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Thomas von Aquin - Summe der Theologie
Prima Pars
Quaestio 6

Articulus 2

Iª q. 6 a. 2 arg. 1
Ad secundum sic proceditur. Videtur quod Deus non sit summum bonum. Summum enim bonum addit aliquid supra bonum, alioquin omni bono conveniret. Sed omne quod se habet ex additione ad aliquid, est compositum. Ergo summum bonum est compositum. Sed Deus est summe simplex, ut supra ostensum est. Ergo Deus non est summum bonum.

Iª q. 6 a. 2 arg. 2
Praeterea, bonum est quod omnia appetunt, ut dicit philosophus. Sed nihil aliud est quod omnia appetunt, nisi solus Deus, qui est finis omnium. Ergo nihil aliud est bonum nisi Deus. Quod etiam videtur per id quod dicitur Matth. XIX, nemo bonus nisi solus Deus. Sed summum dicitur in comparatione aliorum; sicut summum calidum in comparatione ad omnia calida. Ergo Deus non potest dici summum bonum.

Iª q. 6 a. 2 arg. 3
Praeterea, summum comparationem importat. Sed quae non sunt unius generis, non sunt comparabilia; sicut dulcedo inconvenienter dicitur maior vel minor quam linea. Cum igitur Deus non sit in eodem genere cum aliis bonis, ut ex superioribus patet, videtur quod Deus non possit dici summum bonum respectu eorum.

Iª q. 6 a. 2 s. c.
Sed contra est quod dicit Augustinus, I de Trin., quod Trinitas divinarum personarum est summum bonum, quod purgatissimis mentibus cernitur.

Iª q. 6 a. 2 co.
Respondeo dicendum quod Deus est summum bonum simpliciter, et non solum in aliquo genere vel ordine rerum. Sic enim bonum Deo attribuitur, ut dictum est, inquantum omnes perfectiones desideratae effluunt ab eo, sicut a prima causa. Non autem effluunt ab eo sicut ab agente univoco, ut ex superioribus patet, sed sicut ab agente quod non convenit cum suis effectibus, neque in ratione speciei, nec in ratione generis. Similitudo autem effectus in causa quidem univoca invenitur uniformiter, in causa autem aequivoca invenitur excellentius, sicut calor excellentiori modo est in sole quam in igne. Sic ergo oportet quod cum bonum sit in Deo sicut in prima causa omnium non univoca, quod sit in eo excellentissimo modo. Et propter hoc dicitur summum bonum.

Iª q. 6 a. 2 ad 1
Ad primum ergo dicendum quod summum bonum addit super bonum, non rem aliquam absolutam, sed relationem tantum. Relatio autem qua aliquid de Deo dicitur relative ad creaturas, non est realiter in Deo, sed in creatura; in Deo vero secundum rationem; sicut scibile relative dicitur ad scientiam, non quia ad ipsam referatur, sed quia scientia refertur ad ipsum. Et sic non oportet quod in summo bono sit aliqua compositio, sed solum quod alia deficiant ab ipso.

Iª q. 6 a. 2 ad 2
Ad secundum dicendum quod, cum dicitur bonum est quod omnia appetunt, non sic intelligitur quasi unumquodque bonum ab omnibus appetatur, sed quia quidquid appetitur, rationem boni habet. Quod autem dicitur, nemo bonus nisi solus Deus, intelligitur de bono per essentiam, ut post dicetur.

Iª q. 6 a. 2 ad 3
Ad tertium dicendum quod ea quae non sunt in eodem genere, si quidem sint in diversis generibus contenta, nullo modo comparabilia sunt. De Deo autem negatur esse in eodem genere cum aliis bonis, non quod ipse sit in quodam alio genere; sed quia ipse est extra genus, et principium omnis generis. Et sic comparatur ad alia per excessum. Et huiusmodi comparationem importat summum bonum.

 

Zweiter Artikel.
Gott ist das höchste Gut.

a) Dies scheint zu streiten gegen den Begriff des „Höchsten". Denn:

I. Der Zusatz „höchstes" fügt etwas hinzu zum einfachen „Guten"; sonst würde er für jegliches Gute passen. Was aber ein Wesen hat, wozu etwas für das thatsächliche Sein hinzugefügt worden, das ist zusammengesetzt. Somit würde der Ausdruck „höchstes Gut" für Gott eine Zusammensetzung bedeuten.

II. Gut ist, wonach alles verlangt und strebt. Gott allein aber wird von allem ohne Ausnahme begehrt; denn Er allein ist der Zweck alles Seins. Also ist Er nicht das höchste Gut, sondern eben nur allein das Gute. Das bezeichnet der Herr selber mit den Worten: „Niemand ist gut als Gott allein." (Luk. 18.) Also kann nicht von Gott ausgesagt werden, Er sei das höchste Gut; denn in diesem Falle müßten, des Vergleiches halber, noch andere Güter da sein.

III. Zudem kann auch aus diesem weiteren Grunde kein Vergleichen statthaben, weil Gott mit den anderen Gütern nicht in ein und derselben „Art" einbegriffen ist. Was aber miteinander verglichen werden soll, das muß mindestens in ein und derselben Akt sein. So kann die Süßigkeit nicht mit der Biene verglichen werden.

Auf der anderen Seite sagt Augustin (I. de Trin. c. 2.): „Die Dreiheit der göttlichen Personen ist das höchste Gut, welches vom Geiste, der auf der höchsten Stufe der Reinheit steht, geschaut wird."

b) Gott ist einfach und ohne weiteren Zusatz das „höchste Gut"; nämlich nicht nur innerhalb irgend welcher beschränkten Art oder irgend welcher Seinsstufe der Dinge. Denn deshalb wird von Gott das „Gute" ausgesagt, weil jegliche auf irgend einer Seite begehrte Vollendung von Ihm herrührt als von der erstwirkenden Ursache. Die Wirkungen kommen aber nicht von Gott als von einer Ursache, deren Wesen mit dem Wesen der Wirkungen ein und dasselbe (univoce) wäre, wie der Mensch vom Menschen kommt; sondern wie von einer Ursache, welche mit ihren Wirkungen weder die „Art" noch die „Gattung" oder die Wesensform gemeinsam hat. Die entsprechende Ähnlichkeit nun vereinigt in der ersten Art von Ursachen, in den causis univocis, die wirkende Ursache mit der Wirkung. Der Mensch z. B. ist dem Menschen ähnlich, weil beide die eine Gattung haben. In der zweiten Art von Ursachen aber ist die mitgeteilte Vollendung nicht wesentlich gleichmäßig in der Ursache und in der Wirkung, sondern sie ist [S. 154] in der Ursache in weit höherer Seinsweise; so wie die Wärme noch höher ist in der Sonne wie im Feuer. So ist es also erfordert, daß, insofern das Gute in Gott ist wie in der ersten Ursache aller Dinge, in der Ursache, die mit keiner Wirkung etwas der „Art" oder der Gattung nach gemeinsam hat; es ist erfordert, daß das Gute in dieser Ursache im allerhöchst möglichen Grade sei. Und deshalb ist Gott das höchste Gut.

I. Der erste Einwurf täuscht sich über die Bedeutung des Zusatzes 
„höchstes" Gut. Dadurch wird nämlich zum Guten keinerlei Wirklichkeit
hinzugefügt, in welcher eine Zusammensetzung des Seins begründet sein
könnte; sondern nur die Beziehung zu den Kreaturen. Nur jene Beziehung aber ist in den Kreaturen eine thatsächlich wirkliche, welcher ein eigenes wirkliches Sein, nämlich das der Abhängigkeit, zu Grunde liegt. In Gott ist jedoch eine solche Beziehung einzig und allein gemäß der Auffassung der Vernunft; wie z. B. das Wissenswerte Beziehung hat zur Wissenschaft, nicht weil es auf die Wissenschaft bezogen würde und von dieser etwas erhielte, sondern weil umgekehrt die Wissenschaft auf das Wissenswerte bezogen wird und von diesem in ihrem Bestande thatsächlich vermehrt wird. So besteht also keine Zusammensetzung im thatsächlichen Sein Gottes auf Grund des Zusatzes: höchstes Gut.

II. „Nach dem Guten strebt alles" darf nicht so aufgefaßt werden, als ob jegliches Gute von allem begehrt würde, sondern weil jegliches Ding, um begehrt werden zu können, den Charakter des „Guten" hat. Gott aber ist gut allein kraft seines Wesens, nicht auf Grund von irgend welcher Mitteilung.

III. Gott ist das erste Princip aller der verschiedenen Seinsarten; und allein auf Grund dessen wird Er mit anderem verglichen, infolge nämlich des Übermaßes an „Gut", was Er hat.

 

 

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Letzte Änderung am 1. August 2012.
Gregor Emmenegger