Vpn der anderen Versuchsgruppe so «leichtgläubig» waren, das Gegenteil zu glauben. Obwohl die Information, die den Anstoss für ihre eigene Erklärung gab, diskreditiert worden war, beharrten die Personen darauf, dass der von ihnen erklärte Zusammenhang bestehe. Sie hatten sich selbst von dessen Richtigkeit überzeugt. Die selektive Auswahl bestärkender Information Sobald Personen einen Zusammenhang als richtig erkannt haben, tendieren sie dazu, Information zu bevorzugen, die den Zusammenhang bestätigt. Dies wird in folgendem Experiment von Lord, Ross & Lepper (1979) deutlich: Als Vpn dieser Untersuchung fungierten Studenten der Stanford Universität, die entweder der festen Überzeugung waren, dass die Todesstrafe abschreckend wirkt, oder der Überzeugung, dass die Todesstrafe keinerlei abschreckende Wirkung besitzt. Den Vpn wurden zwei angeblich neue Studien über die abschreckende Wirkung der Todesstrafe präsentiert. Die eine Studie verglich die Mordraten vor und nach Einführung der Todesstrafe in einem Bundesstaat. Die zweite verglich die Mordraten von Bundesstaaten mit und ohne Todesstrafe. Eine Studie unterstützte jeweils die Position der Vpn, während die andere gegenteilige Evidenz präsentierte. (Für die Hälfte der Vpn war Studie 1 positiv und Studie 2 negativ, für die andere Hälfte war es umgekehrt.) Es resultierten die beiden folgenden Ergebnisse: (1) Die Vpn schätzten die Studie, welche ihre Position unterstützte als «überzeugender» und «besser durchgeführt» ein. (2) Nach dem Experiment waren die Vpn beider Positionen stärker von der Richtigkeit ihrer eigenen Einstellung überzeugt als zuvor. Die Untersuchung zeigt, dass gemischte Evidenz, welche zwei entgegengesetzte Positionen in gleicher Weise unterstützt, die Zuversicht der Personen in die Richtigkeit der eigenen Position nicht abschwächt, sondern verstärkt. Dies geschieht, indem der positiven Evidenz stärkeres Gewicht beigemessen und gleichzeitig versucht wird, die negative Evidenz zu diskreditieren. Wie folgendes Experiment von Snyder & Swann (1978) zeigt, tendieren Personen auch dazu, persönliche Vermutungen derart zu testen, dass die eigene Position bestärkt wird: Den Vpn, College Studentinnen, wurde die Aufgabe erteilt, andere Personen zu interviewen um eigene Vermutungen über deren Persönlichkeit zu testen. Der Hälfte der Vpn wurde mitgeteilt, dass die interviewte Person extrovertiert sei, der anderen Hälfte, dass sie introvertiert sei. Für das Interview wurden 36 Fragen vorgegeben, aus denen die Vpn 12 auswählen musste. Die Fragen waren derart, dass man sie eher einem Extrovertierten stellen würde (z.B. Was würdest du tun, um eine Party zu beleben ?) oder derart, dass man sie eher Introvertierten vorlegen würde (z.B. Was macht es für dich schwierig, einer anderen Person gegenüber offen zu sein ?). Es zeigte sich, dass die Vpn die Fragen nach diesem Kriterium auswählten: Falls sie annahmen, dass die befragte Person extrovertiert ist, stellten sie die für Extrovertierte «geeigneten» Fragen und gleiches für die Introvertierten. Die einseitige Auswahl von Fragen und die vorgefasste Meinung können zusammengenommen zu einem völlig falschen Bild der befragten Person führen, bzw. zu einer ungerechtfertigten Bestätigung einer fehlerhaften Vermutung. Betrachten wir hierzu ein mögliches Szenario: Wie könnte eine extrovertierte, junge Frau auf die Frage «Was macht es schwer für dich, einer anderen Person gegenüber offen zu sein?» reagieren? Vielleicht erinnert sie sich an Situationen, in denen es für sie schwierig war, sich jemandem anderen gegenüber offen und ungehemmt zu geben. In dem Versuch eine ehrliche, durchdachte Antwort zu finden, könnte sie erwidern: «Ich fühle mich ein bisschen gehemmt bei Leuten, die das Alter meiner Eltern haben, und ich finde es noch schwieriger, einem Jungen gegenüber, mit dem eine Beziehung ernst zu werden beginnt, ganz offen zu sein». Ist diese Antwort ein Hinweis auf Introversion? Sicherlich nicht für eine Person ohne Vorurteil. Besteht jedoch bereits der Verdacht, dass es sich um eine introvertierte Person handelt, so kann die Antwort eher als Bestätigung der bestehenden Auffassung interpretiert werden («Aha, Probleme mit Intimität, Reste elterlicher Autorität!»). Vorgefasste Meinungen blockieren das Erlernen neuer Zusammenhänge Im Jahre 1969 führten Chapman & Chapman eine klassische Studie zur sogenannten «Illusorischen Korrelation» durch. Die Untersuchung verwendete als Basis den Rorschach-Test. Bei diesem Test handelt es sich um 10 Karten mit Tintenkleksen. Der zu untersuchenden Person wird jeweils eine Karte vorgelegt, mit der Aufforderung, irgendwelche Gestalten und Formen in den Kleksen zu «erkennen». Es hat sich gezeigt, dass homosexuelle Männer häufiger Monster auf Karte Nr. 4 «sehen» als heterosexuelle. Daher kann die Wahrnehmung von Monstern auf Karte 4 als diagnostisch valider Hinweis für Homosexualität gesehen werden (es gibt noch weitere valide Hinweise für Homosexualität). Neben diesen diagnostisch validen Hinweisen gibt es eine Menge möglicher plausibler Hinweise, wie z.B. das Erkennen von Personen mit weiblicher Kleidung, Personen mit unklarem Geschlecht, oder die Wahrnehmung männlicher Genitalien oder analer Formen. Letztere Hinweise bezeichne ich als plausibel, weil «der gesunde Hausverstand» nahelegt, dass Homosexuelle vermehrt derartige Formen in die Klekse hineinprojizieren sollten. In Wirklichkeit gibt es jedoch keinen statistischen Zusammenhang zwischen plausiblen Hinweisen und Homosexualität (sie sind daher empirisch nicht valide). Die Chapmans führten eine aus mehreren Stufen bestehende Untersuchung durch: Phase 1: 32 praktizierenden Klinikern, die angegeben hatten, schon eine Reihe von Protokollen homosexueller Männer analysiert zu haben, wurde eine Liste von Hinweisen (=Antworten von Personen) vorgelegt, die sowohl diagnostisch valide, als auch plausible Hinweise für Homosexualität beinhaltete. Die 5 häufigsten Antworten, die von den Klinikern als relevant betrachtet wurden, waren plausible, aber empirisch nicht valide Hinweise. Nur 2 Kliniker erwähnten überhaupt die empirisch validen Hinweise. Phase 2: Naive Vpn wurden gebeten, den Zusammenhang zwischen Homosexualität und den verschiedenen Hinweisen abzuschätzen. Wenig überraschend zeigte sich, dass der Zusammenhang zwischen plausiblen Hinweisen und Homosexualität als «relativ stark», der zwischen den diagnostisch validen Hinweisen und Homosexualität als «sehr schwach» eingeschätzt wurde. Phase 3: Naiven Vpn wurden 30 Rorschach-Karten zusammen mit homosexuellen «Symptomen» (z.B. fühlt sich sexuell durch andere Männer angezogen) oder neutralen Symptomen (z.B. fühlt sich oft einsam und traurig) präsentiert. Die Rorschach-Klekse befanden sich auf der einen Seite der Karten, die Symptome und die Antworten der Personen auf der anderen Seite. Die Antworten beinhalteten valide, invalide aber plausible und neutrale Hinweise. Die Vpn sollten lernen, welche Antworten diagnostisch für homosexuelle Symptome sind. Die Serie war derart konstruiert, dass es keinen objektiven Zusammenhang zwischen den Antworten und den homosexuellen Symptomen gab. Den Vpn wurde immer eine Karte gezeigt, die sie 60 Sekunden lang studieren konnten. Nach Präsentation der 30 Karten mussten sie angeben, welche Antwort mit Homosexualität gepaart war. Die Vpn sahen ähnlich wie die «erfahrenen» Kliniker einen Zusammenhang zwischen den plausiblen Antworten und den homosexuellen Symptomen (obwohl es objektiv keinen derartigen Zusammenhang gab). Phase 4: Der Zusammenhang zwischen den validen Antworten und den homosexuellen Symptomen wurde variiert: Der Zusammenhang war entweder 50%, 67%, 83%, oder 100%. Die Änderung des Zusammenhanges bewirkte keine Veränderung im Urteil der naiven Vpn: Sie erkannten den Zusammenhang zwischen den validen Antworten und den homosexuellen Symptomen nicht. Nachdem die plausiblen Antworten von den Karten entfernt worden waren, erlernten die Vpn jedoch die wahren Zusammenhänge. Zusammengefasst ergibt sich folgendes Bild: (1) Sowohl die «erfahrenen» Kliniker, wie die naiven Vpn «erkannten» aufgrund von vorgefassten Meinungen nicht-existierende Zusammenhänge (Illusorische Korrelation). (2) Dieselbe vorgefasste Einstellung verhinderte, dass existierende, aber unplausible Zusammenhänge erkannt wurden. Schlussfolgerungen Angesichts der hier dargestellten Handlungsweisen und Strategien stellt sich die Frage, was man praktisch tun kann, um derartigen Fallen zu entgehen. Eine wirkungsvolle «Entzerrungs-Strategie» besteht in der aktiven Suche nach negativen Beispielen (siehe z.B. McKenzie, 1994). Es scheint sinnvoll, sich von Zeit zu Zeit zu fragen, «Welche Gegenbeispiele gibt es, die meiner Schlussfolgerung bzw. meiner Auffassung widersprechen?». Diese Suche nach Gegenevidenz sollte keine Alibi-Handlung darstellen, sondern ein ehrliches Bemühen, «die Dinge von einer anderen Seite zu betrachten».
Dr. Ass. Siegfried Macho Psychologisches Institut
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Universitas Friburgensis juin 95 |
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