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| | | Gewaltdarstellung im Sinne von Art. 135 StGB | | | | Gerhard Fiolka | | | | | | | |
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| | | A. | | KONKURRENZ ZU VERLETZUNGSDELIKTEN GEGEN LEIB UND LEBEN | | | | | |
| | | Da Art. 135 StGB Leib und Leben nur gegen abstrakte Gefährdungen, die von entfes- selten Betrachtern ausgehen, zu schützen vorgibt, tritt die Bestimmung in echte Kon- kurrenz zu Delikten, die Darsteller, die unter Umständen bei der Herstellung der Darstellungen körperlich Schaden nehmen, schützen wollen. | | |
| | | B. | | KONKURRENZ ZU ART. 197 ABS. 3 STGB (PORNOGRAPHIE) | | | | | | | | |
| | | Art. 197 Abs. 3 StGB belegt gewalttätige Pornographie (oder sexuell eingefärbte Ge- walttätigkeiten) mit Strafe. Formell betrachtet wäre hier echte Konkurrenz anzuneh- men, weil die beiden Bestimmungen verschiedene Rechtsgüter ( Art. 135: Leib und Leben, Art. 197: Sexuelle Integrität) schützen.212 Wie dargestellt ist die Verbindung von Art. 135 StGB zum Rechtsgut Leib und Leben derart locker, dass sie in diesem Zusammenhang zu vernachlässigen ist. Was bleibt, sind der Jugendschutz und die Verletzung grundlegender ethischer Werte. Das Ziel des Jugendschutzes wird auch durch Art. 197 StGB verfolgt. Zudem richtet sich auch Art. 197 StGB gegen „unwür- dige“ Darstellungen. Insgesamt erscheint es also gerechtfertigt, den Unrechtsgehalt von Art. 135 StGB durch Art. 197 Abs. 3 StGB als erfasst zu betrachten.Folglich kann unechte Konkurrenz angenommen werden. 213 | | | |
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| | | Was nun? Die Lehre ist sich einig, dass die Auslegung von Art. 135 StGB ein schwie- riges Unterfangen ist. Nichtsdestotrotz bleibt sie möglich. Es ist nicht einfach, das Rechtsgut zu ermitteln, das Art. 135 StGB schützen soll. Allerdings gelingt auch dies, wenn auch ein Rechtsgut dabei herauskommt, das im schweizerischen Strafrecht neu ist und das selbst an den Grenzen des Rechtsgutgedankens angesiedelt ist. Immerhin musste nicht festgestellt werden, Art. 135 StGB sei ein eigentlicher Zensurartikel. Konflikte mit der Meinungsäusserungsfreiheit werden selten sein und können auf verfassungsrechtlich legitime Art gelöst werden, denn Grundrechtseingriffe können ausnahmsweise erlaubt sein. Art. 135 StGB trägt wohl auch nicht dazu bei, dass unse- re Gesellschaft, durch die Norm in Watte gepackt, sich nicht mehr mit Gewalt aus- einandersetzen kann. Art 135 StGB betrifft nur extremste Gewaltdarstellungen und auch die nur, wenn ihnen etwas Selbstzweckhaftes anhaftet. | |
| | | Sollte man Art. 135 StGB einfach streichen? M.E. nicht, denn „was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden“.214 Die Tilgung einer einmal ge- | | | | |
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| | | 212 CASSANI, S. 446 f. 213 Auch zu dieser Lösung kommen CASSANI, S. 447; R EHBERG /SCHMID , S. 58; G ERNY, S. 158 f. 214 Friedrich DÜRRENMATT, Die Physiker, Eine Komödie in zwei Akten, Neufassung, Zürich 1980. | | | | | | |
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