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Peter Wuilleret ein Freiburger Maler um 1600 |
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Der Maler Peter Wuilleret (vor 1581 - nach 1644) hat in Freiburg im Üchtland gelebt und gearbeitet. Er erfreute sich eines Ansehens, das ihn weit über die Grenzen der Heimatstadt hinaus bekannt machte und erhielt Aufträge vom Rat der Stadt Solothurn und dem Abt von Sankt Gallen. Zahlreiche seiner Werke befinden sich noch heute in Freiburg, einige sogar an ihrem ursprünglichen Bestimmungsort. Freiburger Archive und Bibliotheken bewahren Dokumente über das Leben und die Tätigkeit des Künstlers auf, und die alten Quartiere der Stadt erlauben es, sich ein lebendiges Bild von seiner Umwelt zu machen. |
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Während den dreieinhalb Jahrhunderten seit seinem Tod ist Wuilleret nie dem völligen Vergessen anheimgefallen. Allerdings hat sich bis in unsere Zeit niemand eingehender mit ihm befasst, wie auch die Schweizer Kunst des 17. Jahrhunderts im allgemeinen von der Forschung lange Zeit stiefmütterlich behandelt wurde. Welches sind die Gründe für diese Geringschätzung? Zu Beginn des 16. Jahrhunderts hatte die Malerei in der Schweiz einen Höhepunkt erreicht: Meister wie Hans Holbein d. J., Hans Fries, Urs Graf und Niklaus Manuel Deutsch konnten mit der Kunst der grossen Nachbarländer wetteifern. Diese Blüte endete indessen jäh mit den Reformationswirren, dem Bildersturm und der Bilderfeindlichkeit in den nunmehr protestantischen Gebieten. Auch in den katholischen Landesteilen waren die bildenden Künste von dieser abrupten Wende betroffen. Freiburg sah sich infolge der Entscheidung, beim alten Glauben zu bleiben, inmitten protestantischen Gebietes isoliert. Das geistig-kulturelle Leben der Stadt wurde in dieser Periode geschwächt und von konfessionellen Auseinandersetzungen gezeichnet. Erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts erfuhr es einen neuen Aufschwung, der sich am deutlichsten in der Ankunft der Jesuiten abzeichnet. Gegen 1600 entspannte sich das Verhältnis zwischen Regierung und kirchlicher Obrigkeit, und die Bedingungen für Bildung und Kunst wurden günstiger. In diese Zeit fällt Peter Wuillerets Geburt Vermutlich wird er als erstes Kind von Anna Fracheboud und dem Kannengiesser Adam Wuilleret in Freiburg geboren; 1593 geht er im eben eröffneten Jesuitenkollegium zur Schule. Freiburg verfügt gegen Ende des 16. Jahrhunderts offensichtlich über keinen besonders begabten Maler. (Das Malerhandwerk umfasst neben dem Schaffen von Gemälden auch Arbeiten wie Anstreichen, Fassen von Skulpturen und Vergolden und ist von der Idee einer künstlerischen Entfaltung im modernen Sinn weit entfernt.) 1589 nimmt der Rat der Stadt Freiburg einen elsässischen Maler, Adam Künimann, unentgeltlich ins Bürgerrecht auf - offensichtlich, um den fähigen Mann zum Bleiben zu bewegen. Künimann arbeitet nicht allein, sondern hat mehrere Gehilfen. An ihn werden um 1600 die grossen Aufträge in Freiburg vergeben; er bestimmt den Stil der hiesigen Malerei. Es liegt nahe, dass Peter Wuilleret als humanistisch gebildeter Sohn eines angesehenen Handwerkers den besten Lehrmeister der Saanestadt wählt. Auch die Tatsache, dass er später des Elsässers Tochter heiratet, lässt darauf schliessen, dass er bei diesem gelernt hat. Nimmt man eine Dauer von drei bis vier Jahren für die Lehrzeit an, so hat er sie spätestens 1602 beendet. In diesem oder im darauffolgenden Jahr erscheint er im Zusammenhang mit einem einfachen Auftrag als selbständiger Maler in den Rechnungen der Niklauskirche: Er wird für die Bemalung der Bretter bezahlt, auf welchen man bei Prozessionen die Reliquien trägt. Für die folgenden Jahre schweigen die Quellen, so dass man nicht bestimmen kann, ob er als Geselle in einer Werkstatt arbeitet oder auf Wanderschaft geht, um seine Kunst zu verbessern. Aufgrund des Stils seiner ersten bekannten Werke nehmen wir an, dass er eine Reise nach Oberitalien unternimmt. Grosse Aufträge im Raum Freiburg Zwischen 1606 und 1608 erhält Peter Wuilleret einen grösseren Auftrag: Der Patrizier und Söldnerführer Hans von Lanthen-Heid lässt im Kreuzgang des Franziskanerklosters eine Folge von Totentanzbildern malen. (Der Zyklus von 17 grossformatigen Wandgemälden wird 1927 zerstört.) 1610 entsteht ein Altar für das Kloster Magerau. Der Maler scheint jetzt fast nur noch mit künstlerischen Aufgaben im engeren Sinn beschäftigt zu sein. Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass etwa zur gleichen Zeit sein Schwager Franz Reyff Eimer und Pferdedecken bemalt und der mutmassliche Lehrmeister der beiden, Adam Künimann, hauptsächlich Skulpturen fasst. Im Jahre 1613 erhält Peter Wuilleret den Auftrag, die Malerei am neuen Hochaltar der Liebfrauenkirche auszuführen. Vom Aussehen des Altars wissen wir nichts, ist das quellenmässig gut belegte Objekt doch spurlos verschwunden. Immerhin ist überliefert, dass er der Schmerzensmutter geweiht war; man darf also eine Darstellung der Beweinung annehmen, eines Gegenstandes, den der Maler wiederholt aufgegriffen hat. Familiengründung 1614 Um 1614 heiratet Wuilleret die zwanzigjährige Anna Künimann. Zu Beginn des darauffolgenden Jahres wird als sein erstes Kind das Mädchen Anna getauft; bis 1621 folgen zwei weitere Töchter und zwei Söhne. Zugleich etabliert sich der Maler im öffentlichen Leben der Stadt Freiburg: 1616 wird er in den Rat der Zweihundert gewählt und kurz danach in die Lukasbruderschaft aufgenommen; 1616 und 1617 ist er als Steuereinnehmer im Auquartier bezeugt, wo er am Klein-Sankt-Johannplatz ein Haus besitzt. 1628 tritt er in die Heimliche Burgerschaft ein, den «harten Kern» des Patriziats: dies vergrössert sein gesellschaftliches Ansehen, welches schon nach der Ernennung zum Ratsherrn beträchtlich gewesen sein muss. Aufträge aus ganz Helvetien Von 1622 und 1624 schafft er zwei Seitenaltäre für die Jesuitenkirche, welche den Heiligen Ignatius von Loyola und Franz Xaver geweiht sind. Diese Retabel mitsamt ihren Gemälden sind heute verschollen. Ein weiteres nur archivalisch belegtes Werk ist der Bildzyklus für den Solothurner Rathaussaal mit der Legende des Stadtheiligen Urs, der im Auftrag des dortigen Rats zwischen 1623 und 1627 entsteht. Mit fünfzig Jahren kann Peter Wuilleret auf eine erfolgreiche künstlerische Laufbahn und einen steten sozialen Aufstieg zurückblicken. Zu dieser Zeit, 1630, entwirft er acht Stiche für den Abt von Sankt Gallen, Pius Reher, die von Wolfgang Kilian in Augsburg gestochen werden. Fünf Jahre später berichtet das Diarium der Freiburger Jesuiten, Peter Wuilleret male den predigenden Petrus Canisius. Dieses Gemälde ist erhalten und befindet sich heute im Chor der Michaelskirche. Um 1635 stirbt Anna Künimann. Der alternde Maler heiratet bald nach ihrem Tod Catherine Veillard, die ihm drei weitere Kinder schenkt. Ende 1642 oder anfangs 1643 wird sein Name von der Liste der Freiburger Ratsmitglieder gestrichen; im Jahr darauf wird er in Rom erwähnt, wo er wahrscheinlich auch stirbt. Religiös geprägte Kunst Wuillerets Schaffen steht im Zeichen der katholischen Reform. Es ist eng mit der religiösen Situation Freiburgs verbunden und zeigt die neue Einstellung zum sakralen Bild, wie sie anlässlich des Tridentinums (im Hinblick auf die protestantische Bilderkritik) festgelegt worden war. Seine Gemälde führen eindringlich die Glaubenslehre vor Augen, zu welcher sich die Freiburger nach der Krise der Reformation explizit zu bekennen hatten: Ihr Zweck war es, die Bevölkerung zu belehren und zu ermahnen. Wir wissen aber nicht, inwiefern die Auftraggeber des Malers seine eigentliche künstlerische Begabung zu schätzen wussten, die geradezu lapidare Sicherheit in Form und Farbe, durch die er uns heute auffällt. Stilistisch gliedert sich sein Werk in zwei Phasen: die erste umfasst Gemälde mit blockhafter Reduzierung der Formen, grossflächiger Pinselführung, kontrastreicher und leuchtender Farbigkeit. Dem steht in der zweiten Phase eine beruhigte, sorgfältige Malerei mit weicheren Übergängen in Form und Farbe sowie einem Hang zu additiver Kleinteiligkeit gegenüber. Sein Frühwerk mutet altertümlich an. Und dennoch: Schon von Anfang an ist darin neben spätgotischen Reminiszenzen eine Monumentalität, Körperschwere und Räumlichkeit vorhanden, die man etwa bei seinem Lehrer Künimann völlig vermisst. Es handelt sich nicht mehr um eine gewohnheitsmässige Übernahme älteren Formengutes, sondern um das Verfügen über hergebrachte Stilelemente, aus denen eigenwillig ein Ganzes mit einer neuen formalen Aussage gebildet wird. In Parallele zur Architekturgeschichte könnte man hier von nachgotischer Malerei sprechen. Eine gewisse mittelalterliche Wirkung scheint Wuilleret überhaupt während des ganzen Schaffens zu beabsichtigen, indem er seinen Altar- und Andachtsgemälden das Wesen von Ikonen verleiht, die als ausserhalb der Zeit stehende Kultbilder eine höhere Wahrheit und nicht die sinnlich erfahrbare Realität darstellen. Dieser Rückgriff auf mittelalterliche Darstellungsmittel ist nicht veraltet, sondern kennzeichnet die Kunst der katholischen Reform ganz allgemein. In den Werken der Reife verstärkt sich die lastende Monumentalltät; während Wuilleret die Stereometrisierung der Volumina immer konsequenter durchführt, wird die Komposition zugleich freier. Die Farbigkeit dieser Gemälde im gewagten Nebeneinander kühler, schriller Töne und solcher von dunkler Wärme scheint manieristisch. Was jedoch dem gängigen Bild des Manierismus widerspricht, ist die ruhige Anordnung der Komposition, die sich jeglicher Geziertheit enthält und alles dem Wesentlichen, der Darstellung von Glaubensinhalten, unterordnet. Diese Suche nach der Essenz, weit ab von der anekdotischen Erzählfreudigkeit der Freiburger Maler des 16. Jahrhunderts, könnte für Wuilleret ihren Ursprung indirekt in der römischen Malerei der katholischen Reform genommen haben. Anstelle von deren Weichheit setzt der Maler jedoch kantige Formblöcke, ein Stilmittel, das einerseits (in seiner monumentalen Ausformung) aus Oberitalien, andererseits (splittriger, nordischer) vom Retabel der Freiburger Augustinerkirche stammen mag. Mit zunehmendem Alter wird Wuilleret offensichtlich durch den aufkommenden Barock verunsichert. Er beginnt deshalb, grossformatige Bilder auf Leinwand zu malen, strebt eine flüssigere Malweise an und gibt die Stereometrisierung zusehends auf, ohne jedoch mit seinem statischen Bildaufbau den Anschluss an den neuen, bewegten Stil zu schaffen. So steht er in der Entwicklung der freiburgischen Malerei zwischen Adam Künimann und dessen kleinfiguriger, narrativer Kunst und den im Dreissigjährigen Krieg aus der Freigrafschaft geflüchteten Malern mit ihrer eleganten Kopistenmanier barocker Prägung. Wuillerets Schaffen hat in Freiburg offenbar keine Nachfolge gefunden; auf die jüngeren Künstler mit zunehmend dramatischer Ausdrucksweise muss sein Spätwerk steif und altmodisch gewirkt haben. Trotz mannigfaltiger fremder Einflüsse tritt in den besten Gemälden Peter Wuillerets eine starke Künstlerpersönlichkeit zutage, die verschiedenste Strömungen zu vereinen und sie dem eigenen Formwillen zu unterwerfen weiss: Er darf als einer der besten und originellsten Schweizer Maler seiner Zeit betrachtet werden. Dr. Verena Villiger Konservatorin
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Universitas Friburgensis mai 93 |
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