koregulation von Affekten in der Familie

Die Regulierung von affektiven Erfahrungen im Familienkontext und in interpersonellen Interaktionen stellt eine der wichtigsten Bereiche im emotionalen Leben eines Individuums dar. Solche dynamische interpersonelle Prozesse sind komplexer Natur. Diese beinhalten kontrollierte und automatische, intraindividuelle und interpersonelle Elemente der Emotionsregulation und haben wahrscheinlich nachhaltige Auswirkungen auf das individuelle und interpersonelle Funktionieren, da es sich dabei um Kernbereiche von adaptiven oder maladaptiven Verhalten in Reaktion auf grössere, kleinere, akute und chronische Herausforderungen handelt. In diesem Sinne sind individuelle Unterschiede in diesen Prozessen wahrscheinlich in Bezug auf das Entstehen, die Aufrechterhaltung, Verschlimmerung und den Rückfall von psychischen Störungen von Relevanz. 

Bislang gibt es jedoch nur wenige empirische Forschungsarbeit zu solchen dynamischen interpersonellen Prozessen im Alltag und diese wurden selten einer umfassenden theoretischen Perspektive adaptiert. Hinzu kommt, dass eine Verbindung zwischen den Prozessen im Alltag und der langfristigen Entwicklung des individuellen und interpersonellen Funktionierens angenommen wird, aber nur sehr wenige Studien erfassen sowohl die tägliche interpersonelle Dynamik als auch Langzeitprozesse in einer einzigen Studie. Unsere Forschungsarbeit hat zum Ziel diese Lücken zu füllen, indem sowohl tägliche affektive koregulationsprozesse gemessen werden, als auch das individuelle und interpersonelle Wohlbefinden wiederholt über einen Zeitraum von einem Jahr erhoben wird. Dies ermöglicht zu untersuchen, wie Paare mit den eigenen alltäglichen Erfahrungen und jene des Partners umgehen, wie sich diese Prozesse in Abhängigkeit von individuellen Eigenschaften unterscheiden und ob solche Unterschiede Veränderungen im individuellen und interpersonellen Funktionieren über den Zeitraum von zwei Halbjahresperioden erklären können. Ein sekundäres Ziel ist die Anwendung computergestützten ambulanten Verfahren bei Paaren voranzutreiben.

 

Relationship Processes Across Cultures

Der soziokulturelle Kontext in welchem wir leben beeinflusst unsere zwischenmenschlichen Erfahrungen auf tiefgreifende Weise. Das Wissen über den Einfluss des kulturellen Kontext auf Partnerschaftsprozesse wächst langsam heran. Gleichwohl basieren die publizierten Studienergebnisse über Partnerschaften und deren Funktionieren überwiegend auf amerikanischen oder westeuropäischen Stichproben. Kulturelle Einflüsse dieser Art beschränken sich nicht nur auf romantische Beziehungen, denn enge Beziehungen – und insbesondere Beziehungen welche in unterschiedlichen Kulturen als Familienbeziehungen betrachtet werden – sind ein wichtiger Katalysator für kulturelle Effekte auf affektive interpersonelle Erfahrungen. 

Mittels ambulanten Assessmentdaten  von westeuropäischen, südeuropäischen, russischen und chinesischen Eltern junger Kinder,  erforschen wir verschiedene Aspekte im alltägliche Leben von Paaren, die sich systematisch in Abhängigkeit des kulturellen Kontexts unterscheiden. 

Diese Daten legen beispielsweise nahe, dass Paare sehr unterschiedliche formelle und informelle Netzwerke sozialer Unterstützung haben, was sich auch in den Erwartungen zeigt, die Paare bezüglich der Unterstützung von Familienmitgliedern und Freunden hegen. Ein weiterer kultursensitiver Bereich in partnerschaftlichen Prozessen scheint die Art und Weise zu sein, wie Individuen mit negativen Emotionen, insbesondere mit Wut und Kritik, in interpersonellen Situationen umgehen.  Beispielsweise scheint die Sensitivität auf den Ärger Ausdruck bei Paaren die kollektivistische Werte und Normen befürworten, wesentlich ausgeprägter zu sein.

In Zusammenarbeit mit Dr. Zhiyun Wang (Beijing Normal University), untersuchen wir zurzeit Regulationsmuster von individuellem und interpersonellem Stress und wie sich die interpersonelle Regulation zwischen den zwei Stresstypen unterscheidet. 

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