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Thomas von Aquin - Summe der Theologie
Prima Pars
Quaestio 40

Articulus 1

Iª q. 40 a. 1 arg. 1
Ad primum sic proceditur. Videtur quod in divinis non sit idem relatio quod persona. Quaecumque enim sunt idem, multiplicato uno eorum, multiplicatur et aliud. Sed contingit in una persona esse plures relationes, sicut in persona patris est paternitas et communis spiratio, et iterum unam relationem in duabus personis esse, sicut communis spiratio est in patre et filio. Ergo relatio non est idem quod persona.

Iª q. 40 a. 1 arg. 2
Praeterea, nihil est in seipso, secundum philosophum, in IV Physic. Sed relatio est in persona. Nec potest dici quod ratione identitatis, quia sic esset etiam in essentia. Ergo relatio sive proprietas et persona non sunt idem in divinis.

Iª q. 40 a. 1 arg. 3
Praeterea, quaecumque sunt idem, ita se habent, quod quidquid praedicatur de uno, praedicatur et de alio. Non autem quidquid praedicatur de persona, praedicatur de proprietate. Dicimus enim quod pater generat, sed non dicimus quod paternitas sit generans. Ergo proprietas non est idem quod persona in divinis.

Iª q. 40 a. 1 s. c.
Sed contra, in divinis non differt quod est et quo est, ut habetur a Boetio in libro de Hebd. Sed pater paternitate est pater. Ergo pater idem est quod paternitas. Et eadem ratione aliae proprietates idem sunt cum personis.

Iª q. 40 a. 1 co.
Respondeo dicendum quod circa hoc aliqui diversimode opinati sunt. Quidam enim dixerunt proprietates neque esse personas, neque in personis. Qui fuerunt moti ex modo significandi relationum, quae quidem non significant ut in aliquo, sed magis ut ad aliquid. Unde dixerunt relationes esse assistentes, sicut supra expositum est. Sed quia relatio, secundum quod est quaedam res in divinis, est ipsa essentia; essentia autem idem est quod persona, ut ex dictis patet; oportet quod relatio sit idem quod persona. Hanc igitur identitatem alii considerantes, dixerunt proprietates quidem esse personas, non autem in personis, quia non ponebant proprietates in divinis nisi secundum modum loquendi, ut supra dictum est. Necesse est autem ponere proprietates in divinis, ut supra ostendimus. Quae quidem significantur in abstracto, ut quaedam formae personarum. Unde, cum de ratione formae sit, quod sit in eo cuius est forma, oportet dicere proprietates esse in personis, et eas tamen esse personas; sicut essentiam esse in Deo dicimus, quae tamen est Deus.

Iª q. 40 a. 1 ad 1
Ad primum ergo dicendum quod persona et proprietas sunt idem re, differunt tamen secundum rationem. Unde non oportet quod, multiplicato uno, multiplicetur reliquum. Considerandum tamen est quod, propter divinam simplicitatem, consideratur duplex realis identitas in divinis eorum quae differunt in rebus creatis. Quia enim divina simplicitas excludit compositionem formae et materiae, sequitur quod in divinis idem est abstractum et concretum, ut deitas et Deus. Quia vero divina simplicitas excludit compositionem subiecti et accidentis, sequitur quod quidquid attribuitur Deo, est eius essentia, et propter hoc sapientia et virtus idem sunt in Deo, quia ambo sunt in divina essentia. Et secundum hanc duplicem rationem identitatis, proprietas in divinis est idem cum persona. Nam proprietates personales sunt idem cum personis, ea ratione qua abstractum est idem cum concreto. Sunt enim ipsae personae subsistentes; ut paternitas est ipse pater, et filiatio filius, et processio spiritus sanctus. Proprietates autem non personales sunt idem cum personis secundum aliam rationem identitatis, qua omne illud quod attribuitur Deo, est eius essentia. Sic igitur communis spiratio est idem cum persona patris et cum persona filii, non quod sit una persona per se subsistens; sed, sicut una essentia est in duabus personis, ita et una proprietas, ut supra dictum est.

Iª q. 40 a. 1 ad 2
Ad secundum dicendum quod proprietates dicuntur esse in essentia, per modum identitatis tantum. In personis autem dicuntur esse per modum identitatis, non quidem secundum rem tantum, sed quantum ad modum significandi, sicut forma in supposito. Et ideo proprietates determinant et distinguunt personas, non autem essentiam.

Iª q. 40 a. 1 ad 3
Ad tertium dicendum quod participia et verba notionalia significant actus notionales. Actus autem suppositorum sunt. Proprietates autem non significantur ut supposita, sed ut formae suppositorum. Et ideo modus significandi repugnat, ut participia et verba notionalia de proprietatibus praedicentur.

 

Erster Artikel.
Die Relation oder Eigenheit ist ganz dasselbe in Gott wie die Person.

a) Dagegen spricht:

I. Was auch immer im Verhältnisse zu einander ein und dasselbe ist, da muß, wenn das eine vervielfältigt wird, das andere es auch werden. Nun trifft es sich aber, daß in einer Person mehrere Relationen sind; und wiederum, daß eine Relation in mehreren Personen sich findet. Also ist die Relation nicht ein und dasselbe wie die Person.

“ II. Nichts ist in sich selbst. (4 Phys.) Die Relation aber ist in der Person. Und es kann nicht gesagt werden, daß dies auf Grund der Identität des Wesens ist, sonst wäre die Relation auch im Wesen. Also ist die Relation oder die Eigenheit nicht die Person. 44. 45. [S. 164]

III. Ist etwas als Ganzes mit sich identisch, also ein und dasselbe, so muß sich das eine so zum anderen verhalten, daß das, was vom einen ausgesagt wird, dies auch vom anderen gilt. Nicht aber gilt, was von der Person ausgesagt wird, von der Eigenheit. Denn wir sagen wohl, der Vater zeuge; nicht aber, daß die Vaterschaft zeugend sei. Also die Eigenheit ist nicht ein und dasselbe wie die Person.

Auf der anderen Seite ist in Gott kein Unterschied zwischen dem, wodurch Er ist und dem, was Er ist. Der Vater ist Vater durch die Vaterschaft. Also Vaterschaft und Vater sind in Gott ein und dasselbe. 48.

b) Ich antworte, daß betreffs dieses Punktes mehrere Meinungen bestanden. Einige nämlich meinten, die Eigenheiten oder proprietates seien weder die Personen noch in den Personen. Sie wurden irregeführt durch die Art der Ausdrucksweise. Denn nach ihrer Ausdrucksweise bezeichnen die Relationen nicht etwas als in einem befindlich, nicht als das, wodurch etwas besteht; sondern als etwas, was besteht. Sie sagten deshalb, die Relationen träten von außen her hinzu; wie dies Kapitel 28, Artikel 2 dargelegt worden. Da jedoch die Relation gemäß dem wirklichen Sein, was sie in Gott hat, die göttliche Wesenheit ist; die Wesenheit aber dem wirklichen Sein nach dasselbe ist was „Person“; so muß notwendigerweise die Relation dasselbe sein wie die Person.

Das beachteten andere; und meinten deshalb, die Eigenheiten seien wohl die Personen; sie seien aber nicht in den Personen. Denn sie nahmen die Eigenheiten nur gemäß der Auffassung der Vernunft und gemäß der Weise zu reden; nicht aber dem wirklichen Sein nach; wie aus Kapitel 32, Artikel 2 erhellt. Es müssen nun Eigenheiten in Gott angenommen werden (l. c.); und diese werden mit abstrakten Ausdrücken bezeichnet, als ob sie Formen der betreffenden Personen wären. Da aber der Natur einer Form oder Eigenschaft es entspricht, daß sie in dem sei, dessen Form oder Eigenschaft sie ist; so muß gesagt werden, die Eigenheiten seien in den Personen und sie seien zugleich die Personen: wie wir sagen, daß das Wesen Gottes in Gott ist und zugleich Gott. 51. 52. ​

c) I. „Person“ und „Eigenheit“ ist wohl in Gott ein und dasselbe gemäß dem wirklichen Sein; es besteht aber ein Unterschied gemäß dem charakteristischen Merkmal einer jeden, wie dieses von der Vernunft aufgefaßt wird. Deshalb ist nicht erforderlich, daß, wenn das eine vielfältig ist, es auch das andere sein muß. Berücksichtigt muß jedoch werden, daß, was im Bereiche des geschaffenen Seins der Wirklichkeit nach voneinander unterschieden ist, dies in Gott auf Grund der göttlichen Einfachheit in doppelter Weise ein und dasselbe ist. Da nämlich in Gott keine Zusammensetzung besteht aus Stoff und Form, so ist in Gott ein und dasselbe: das Abstrakte, die vom Einzelnen losgelöste Form; und das konkret einzeln Bestehende. Und weil in Gott keine Zusammensetzung ist zwischen der Substanz und dem Accidens, zwischen dem tragenden Subjekt nämlich und einem von außen hinzutretenden Sein, so ist da jede Eigenschaft Wesen und Substanz. Deshalb ist z. B. in Gott dasselbe dem wirklichen Sein nach: Weisheit und Kraft; weil jede von beiden identisch ist mit dem Wesen. Und nach dieser doppelten Richtschnur ist in Gott dasselbe: Person und Eigenheit. Denn die Eigenheiten oder proprietates sind dasselbe wie die Personen, weil in Gott das Abstrakte mit bem Konkreten zusammenfällt; sie sind nämlich selber die für sich bestehenden Personen, wie die Vaterschaft dasselbe ist wie der Vater, die Sohnschaft dasselbe wie der Sohn und das „Ausgehen“ dasselbe [S. 165] wie der heilige Geist. Jene Eigenheiten aber, die nicht Personen sind, fallen zusammen dem wirklichen Sein nach mit den Personen nach der anderen Weise der Identität, wonach alles, was Gott zugeteilt wird an Eigenheit und Vollkommenheit, sein eigenes göttliches Wesen ist. So also ist das gemeinsame „Hauchen“ ein und dasselbe mit der Person des Vaters und mit der Person des Sohnes; nicht als ob es eine für sich bestehende Person sei, sondern wie ein und dasselbe Wesen in beiden Personen ist, so ist auch ein und dieselbe Eigenheit dem wirklichen Sein nach in beiden.

II. Die persönlichen Eigenheiten sind im Wesen Gottes nur dem wirklichen Sein und dessen Identität nach. Sie sind aber in den Personen nicht bloß mit Rücksicht auf diesen Umstand, sondern auch mit Rücksicht auf die Bezeichnungsweise; wie die Form in der Person naturgemäß ist und von ihr getragen wird. Und deshalb bestimmen und unterscheiden nach unserer Bezeichnung die Eigenheiten wohl die Personen, nicht aber das Wesen.

III. Solche Worte, wie „zeugen“ oder „zeugend“ bezeichnen den entsprechenden notionalen Alt. Derartige Alte oder Thätigkeiten nun gehören den Personen an. Die Eigenheiten jedoch bezeichnen nicht so; nicht nämlich als für sich bestehende, sondern als bestimmende Formen der für sich bestehenden Personen. Und deshalb widerstrebt die natürliche Bezeichnungsweise, daß solche Prädikate wie „zeugen“ oder die Participien wie „zeugend“ von den Eigenheiten ausgesagt werden. 57. 58. 59.

 

 

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Letzte Änderung am 1. August 2012.
Gregor Emmenegger