Forschungsschwerpunkte von Helmut Zander

1.       Europäische Religionsgeschichte

Im Rahmen einer Globalisierung religiöser Entwicklungen ist die Position einer „europäischen“ Religionsgeschichte aus zwei Gründen neu zu bestimmen: Zum einen gibt es Hybridisierungs- und  Austauschprozesse  auf globaler Ebene, zum anderen existieren weiterhin Religionskulturen, die von regionalen Faktoren oder von einzelnen Religionen geprägt sind. In dieser Perspektive sind die Spezifika einer europäischen Religionsgeschichte zu beschreiben (so wie man analog die Spezifika von religiösen Entwicklungen in anderen Regionen beschreiben könnte). Eine Monographie zu strukturellen Eigenheiten einer so verstandenen europäischen Religionsgeschichte ist gerade erschienen ("Europäische" Religionsgeschichte. Religiöse Zughörigkeit durch Entscheidung - Konsequenzen im interkulturellen Vergleich, 2016)

2.       Aktuelle Entwicklungen in der Anthroposophie

Ein Überblick zur  gegenwärtigen Situation der Anthroposophie fehlt, obwohl sie weiterhin die wichtigste der „klassischen“ esoterischen Vereinigungen ist.  Ein durchaus persönlich gefärbter Einblick in die anthroposophische Bewegung ist in Arbeit.

 

Forschungsschwerpunkt von Judith Bodendörfer

Im 19. Jahrhundert ändert sich der Diskurs über „Religion“ grundlegend. Der Glaube an geoffenbarte Texte als einzige Quelle religiöser Erkenntnis wird durch den Historismus und die Naturwissenschaften zurückgedrängt. Zunehmend rücken Modelle von Erfahrung ins Zentrum religiöser Wahrheitsansprüche, die häufig unter dem Begriff „Mystik“ zusammengefasst werden. In diese Zeit des religiösen Umbruchs fällt sowohl die Entstehung der Religionswissenschaft als eigene Disziplin als auch die Gründung von heute oft als esoterisch bezeichneten, religiösen Strömungen, wie die der einflussreichen Theosophischen Gesellschaft.

Die verschiedenen Gruppen und Wissenschaftler beschreiben „mystische Erfahrung“ unterschiedlich. Während der Indologie Friedrich Max Müller die Universalisierbarkeit religiöser Erfahrung in der menschlichen Vernunft gegeben sieht, geht der Religionspsychologe William James von der Möglichkeit einer übersinnlichen Erfahrung aus, die sich der Logik entzieht. Die Theosophische Gesellschaft konzipiert, vom akademischen Diskurs beeinflusst, wieder eigene Kriterien religiöser Legitimation durch Erfahrung.

Die mystische Erfahrung wird als Paradigma der frühen Religionswissenschaft verstanden, das in ständiger Abhängigkeit von historischen oder zeitgenössischen Erfahrungsberichten steht, wie sie Müller aus religiösen Texten oder James aus Experimenten gewinnt. Die Analyse dieser Berichte, sowie die Berichte selbst sind wieder beeinflusst von Annahmen über religiöse Erfahrung, die bestimmten kulturellen Kontexten entspringt. Die Aufarbeitung dieser Kontexte und deren Einfluss auf die Beschreibung und Bewertung religiöser Erfahrung bildet den Kern der Arbeit.

Die Arbeit ist Teil des SNF Projektes „Die Genese der universitären Religionswissenschaft in der Auseinandersetzung mit nichthegemonialen, insbesondere theosophischen Traditionen", das in das Verbundprojekt "Gesellschaftliche Innovation durch 'nichthegemoniale' Wissensproduktion" eingegliedert ist.

 

Forschungsschwerpunkt von Julia Marzoner

Die religiösen Wurzeln der Rot-Kreuz-Bewegung und ihre Rezeptionin nicht-christlichen Kulturen, 1863-1920

In der Erforschung der Anfänge der Rot-Kreuz/Rot-Halbmond-Bewegung, sowohl die des Internationalen Komitees als auch einzelner nationaler Gesellschaften verschiedener Kulturen, steht die Frage im Mittelpunkt, inwieweit sich dessen Motive aus religiösen Kontexten ziehen. Henri Dunant und Gustave Moynier, die zwei wichtigsten Persönlichkeiten in den ersten Jahrzehnten des IKRK, agierten aus ihrem tiefprotestantischen Glauben heraus. Die Grundauffassung der Genfer Gründer war, dass aussereuropäischen Ländern erst christlichen Werte wie Nächstenliebe und Barmherzigkeit beigebracht werden müssten, bevor sie eine so hochzivilisierte Aufgabe wie die des Roten Kreuzes annehmen konnten. Diese Meinung mussten sie schon sehr bald revidieren, da eine der ersten nationalen RK-Gesellschaften in Japan gegründet wurde, wo sich die Motivation für die Arbeit an den verletzten Soldaten aus anderen humanitären Quellen bezog.

Die Arbeit soll also zeigen, dass die Wurzeln der RK-Bewegung im christlich-protestantischen Weltbild liegen, die internationale Ausbreitung und der Anspruch auf Universalität jedoch eine Veränderung dieser Inhalte erforderten. Dabei ist noch festzustellen, ob es sich dabei um eine Relativierung, Umdeutung oder Streichung der religiösen Aspekte handelt. In der Analyse der Quellen im IKRK-Archiv und der Schriften der wichtigsten Persönlichkeiten soll das Hauptaugenmerk darauf liegen, welche (religiösen) Motive in den verschiedenen Gesellschaften die Arbeit des RK zu rechtfertigen und welche Konflikte und Diskussionen darum entstehen.

 

Forschungsschwerpunkt von Yves Mühlematter

„Philologie und 'höhere' Erkenntnis in der Theosophie“

Helena Petrovna Blavatsky die Grande Dame der Theosophischen Gesellschaft stellte in ihrem Oeuvre in verschiedenen Passagen fest, dass das „okkulte Wissen“ in den Schriften der alten Kulturen, namentlich der Ägypter, den Hochkulturen des hellenischen und des südasiatischen Raums, zu finden sei. Dies führte dazu, dass die Theosophen Bestrebungen anstellten dieses „okkulte Wissen“ aufzuspüren. Dazu dienten ihnen Techniken der Philologie, allen voran die Technik des Übersetzens. Das Übersetzen eines Textes ist mit vielen Schwierigkeiten verbunden und verlangt vom Übersetzer ausgezeichnete Kenntnisse der Ausgangs- und Zielsprache. Auch wenn diese Kenntnisse gegeben sind, lassen sich Texte nie eins-zu-eins übertragen. Vielmehr kann davon gesprochen werden, dass im Prozess des Übersetzens ein „neuer“ Text entsteht. Diese „theosophischen“ Übersetzungen waren in einigen Fällen die ersten in europäischen Sprachen verfügbaren und deshalb kann davon ausgegangen, dass diese Eingang in die Wissenschaft, namentlich in die Religionswissenschaft, fanden.

Im Forschungsprojekt soll (1) eine Übersicht über die theosophische Übersetzungstätigkeit gewonnen werden, (2) diese Übersetzungen analysiert und (3) die Einflüsse dieser Übersetzungen auf das akademische Diskursfeld untersucht werden. Die zentralen Herangehensweisen sind (a) Archivarbeit, um möglichst umfassend die „theosophischen“ Übersetzungen zu erfassen, (b) historische Quellenanalyse verbunden mit philologischen Werkzeugen zur Analyse der Übersetzungen und deren Kommentare, (c) Methoden der Rezeptionsgeschichte und (d) der Diskursanalyse zur Untersuchung des akademischen Diskursfeldes.

 

Forschungsschwerpunkt von Maren Sziede

Der Spiritismus und die modernen Medien (1770-1930)

Die Geschichte der (technischen) Medien des 20. Jahrhunderts ist ohne den Spiritismus nicht zu verstehen, weil dessen ‚Geisterkommunikation‘ Strukturmerkmale besaß, die auch die technischen Medien denkmöglich machten: etwa die Konzeption von Fernwirkungen oder die Entmaterialisierung der Kommunikation. Diese Geschichte ist nicht, wie bislang zumeist, vor allem als Ergebnis des 19. Jahrhunderts zu lesen, sondern steht im Rahmen eines seit der Frühen Neuzeit laufenden und im Konzept einer historischen longue durée zu deutenden Prozesses.
In einem ersten Schritt soll die ‚Genese‘ des Spiritismus zwischen 1770 und 1930 rekonstruiert werden, unter besonderer Berücksichtigung der kaum erforschten Phase um 1800. Untersucht werden die anthropologischen Debatten über erweiterte Wahrnehmungsfähigkeiten des Menschen (‚höhere Erkenntnis‘) und deren Transformation, durch die der Spiritismus zu einer Art religiöser ‚Naturwissenschaft‘ wird, in dem etwa Fernwirkungen diskutiert und experimentell untersucht wurden – an menschlichen wie an technischen Medien.
Ziel der Untersuchung ist es, (1.) die Verdrängung des Spiritismus aus der Mediengeschichte zu revidieren und (2.) den Spiritismus wiederum aus dem Getto ‚esoterischer‘ Forschung zu befreien und ihn in die allgemeine Kulturgeschichte seit dem 18. Jahrhundert zu integrieren. Damit werden (3.) Quellen und Kontexte der Mediengeschichte sichtbar, die diese weniger als eine Geschichte der Erfindung technischer Medien, sondern vielmehr als Produkt polysemer kultureller Prozesse ausweist.

Diese Forschung ist Teil des Verbundprojektes "Gesellschaftliche Innovation durch 'nichthegemoniale' Wissensproduktion".

 

Forschungsschwerpunkt von Philipp Karschuck

Anthroposophische Palliativmedizin

Arbeitstitel: „Anthroposophische Palliativmedizin im Kontext gegenwärtiger Transformationsprozesse in der alternativen Medizin der Schweiz“

Hier finden Sie nähere Informationen zu dieser Dissertation.

Diese Forschung ist Teil des Nationalen Forschungsprogrammes 67 „Lebensende“

Lehrstuhl für Vergleichende Religionsgeschichte und Interreligiösen Dialog - Av. Europe 20 - 1700 Freiburg
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