Liturgiewissenschaft an der Universität Freiburg/CH

 

1. Liturgiewissenschaft als theologische Disziplin

Die Liturgiewissenschaft befasst sich als theologische Disziplin mit der Kirche und mit dem Menschen, insofern sie Gottesdienst feiern.

Gemäß dem Liturgiebegriff des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) wird dabei das Christusmysterium gedenkend vergegenwärtigen und treten die Kirche genauso wie die einzelnen Mitfeiernden in den Dialog mit Gott ein, der sich unter Wort und Zeichen vollzieht. Mit diesem Selbstverständnis untersucht die Liturgiewissenschaft sowohl die Geschichte als auch die gegenwärtige Gestalt des Gottesdienstes in seinen vielfältigen Formen, fragt nach den theologischen Grundlagen genauso wie nach den anthropologischen Bedingungen. Ebenso berücksichtigt sie rechtliche und spirituelle Aspekte.

Bei alldem hat sich die Liturgiewissenschaft dem Paradigmenwechsel in Theologie und Glaubenspraxis zu stellen, wie er für die Gegenwart charakteristisch ist. Sie zeichnet sich durch ihre ökumenische Orientierung und durch Interdisziplinarität mit anderen theologischen und nicht-theologischen Fächern aus.

 

2. Der Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg (Schweiz)

 

2.1 Die Lehrstuhlinhaber

Erstmals bestand an der Universität Freiburg Schweiz von 1900-1912 ein Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft, den Prinz Max von Sachsen (1870-1951) innehatte. Bei dessen Weggang von Freiburg verfiel der Lehrstuhl jedoch als selbständige einrichtung. Gemäß dem damaligen Fachverständnis wurde die Liturgik — so die seinerzeit vorherrschende Benennung des Faches — in der Folge mehrere Jahrzehnte lang vom Pastoraltheologen, historische Themen teilweise auch vom Professor für Alte Kirchengeschichte und Archäologie unterrichtet.

Im Zusammenhang der Anliegen der Liturgischen Erneuerung richtete die Theologische Fakultät 1953 wieder einen eigenen Lehrauftrag für Liturgiewissenschaft ein, den der Luxemburger Benediktiner Jean Hild OSB, Abtei Clervaux, übernahm (bis 1956).

Im Jahre 1956 wurde sodann ein stabiler Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft begründet. Der erste Inhaber war Anton Hänggi (1917-1994), bis er 1967 zum Bischof von Basel gewählt wurde. Von seinem theologischen Werdegang her Historiker, beschäftigte sich Hänggi vor allem mit der Liturgiegeschichte. Im Zuge der Vorbereitung und Durchführung der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils gehörte er mehreren internationalen Kommissionen an und wirkte mit an der Erneuerung des Gottesdienstes in der katholischen Kirche. Er war 1957 Mitbegründer der Reihe „Spicilegium Friburgense" (1963 außerdem der „Spicilegii Friburgensis Subsidia") zur Edition von „Texten zur Geschichte des kirchlichen Lebens"; vornehmlich wurden (und werden weiterhin) in dieser Reihe liturgische Quellen ediert. Im Jahre 1963 wurde auf seine Initiative hin das Liturgische Institut der Schweizer Bischofskonferenz am Lehrstuhl errichtet, dessen deutschschweizerischer Bereich nach Hänggis Wahl zum Bischof 1968 nach Zürich (heute Luzern) übersiedelte. (Nach einer kurzen Episode in Luzern von 2001-2003 kehrte es 2004 wieder an seinen Ursprungsort zurück.)

Als Nachfolger auf dem Lehrstuhl wurde Jakob Baumgartner SMB (1926-1996) gewählt, der die Professeur von 1969 bis zu seiner Emeritierung 1991 innehatte. Er widmete sich gemäß den Erfordernissen der laufenden Liturgiereform primär pastoralliturgischen Fragen. Auch verstand er es, der Liturgiewissenschaft an der Universität Freiburg an der Schnittstelle zwischen der deutschen und französischen Sprache und Kultur Geltung zu verschaffen. Über die Universität hinaus trug er in der Schweiz entscheidend durch Lehre und Veröffentlichungen zur Umsetzung der Anliegen des Zweiten Vatikanischen Konzils bei.

Seit 1. Oktober 1994 ist Martin Klöckener Inhaber des zweisprachigen Lehrstuhls. Er hat das Fach in seiner ganzen Breite in Lehre, Forschung und Weiterbildung zu vertreten. Seit der Gründung des Instituts für Liturgiewissenschaft der Universität Fribourg im Jahr 1999, ist er ebenfalls dessen Direktor.

 

2.2 Die Lehrbeauftragte

Unter den Lehrbeauftragten, die regelmäßig das liturgiewissenschaftliche Lehrangebot bereichern, ist Titularprofessor Bruno Bürki hervorzuheben. Als evangelisch-reformierter Theologe 1982 von der Theologischen Fakultät Freiburg habilitiert, dozierte er bis 2002 schwerpunktmäßig im Bereich der Liturgiegeschichte und zu ökumenischer Fragen der Liturgiewissenschaft.

Weitere Lehrbeauftragte waren seit 1996:

  • Jürgen BÄRSCH (Eichstätt)
  • Gunda BRÜSKE (Freiburg/Schweiz)
  • Louis-Marie CHAUVET (Paris)
  • Paul DE CLERCK (Paris/Bruxelles)
  • Ansgar FRANZ (Mainz)
  • Josip GREGUR SDB (Benediktbeuern/Augsburg)
  • Birgit JEGGLE-MERZ (Chur/Luzern)
  • Arnaud JOIN-LAMBERT (Louvain-la-Neuve)
  • Josef KNUPP SDB (Benediktbeuern)
  • Benedikt KRANEMANN (Erfurt)
  • Mgr Dominique LEBRUN (Saint-Etienne)
  • Friedrich LURZ (Köln)
  • Marcel METZGER (Strasbourg)
  • Rudolf PACIK (Salzburg)
  • Patrick PRÉTOT (Paris)
  • Anne-Marie PETITJEAN (Villemomble/Paris)
  • Philippe DE ROTEN OP (Freiburg/Schweiz)
  • François WERNERT (Strasbourg)
  • Josef-Anton WILLA (Freiburg/Schweiz)
  • Alexander ZERFASS (Mainz)

 

2.3 Die Lehrstuhlassistenten

Die Assistenten am Lehrstuhl waren seit 1965:

  • François HUOT (1965-1968)
  • Walter VON ARX (1966-1968)
  • Monica GUT (1989-1990)
  • Josef-Anton WILLA (1992-1997)
  • Arnaud JOIN-LAMBERT(1997-2001)
  • Martin CONRAD (2001-2002)
  • Bogdan DIACONESCU (2001-2002)
  • Andrea KROGMANN (2002-2007)
  • Paul BOVENZ (2007-2008)
  • Cyprian KRAUSE OSB (2008-2009)
  • Thomas FRIES (2009-2013)
  • Adrian CRACIUN (2013-2014)
  • Norbert NAGY (2013-2014)
  • Davide PESENTI (2013-)

 

2.4 Die Forschungsassistenten

Forschungsssistenten am Lehrstuhl waren seit 1996:

  • Guido MUFF (1996-1998)
  • Gunda BRÜSKE (2003-2005, 2007-2008)
  • Mireille FORNEROD (2005)
  • Siegfried OSTERMANN (2005-2009)
  • Dorothe KASTNER-KIJAS (2006-2007)
  • Alexander ZERFASS (2007-2008)
  • Siri FUHRMANN (2007-2009)
  • Martin BRÜSKE (2009-2010)
  • Dominik HASLER (2011-2014)
  • Davide PESENTI (2011-2014)
  • Alicia SCARCEZ (2013-)

2.5 Die Unterassistenten und administrative Hilfskräfte

Unterassistenten und administrative Hilfskräfte waren seit 1971:

  • Ettore BASSANI (1971-1974)
  • Giovanni SALA (1974-1976)
  • Claudio MOTTINI (1976-1978)
  • Giuseppe ALBISETTI (1978-1979)
  • Diego CATANEO (1979-1982)
  • Lina DUBOIS (1982-1983)
  • Jaume TERRADELLAS (1983-1985)
  • Adolf FUGEL(1985-1989)
  • Burghard W. FISCHER (1996-1997)
  • Jürg STUKER(1997-1999)
  • Markos VIDALIS (2000-2001)
  • Judith BORER (2003)
  • Dominik HASLER (2004-2010)

 

2.6 Weitere Informationen

  • Für einen ausführlichen Überblick über die Vorgeschichte und die Errichtung des Lehrstuhls für Liturgiewissenschaft an der Universität Freiburg vgl.:

Martin KLÖCKENER, Vorgeschichte und Errichtung des Lehrstuhls für Liturgiewissenschaft an der Universität Freiburg (Schweiz) im Jahre 1956, in: Martin KLÖCKENER - Bruno BÜRKI (Hg.), Der Zeit voraus. Liturgiewissenschaft an der Universität Freiburg Schweiz / Devancer son époque. La science liturgique à l'Université de Fribourg Suisse. Fribourg 2011.

  • Für genauere Informationen über die Aktivität, die Angebote sowie die laufenden Forschungsprojekte vgl. die weiteren Seiten dieser Webseite.
Institut für Liturgiewissenschaft - Büro MIS04 4226 - Av. de l'Europe 20 - CH-1700 Freiburg - Tel +41 26 / 300 74 42 - Mail