Autonom Lernen: oft gestellte Fragen (FAQ)
"Wer sich des Fragens schämt, der schämt sich des Lernens."
Christoph Lehmann (deutscher Schriftsteller, 1568-1638)
1 - Autonomes Lernen - was ist das?
2 - Warum sollte ich autonom und selbstgesteuert lernen?
b) Wie soll ich mein autonomes Lernen anpacken?
c) Wie soll ich mein autonomes Lernen durchführen?
d) Wie soll ich mein autonomes Lernen reflektieren?
e) Wie soll ich mein autonomes Lernen evaluieren?
f) Wie soll ich mein autonomes Lernen adaptieren? (Konsequenzen ziehen)
g) Wie soll ich mein autonomes Lernen dokumentieren? (Portfolio)
4 - Administrative Einzelheiten für angemeldete Selbstlernprojekte
5 - Wo finde ich vertiefende Informationen zum Autonomen Lernen?
1 - Autonomes Lernen - was ist das?
Was bedeutet Autonomes Lernen?
Lernen muss ich immer selbst, niemand anders kann das für mich tun. Oft schreiben mir aber andere Personen vor, was ich lernen soll, Lehrer, Eltern, Vorgesetzte oder andere Autoritäten. Beim Autonomen Lernen hingegen entscheide ich selbst, welche Inhalte ich lernen will, wie ich dabei vorgehen will, wann und wo ich am liebsten lerne, mit welchem Material und ob bzw. mit welchen andern Personen ich lernen will.
Was bedeutet Selbstgesteuertes Lernen?
Der Begriff Selbstgesteuertes Lernen fokussiert auf die Planung, Durchführung und Evaluation des Lernens durch mich selbst als Lernende/r. Vom Lernen in der Schule her sind die meisten von uns gewöhnt, dass die Lehrperson den grössten Teil der Verantwortung für das Lernen übernimmt und wir Lernende einfach ihren Anweisungen folgen. Wenn ich hingegen mein Lernen selbst steuern will, muss ich auch die ganze Verantwortung für mein Lernen selbst übernehmen. Im Gegenzug nehme ich mir die Entscheidungsfreiheit über mein Lernen zurück und kann meine Lernziele auf dem Weg zu erreichen versuchen, der für mich am besten geeignet ist.
Wo kann ich weitere Informationen zum Autonomen oder Selbstgesteuerten Lernen finden?
Für das autonome und selbstgesteuerte Lernen dienen die folgenden Informationen sowie die Online-Suchmaske für die Lernmaterialien im Selbstlernzentrum und die Linkliste zu Online-Materialien (in Erweiterung). Ausserdem ist hier unter Punkt 5 eine Liste zu vertiefender Literatur zu finden. Das individuelle Lernberatungsangebot des Selbstlernzentrums ist ausschliesslich für Sprachlernprojekte mit ECTS-Punkten.
2 - Warum sollte ich autonom und selbstgesteuert lernen?
Ist es nicht viel einfacher, in einem Sprachkurs zu lernen, wo ich mich auf den Lerninhalt konzentrieren kann und mich nicht um die Lernorganisation kümmern muss?
Gewiss, wenn Inhalt und Organisation des Sprachkurses meinen Bedürfnissen entsprechen. Sollte dies aber nicht der Fall sein, kann sich das fremdgesteuerte Lernen bei ausbleibendem Lernerfolg als Zeit- und Ressourcenverschwendung herausstellen. Dann lohnt sich der Mehraufwand, den ich für mein selbstgesteuertes Lernen aufbringen muss. Zudem kann ich beim autonomen Lernen ausser meiner Zielsprachenkenntnisse auch meine Selbstorganisation verbessern, was mir für die Umsetzung in andere Lern- und Lebensbereiche nützt.
Ist es empfohlen, Sprachkurse und selbstgesteuertes Lernen zu verbinden?
Einen Sprachkurs mit autonomem Lernen zu ergänzen ist sehr sinnvoll, denn so kann ich alles, was mir im Sprachkurs fehlt, individuell hinzulernen und investiere damit auch mehr Zeit in meine Beschäftigung mit der Zielsprache. Ob ich umgekehrt mein selbstgesteuertes Lernen mit Sprachkursen ergänzen soll, hängt stark davon ab, ob der Kurs mir das bieten kann, was ich als meine Lernziele bestimmt habe.
a) Wer kann autonom lernen?
Jede wissbegierige Person kann autonom lernen: Wissensdurst ist die beste Motivation – und ohne Motivation ist autonomes Lernen unmöglich. Jede Motivation ist geeignet als Voraussetzung für das Erlernen einer neuen Sprache, vorzüglich ist z.B. die Neugier auf die Menschen, die die Zielsprache sprechen, und ihre Kultur. Am besten überlege und notiere ich mir am Anfang meine Motivationen. Um autonom zu lernen, braucht es keine besondere Begabung, sondern nur die zu meinen Bedürfnissen passenden Lernbedingungen. Weil jeder und jede Lernende seine bzw. ihre spezifischen Bedürfnisse und Vorlieben hat, ist es für mich als Lernende/n meine eigene Aufgabe und mein Ziel, beim Lernen herauszufinden, wie ich selbst am besten lerne.
Wozu dient das Schreiben einer Sprachlernbiografie?
Meine Sprachlernbiografie (Beispiel) zu erstellen hilft mir, über meine bisherigen Sprachlernerfahrungen nachzudenken, um mir bewusst zu machen, was mir dabei ge- oder missfallen hat. Diese Überlegungen können mir aufschlussreiche Hinweise darauf geben, wo meine Vorlieben beim Lernen liegen, welche Lernbedingungen meinen Lernerfolg fördern und was ich in Zukunft als demotivierend vermeiden sollte. Das kann mir dann auch bei der Entscheidung für oder gegen selbstgesteuertes Lernen oder einen Sprachkurs helfen.
b) Wie soll ich mein autonomes Lernen anpacken?
Damit mein autonomes Lernen zum Erfolg führt, muss ich es zuerst planen und dann fortlaufend reflektieren, evaluieren und adaptieren. Ohne diese Elemente riskiere ich, meine Zeit und Ressourcen auf unnötigen Umwegen zu verschwenden.
Welches ist der erste Schritt?
Zu Beginn muss ich mir Lernziele setzen. Dazu muss ich mir über meinen Kenntnisstand Klarheit verschaffen, um von hier aus den ersten und die folgenden Schritte auf meine Lernziele hin planen zu können. Meinen Kenntnisstand kann ich z.B. mit den Checklisten des Europäischen Sprachenportfolios oder auch mit einem Niveautest überprüfen. Beide sollen mir das ungefähre Niveau meiner Kenntnisse in den verschiedenen Sprachfertigkeiten angeben: Hörverstehen, Leseverstehen, Sprechen, Schreiben, eventuell auch in den Sprachinstrumenten Wortschatz und Grammatik. Da diese Niveaus eine bestimmte Bandbreite haben, kann ich mich nötigenfalls zuerst auf meiner Stufe wieder einüben, oder auch gleich die nächste Stufe in den ausgewählten Fertigkeiten als Lernziel ansteuern.
Was geben die Sprachniveaus an?
Es gibt zwei verschiedene Niveauangaben, die gut auseinanderzuhalten sind: durch Selbstevaluation (Checklisten) oder Fremdevaluation (Niveautest) erhalte ich meinen aktuellen Kenntnisstand, also das Ausgangsniveau für meine nächsten Lernschritte, während auf Lehrwerken oder in Sprachkursen das Zielniveau angegeben ist, das dem angesteuerten Lernziel dieser Lehrwerke oder Sprachkurse entspricht. Wenn ich mich selbst also für meine Zielsprache z.B. im Hörverstehen auf Ausgangsniveau B1 einstufe, so werde ich meine Lernbemühungen im Hörverstehen auf das nächsthöhere Zielniveau B2 ausrichten.
Wozu dienen die Checklisten des Europäischen Sprachenportfolios?
Mit den Checklisten kann ich meinen Kenntnisstand in den verschiedenen sprachlichen Fertigkeiten auf die entsprechenden Niveaus A1–C2 beziehen, und zwar anhand der angegebenen konkreten Beispiele von Sprachhandlungssituationen. Diese Beispiele können mir auch Ideen für Situationen geben, in denen ich meine Fertigkeiten ausprobieren kann, oder ich kann die Listen mit weiteren Beispielen ergänzen. Wenn ich meinen Kenntnisstand bestimmt habe, kann ich mit den Checklisten bestimmte Sprachhandlungssituationen als Lernziele auswählen. Ich erhalte auf diese Weise eine viel konkretere Vorstellung dessen, was z.B. Leseverstehen auf Niveau B2 bedeutet. Auch kann ich die Checklisten in verschiedenen Zwischenstadien sowie am Ende meines Lernprozesses einsetzen, um meine Lernfortschritte zu evaluieren.
Wo kann ich einen Niveautest ablegen?
Wenn ich mein Niveau in der Zielsprache nicht selbst mit den Checklisten einschätzen kann, so gibt es die Möglichkeit zur Fremdevaluation. Für die häufig erlernten Zielsprachen wie Deutsch, Englisch, Französisch gibt es Webseiten, die Niveautests online anbieten (siehe unsere Links). Allerdings sind diese Niveautests in vielen Fällen auf die Fertigkeit Lesen und die Sprachwerkzeuge Wortschatz und Grammatik beschränkt, und die Testergebnisse sind auch viel summarischer als die Checklisten und somit für Einzelschritte der Lernzielsetzung wenig hilfreich.
Wie plane ich mein autonomes Lernen?
Die Planung meines Lernens hängt in erster Linie von der Zeit ab, die mir zum Erreichen meiner Lernziele zur Verfügung steht, d.h. in welcher Zeitspanne und wie intensiv kann oder will ich lernen? Vielleicht muss ich auch im Verlauf meines Lernprozesses meine Lernziele an meine (sich ändernden oder falsch eingeschätzten) zeitlichen Möglichkeiten anpassen. Wichtig ist, dass ich realistisch plane und anpasse und mich nicht von Wunschträumen leiten lasse. Wenn ich das (noch) nicht kann, ist der autonome Lernprozess eine gute Gelegenheit, es zu erlernen.
Am besten formuliere ich zu Beginn meine Planung schriftlich, damit ich später meinen Lernprozess mit meiner Planung vergleichen und dabei überprüfen kann, wie realistisch ich mein Lernen geplant habe, um daraus Schlüsse für meine weitere Planung zu ziehen. Bei der Formulierung meiner Planung beantworte ich möglichst konkret die folgenden Fragen:
- Was will ich lernen? (Fertigkeiten, Inhalte)
- Womit will ich lernen? (Lernmaterialien)
- Wo will ich lernen? (Lernorte)
- Wann will ich lernen? (Lernzeiten)
- Wie oft will ich lernen? (Lernfrequenz)
- Wie will ich lernen? (Methoden, Strategien, Hilfsmittel)
- Wie will ich die einzelnen Fertigkeiten trainieren?
- Mit wem will ich lernen? (Soziales Lernen)
c) Wie soll ich mein autonomes Lernen durchführen?
Was soll ich autonom lernen? (Fertigkeiten, Inhalte)
Die Entscheidung über die Inhalte richtet sich ganz nach meinen individuellen Interessen. Je nachdem ob ich die Zielsprache für den Alltagsgebrauch oder für spezifische, z.B. studienbedingte oder berufliche Zwecke lerne, wähle ich dementsprechende Inhalte aus.
Welchen Fertigkeiten ich den Vorrang gebe, hängt von meinen Vorkenntnissen ab. Als Anfänger in der Zielsprache ist es sinnvoll, mit den rezeptiven Fertigkeiten Hör- und Leseverstehen und mit dem Wortschatz zu beginnen, was mir ein Eintauchen und Einfühlen in die neuen Klänge, Wörter und Sätze erlaubt, bevor ich mich spätestens ab der Mittelstufe den höheren Anforderungen des Sprechens und Schreibens aussetze, die auch Grammatikkenntnisse voraussetzen. Für den fortgeschrittenen Lerner liegen die Prioritäten eher in der Verbesserung der produktiven Fertigkeiten Sprechen und Schreiben sowie - je nach Bedarf - in der Aneignung spezifischen Wortschatzes.
Diese Angaben entsprechen selbstredend nur allgemeinen Tendenzen – als autonome/r Lernende/r kann und soll ich meine Prioritäten immer selbst setzen. Je präziser meine Zielsetzung ist, desto weniger werde ich mich in der Weitläufigkeit der Möglichkeiten verirren.
Womit soll ich autonom lernen? (Lernmaterialien)
Materialien, die zum Erreichen meiner Lernziele ungeeignet sind, können meine Motivation untergraben, also lohnt es sich, etwas Zeit in die Auswahl von Lernmaterial zu investieren: dieses soll möglichst weitgehend zu meinen vorher definierten Lernzielen passen, meinem festgestellten Ausgangsniveau und dem angestrebten Zielniveau entsprechen, meine priorisierten Fertigkeiten trainieren sowie mich interessierende Inhalte enthalten. Um etwas Geeignetes zu finden, kann ich zuerst mit der Online-Suchmaske Material auswählen und im Selbstlernzentrum erproben gehen, oder dann z.B. mich in einer Fachbuchhandlung oder im Sprachenregal anderer Bibliotheken (KUB, LivrEchange) umsehen, mit einer gezielten Abfrage im Internet entsprechende Webseiten suchen oder mich von Unterrichtenden der Zielsprache beraten lassen. Für das autonome Lernen ist es wichtig, dass die Lösungen zu den Übungen dabei sind. Es ist oft ratsam, verschiedene Lernmaterialien auszuprobieren. Als Lernende/r auf den unteren Lernniveaus könnte ich z.B. ein eher schmales Lehrwerk für autonome Lernende, das eine relativ steile Lernprogression enthält, mit zusätzlichen, möglichst authentischen Nebenmaterialien kombinieren. Als Lernende/r auf den oberen Sprachniveaus kann ich mir z.B. aus dem stetig wachsenden Angebot im Internet passende authentische Hör- und Lesetexte aussuchen sowie mit den heutigen technischen Möglichkeiten interaktiv mündlich und schriftlich kommunizieren und mir dabei helfen oder mich korrigieren lassen.
Wo soll ich autonom lernen? (Lernorte)
Die Auswahl meiner Lernorte ist einerseits vom ausgewählten Lernmaterial abhängig, denn z.B. mit Büchern, einem Computer oder zum Aussprachetraining werde ich mir eher ruhige und bequeme Orte aussuchen, wo ich auch Wichtiges aufschreiben oder mich selbst aufnehmen kann, während ich mit einem mp3-Gerät fürs Hörverstehen oder mit Lernkärtchen auch unterwegs im Zug oder Bus arbeiten kann. Andererseits hängt der Lernort von meinen Vorlieben ab, wo und wie ich am wirksamsten lerne. Vielleicht muss ich das erst ausprobieren und herausfinden: brauche ich Musik im Hintergrund und einen anregenden Tee mit Süssigkeiten dazu, um meine Lernmotivation zu fördern und aufrecht zu erhalten? Oder lerne ich im Gegenteil konzentrierter bei störungsfreier Ruhe ohne Ablenkung durch lockende Konsummöglichkeiten in der Nähe? Oder einmal das Eine und einmal das Andere, je nach Lernziel?
Wann soll ich autonom lernen? (Lernzeiten)
Die Lernzeit ist von meiner Zeitorganisation abhängig, die von anderen, prioritär gesetzten Beschäftigungen wie Studium, Arbeit oder Sozialleben bestimmt wird und für mein autonomes Lernen die nötigen Lücken übrig lässt. Um eine Selbstdisziplin aufzubauen hilft es, mein Lernen so zu planen, dass ich es in einem Rhythmus möglichst regelmässiger Abstände und zu festen Zeiten verfolgen kann. Dadurch kann ich auch die äussere Verpflichtung eines Kurses simulieren, die einige Lernende als Lernanreiz brauchen, wenn sie an ihrer Motivation und Ausdauer zweifeln. Welche konkreten Lernmomente ich wähle, hängt dann von meinen Tagesrhythmen, Gewohnheiten und Vorlieben ab: Zu welcher Tageszeit kann ich mich am besten konzentrieren? Wann bin ich weder müde noch ziehe ich andere Tätigkeiten vor?
Wie oft soll ich autonom lernen? (Lernfrequenz)
Je öfter ich mich mit der Zielsprache auseinandersetze, desto besser trainiere ich mein Wortschatzgedächtnis und meine Sprachfertigkeiten. Unter anderem auch deswegen ist das Eintauchen in die Sprache in ihrem Kontext, etwa bei einem Aufenthalt in der Zielsprachenkultur, die wirksamste Lernweise. Lerne ich ausserhalb der Zielsprachenkultur, so muss ich Folgendes beachten: eine kurze und intensive Lernperiode, z.B. täglich eine Stunde während drei Monaten, nützt die Möglichkeiten sowohl des Kurz- wie auch des Langzeitgedächtnisses und bringt mich schneller zum Lernerfolg. Es ist darum befriedigender als ein extensives Lernen über eine lange Zeitdauer hinweg. Nach einer intensiven Lernperiode muss ich mich aber weiterhin mindestens ein- bis zweimal wöchentlich mit der Zielsprache beschäftigen, damit das Gelernte im Langzeitgedächtnis verbleibt, sonst vergesse ich allzu viel schnell wieder. Für das Gedächtnis- und Fertigkeitentraining ist zudem häufiges kurzes Wiederholen, z.B. zweimal täglich eine halbe Stunde, viel wirksamer als eine ausgedehnte Lerndauer einmal wöchentlich oder noch seltener. Demnach ist es wichtig, dass ich mir meinem individuellen Tages- und Wochenablauf entsprechend so oft wie möglich auch kürzere Lernmomente einrichte, und zwar auf alle denkbaren Arten.
Wie soll ich autonom lernen? (Methoden, Strategien, Hilfsmittel)
Nicht alle Lernmethoden sind für alle Lernenden gleich wirksam. Als autonome/r Lernende/r muss ich die für mich geeigneten Strategien und Hilfsmittel oft zuerst selbst herausfinden, indem ich Verschiedenes ausprobiere und meinen Lernerfolg dabei beobachte. Falls ich mich aus früheren Lernerfahrungen vorwiegend an wirkungslose und demotivierende Lernweisen erinnere, können mich Bücher und Webseiten mit Lernanleitungen für autonomes Lernen (siehe die bibliografischen Angaben unter Punkt 5) oder andere autonome Lernende auf neue Lernideen bringen. Auch eigene Hilfsmittel helfen mir beim Memorieren und Trainieren, wenn ich sie an meine Lernbedürfnisse anpasse.
Wie soll ich die einzelnen Fertigkeiten trainieren?
Für das Hör- und Leseverstehen ist ein mehrmaliges kombiniertes Rezipieren von interessanten authentischen Hörtexten mit ihrer Transkription sehr wirksam, z.B. bei Radiosendern im Internet, die ich auch zum Hören unterwegs auf ein tragbares Kleingerät (mp3 etc.) herunterladen und deren Transkript ich zum Mitnehmen und Bearbeiten ausdrucken kann.
Für das Wortschatztraining braucht es leicht zugängliche Wiederholungsmöglichkeiten, z.B. Flashcards oder Wortschatztrainer im Internet, die ich auch auf mein tragbares Gerät herunterladen kann; oder Lernkärtchen, die ich überallhin mitnehmen kann. Wichtig ist es zudem, die Wörter nie allein, sondern immer mit einem kurzen Kontext aufzuschreiben und zu lernen, um Bedeutung und Anwendungsbeispiel von Anfang an miteinander zu verbinden.
Für meine Aussprache muss ich Aufnahmen von muttersprachlichen Sprechern nachahmen und mich dabei selbst aufnehmen, um beim vergleichenden Wiederanhören genau auf die Unterschiede zu achten und meine Aussprache dann durch wiederholtes Üben an das lautliche Vorbild anzugleichen.
Das Sprechen und Schreiben übe ich am besten mit Partner/innen, die mich korrigieren können. Dies kann vor Ort geschehen oder auch mit den heutigen technischen Möglichkeiten des Internets zum interaktiven Austausch: E-Mails, Schreibchats, Voice-Chats, Skype, Lerngemeinschaften, usw.
Mit wem soll ich autonom lernen? (Soziales Lernen)
Autonom lernen bedeutet keinesfalls allein lernen: was ich gelernt habe, will und muss ich ja mit SprecherInnen der Zielsprache auf seine Verstehbarkeit und Korrektheit hin erproben. Ich darf damit aber getrost zuwarten, bis ich mich sicher genug fühle. Falls ich dennoch Hemmungen aus Angst vor Fehlern habe, so bespreche ich am besten mit meinen Sprech- oder Schreibpartner/innen den Umgang mit diesen Fehlern. Möchte ich korrigiert werden? Wenn ja, in welchem Moment und auf welche Weise? Mit der Auswahl eines geeigneten Gegenübers ermögliche ich mir damit eine Art „geschützte“ Lernumgebung, in der man mit Geduld und Verständnis auf meine Fehler reagiert und ich mich nicht vor einer Blamage zu fürchten brauche. Zudem erhalte ich auf meine individuellen Fehler eine passgenaue Rückmeldung, aus der ich für mein Weiterlernen nützliche Schlüsse ziehen kann. Falls ich unter meinen Bekannten keine/n Sprecher/in der Zielsprache finde, kann ich es bei einer der diversen Tandemvermittlungen oder Lerngemeinschaften im Internet versuchen, so z.B. bei UniTandem in diesem Selbstlernzentrum, wo auch eine detaillierte Beschreibung des Vorgehens beim Tandemlernen zu finden ist.
d) Wie soll ich mein autonomes Lernen reflektieren?
Um mich beim autonomen Lernen zu beobachten, meine Lernstrategien zu reflektieren und meine Lernschritte zu evaluieren, ist es sehr hilfreich, ein Lernlogbuch zu führen. Mittels schriftlicher Formulierung muss ich mir dabei meine Gedanken bewusst machen und klären. Dieses Lernprotokoll erst ermöglicht es, meinen eigenen Lernweg von Mal zu Mal sowie über längere Zeit im Rückblick nachzuvollziehen und meine Lernweise besser zu verstehen. Der Beginn eines Logbuchs könnte z.B. etwa wie dieses Beispiel aussehen.
e) Wie soll ich mein autonomes Lernen evaluieren?
Falls ich Lernpartner/innen habe, kann ich diese zwar gelegentlich um Rückmeldungen, Korrekturen oder Erklärungen bitten. Aber die Verantwortung zur kritischen Evaluation meiner Lernfortschritte, Strategien und Hilfsmittel bleibt während des autonomen Lernens immer bei mir. Jede ausgeführte Übung vergleiche ich mit ihrer Lösung und sehe sofort, ob ich sie wiederholen muss oder mit der nächsten Übung weiterfahren bzw. zu einem andern Lernbereich wechseln kann. Am besten erprobe ich meine Fertigkeiten in authentischen Kommunikationssituationen. Die Reaktionen der Kommunikationspartner zeigen mir schnell, was verstanden wurde und was nicht.
Nach Abschluss einer Lernperiode kann ich meine Kenntnisse und Fertigkeiten auch in einem Test messen. Solche gibt es im Internet oder in Büchern und Software zur Vorbereitung kostenpflichtiger Tests und Diplome. Allerdings unterscheiden sie sich oft wesentlich von authentischen Kommunikationssituationen.
Für meine Selbstreflexion aufschlussreich ist es, mir über meine Selbst- und Fremdevaluationen im Lernprotokoll jeweils Rechenschaft abzulegen. Auf dieser Grundlage vertiefe ich am Ende meiner Lernperiode die verschiedenen Aspekte meiner Lernerfahrungen und beurteile sie mit etwas Abstand in einem zusammenfassenden Schlussbericht, der dann wieder als Ausgangspunkt für meine weiteren autonomen Lernschritte dient.
f) Wie soll ich mein autonomes Lernen adaptieren? (Konsequenzen ziehen)
Der Erfolg beim autonomen Lernen hängt wesentlich davon ab, wie wirksam ich die Folgerungen aus meinen Fehlern und Misserfolgen in erfolgreiches Lernen umsetzen kann. Dies setzt aufmerksames Beobachten, kritisches Reflektieren und ehrliches Beurteilen voraus, sowie den Willen, meine Folgerungen optimal umzusetzen. Dieser Wille beruht auf bestimmten Grundhaltungen beim autonomen Lernen, die ich mir bei diesem Lernprozess aneignen muss, falls ich nicht schon über sie verfüge:
- Indem ich keine Angst vor Fehlern habe und daraus zu lernen bereit bin, gebe ich mir die Gelegenheit mich schrittweise zu verbessern.
- Indem ich für andere Lernweisen offen bin und in kreativer Weise eigene Lernhilfen erstelle und verbessere, gebe ich mir die Möglichkeit, Neues kennenzulernen und auf seine Wirksamkeit hin zu erproben.
- Indem ich mit meinen Lernzielen realistisch bleibe und geduldig weiter darauf hin lerne, erwerbe ich Selbstsicherheit und Zufriedenheit mit meinen Lernerfolgen, Grundlage für meine weitere Motivation.
Wichtig bei der Anwendung meiner Reflexionen und Folgerungen auf meine nächsten Lernschritte bleibt, dass ich damit immer meine Lust zu Lernen aufrechterhalten und fördern kann und will. Wenn ich mir unerreichbare Lernziele setze oder mich durch Lernschwierigkeiten entmutigen lasse, verliere ich die Motivation und breche frustriert den Lernprozess ab.
g) Wie soll ich mein autonomes Lernen dokumentieren? (Portfolio)
Für mich selbst, für meine Lernbegleiter wie auch für Aussenstehende sind die Lernerfahrungen aus meinem autonomen Lernen von Bedeutung. Es ist deshalb sinnvoll, meine Lernleistungen zu dokumentieren. Dafür gibt es das Europäische Sprachenportfolio online (Preis: 12.80 CHF für eine Dauerlizenz), in das ich meine Dokumente übertragen und aus dem ich ausgewählte Inhalte bei Bedarf aussenstehenden Personen präsentieren kann, z.B. für Auslandsemester oder Stellenbewerbungen.
4 - Administrative Einzelheiten für angemeldete Sprachlernprojekte
Kann ich für mein autonomes Sprachenlernen ECTS-Punkte erhalten?
Wenn ich an der Universität Freiburg (CH) ein Studium absolviere, kann ich eventuell für ein erfolgreich abgeschlossenes Sprachlernprojekt ECTS-Punkte für Softskills in meinem Studienfach validieren lassen. Dies gilt für die meisten Studienbereiche der Philosophischen Fakultät (ausser der Hispanistik) und für einige wenige Studienbereiche anderer Fakultäten. Bei sogenannten Mobilitätsstudierenden hängt die Anerkennung von deren Heimuniversität ab. Ein Sprachlernprojekt mit ECTS-Punkten erlaubt mir zudem, nach meiner Anmeldung eine Lernberatung zu erhalten.
Was muss ich tun, um ECTS-Punkte erhalten zu können?
Zuerst vergewissere ich mich bei meinem Studienbereich, ob ich diese ECTS-Punkte wirklich für mein Studium validieren lassen kann. Als Mobilitätsstudierende/r muss ich eine schriftliche Bestätigung dieser Validierungsmöglichkeit von meiner Heimuniversität vorweisen. Dann öffne ich die Online-Suchmaske des Selbstlernzentrums und markiere die Angaben für mein selbstgesteuertes Sprachenlernen. Auf der Seite der Suchergebnisse kann ich mich in das Anmeldeformular für ein Sprachlernprojekt mit ECTS-Punkten einloggen, wofür ich ein gültiges Unifr-Login besitzen muss (das ich bei meiner Immatrikulation erhalten habe). Auf dem Online-Anmeldeformular schreibe ich die nötigen Angaben für die Lernberatung und schicke es ein.
Wie viele ECTS-Punkte gibt es für ein Sprachlernprojekt?
Die Anzahl der ECTS-Punkte wird nach Abschluss des Sprachlernprojekts aufgrund der geleisteten Arbeitsstunden eingetragen. Pro 30 Stunden selbstständiges Sprachenlernen wird ein ECTS-Punkt erteilt. Die maximal anerkannte Anzahl Punkte aus Sprachlernprojekten wird vom jeweiligen Studienbereich definiert.
Wie wird das Sprachlernprojekt für die ECTS-Punkte evaluiert?
Mit der Anmeldung zu einem Sprachlernprojekt mit ECTS-Punkten erfolgt zugleich die Selbsteinstufung für das Ausgangsniveau. Beim einführenden Lernberatungsgespräch werden die Niveauangaben, die Lernziele, das Lernmaterial und das weitere Vorgehen besprochen.
Der Lernende evaluiert sodann seinen Lernprozess projektbegleitend durch ein Lern-Logbuch.
Die Schlussevaluation des gesamten Projekts erfolgt mit einem schriftlichen Erfahrungs- und Schlussbericht, einem elektronischen Schlusstest, sowie einem abschliessenden Evaluationsgespräch mit dem Lernberater über Lernerfolg, Lernerfahrungen, Lernstrategien und selbst erstellte Lernhilfen.
Wann muss ich mich in Gestens für das Sprachlernprojekt mit ECTS-Punkten eintragen?
Im Normalfall zu Beginn des Sprachlernprojekts. Aber der Eintrag ist auch bei Abschluss des Projekts noch möglich.
Warum sind in Gestens 2 ECTS-Punkte eingetragen und ich kann das nicht ändern, obwohl ich eine andere Anzahl Punkte haben möchte?
Die 2 ECTS-Punkte sind ein Eintrag "by default". Die definitive Punktezahl wird am Ende des Selbstlernprojekts aufgrund der tatsächlich geleisteten Stunden eingetragen.
Ich besuche neben dem Lernprojekt auch Kurse in einer Sprachschule. Darf ich die dort absolvierten Stunden in das Lerntagebuch eintragen und mitzählen?
Sprachkurse in einer Sprachschule sind kein Gegenstand des autonomen Lernens und können nicht mit ins Selbstlernprojekt einbezogen werden, auch die für den Kurs geleisteten Hausaufgaben nicht. Das Ziel des Sprachlernprojekts mit ECTS-Punkten heisst ja: "Fähigkeit, eine Fremdsprache selbstgesteuert zu lernen".
Demzufolge kann ich jedoch die Sprachlernaktivitäten, die über den Kurs und seine Hausaufgaben hinausgehen, mit entsprechender Beschreibung und Reflexion eintragen und mitzählen, z.B. Lernaktivitäten mit Einheimischen im Zielsprachenland, bei denen ich gezielt und intensiv Sprechen, Hören und Wortschatz übe, mich selbst beobachte und mich korrigieren lasse, Notizen dazu aufschreibe und weitere Nachbearbeitungen dazu vornehme, z.B. Wortschatz- und Grammatikübungen. Jedes Mal wenn ich den Eindruck habe, etwas aus eigener Initiative und in eigener Verantwortung gelernt zu haben, lohnt es sich, diesen Lernvorgang zu beschreiben und zu reflektieren.
5 - Wo finde ich vertiefende Informationen zum Autonomen Lernen?
Links:
- Europäisches Fremdsprachenzentrum Graz: Kurzgefasster Ratgeber, auf welche Weise Sie am besten Ihre Zielsprache lernen könnten.
- Humboldt-Universität Berlin: Tipps zum selbstständigen Sprachenlernen.
- Universität Hamburg: Ausführliche Lerntipps für alle Aspekte des Fremdsprachenlernens.
- Freie Universität Berlin: Dynamisches Autonomiemodell mit Deskriptoren zur Selbsteinschätzung der eigenen Lernerautonomie.
- Zeit zu leben: Online-Magazin von Experten zum Thema Persönlichkeitsentwicklung mit unzähligen Tipps, die für das selbstgesteuerte Lernen nützlich sind, wie z.B. zum Zeitmanagement, zur Lerndisziplin, zum Selbstvertrauen oder zur Selbstmotivierung.
Bücher im Selbstlernzentrum:
-
Kleinschroth, Robert: Sprachen lernen. Der Schlüssel zur richtigen Technik [MDT-DaF-m-91.3-txt]
Auf die richtige, individuell angemessene Methode kommt es an: bewährte Ratschläge, kreative Techniken, Tipps und Tricks aus Wissenschaft und Praxis ersparen Lernfrust und fördern die Lernlust.
-
Rug, Wolfgang / Neumann, Thomas / Tomaszewski, Andreas: 50 praktische Tips zum Deutschlernen [MDT-DaF-m-91.4-txt]
Kleiner Ratgeber mit 50 praktischen Angeboten, Ideen, Methoden, um sich mit stärkerem Selbstbewusstsein auf den Weg des autonomen Lernens zu machen.
-
Rampillon, Ute: Lernen leichter machen - Deutsch als Fremdsprache [MDT-DaF-m-91.5-txt]
Umfangreiche Sammlung praktischer Lerntechniken, die verschiedene Lernertypen berücksichtigt. Neben allgemeinen Techniken und Strategien zur Selbstmotivation, Selbstorganisation und Selbstevaluation umfasst sie die Bereiche Wörterbucharbeit, Grammatik, Wortschatz, Auswendiglernen, Lesen, Hören, Notizen anfertigen, Arbeit mit TV und Videos, Schreiben und Sprechen.