Siri Fuhrmann
Der Abend in Lied, Leben und Liturgie.
Studien zu Motiven, Riten und Alltagserfahrungen an der Schwelle vom Tag zur Nacht
Tübingen - Basel : A. Francke Verlag 2008.
440 S.
(Pietas Liturgica Studia 18).
ISBN 978-3-7720-8258-0
Die christliche Tradition kennt für den Abend zwei Gebetszeiten: die Vesper und die Komplet. Beide Gebete, deren rituelle Ursprünge teilweise schon in der frühen Kirche liegen, beziehen sich durch speziell ausgewählte Psalmen, Hymnen und Cantica implizit und explizit auf naturhafte, psychische und soziale Phänomene des Abends und deuten diese heilsgeschichtlich.Seit der liturgischen Bewegung der 1920er Jahre gibt es immer wieder das Bestreben, die traditionellen Gebetszeiten zu Beginn und zum Ende des Abends über Klöster und Kleriker hinaus für die gesamte kirchliche Gemeinschaft zugänglich zu machen. In der pastoralen Praxis erweist es sich jedoch oftmals als problematisch, Menschen an die Form und den Inhalt dieser Gebete heranzuführen. In dieses Problemfeld hineingestellt befasst sich vorliegende Untersuchung mit der alltäglichen Hermeneutik liturgischer Sprache. Die Studie verbindet traditionelle hymnologische Methoden aus Theologie, Musik- und Sprachwissenschaft mit Forschungspraktiken der Qualitativen Sozialforschung: Ausgehend von Abendliedern des 20. Jahrhunderts werden unter Einbeziehung der traditionell geformten Abendliturgie Themen des Abends untersucht. In einem weiteren Schritt wird evaluiert, wie diese liturgisch verwendeten Motive gegenwärtig wahrgenommen und gedeutet werden. Schließlich werden Herausforderungen benannt, die sich aus den Ergebnissen der empirischen Untersuchung für Theorie und Praxis des Glaubens ergeben, und die weit über den Kontext der Tagzeitenliturgie hinausgreifen.
