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Thomas von Aquin - Summe der Theologie
Prima Pars

Quaestio 32

Prooemium

Iª q. 32 pr.
Consequenter inquirendum est de cognitione divinarum personarum. Et circa hoc quaeruntur quatuor. Primo, utrum per rationem naturalem possint cognosci divinae personae. Secundo, utrum sint aliquae notiones divinis personis attribuendae. Tertio, de numero notionum. Quarto, utrum liceat diversimode circa notiones opinari.

 

Zweiunddreißigstes Kapitel.
Die Erkenntnis der drei göttlichen Personen.

Überleitung.

„Der da wohnt in unzugänglichem Lichte.“ (I. Timoth. 6, 16.) So drückt treffend der heilige Apostel den Sitz des Geheimnisses aus, welches allen übrigen Geheimnissen zu Grunde liegt. „Er wohnt in unzugänglichem Lichte.“ Wer Besitzer eines Hauses ist, der hat allein das Recht, darin zu wohnen. Er allein gestattet den Eintritt. Ein Fremder hat keinen Schlüssel dafür, um einzutreten. Gott wohnt in unzugänglichem Lichte. Er allein ist der Herr darin. Er allein hat das Recht, da zu sein. Er allein kann den Eintritt dazu gestatten. Er kann aber niemals bewirken, daß ein anderer kraft seiner Natur es als ein Recht beanspruchen könnte, da zu wohnen. Denn dieses Licht ist unzugänglich. Nur wer dieses Licht seiner Natur nach selber ist, der wohnt von Ewigkeit darin, kann nie es verlieren; nie kann es ihm minder werden; nie droht ihm eine Gefahr. Und Licht wird das eigenste Reich Gottes genannt.

Denn das Licht leidet nie. Es wird nie beeinflußt. Immer strahlt es ohne Mühe. Immer behält es seine Natur. Es wirkt rein bestimmend hier im irdischen Stoffe. Alle Kräfte auf Erden hat es dem wirkenden Vermögen nach in sich. Auf seinen Entschluß hin keimen, blühen und bringen Frucht die verschiedenartigsten Pflanzen, eine jede nach ihrer Natur, überallhin dringt es. Und kann sein Leuchten selbst auch nicht mehr geschaut werden, seine Kraft beherrscht trotzdem das Reich der Metalle, die Zusammensetzung und Trennung der Elemente, die Sinne der Tiere; unter seiner sich immer in aller Ruhe gleichbleibenden und doch die gesamten irdischen Naturkräfte in sie alle wesentlich überragender Weise in sich einschließenden, sanften Gewalt regeln sich die Thätigkeiten der stofflichen Kreaturen, verbinden sich die einzelnen Vermögen derselben und vollendet sich die einzig dastehende Harmonie des körperlichen Weltall von den Abgründen der Tiefe an mit allem, was sie in sich enthalten, bis zu den mächtigen Sterngebilden in ungeahnter und unnahbarer Ferne da oben.

Das ist ein Bild jenes Reiches, wo Gott wohnt. Nur daß sein Licht reines, geistiges Sein ist. Was von der rein bestimmenden Natur des Lichtes gilt mit Rücksicht aus die Körperwelt, das gilt von Gott rücksichtlich alles Seins. Er ist reine Bestimmtheit, reine Fülle, nur thatsächliches Sein. Thätigsein ist seine Natur. Und Er selber ist diese Natur. Er selber ist der Zweck dieser seiner Natur. Er selber ist Princip, Wesen, Zweck, alles in einem, alles in der einfachsten reinsten Thatsächlichleit.

Wo soll eine andere Natur da irgend einen Blick hineinwerfen können; wo ja keine Natur etwas hat, was hineinreicht, wo alle andere Natur nur Vermögen ist! Frage die Pflanze, ob sie dir die innere Natur der Sonne kündet! Belebt werden will sie wohl von der Sonne. Ihre Thätigkeit erhält sie allerdings von der Sonne. Soll aber die Natur der Sonne uns bekannt werden; dann muß das wirksam thätige Licht, welches die Sonne selber uns sendet, dazu in etwa anleiten. [S. 71]

Hier fängt recht eigentlich das „Geheimnis“ an. Gott ist ganz und gar für sich. Seine Geschöpfe, fern davon, Ihn zu erreichen, gestehen selber, daß sie von Ihm alles haben und daß sie nicht durch das mindeste auf Ihn oder auf sein Sein einen Anspruch besitzen. „Es zittern, die den Erdkreis tragen.“ Je größer die Geschöpfe sind, desto mehr fühlen sie ihre Ohnmacht vor Ihm. Das große Meer wogt in beständiger Unruhe; nicht in sich selber hat es einen Anspruch auf Ruhe und Frieden. Die erhabensten Sterne kreisen am schnellsten, als ob sie am bereitwilligsten sich zeigen wollten für Gottes Willen. Die Engel schweigen, beben, beten an. Der Menschensohn verherrlicht das „Geheimnis“ der göttlichen Seinsfülle durch Tod und Grab.

Nein; von der Natur aus giebt es keinen Weg, um zum Innern des göttlichen Wesens zu gelangen. Das „Geheimnis“ der heiligen Dreieinigkeit bestätigt diese Unmöglichkeit im höchsten Grade. Gott läßt in seiner Barmherzigkeit dieses hehre Licht leuchten, damit wir das Nichts der Kreatur so recht klar erkennen und unseren Blick in allem Vertrauen allein auf Ihn richten. Denn nicht einmal dazu war die Kreatur von sich selber aus fähig, ihr volles Nichts — nicht nur das Nichts ihrer Substanz, ihres Ursprungs, — sondern auch das Nichts in ihrer Thätigkeit zu offenbaren.

Das kann sie erst unter dem Lichte jenes Geheimnisses, von dem aus die Natur in ihrer nackten Hilflosigkeit mit aller Klarheit gezeigt wird; mag dieses Licht auch betreffs des Geheimnisses selber nicht unsere Augen speisen, sondern einzig die Seele mit liebendem Verlangen erfüllen, falls sie kein Hindernis setzt. Mit Beziehung auf Gott besteht eben das Geheimnis darin, daß „geheim“ ist das unzugängliche Licht, daß es unser „Heim“ ist, indem es uns in thatsächlich fruchtbarer Weise zeigt, wie Nichts in der Natur unser „Heim“ sein kann.

Alles, was uns Thomas bis jetzt enthüllt hat, das thut nur die unnahbare Fülle dar, welche verhüllt bleibt für jede noch pilgernde Vernunft. Daß die Relationen in Gott wirkliche sind; daß der entsprechende Gegensatz in Gott ein wirklicher ist; daß die drei göttlichen Personen wirkliche sind; daß nur drei Personen sein können; daß diese drei Personen nach Art des vernünftigen Wortes, der geistigen Liebe ausgehen; das alles erörtert auf Grund der Offenbarung die Vernunft. Aber damit erhellt sie nur noch mehr und von allen Seiten her, „daß das „Licht“, wo der Herr wohnt, durchaus „unzugänglich“ ist.“ Wo schöpfen die heiligen drei Personen ihre Wirklichkeit. Allmächtig ist der Vater, allmächtig der Sohn, allmächtig der heilige Geist; und jede Person ist dies ganz. Über alle Natur erstreckt sich die Macht einer jeden; und würde sie tausend Welten machen, sie könnte wieder tausend machen und nicht im mindesten wäre sie ermüdet. Allweise ist der Vater, allweise der Sohn, allweise der heilige Geist. Das ist zudem keine öde trockene Weisheit. Fruchtbar ist sie vielmehr. Denn Himmel und Erde, Stoff und Geist, „Alles ist in der Weisheit gemacht.“ Er sprach und es ward das Licht; Er sprach und es stiegen empor die Abgründe; „Er sprach und die Dinge standen da.“ Das göttliche Auge schaut — und was es will, ist. Und ebenso geht es mit der Güte, die überall ausgegossen ist und doch unermeßlich bleibt in jeder Person; der endliche vollendende Zielpunkt alles Strebens und alles Verlangens. So verhält es sich mit der Gerechtigkeit; so mit der Barmherzigkeit. Und was noch wunderbarer ist: So geht es mit der Einheit.

Keine der drei Personen ist die „andere“; und doch hat keine etwas [S. 72] „Anderes“ wie die andere. Jede Person ist wirklich Person; und doch ist unsagbare Einheit die Verbindung mit der anderen. Welcher Reichtum muß da in der göttlichen Natur liegen, aus welcher die drei Personen schöpfen. Ihre Wirklichkeit ist so ungemessen, daß ihre Allmacht die eine wirkliche Allmacht von drei Allmächtigen ist. Ihre Weisheit ist so ungemessen, daß sie die eine wirkliche Weisheit ist von drei Allweisen. Und dabei ist ihre Einheit so stark, daß aus ihr alle Gegensätze strömen, die nur immer in einer rein vernünftigen Natur möglich sind, und daß doch in keinem dieser Gegensätze etwas der Wirklichkeit nach ist, was nicht der andere gegenüberstehende auch wäre. Die göttliche Natur breitet aus die drei Personen und giebt Wirklichkeit deren Gegenüberstellung, ihrer eigenen Fruchtbarkeit; und sie zieht die drei Personen in dem einen einfachen Alte gleichsam wieder zusammen zu Sich. Welche Selbständigkeit muß in diesem Sein herrschen, daß aus ihm drei ihre Selbständigkeit schöpfen; und zwar eine solche Selbständigkeit, daß in keiner der heiligen Personen etwas ist, was der anderen fehlt.

Es verschwindet vor dieser Unermeßlichkeit, welche die Vernunft so recht in ihrer höchsten Spekulation vor Augen stellt, jedes Bild, jede Analogie, jeder Anhaltspunkt. Nur Anbeten die Quelle alles Seins; das stellt sich dem Geiste vor.

Das Geheimnis wird jedoch als Geheimnis noch leuchtender durch folgende Erwägung! Giebt es da etwa ein sogenanntes absolutes Für-sich-bestehen, eine absolute Subsistenz im göttlichen Sein, die sich mitteilte den göttlichen Personen. Nein! Es muß hier alles Geschöpfliche ferngehalten werden, damit nur so recht im höchsten Grade das trostreichste der Geheimnisse entgegenglänze. Eine solche „absolute“ Subsistenz, die vor den drei Personen, natürlich nicht der Zeit, sondern der Anschauung, dem Princip nach bestände, würde eben nur wieder die Art und Weise der geschöpflichen Person in Gott einführen. Eine solche „absolute“ Subsistenz, vermöge deren Gott der Eine genannt würde und die dann zu den drei Personen sich entfaltete, wäre eben im Grunde nur Potenz, ein Vermögen mit Rücksicht auf die drei Personen. Sie wäre, wenn der rechte Ausdruck gebraucht werden soll, die einzige Person und die drei anderen sogenannten Personen wären nichts, als eine dreifache Bethätigung für diese eine Person, wie etwa unsere Person bethätigt und entwickelt wird durch die Vernunft — und den Willensakt; oder wie das eine gemeinsame Princip des Einzelseins beim Menschen in Sokrates bethätigt wird durch die Person des Sokrates, in Petrus durch die des Petrus. Aber so ist es nicht. Es darf an der reinen Thatsächlichkeit der göttlichen Natur nicht gerüttelt werden. Darin liegt eben das „Geheimnis“. Der Thatsächlichkeit entspricht das Mitteilen. Nur wer hat, kann geben. Nur wer ist, kann wirken. Vor den drei Personen ist in keiner Weise ein Für-sich-bestehen in der göttlichen Natur denkbar. Diese Natur selber ist reine Thatsächlichkeit; und diese Thatsächlichkeit, die in sich eine ganz eine und einfache ist, giebt der Vater dem Sohne, der Sohn und der Vater dem heiligen Geiste. Nichts Anderes wird da vorausgesetzt. Es besteht da keine Ableitung vom Kreatürlichen, sondern die unumschränkte Herrschaft über alles Kreatürliche. Da ist keine Ähnlichkeit mit dem wirklichen Sein kreatürlicher Personen. Natur und Person sind ihrem wesentlichen Charakter nach zugleich. Die Natur als das Allgemeine kann im Geschöpflichen nicht existieren ohne die Person als das Princip des Einzelseins; und die Person wieder nicht ohne die Natur. Die eine bedarf der anderen, die eine ist nach je verschiedenen Seiten hin die Voraussetzung für die [S. 73] andere. Ein „zugleich“ des Bedürfnisses ist da im Kreatürlichen vorhanden, weil in Gott die Personen durch und durch zugleich mit und in der einen göttlichen Natur in aller vollen Wirklichkeit bestehen; nicht aber erst vermittelst einer sogenannten „absoluten“ Subsistenz oder besser eines allgemeinen Vermögens für das Einzelbestehen.

Die natürliche Philosophie weist nach, Gott bestehe in dem Sinne in Sich, daß Er in nichts Geschöpflichem, in nichts, was von Ihm selbst geschieden wäre, subsistiert; sie entfernt rein und nur von Gott. Die übernaltürliche Wissenschaft aber geht davon aus, daß Gott in Sich selber positiv, daß Er in drei Personen subsistiert; sie geht von dem aus, was dem Lichte von oben gedankt ist.

Reine Thatsächlichkeit in Gott hat uns auch die natürliche Philosophie gezeigt. Aber es war dies eine Thatsächlichkeit, die nicht stoffliche Zusammensetzung, nicht Zusammensetzung aus Vermögen und Alt, aus „Art“ und Gattung u. dgl. war. Die übernatürliche Wissenschaft geht von dem positiven Grunde in Gott aus, der eine solche unermeßliche, reinste, einigste, fruchtbarste Thatsächlichkeit verlangt.

Im Geschöpfe kann die eine Natur nur eine Person tragen: Warum? Weil das Geschöpf nur Vermögen ist, weil es nur empfangen kann seiner Natur nach. Was es also erhält, das hat es so, daß es ein anderes Geschöpf nicht hat. Was das Geschöpf erhält, das hat es in der Weise, daß es ein anderes Sein nicht hat. Sein Einzelbestehen schließt es in der Weise ab, daß seine Natur als einzelne keinem anderen gehört. „Einzelsein“ heißt beim Geschöpfe „Nicht-das-Andere-sein“; denn nur das Nichts bringt es von sich aus mit. Also muß das Geschöpf demnach auch in seiner Natur bereits die volle Unmitteilbarkeit einschließen, sobald diese Natur einmal eine wirkliche, einzelne ist, d. h. sobald sie einmal empfangen oder verliehen worden ist. Seine Unmitteilbarleit ist vielmehr ein Mangel an Mitteilbarkeit als ein positiver Grund vom Geschöpfe selber aus, nicht mitgeteilt zu werden. Die geschöpfliche Natur ist Vermögen, Potenz; und deshalb kann, vermag sie eben nur in der Weise, je nachdem sie erhalten hat.

Die göttliche Natur aber ist reinste Thatsächlichkeit. Hier liegt der Glanzpunkt des Geheimnisses und der Schlüssel für Lösung aller Schwierigleiten. Ist die göttliche Natur nur Thatsächlichkeit, nur reinstes Sein, so ist ihr gerade Mitteilbarkeit eigen. Und weil sie durch und durch und eine einige Thatsächlichkeit ist; deshalb ist sie durch und durch und als die eine einige mitteilbar und zwar mitteilbar nach ihrem Wesenscharakter, als reine Vernunft und reinstes Wollen. Ihre Schlußpunkte sozusagen sind die drei göttlichen Personen, die alles Sein in aller Vollendung in Sich haben und als Personen sie von allem Anderen abschließen, daß von keiner Seite ein Einfluß auf sie ausgeübt werde. Sie sind je nach ihrem Willen die einzige erste Ursache aller und jeder geschöpflichen Thätigkeit, welche im Vergleiche zu ihnen volles Nichts ist.

Hat jemand die Erlaubnis zum Eintritt in ein Haus erhalten, hat er sich da umgesehen und den Plan des Ganzen sich klar gemacht; dann fällt ihm erst auf, sobald er wieder heraustritt und sich das Äußere nochmals ansieht, wie nun alles da sich so natürlich macht. Er findet es kaum erklärlich, wie ihm vorher in der äußeren Gestaltung so manches rätselhaft erscheinen konnte.

So etwa geht es uns, wenn wir nun, nachdem uns das Geheimnis der heiligen Dreieinigkeit geoffenbart worden, das All und seine Teile [S. 74] betrachten. Wie da im ganzen, wie da in jedem Teile die Dreiheit und die Einheit wiederkehren; wie sich da alles verschlingt in unauflöslichem Bande in Dreiheit und Einheit! Wir sind versucht zu meinen, dies sei doch so natürlich und selbstverständlich. Es erscheint uns rätselhaft, wie diese Harmonie in ihrer überwältigenden Fülle nicht früher uns klar werden und zur Erkenntnis des Daseins der Dreieinigkeit führen konnte. C.

Eine rein geistige Natur giebt es; und eine rein stoffliche; und eine aus Geist und Stoff zusammengesetzte. Und diese Dreiheit ist zu der innigsten Einheit verschlungen. Die Kräfte der reinen Geister regieren durch Vermittlung der Menschen den reinen Stoff. Und unter den Geistern sind wieder drei Hierarchien und in jeder Hierarchie wieder drei Ordnungen. Alle Geister aber bilden wieder eine Einheit im Preise Gottes und in der harmonischen Leitung der Welt. Das stoffliche Leben gliedert sich seinerseits wieder in drei Arten von Leben: das pflanzliche, dessen Nahrung die anderen Dinge sind nach ihrer Substanz und ihrem Umfange; — das tierische, das zudem Beweglichkeit hat, den Eindruck der äußeren Erscheinungen in seine Sinne aufnimmt und danach über die äußeren Dinge gebietet; — das menschliche, das da zu allem dem noch die Substanz selber zusammen mit den äußeren Erscheinungen der Dinge in die Vernunft aufnimmt, um „zu herrschen über die Fische des Meeres, die Tiere des Feldes, die Vögel des Firmaments“, um alles je nach seiner Natur zum gemeinsamen Wohle hinzuleiten. CI.

Und woraus besteht jedes Ding in seinem innersten Teile? Aus Wesensform; Stoff oder Potenz; und das beide verbindende Einzelsein. Die Vernunft, das Wort, das Gedächtnis sind die Grundlage im Bereiche der Möglichkeit für den einen wirklichen Erkenntnisakt.

Wille, Neigung, Gegenstand bedingen ebenso den Willensakt. Überall und von allen Seiten zeigt sich bis ins einzelnste hinein das Gepräge der heiligen Dreieinigkeit, damit unser Geist von allen Seiten her in der Freude an diesem Geheimnisse und im Vertrauen auf dasselbe genährt werde.

Alle übrigen Geheimnisse entspringen diesem grundlegenden. Ein jedes von ihnen weist hin auf das eine volle „unzugängliche Licht“ und zeigt von einer anderen Seite das Nichts der natürlichen Thätigkeit, wenn diese an sich betrachtet wird.

Und je tiefer wir in das Geschöpfliche steigen, desto mehr prägt sich dieses hehre Geheimnis in reinen Vermögen aus. Und so erhellt es in unwidersprechlicher Weise, wie unmöglich die Kreatur aus eigenen Kräften zur Erkenntnis der heiligen Dreieinigkeit emporsteigen kann. Reine Vermögen können ja für sich gar nichts. Sie müssen erst selber bethätigt sein, ehe sie thätig sein, also in etwa anleiten können. Und von wo aus kommt ihre Bethätigung? Von da allein, wo reine Thatsächlichkeit herrscht. Also nur soweit von oben ihre Thätigkeit kommt, können sie führen. Gott nun kann gar nicht den geschöpflichen Vermögen seine eigene Natur geben. Denn diese ist reine Thatsächlichkeit von innen, vom Wesen heraus; sie ist abgeschlossen in den drei göttlichen Personen. Die Natur des Geschöpfes aber ist Vermögen. Es würde also damit das Geschöpfliche als solches aufhören; es würde von Natur Gott sein. Somit kann auch keine Kreatur kraft ihrer natürlichen Kräfte es beanspruchen, die Dreieinigkeit zu erkennen. Es wird dies der reinen Güte und Gnade Gottes ohne jeden Anlaß von außen her geschuldet, daß Er seine innerste Natur offenbaren wollte. Er hat damit unser Herz entstammen wollen, daß es über alles Geschaffene hinaus nach Ihm, dem „Heim“ der unsterblichen Seele verlange. Er hat uns aus reinster Liebe da „Wohnungen CV. [S. 75] bereiten wollen“, wo Er selbst kraft seiner Natur wohnt. Ihn sollen wir allein lieben. Zu seiner Liebe soll die Kenntnis seiner Dreieinigkeit führen. „Denn was nützte es viel zu sprechen von der heiligen Dreieinigkeit, wenn du in deinem Herzen etwas hast, wodurch du mißfällst der heiligen Dreieinigkeit,“ sagt mit Recht der ehrwürdige Thomas von Kempis.

Nicht nur hie und da soll der Beistand Gottes unsere Stütze sein. Nein; wohnen sollen wir da wie in unserem Eigen; wie in dem, was Gottes Liebe uns geschenkt. Denn so sagt der Psalmist: „Der da wohnt im Beistande des Höchsten; der wird verweilen mitten im Schutze des Gottes, der im Himmel ist.“ Da sollen wir nun im „Geheimnisse“ wohnen während der irdischen Pilgerzeit, im Beistande der Gnade Gottes; damit einst in der Herrlichkeit unser „Heim“, unsere Wohnung dieselbe sei wie die Gottes, von der Paulus sagt: „Der da wohnt in unzugänglichem Lichte.“

 

 

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Letzte Änderung am 1. August 2012.
Gregor Emmenegger