Lehrstuhl

 

Unsere Forschungsprojekte

1. Nationalfondsprojekt "Edition de l'antiphonaire cistercien primitif"

Diese Forschungsarbeit, die auf der paläographischen Analyse der ersten zisterziensischen Antiphonarien (Tamié (F), Westmalle (B) und la Fille-Dieu (CH)) aufbewahrt werden, ermöglicht die Edition der Gesänge des ersten zisterziensischen Antiphonars. Sie führt die kurz nach 1108 aus Metz nach Cîteaux gelangten Gesänge vor Augen, die bis zu Beginn der 1140er Jahre in allen Klöstern des Ordens verwendet wurden.

Das Projekt ist Teil der Forschungsarbeit über den in Cîteaux verwendeten Gesang, die 1950 ihren Anfang nahm. Dieser Gesang, dessen Ursprünge in der Benediktinerabtei Molesme liegen, erfuhr in den ersten 50 Jahren nach der Gründung des Ordens (1098) zwei tiefgreifende liturgische Reformen; die zweite, welche Anfang der 1140er Jahre auf Initiative Bernhards von Clairvaux durchgeführt wurde, ist dank zahlreicher aufgefundener Manuskripte gut bekannt. Demgegenüber weist die erste kurz nach 1108 von Abt Stephan Harding betriebene Reform zahlreiche Unbekannte auf. Zisterziensische Manuskripte aus der Zeit vor der Reform Bernhards von Clairvaux sind äußerst selten anzutreffen. Insbesondere im Bereich der Bücher liturgischer Gesänge bestehen nur einige intakte Fragmente des ersten zisterziensischen Graduales (Paris, BnF lat. 2645), zwei Antiphonarien (Abteien Westmalle und Tamié) sowie einige Antiphonarienfragmente in der Abtei la Fille-Dieu (Romont). Diese außergewöhnlichen Ende der 1130er Jahre kopierten Manuskripte wurden von den Reformatoren des Heiligen Bernhard korrigiert, und zwar wahrscheinlich in der Abtei von Hautcrêt (Diözese Lausanne), "pater immediatus" der Abtei la Fille-Dieu, wo sie jahrhundertelang aufbewahrt wurden. Sowohl der Mangel an Quellen als auch das Mitwirken bernhardinischer und erster zisterziensischer Mönche liefern zweifellos die Erklärung dafür, dass bisher der Versuch unterblieben ist, den Urzustand des zisterziensischen Antiphonales (Antiphonars/Antiphonariums) wieder herzustellen.

Wir widmen uns nun diesem fesselnden Unterfangen. Die Restitution des Antiphonales (Antiphonars/Antiphonariums)  Stephan Hardings verfolgt zweierlei Ziele. Sie wird über die Ursprünge des zisterziensischen Gesangs Auskunft geben, indem sie die Melodien von Antiphon und Responsorium, die zwischen 1108 und dem Anfang der 1140er Jahre gesungen wurden, aus der Vergessenheit hervorholt. Und damit einhergehend wird sie indirekt über die « Metzer Gesänge » aufklären, die konservativer und älter sind, als die uns überlieferten der Bücher für das Metzer Offizium.

Das Projekt, das in Zusammenarbeit mit Dr. Alicia Scarcez läuft, stellt einen wichtigen Beitrag zur Kenntnis der ältesten Fassung der Zisterzienserliturgie dar. Der Schweizerische Nationalfonds fördert dieses Projekt mit einer Laufzeit von 36 Monaten (1.1.2014–31.12.2016).

 

2. Nationalfondsprojekt "Schriftliche Quellen der Liturgie: Geschichte, typologie, Bedeutung" (Handbuch der Liturgiewissenschaft "Gottesdienst der Kirche", Band 1,2)

Für das Handbuch der Liturgiewissenschaft Gottesdienst der Kirche (Band 1) bearbeitet Martin Klöckener einen komplexen Beitrag, der die liturgischen Quellen im Laufe der Geschichte darstellt. Es geht dabei um das Aufkommen des liturgischen Codex, dessen Weiterentwicklung und Realisierung in verschiedenen Buchtypen, die Entwicklung der gedruckten liturgischen Bücher bis hin zur Gegenwart incl. der Frage nach Schriftlichkeit und Mündlichkeit in der Liturgie. In dem Zusammenhang wird über die reine Quellengeschichte hinaus auch deren kirchlicher, theologischer und kultureller Kontext beachtet. Das Projekt wurde vom 1.8.2011 bis zum 30.9.2014 vom Schweizerischen Nationalfonds gefördert.

 

3. „Wissenschaft der Liturgie: Begriff, Geschichte, Konzepte“ (Handbuch der Liturgiewissenschaft „Gottesdienst der Kirche“, Band 1,1)

Für das Handbuch der Liturgiewissenschaft Gottesdienst der Kirche wird Band 1, Teilband 1 unter Leitung von Prof. Dr. Martin Klöckener und in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Reinhard Meßner (Universität Innsbruck) erarbeitet. Der Band stellt die verschiedenen konfessionellen Profile christlicher Liturgie dar und konzentriert sich schwerpunktmäßig auf die Liturgiewissenschaft als theologische Disziplin in der katholischen, evangelischen, anglikanischen und orthodoxen Theologie. Am Band beteiligt sind Wissenschaftler aus der Schweiz, Deutschland, Österreich, Frankreich, den USA, Russland und Griechenland.

 

4. "Dokumente zur Erneuerung der Liturgie, 1993–2003" (DEL 4)

Im Rahmen dieses Projektes geht es um die Edition in deutscher Sprache von Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls zur Liturgie im Zehnjahreszeitraum von 1993 bis 2003. Dem Gottesdienst als Mitte des kirchlichen Lebens hatte das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) in der Liturgiekonstitution (1963) besondere Beachtung geschenkt. Im Rahmen der Liturgiereform, die im Auftrag des Konzils in einem Prozess von rund zwei Jahrzehnten alle Bereiche des gottesdienstlichen Lebens der katholischen Kirche nach theologischen, historisch begründeten und pastoralen Kriterien zeitgemäss erneuerte, spielten die vielfältigen Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls eine zentrale Rolle, und sie tun es unverändert bis heute, wenngleich die unmittelbare Verpflichtung gegenüber dem Konzilsauftrag nicht mehr so deutlich ist wie vor einer Generation. Drei Bände des Quellenwerkes "Dokumente zur Erneuerung der Liturgie" liegen bereits vor; Ziel des laufenden Projekts ist die Herausgabe des 4. Bandes nach wissenschaftlichen Editionskriterien und mit entsprechender Erschliessung der Dokumente. Das Projekt wurde für 30 Monate vom Schweizerischen Nationalfonds gefördert.

 

5. Liturgie im spätantiken Nordafrika - besonders bei Augustinus (Augustinus-Lexikon)

Dieses langfristige Arbeitsgebiet ergibt sich aus der Mitherausgeberschaft von Martin Klöckener am fünfbändigen Augustinus-Lexikon (Basel 1986ff). Auf längere Sicht ist eine Gesamtdarstellung der Liturgie in der spätantiken nordafrikanischen Kirche, speziell im Umfeld des Augustinus, geplant, die die Monographie von W. Roetzer (Des heiligen Augustinus Schriften als liturgiegeschichtliche Quelle, München 1930) ersetzen soll. Zahlreiche Artikel im "Augustinus-Lexikon" sowie weitere Studien zur Liturgie im spätantiken Nordafrika und speziell bei Augustinus sind bisher Ergebnis dieses Schwerpunktes der Forschung. – Vgl. zu den publizierten Arbeiten die Bibliographie von Prof. Klöckener. Die Herausgabe eines Sammelbandes zur Liturgie bei Augustinus in französischer Sprache ist ebenfalls in Vorbereitung.

 

6. „Die sichtbarste Frucht des Konzils“ – 50 Jahre Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium

Der 50. Jahrestag der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils und das 50-jährige Bestehen des Liturgischen Instituts für alle drei Sprachregionen der Schweiz wurden auf einem Kongress an der Universität Freiburg/Schweiz vom 10.–12. Oktober 2013 gemeinsam gefeiert. Dabei stand die Rezeption der Liturgiekonstitution in den Diözesen der Schweiz im Zentrum. Die Vorträge werden in einem Tagungsband mit demselben Titel publiziert. Wie schon der Kongress selbst, so geschieht auch die Veröffentlichung in Kooperation von Prof. Dr. Martin Klöckener mit der Professur für Liturgiewissenschaft an der Theologischen Hochschule Chur und der Universität Luzern (Prof. Dr. Birgit Jeggle-Merz) sowie dem Liturgischen Institut für die deutschsprachige Schweiz (Peter Spichtig OP). Der Band ist im Sommer 2015 im Verlag Academic Press Fribourg erschienen.

 

7. Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils und ihre Umsetzung in den Teilkirchen, speziell der Schweiz

Das langfristig angelegte Projekt befasst sich mit der Umsetzung der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils speziell in den Diözesen der Schweiz. Mehrere Kolloquien und Tagungen wurden dazu seit 1999 (Gründungsjahr des Institut für Liturgiewissenschaft) an der Universität Freiburg gehalten, deren Vorträge jeweils publiziert wurden. Sie bieten zahlreiche Informationen über die Erneuerung der Liturgie im 20. Jahrhundert in der Eigenossenschaft und stellen eine Grundlage für weitere Forschungen auf diesem Gebiet dar.

Vgl. dazu die Bände: Liturgie in Bewegung – Liturgie en mouvement (2000); Liturgia et Unitas (2001); Tagzeitenliturgie – Liturgie des heures (2004); Présence et rôle de la Bible dans la liturgie (2006); Leib Christi sein – feiern – werden (2006); Gottesdienst in Zeitgenossenschaft (2006); Der Zeit voraus – Devancer son époque (2011); "Die sichtbarste Frucht des Konzils". Beiträge zur Liturgie in der Schweiz – "Le fruit le plus visible du Concile". Etudes sur la liturgies en Suisse.

 

8. Geschichte der christlichen Liturgie des Westens

Ziel dieses Projektes ist die Herausgabe einer Liturgiegeschichte mit Schwerpunkt bei den westlichen Liturgien. Das Projekt wird in Kooperation mit Prof. Benedikt Kranemann (Erfurt), Prof. Jürgen Bärsch (Eichstätt), Prof. Winfried Haunerland (München), Prof. Albert Gerhards (Bonn) sowie weiteren Fachkolleginnen und -kollegen durchgeführt.

 

9. Herausgabe des "Archiv für Liturgiewissenschaft"

Das "Archiv für Liturgiewissenschaft" (ALw), 1921 unter dem Namen „Jahrbuch für Liturgiewissenschaft“ begründet und von bekannten Persönlichkeiten wie Odo Casel, Romano Guardini und anderen Wissenschaftlern getragen, ist eine der international führenden Fachzeitschriften für Liturgiewissenschaft. Den Schwerpunkt der dort publizierten Forschungsbeiträge bilden die Liturgiegeschichte, die Theologie der Liturgie sowie Beiträge zu methodisch-hermeneutischen Fragen. Das ALw zeichnet sich darüber hinaus dadurch aus, dass etwa zwei Drittel des Jahresumfangs von ca. 500 Seiten aus Rezensionen der internationalen Fachliteratur bestehen, wozu bald 30 Ständige Mitarbeiter aus verschiedenen Ländern regelmässig beitragen. Die Herausgeber sind zur Zeit Martin Klöckener (hauptverantwortlich), Benedikt Kranemann (Erfurt) und Angelus A. Häussling OSB (Maria Laach); Sitz der Schriftleitung ist in der deutschen Abtei Maria Laach, die das Unternehmen auch finanziell absichert. Im Jahr 2008 ist der 50. Jahrgang des ALw als Sonderband zum Thema "Liturgie verstehen. Ansatz, Ziele und Aufgaben der Liturgiewissenschaft" veröffentlicht worden.

 

10. Herausgabe des "Spicilegium Friburgense"

Das "Spicilegium Friburgense" ist eine wissenschaftliche Reihe, die die Edition von Quellen zum kirchlichen Leben zum Ziel hat und sich dabei schwerpunktmässig, wenn auch nicht ausschliesslich auf mittelalterliche Texte konzentriert; die meisten davon sind liturgische Quellen. 1957 von dem Liturgiewissenschaftler Anton Hänggi und dem Kirchengeschichtler Gilles Gérard Meersseman begründet, sind inzwischen 44 Bände erschienen, im Jahr 2007 die Edition des ältesten Zisterzienserbreviers (aus dem Jahre 1132) durch den amerikanischen Wissenschaftler Chrysogonus Waddell. Mehrere Editionen und Begleitbände, z.B. zu den Liturgiebeschreibungen ("Libri Ordinarii") der Abtei Montecassino und von Benevent und den Eucharistischen Hochgebeten in unterschiedlichen christlichen Kirchen, sind derzeit in Vorbereitung. Das Herausgebergremium setzt sich zusammen aus Fachleuten für Liturgiewissenschaft, Kirchengeschichte und Handschriftenkunde und steht seit einiger Zeit unter dem Vorsitz von Prof. Martin Klöckener (Institut für Liturgiewissenschaft).

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