INternationales Kolloquium

 

40 Jahre Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils

Kolloquium des Instituts für Liturgiewissenschaft der Universität Freiburg/Schweiz in Verbindung mit der Liturgischen Kommission der Schweizer Bischofskonferenz und des Lehrstuhls für Liturgiewissenschaft der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt

Universität Freiburg/Schweiz, 28.-29. November 2003 & Universität Erfurt, 12.-13. Dezember 2003

Das Thema des Kolloquiums

Am 4. Dezember 1963 verabschiedete das Zweite Ökumenische Vatikanische Konzil als erstes Dokument die Liturgiekonstitution „Sacrosanctum Concilium". Dieser Beschluß ist in den folgenden Jahren Programm für die Liturgiereform in der römisch-katholischen Kirche geworden, hat darüber hinaus aber auch Gottesdienstreformen in anderen Kirchen inspiriert. Unverändert ist das Konzilsdokument Bezugspunkt für Theologie, Spiritualität und Praxis des liturgischen Lebens in der katholischen Kirche.

Das 40jährige Jubiläum der Veröffentlichung der Konstitution ist Anlaß für ein Kolloquium, das in zwei Abschnitten vom Institut für Liturgiewissenschaft der Universität Freiburg/Schweiz in Verbindung mit der Liturgischen Kommission der Schweizer Bischofskonferenz und vom Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt veranstaltet wird. Unter verschiedenen, sich gegenseitig ergänzenden Aspekten wird eine Relecture der Liturgiekonstitution und eine Konfrontation ihrer Aussagen mit Theologie, Kirche, Gesellschaft und Kultur der Gegenwart vorgenommen.


Der Erste Teil des Kolloquiums

Der erste Teil des Kolloquiums findet an der Universität Freiburg/Schweiz am 28./29. November 2003 statt. Er steht unter dem Thema:

Theologie und Spiritualität der LiturgieHerausforderungen und Innovationen auf den Spuren von „Sacrosanctum Concilium"

Vorrangiges Anliegen des Konzils war es, „das christliche Leben unter den Gläubigen mehr und mehr zu vertiefen" (SC 1). Diese Zielsetzung verlangt eine intensive Rückfrage nach den theologischen Grundlagen des gottesdienstlichen Feierns sowie nach der spirituellen Kraft, die aus der Liturgie hervorgeht. Die Liturgiekonstitution hat in dieser Hinsicht wesentliche Neuerungen gebracht. Diese bestehen zum Beispiel in der primären Fundierung der Liturgie im Pascha-Mysterium Jesu Christi und somit in einem schwerpunktmäßig christologischen Zugang zum Verständnis des Gottesdienstes. Hervorzuheben ist der Wandel im Kirchenverständnis, das nicht zuletzt im Schlüsselbegriff der „vollen, tätigen und bewußten Teilnahme" des ganzen Volkes Gottes an der Liturgie seinen Niederschlag findet. Aber auch die Frage, wie aus der Liturgie heraus das christliche Leben gestaltet werden kann, hat die Konzilsväter bewegt; ihre Antwort in der Liturgiekonstitution wurde später weiterentwickelt und bedarf nach wie vor der vertieften Umsetzung in der Kirche der Gegenwart. Liturgie - ganz gleich, mit welchen Menschen, in welcher Zeit und unter welchen Umständen sie gefeiert wird - kann auf ein solides theologisches Fundament nicht verzichten. Sie soll das geistliche Leben in der Kirche als ganzer sowie im Leben aller Gläubigen in der Nachfolge Jesu Christi auferbauen.Nicht selten werden heute aber auch Anfragen an die theologische Grundlegung der Liturgie gerichtet, wird bisweilen zwar mit großem Engagement für den Gottesdienst gearbeitet, ohne daß aber mitunter hinreichend theologische Kriterien bewußt sind.

So soll auf dem Kolloquium gefragt werden:

  • Worin bestanden die wesentlichen Impulse der Liturgiekonstitution „Sacrosanctum Concilium" für eine Erneuerung und Vertiefung von Theologie und Spiritualität der Liturgie?
  • Welche Bedeutung haben diese Impulse angesichts der veränderten Anforderungen an Kirche und gläubige Existenz der Christen, an Theologie und Spiritualität heute? Welche Aspekte der konziliaren Lehre vom Gottesdienst sind nach wie vor offene Desiderate?
  • In welchen Bereichen stellen die Veränderungen in Theologie und Kirche, Kultur und Gesellschaft neue Fragen für Theologie und Spiritualität der Liturgie?

Referieren werden katholische und reformierte Theologen aus Italien, Frankreich und der Schweiz.


Der Zweite Teil des Kolloquiums

Der zweite Teil des Kolloquiums findet am 12./13. Dezember 2003 an der Universität Erfurt statt. Er steht unter dem Thema: Gottesdienst in Zeitgenossenschaft. Relecture von „Sacrosanctum Concilium" in postmoderner Gesellschaft

Diskutiert werden soll, welche Impulse die Liturgiekonstitution für die Liturgie in säkularer Gesellschaft heute gibt, wo möglicherweise Defizite zu beklagen sind oder wo die kirchliche und gesellschaftliche Entwicklung über die Konstitution hinaus weitergegangen ist. Als das Zweite Vatikanische Konzil die Liturgiekonstitution verabschiedete, waren die Erosion des katholischen Milieus und eine entsprechende Veränderung religiöser und konfessioneller Strukturen zumindest in westeuropäischen Gesellschaften längst zu beobachten. Verhältnismäßig spät hat man begonnen, die Konsequenzen für die christliche Liturgie in der sich wandelnden und stärker pluralisierten Gesellschaft zu bedenken. Das Kolloquium soll in doppelter Hinsicht nachfragen:

  • Wie verändert sich die christliche Liturgie in Theologie und Gestalt im Hinblick auf eine Gesellschaft, die sich gegenüber den frühen 60er Jahren des 20. Jahrhunderts markant gewandelt hat? Erinnert sei etwa an den Akzeptanzverlust kirchlicher Glaubensaussagen, die weitgehende Auflösung des katholischen Milieus, die Krise der Tradierung des Glaubens, den Verlust an Vertrautheit mit kirchlich-liturgischen Formen etc. Wo verliert, wo gewinnt die Liturgie im gesellschaftlichen Kontext neues Profil?
  • Wie wirkt die Liturgie in die Gesellschaft hinein? Wo kann sie die Chancen des Pluralismus aufnehmen? Wo hat sie in atheisierender Kultur als „präkatechumenale" Liturgie oder als „Ritendiakonie" einen Platz?

Die Frage nach dem „Gottesdienst in Zeitgenossenschaft" berührt die katholische Kirche heute insgesamt. Referieren werden neben einem Kollegen aus der Religionswissenschaft Theologen aus Deutschland, insbesondere aus Ostdeutschland, den Niederlanden und Osteuropa. Mitdiskutieren werden Kolleginnen und Kollegen aus dem gesamten deutschen und weiteren Sprachgebieten.

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