ABCB-Transporter: Lassen Wurzeln nach unten wachsen und stärken Krebszellen[ Zurück zur News-Liste ] Pflanzen passen ihr Wachstum der Schwerkraft an. Dies erreichen sie durch eine geschickte Verteilung des Pflanzenhormons Auxin mit Hilfe bestimmter Transportproteine. Dr. Markus Geisler vom Pflanzenwissenschaftlichen Institut der Universität Freiburg konnte nun aufzeigen, wie eines dieser Proteine, ein sogenannter ABCB-Transporter, reguliert wird. Da ABCB-Transporter auch in menschlichen Krebszellen vorkommen, sind diese Forschungsergebnisse von besonderer Tragweite.
Aber wie merkt die Pflanze, dass sie waagrecht liegt? Wissenschaftler vermuten, dass Pflanzen die Schwerkraft mit Hilfe sogenannter Amyloplasten (Stärkekörner) "spüren" können. Wenn sich die Lage der Pflanze im Raum ändert, verschiebt sich entsprechend die Position der Stärkekörner in der Zelle. Es wird vermutet, dass die Bewegung der Stärkekörner über einen noch unbekannten Mechanismus die Proteine beeinflusst, welche den Transport des Pflanzenhormons Auxin von Pflanzenzelle zu Pflanzenzelle sicherstellen. Diese Transportproteine verteilen nun das Auxin so, dass sich dieses vermehrt in der dem Boden zugewandten Hälfte der Wurzel ansammelt. Das Auxin hemmt dort eine Ausdehnung der Wurzelzellen, so dass die obere Wurzelhälfte stärker wächst als die untere. Dadurch krümmen sich die Wurzeln nach unten und die Wurzel findet so wieder den Weg zum Boden. Diese gravitrope Reaktion ist in Mutanten ohne ABCB-Transporter abgeschwächt. Daher wird angenommen, dass ABCB-Transporter zu den Proteinen gehören, die Auxin so verteilen, dass Wurzeln nach unten wachsen. Damit sich das Auxin zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ansammelt, müssen die ABCB-Transporter präzise an- beziehungsweise ausgeschaltet werden können. Es stellt sich also die Frage, wie die Pflanze die Aktivität der ABCB-Transporter reguliert.
Obwohl zur Zeit noch nicht alle Schritte vollständig bekannt sind, die von der Wahrnehmung der Schwerkraft mittels Lageveränderung der Stärkekörner bis zur Regulierung des Auxintransportes führen, so weiss man doch, dass ein Protein namens PINOID daran beteiligt ist. Lange war jedoch unklar, welche Wirkung PINOID auf den Auxintransport hatte. Einige Experimente ergaben, dass PINOID den Auxintransport hemme, während andere darauf schliessen liessen, dass PINOID diesen ankurble. Wie Geislers Forschung nun zeigte, ist ein drittes Protein, namens TWISTED DWARF1, der Schlüssel zur Lösung des Rätsels: TWISTED DWARF1 hat die Fähigkeit, mit dem ABCB-Transporter zu interagieren und so dessen Aktivität zu beeinflussen. Geisler konnte nachweisen, dass PINOID eine chemische Veränderung, die sogenannte Phosphorylierung, am ABCB-Transporter bewirkt. Wenn am betreffenden ABCB-Transporter in diesem Moment ein TWISTED DWARF1 "klebt", so bewirkt diese Phosphorylierung eine Inaktivierung des ABCB-Transporters - ist hingegen kein TWD1 zugegen, bewirkt die Phosphorylierung eine Aktivierung des ABCB-Transporters. Diese Entdeckung ist besonders brisant, weil ABCB-Transporter auch in menschlichen Krebszellen vorkommen; sie sind verantwortlich für die sogenannte Multi-Drug-Resistance, die Krebszellen unempfindlich gegen Chemotherapeutika macht.
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Infos & AnhängePubliziert am 07.05.2012 QuellenDienst für |


