Patristik und Geschichte der alten Kirche
THEOLOGISCHE FAKULTÄT DER UNIVERSITÄT FREIBURG
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"Irak: Von den Anfängen bis in unsere Zeit".
Symposium über das Christentum in Mesopotamien

bilder/logo_babel_college_100.jpg Freiburg, 12. November 2010
Während die Christen des Iraks nach dem Blutbad, dessen Opfer sie am Sonntag, 31. Oktober, in der Syrisch-katholischen Kirche „Unserer Lieben Frau von der Immerwährenden Hilfe“ in Bagdad geworden sind, auf der Titelseite der Zeitungen stehen, bleibt die Universität Freiburg nicht gleichgültig gegenüber dem Schicksal dieser christlichen Minderheit, die in ihrem Überleben bedroht ist. Sie zeigt ihre Solidarität, indem sie eine wissenschaftliche Zusammenarbeit mit dem Babel College von Erbil-Ankawa im Nordirak entwickelt. Das Babel College der Chaldäisch-Katholischen Kirche ist die einzige akademische Ausbildungsstätte, über die die Christen im Irak verfügen.

Die Alma mater friburgensis bereitet ein Symposium mit dem Titel „Das Christentum im Irak: Von den Anfängen bis in unsere Zeit“ vor. Dieses Symposium wird von 13. bis 15. Mai 2011 stattfinden. Es ist eingebettet in den Rahmen einer Konvention, die im vergangenen Juli von der Theologischen Fakultät von Freiburg und dem Babel College in Erbil-Ankawa unterzeichnet worden ist. Etwa zehn Professoren des Babel Colleges werden nach Freiburg kommen und Vorträge halten, die nicht nur historischen Themen in Hinblick auf die christlichen Wurzeln ihrer Kultur oder die faszinierenden Kulturen des alten Orients behandeln. Sie werden genauso sprechen von ihrer eigenen Erfahrung des gegenwärtigen Krieges und den Aggressionen, denen sie heute unterliegen. Das geplante Symposium lädt dazu ein, die reiche Geschichte der Christen in Mesopotamien – dem heutige Irak – und ihrer zunehmend dramatischen Situation zu entdecken.

Programm des Symposiums (.pdf) >>
Bericht des Symposiums (.pdf) >>

Das Vermächtnis der Religionen des Zweistromlandes für das Christentum

Zur Eröffnung des Symposiums werden P. Prof. Guido Vergauwen, Rektor der Universität Freiburg, Prof. Mariano Delgado, Dekan der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg, sowie Prof. Franz Mali, Präsident der Arbeitsgruppe Theologische Fakultät Freiburg – Babel College Erbil-Ankawa das „Vermächtnis der Religionen des Zweistromlandes für das Christentum“ anreissen.

Darauf wird Simo Parpola, em. Professor für Assyrologie an der Universität Helsinki, über assyrische Konzepte im syrischen Christentum sprechen. Hikmat Bashir Majid Al-Aswad, Direktor des Museum von Mossul, wird das „Symbol des Kreuzes im alten Mesopotamien“ behandeln, während Prof. Franz Mali „die Entstehung des Christentums in Mesopotamien und die Entwicklung der Kirchen“ aus einer historischen Perspektive darlegen wird. Lusia Markos Shammas wird über Aphrahat, den Weisen (4. Jh.) als Urheber einer orientalischen biblischen Theologie sprechen.

Die Zusammenarbeit zwischen beiden Fakultäten wird auch durch die Präsenz von Mitgliedern des Dominikanerordens in Freiburg und Ankawa unterstützt. Der Dominikanerpater Samir Marroghi wird von der „Spiritualität in der Kirche von Mesopotamien“ sprechen. Der Rektor des Babel Colleges, Erzbischof Jacques Isaak, wird die Frage der „Heiligen Jungfrau in der Chaldäischen Liturgie“ behandeln, während der Chaldäische Erzbischof von Kirkuk, Louis Sako, „die ökumenischen Aspekte der Kirche des Iraks von heute“ analysieren wird. P. Yousif Thomas Mirkis, Superior der Dominikaner in Bagdad, wird die „Verbreitung der Bibel im Irak seit 1984“ beleuchten. Ein anderer Dominikaner, P. Hans Ulrich Steymans, Professor am Departement für Biblische Studien der Universität Freiburg, wird über „Bittende Frauengestalten – von der Muttergöttin zur Gottesmutter“ sprechen.

Das Christentum siedelt sich seit seinen Anfängen in Mesopotamien an

Schon seit den ersten Jahrzehnten seiner Existenz hat sich das Christentum in den Orient ausgebreitet und in Mesopotamien Wurzeln geschlagen. Seit der Zeit Konstantins wurden die Christen im Perserreich, dessen Staatsreligion der Zoroastrismus war, verdächtigt, Kollaborateure des verhassten politischen Feindes Byzanz zu sein. Selbst nach der arabischen Eroberung erlitten die Christen Benachteiligungen und wurden dezimiert. Das Christentum war immer die Religion einer Minderheit in der Region, und das bis in unsere Zeit.

Konvention zwischen Babel College und der Universität Freiburg

Vergangenen Sommer wurde eine Konvention unterzeichnet, die die engere Zusammenarbeit zwischen der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg und dem Babel College für Philosophie und Theologie fördern soll, die eine Einrichtung des Chaldäisch-Katholischen Patriarchates von Babylon ist. Die Konvention will insbesondere den Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern, die in Forschung und Lehre tätig sind, fördern. Deshalb ermutigt die Theologische Fakultät des Babel Colleges ihre Studierenden, die schon einen Bachelor-Abschluss erworben haben, einen Studien- oder Forschungsaufenthalt an der Universität Freiburg zu verbringen. Ebenso ermutigt auch die Theologische Fakultät der Universität Freiburg ihre Studierenden einen Studien- oder Forschungsaufenthalt am Babel College im Irak zu verbringen. Die Anträge müssen von den Koordinatoren der beiden Fakultäten geprüft und approbiert werden. Die Konvention fördert auch das Aufbaustudium, das sind Lehrveranstaltungen für Doktoranden und Habilitanden.

Solidarität der Theologischen Fakultät mit den Christen im Irak

Seit der Durchführung eines Kolloquiums zur Situation der irakischen Frauen und Kinder im November 2006 setzt sich die Theologische Fakultät für die christliche Minderheit im Irak ein. Die Fakultät und der Rektor der Universität haben ausserdem im August 2007 beim Heiligen Stuhl interveniert, während ein Brief zur Unterstützung der Rechte von ethnischen und religiösen Minderheiten im Irak an die Präsidentin der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Micheline Calmy-Rey, der Chefin des Departementes für Auswärtige Angelegenheiten, geschickt wurde. Vorträge über das Schicksal der Christen im Irak wurden mit Erzbischof Louis Sako von Kirkuk organisiert. Infolge dieser Aktivitäten und eines Treffens mit den Autoritäten der Universität Freiburg lud der Rektor des Babel Colleges, Erzbischof Jacques Isaak, Titularbischof von Nisibis, die Professoren von Freiburg ein, die Möglichkeiten eines Austausches mit seiner Institution zu erarbeiten.

Die Universität schickte Ende Oktober 2009 eine Delegation in den Nordirak. Sie hat die Konvention zur Zusammenarbeit mit dem Babel College vorbereitet. Diese Bildungseinrichtung musste aus dem Quartier Dora in Bagdad wegziehen, weil sie dort terroristischen Angriffen ausgesetzt war. Zwei Professoren wurden ermordet und vier weitere verschleppt und erst nach Lösegeldzahlungen freigelassen, wohingegen die Gebäude des Babel Colleges von der US-amerikanischen Armee beschlagnahmt wurden. Das Babel College ist nunmehr in Ankawa angesiedelt, dem christlichen Viertel von Erbil, der Hauptstadt der autonomen Region Kurdistan.

Die Delegation setzte sich zusammen aus Prof. Franz Mali (Patristik / Geschichte der Alten Kirchen / christl.-oriental. Sprachen), Lusia Markos Shammas, Doktorandin in Freiburg, und Patrizia Conforti, Doktor-Assistentin. Die Delegation wurde in Ankawa vom Rektor des Babel Colleges, Erzbischof Jacques Isaak, dem Vizerektor P. Fadi Lion, und weiteren Mitgliedern der Leitung dieser Institution empfangen, die an die Päpstliche Universität Urbaniana in Rom affiliiert ist. Die Theologische Fakultät Freiburg und das Babel College haben die Konvention am 5. Juli 2010 unterzeichnet und damit die akademische Zusammenarbeit institutionalisiert.

(Übers. von F. Mali der apic-Meldung vom 3.11.2010)

 

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