Definition Kompetenz – Kompetenzprofil – Standard
Wir gehen in unseren Forschungsprogrammen von einer Kompetenzdefinition aus, welche die Berufsspezifität, Komplexität und Situativität des Handelns von Berufsfachschullehrpersonen und Berufsbildenden im Betrieb stärker berücksichtigt, als dies bisherige Kompetenzdefinitionen tun. Anstatt von einzelnen Kompetenzen sprechen wir von Kompetenzprofilen, weil in schulischen und betrieblichen Situationen für einen in sich ganzheitlichen Handlungsablauf meist nicht nur eine einzelne Kompetenz, sondern ein Bündel von Kompetenzen gefordert ist. Wenn die Qualitätsausprägung von Kompetenzprofilen gemessen werden kann, sprechen wir von Standards.
In Anlehnung an die Definition des Kompetenzbegriffs nach Weinert (2001) definieren wir ein Kompetenzprofil als "[…] ein in komplexen Situationen des Unterrichts abgrenzbares, zieladäquates, effektives und ethisch gerechtfertigtes Einflusshandeln, welches das Lernen von Schülern und Schülerinnen differentiell fördert" (Oser et al., 2006, S. 17). Es wird von der Lehr-Lernsituation bestimmt. Zur erfolgreichen Bewältigung dieser Situation muss ein ganzes Bündel von Kompetenzen abgerufen werden können, die durch sie gesteuert und aufeinander bezogen sind.
Ein Kompetenzprofil muss dem Kriterium des mittleren Abstraktionsniveaus genügen. Damit ist der Konkretisierungsgrad der Handlung eines Kompetenzprofils gemeint. Die Leistung der mittleren Ebene liegt darin, dass Teilhandlungen einer Situation in einen Gesamtzusammenhang eingebettet sind und dennoch sichtbar gemacht werden können. Die Handlung ist nicht – wie auf der Mikroebene – so stark fragmentiert, dass die Wahrnehmung der situativen Komplexität zerfällt, aber auch nicht – wie auf der Makroebene – so allgemein formuliert, dass sie keine Aussagen über Qualitätsdimensionen zulässt.
Von einem Standard sprechen wir, wenn die Qualitätsausprägung eines Kompetenzprofils gemessen werden kann und damit Messvergleiche möglich werden. Wichtige Kriterien für Standards sind (a) theoretische Begründbarkeit, (b) empirische Vorfindbarkeit, (c) ethische Absicherung und (d) Gerichtetheit auf Optimierung des Lernens in einer ganzheitlichen Situation.
Oser, F., Curcio G.-P., Düggeli, A. & Kern, M. (2006). Schlussbericht 1. Phase. Professional Minds – Handlungssituationen und Standards für die Berufsausbildenden (6376.1BFS). Freiburg, Schweiz: Universität Fribourg (unveröffentlichtes Arbeitspapier).
Weinert, F.E. (2001). Concept of Competence: A Conceptual Clarification. In: D.S. Rychen & L.H. Salganik (Eds.): Defining and Selecting Key Competencies, pp. 46-65. Bern/Göttingen: Hogrefe&Huber Publishers
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