Departement für
Praktische Theologie
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Forschungsschwerpunkte des Prof. Martin Klöckener

Nationalfonds-Projekt „Dokumente zur Erneuerung der Liturgie, 1993–2003“

Im Rahmen dieses Projektes geht es um die Edition in deutscher Sprache von Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls zur Liturgie im Zehnjahreszeitraum von 1993 bis 2003. Dem Gottesdienst als Mitte des kirchlichen Lebens hatte das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) in der Liturgiekonstitution (1963) besondere Beachtung geschenkt. Im Rahmen der Liturgiereform, die im Auftrag des Konzils in einem Prozess von rund zwei Jahrzehnten alle Bereiche des gottesdienstlichen Lebens der katholischen Kirche nach theologischen, historisch begründeten und pastoralen Kriterien zeitgemäss erneuerte, spielten die vielfältigen Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls eine zentrale Rolle, und sie tun es unverändert bis heute, wenngleich die unmittelbare Verpflichtung gegenüber dem Konzilsauftrag nicht mehr so deutlich ist wie vor einer Generation. Drei Bände des Quellenwerkes „Dokumente zur Erneuerung der Liturgie“ liegen bereits vor; Ziel des laufenden Projekts ist die Herausgabe des 4. Bandes nach wissenschaftlichen Editionskriterien und mit entsprechender Erschliessung der Dokumente.

Nationalfondsprojekt „Theologie und Anthropologie der Liturgie“

Seit rund fünf Jahrzehnten hat es zwar eine intensive liturgiewissenschaftliche Forschung und Publikationstätigkeit, auch zu Fragen der Theologie der Liturgie, gegeben, doch ist letztmals im Jahre 1959 in deutscher Sprache mit dem Werk von C. Vagaggini der Versuch einer Synthese der Liturgietheologie vorgelegt worden. Ziel dieses Projekts ist es, eine umfassende Darstellung der Theologie der Liturgie zu bieten, die den komplexen theologischen Entwicklungen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil gerecht wird; wesentlich stärker als in früheren Epochen sind dabei ebenfalls anthropologische Fragestellungen mit einzubeziehen. – Das Projekt ist Bestandteil des auf acht Bände (in 11 Teilbänden) angelegten Handbuchs der Liturgiewissenschaft „Gottesdienst der Kirche“, das ebenfalls unter der Gesamtverantwortung von M. Klöckener steht.

Herausgabe des „Archiv für Liturgiewissenschaft“

Das „Archiv für Liturgiewissenschaft“ (ALw), 1921 unter dem Namen „Jahrbuch für Liturgiewissenschaft“ begründet und von bekannten Persönlichkeiten wie Odo Casel, Romano Guardini und anderen Wissenschaftlern getragen, ist eine der international führenden Fachzeitschriften für Liturgiewissenschaft. Den Schwerpunkt der dort publizierten Forschungsbeiträge bilden die Liturgiegeschichte, die Theologie der Liturgie sowie Beiträge zu methodisch-hermeneutischen Fragen. Das ALw zeichnet sich darüber hinaus dadurch aus, dass etwa zwei Drittel des Jahresumfangs von ca. 500 Seiten aus Rezensionen der internationalen Fachliteratur bestehen, wozu bald 30 Ständige Mitarbeiter aus verschiedenen Ländern regelmässig beitragen. Die Herausgeber sind zur Zeit Martin Klöckener (hauptverantwortlich), Benedikt Kranemann (Erfurt) und Angelus A. Häussling OSB (Maria Laach); Sitz der Schriftleitung ist in der deutschen Abtei Maria Laach, die das Unternehmen auch finanziell absichert. Im Jahr 2008 wird der 50. Jahrgang des ALw als Sonderband zum Thema „Liturgie verstehen. Ansatz, Ziele und Aufgaben der Liturgiewissenschaft“ veröffentlicht werden.

Herausgabe des „Spicilegium Friburgense“

Das „Spicilegium Friburgense“ ist eine wissenschaftliche Reihe, die die Edition von Quellen zum kirchlichen Leben zum Ziel hat und sich dabei schwerpunktmässig, wenn auch nicht ausschliesslich auf mittelalterliche Texte konzentriert; die meisten davon sind liturgische Quellen. 1957 von dem Liturgiewissenschaftler Anton Hänggi und dem Kirchengeschichtler Gilles Gérard Meersseman begründet, sind inzwischen 44 Bände erschienen, im Jahr 2007 die Edition des ältesten Zisterzienserbreviers (aus dem Jahre 1132) durch den amerikanischen Wissenschaftler Chrysogonus Waddell. Mehrere Editionen und Begleitbände, z.B. zu den Liturgiebeschreibungen („Libri Ordinarii“) der Abtei Montecassino und von Benevent und den Eucharistischen Hochgebeten in unterschiedlichen christlichen Kirchen, sind derzeit in Vorbereitung. Das Herausgebergremium setzt sich zusammen aus Fachleuten für Liturgiewissenschaft, Kirchengeschichte und Handschriftenkunde und steht seit einiger Zeit unter dem Vorsitz von Prof. Martin Klöckener (Institut für Liturgiewissenschaft).

Die Liturgische Bewegung in der Schweiz (1900-1980)

Dieses ökumenisch und mehrsprachig orientierte Arbeitsgebiet wird seit längerer Zeit gemeinsam von Prof. M. Klöckener und Prof. B. Bürki betrieben. Während für fast alle europäischen Länder die Geschichte der Liturgischen Bewegung – zumindest in Grundzügen – erforscht ist, liegen für die Schweiz kaum Untersuchungen darüber vor. Anliegen des Vorhabens ist es, diese Forschungslücke nach und nach zu schließen, a) durch eigene Forschung, b) durch Koordination der Arbeit mit anderen Interessierten aus Wissenschaft und Kirche, c) durch Vergabe entsprechender Themen für Dissertationen und andere wissenschaftliche Arbeiten. Seit 1999 fanden mehrere wissenschaftliche Kolloquien zur Thematik an der Universität Freiburg statt (u.a. unterstützt von der Schweizerischen Akademie für Geisteswissenschaften), deren Ergebnisse durchweg publiziert sind (vgl. Unter den Publikationen von M. Klöckener). Das Projekt wird fortgeführt.

Das Mindener Sigebert-Sakramentar aus St. Gallen

In der früheren norddeutschen Diözese Minden führt im 11. Jh. Bischof Sigebert (1022-1036) eine politische und kulturelle Blüte herbei. In diesem Rahmen läßt er die wichtigsten liturgischen Handschriften (Sakramentar, Hymnar, „Orationale“, zwei Gradualien, ein Tropar/Liber hymnorum, Lektionar, Evangelistar) im Skriptorium St. Gallen neu anfertigen. Die vollständig erhaltenen Handschriften stellen ein nirgends sonst bekanntes „Set“ dar. Sie verdienen Beachtung im Blick auf die mittelalterliche Liturgie, die Diözese Minden, die liturgische Handschriftenproduktion in St. Gallen, die Hymnologie und Gregorianikforschung. Sie zeichnen sich überdies durch ihre aufwendige künstlerische Gestaltung (Buchmalerei, Initialen etc.) aus. Die spätere Sakramentargeschichte (10.-12. Jh.) ist relativ wenig untersucht, obwohl sich in dieser Phase wichtige Entwicklungen ereignen. Vor allem ist bisher kaum die Fortentwicklung der St. Galler Sakramentare in dieser Epoche behandelt worden. – Das Projekt war Bestandteil einer längerfristig angelegten Untersuchung der St. Galler Sakramentare des 10./11. Jh.

Liturgie im spätantiken Nordafrika, besonders bei Augustinus.

Dieses langfristige Arbeitsgebiet ergibt sich aus der Mitherausgeberschaft von Martin Klöckener am fünfbändigen „Augustinus-Lexikon“ (Basel 1986ff). Auf längere Sicht ist eine Gesamtdarstellung der Liturgie in der spätantiken nordafrikanischen Kirche, speziell im Umfeld des Augustinus, geplant, die die Monographie von W. Roetzer (Des heiligen Augustinus Schriften als liturgiegeschichtliche Quelle, München 1930) ersetzen soll. Zahlreiche Artikel im „Augustinus-Lexikon“ sowie weitere Studien zur Liturgie im spätantiken Nordafrika und speziell bei Augustinus sind bisher Ergebnis dieses Schwerpunktes der Forschung. – Vgl. zu den publizierten Arbeiten die Bibliographie von M. Klöckener.

Geschichte der liturgischen Bücher

Für das Handbuch der Liturgiewissenschaft „Gottesdienst der Kirche“, Band 1, bearbeitet Martin Klöckener einen komplexen Beitrag, der die liturgischen Quellen im Laufe der Geschichte darstellt. Es geht dabei um das Aufkommen des liturgischen Codex, dessen Weiterentwicklung und Realisierung in verschiedenen Buchtypen, die Entwicklung der gedruckten liturgischen Bücher bis hin zur Gegenwart incl. der Frage nach Schriftlichkeit und Mündlichkeit in der Liturgie. In dem Zusammenhang wird über die reine Quellengeschichte hinaus auch deren kirchlicher, theologischer und kultureller Kontext beachtet.


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