Departement für Germanistik
Philosophische Fakultät
 
 

Departement für Germanistik der Universität Freiburg (Schweiz)

Leitbild des Departements

Das Departement für Germanistik in Freiburg bietet ein umfassendes Studium der deutschen Sprache und Literatur auf internationalem wissenschaftlichem Niveau an. Es bereitet Studierende auf den Abschluss Lizentiat (bzw. neu B.A. und M.A.) vor, bildet Lehrpersonen auf der Sekundarstufe I aus und sichert die Fachausbildung zukünftiger Gymnasiallehrer. Zudem begleitet es Forscherinnen und Forscher zum Doktorat oder zur Habilitation.

Studium am Departement für Germanistik

Wer mit dem Ziel an die Universität Freiburg kommt, Germanistik zu studieren, hat es - wie an anderen Universitäten auch - mit mehreren Teilgebieten zu tun. In Freiburg sind dies die Bereiche

Diese Benennungen haben im Zuge der Bologna-Reformen im Jahr 2003 die früheren Fachbezeichnungen "Germanische Philologie" und "Neuere deutsche Literatur" ersetzt.
Darüber hinaus wird am Departement die fachliche Ausbildung der zukünftigen Sekundarlehr und Sekundarlehrerinnen angeboten:

Germanistische Linguistik

Gegenstand der germanistischen Linguistik ist die deutsche Sprache in ihrer Gesamtheit. Zudem stellt sie Sprache in grössere Zusammenhänge: In den Zusammenhang der Gesellschaft, der Kommunikation als Ganzem, des Handelns, der kulturellen Artefakte, der Interaktion usw. In diesem sehr weiten Feld beschäftigt sich die Freiburger Linguistik schwerpunktmässig mit Dialektologie.

Die Lehre der germanistischen Linguistik in Freiburg betont im Grundstudium eine gute Ausbildung in deutscher Grammatik und eine konzentrierte Einführung in die zentralen Konzepte der Systemlinguistik. Die Systemlinguistik von Phonologie bis Semantik wird im Hauptstudium und in den Vorlesungen abgedeckt. Gut vertreten ist der Bereich Dialektologie, besonders (aber nicht ausschliesslich) der deutschen Schweiz, und zwar nach den traditionellen sprachgeographischen Methoden wie nach neueren sozio- und pragmalinguistischen Ansätzen. Die Dialektologie, umfassend verstanden, eignet sich sozusagen als Integrationswissenschaft für die meisten sprachwissenschaftlichen Disziplinen: Die soziale Komponente des Dialektbegriffs und damit "soziolinguistische" Zugriffsweisen gehören eng zur Dialektologie; hier wurde auch zuerst erkannt, dass die von Saussure geforderte strikte Trennung von Diachronie und Synchronie nicht haltbar sein kann, dass somit auf historiolinguistische Grundkenntnisse nicht verzichtet werden kann. Die Untersuchung dialektologischer Gegenstände fordert als Komplement die Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Schriftlichkeit und der schriftsprachlichen Norm.

Germanistische Mediävistik

Gegenstand dieses Bereichs ist die schriftliche Überlieferung in deutscher Sprache vom 9. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts. Sie umfasst alle Texte, also neben der Literatur im engeren Sinn solche, die auch andere wissenschaftliche Disziplinen interessieren (Chroniken und Urkunden, Briefe, Gebete, Viten und Traktate, Rechtstexte, Lehrbücher und Rezepte usw.). Hier liegt einer der Gründe für die interdisziplinäre Offenheit des Fachs seit seinen Anfängen im frühen 19. Jahrhundert, für die Weite seiner Themen, Fragestellungen und Methoden. Sie gelten dem faszinierenden Prozess der Ausbildung von Phänomenen, die unsere Kultur bis heute prägen: unter anderem der Etablierung der volkssprachigen Schriftlichkeit im Rahmen einer Gesellschaft, die von mündlichem und visuellem Verkehr, von zeichenhaften, rituellen und zeremoniellen Formen der Kommunikation bestimmt ist; sie gelten der Entstehung einer Laienkultur an den Höfen, an denen Klerus und Adel verkehren, einer Kultur, die - gebunden an Wort, Schrift und Bild - neben der geistlichen und gelehrten Traditionen immer weitere Kreise erreicht; sie gelten der Entstehung fiktionaler Literatur, des Romans, den Anfängen psychologischer Reflexion und Beschreibung, geistlicher Unterweisung und den Spielarten mystischer Spiritualität, der Vermittlung von Wissen und Bildung, der Fixierung pragmatischen Fachwissens, der Ausbildung einer säkularen Geschichtsauffassung, der Wahrnehmung von Fremdem usw.; sie gelten der Rezeption der Antike, ihrer Wissenstraditionen und ihrer Literatur, deren Brechung im christlichen Weltbild und ihrem Einfluss auf die Formen der Schriftlichkeit (Rhetorik und Poetik).

Die Lehre ist, wo immer möglich, inhaltlich und methodisch forschungsorientiert. Die Vorlesungen behandeln daher nicht einzelne Epochen, Autoren, Gattungen oder Werke, sondern entwickeln gezielt und exemplarisch, aber übergreifend einzelne Problemfelder, etwa die Präsenz von Ordnungsvorstellungen in Texten und Bildern, die Reflexion über das Schreiben in Texten, den Umgang mit der Liebe als Gegenstand von (geistlichen und weltlichen) Texten, die Konventionalität von Texten und Bildern usw.; oder sie fragen nach der Funktion bestimmter Texttypen, wie zum Beispiel von kurzen Verserzählungen (geistlichen und weltlichen) oder von Sachtexten. In Proseminaren (durch die Assistenten) und Seminaren steht die Analyse einzelner Texte im Vordergrund, aber auch hier wird in der Regel ein bestimmter Ansatz gewählt und problematisiert. In der ganzjährigen Einführung (durch den Lehrstuhlinhaber) wird auf diese Inhalte und Formen der Lehre vorbereitet, schon hier geht es im Unterricht selbst nicht in erster Linie um Wissensvermittlung (dazu dient die begleitende Lektüre), sondern um die Weckung des Interesses an den historischen Gegenständen, die Entwicklung der Fähigkeit, aus spontanen Beobachtungen wissenschaftliche Fragestellungen zu entwickeln, adäquate und daher plausible Problemlösungen zu erarbeiten und diese so zu vermitteln, dass sie anderen verständlich werden. (Ein Drittel der Absolventen und Absolventinnen des Fachs als Hauptfach unterrichtet an Schulen, ein Drittel ist in der Wirtschaft oder Verwaltung tätig, ein Drittel setzt auf die akademische Laufbahn.)

Germanistische Literaturwissenschaft

Gegenstand dieses Teilbereichs ist die deutschsprachige Literatur vom Beginn des sechzehnten Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Die Auseinandersetzung mit literarischen Texten umfasst dabei sowohl historische als auch systematische Aspekte: Zum einen werden die Texte von ihrer literarhistorischen Einordnung her gedeutet und mit Bezug auf ihren kultur-, ideen- und mentalitätsgeschichtlichen Gesamtzusammenhang sowie vor dem Hintergrund der jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Situation verstehbar gemacht. Zum andern werden sie von ihren poetologischen Voraussetzungen her verstanden und so, auf der Grundlage einer gattungstheoretischen Zuordnung, als spezifische Ausprägungen bestimmter Schreibweisen und Textsorten erfasst. Der Beschäftigung mit Erscheinungen der Literatur ist so immer auch ein methodologisches und literaturtheoretisches Problembewusstsein zugrundegelegt.

Die Auseinandersetzung mit Texten wird zudem durch interdisziplinäre Fragestellungen ergänzt, die auch die medialen Verflechtungen von Literatur (in Film, Hörspiel, Oper u.a.) berücksichtigen, und in Richtung auf eine komparatistische Sichtweise erweitert [intensive Verbindung zum Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, vgl. http://www.unifr.ch/complit/]. Auf diese Weise werden die Wechselwirkungen der deutschsprachigen mit anderen Literaturen und die Wechselwirkungen von Literatur überhaupt mit anderen Formen künstlerischer Betätigung (darstellende Künste, Musik) im Blick behalten.

Die Lehre deckt den gesamten Bereich des Fachs ab. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht zudem eine Einbettung des Studiums der germanistischen Literaturwissenschaft in andere Fachgebiete.
Eine Freiburger Besonderheit ist das breit angelegte, systematisch aufbauende literaturwissenschaftliche Grundstudium im BA-Studiengang. Es bietet, neben einer allgemeineren Einführungsveranstaltung, Proseminare zur Erzähltext-, Dramen- und Lyrikanalyse sowie eines zur Einführung in Theorien und Methoden der Literaturwissenschaft an.

Die Auseinandersetzung mit Literatur bleibt dabei nicht beim Lesen und Diskutieren von Texten stehen. Unter dem Motto "Parodieren geht über Studieren" werden Proseminare angeboten, die mit Textformen auch durch das Mittel des kreativen Umschreibens von Texten in der Parodie vertraut machen. Schließlich wird die Lehre einerseits durch regelmäßig stattfindende Diskussionsveranstaltungen mit Schriftstellern und andererseits durch Gastvorträge und Blockseminare ergänzt, in denen prominente Vertreter des Fachs und von Nachbardisziplinen fachspezifische oder interdisziplinäre Themen behandeln, die von den Lehrenden nicht oder selten abgedeckt werden. Daneben werden immer wieder Übungen zum aktuellen Literaturbetrieb, zur germanistischen Berufspraxis, zum Rezitieren von Texten oder auch ein Schreibworkshop zum kreativen Schreiben angeboten, die bei den Studierenden auf nachhaltiges Interesse treffen.

Sekundarlehrerausbildung im Studiengebiet "Germanistische Linguistik"

Die Ausbildung zum Sekundarlehrer, zur Sekundarlehrerin ist in Freiburg als universitäre Ausbildung konzipiert, die einerseits den besonderen Bedürfnissen zukünftiger Lehrpersonen gerecht werden soll, andererseits den Studierenden die Partizipation am akademischen Curriculum und damit einen Einblick in Themenbereiche und Forschungsmethoden der Fachwissenschaften gewährt.

Im ersten Studienjahr werden die Lehramtsstudierenden mit dem grammatischen Basiswissen der deutschen Sprache vertraut gemacht, dessen Kenntnis zur nötigen Souveränität im Umgang mit dem Schulstoff der Sekundarstufe I verhelfen soll. Aus einem thematisch wechselnden Angebot an Proseminaren besuchen die Studierenden im zweiten und dritten Studienjahr Veranstaltungen im Bereich "Germanistische Linguistik" und "Deutsch als Fremd-/Zweitsprache", die thematische oder sprachdidaktische Transfers in den schulischen Alltag erlauben. Ausserdem besteht für die Studentinnen und Studenten die Möglichkeit einer eigenen fachlichen Schwerpunktsetzung, bei der auch die Lehrangebote der "Germanistischen Mediävistik" genutzt werden können.

Wer im Rahmen eines "Bachelor für das Lehramt an der Sekundarstufe I" das Schulfach Deutsch belegt hat, kann sich die dort erworbenen Studienleistungen für ein allfälliges Masterstudium im Fach Germanistik anrechnen lassen, was u.a. die Durchlässigkeit zwischen den Ausbildungen zur Lehrperson für die Sekundarstufe I und zur Lehrperson für die Sekundarstufe II garantiert.

Sekundarlehrerausbildung im Studiengebiet "Germanistische Literaturwissenschaft"

Die literaturwissenschaftliche Ausbildung der künftigen Lehrpersonen auf der Sekundarstufe I ist in Freiburg als universitäres Studium konzipiert. Zum Lehrgebiet gehört auch die Literaturdidaktik, die - mit Rücksicht auf die Lehrerbildung - einen Schwerpunkt in der Grundaktivität des Lesens (Theorie und Methoden des Lesens und des Leseunterrichts, Entwicklung des Lesens und der Lesesozialisation, Lesestoffe) setzt. Besondere Interessen gelten der Kinder- und Jugendliteratur.

In der Lehre wird dem Erfordernis einer literaturwissenschaftlichen und einer praxisorientierten Beschäftigung mit Texten Rechnung getragen. Das heisst, dass in regelmässigem Turnus literarische Texte behandelt werden, die sich auch für den Einsatz auf der Sekundarstufe I eignen.

Ein Spezifikum in der Sekundarlehrerausbildung sind Kurse, in denen Methoden der Analyse nichtliterarischer Texte angeboten werden (Sprachverwendungssituationen geschriebener und gesprochener Sprache wie Zeitungstextsorten, Werbung und Werbetexte, die Rede, das Interview, der Witz etc.)

 

   

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