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Thomas von Aquin - Summe der Theologie
Prima Pars
Quaestio 1

Articulus 9

Iª q. 1 a. 9 arg. 1
Ad nonum sic proceditur. Videtur quod sacra Scriptura non debeat uti metaphoris. Illud enim quod est proprium infimae doctrinae, non videtur competere huic scientiae, quae inter alias tenet locum supremum, ut iam dictum est. Procedere autem per similitudines varias et repraesentationes, est proprium poeticae, quae est infima inter omnes doctrinas. Ergo huiusmodi similitudinibus uti, non est conveniens huic scientiae.

Iª q. 1 a. 9 arg. 2
Praeterea, haec doctrina videtur esse ordinata ad veritatis manifestationem, unde et manifestatoribus eius praemium promittitur, Eccli. XXIV, qui elucidant me, vitam aeternam habebunt. Sed per huiusmodi similitudines veritas occultatur. Non ergo competit huic doctrinae divina tradere sub similitudine corporalium rerum.

Iª q. 1 a. 9 arg. 3
Praeterea, quanto aliquae creaturae sunt sublimiores, tanto magis ad divinam similitudinem accedunt. Si igitur aliquae ex creaturis transumerentur ad Deum, tunc oporteret talem transumptionem maxime fieri ex sublimioribus creaturis, et non ex infimis. Quod tamen in Scripturis frequenter invenitur.

Iª q. 1 a. 9 s. c.
Sed contra est quod dicitur Osee XII, ego visionem multiplicavi eis, et in manibus prophetarum assimilatus sum. Tradere autem aliquid sub similitudine, est metaphoricum. Ergo ad sacram doctrinam pertinet uti metaphoris.

Iª q. 1 a. 9 co.
Respondeo dicendum quod conveniens est sacrae Scripturae divina et spiritualia sub similitudine corporalium tradere. Deus enim omnibus providet secundum quod competit eorum naturae. Est autem naturale homini ut per sensibilia ad intelligibilia veniat, quia omnis nostra cognitio a sensu initium habet. Unde convenienter in sacra Scriptura traduntur nobis spiritualia sub metaphoris corporalium. Et hoc est quod dicit Dionysius, I cap. caelestis hierarchiae, impossibile est nobis aliter lucere divinum radium, nisi varietate sacrorum velaminum circumvelatum. Convenit etiam sacrae Scripturae, quae communiter omnibus proponitur (secundum illud ad Rom. I, sapientibus et insipientibus debitor sum), ut spiritualia sub similitudinibus corporalium proponantur; ut saltem vel sic rudes eam capiant, qui ad intelligibilia secundum se capienda non sunt idonei.

Iª q. 1 a. 9 ad 1
Ad primum ergo dicendum quod poeta utitur metaphoris propter repraesentationem, repraesentatio enim naturaliter homini delectabilis est. Sed sacra doctrina utitur metaphoris propter necessitatem et utilitatem, ut dictum est.

Iª q. 1 a. 9 ad 2
Ad secundum dicendum quod radius divinae revelationis non destruitur propter figuras sensibiles quibus circumvelatur, ut dicit Dionysius, sed remanet in sua veritate; ut mentes quibus fit revelatio, non permittat in similitudinibus permanere, sed elevet eas ad cognitionem intelligibilium; et per eos quibus revelatio facta est, alii etiam circa haec instruantur. Unde ea quae in uno loco Scripturae traduntur sub metaphoris, in aliis locis expressius exponuntur. Et ipsa etiam occultatio figurarum utilis est, ad exercitium studiosorum, et contra irrisiones infidelium, de quibus dicitur, Matth. VII, nolite sanctum dare canibus.

Iª q. 1 a. 9 ad 3
Ad tertium dicendum quod, sicut docet Dionysius, cap. II Cael. Hier., magis est conveniens quod divina in Scripturis tradantur sub figuris vilium corporum, quam corporum nobilium. Et hoc propter tria. Primo, quia per hoc magis liberatur humanus animus ab errore. Manifestum enim apparet quod haec secundum proprietatem non dicuntur de divinis, quod posset esse dubium, si sub figuris nobilium corporum describerentur divina; maxime apud illos qui nihil aliud a corporibus nobilius excogitare noverunt. Secundo, quia hic modus convenientior est cognitioni quam de Deo habemus in hac vita. Magis enim manifestatur nobis de ipso quid non est, quam quid est, et ideo similitudines illarum rerum quae magis elongantur a Deo, veriorem nobis faciunt aestimationem quod sit supra illud quod de Deo dicimus vel cogitamus. Tertio, quia per huiusmodi, divina magis occultantur indignis.

 

Neunter Artikel.
Die heilige Schrift gebraucht mit Recht Bilder und Figuren.

a) Dieser Gebrauch scheint nicht gerechtfertigt werden zu können. Denn:

I. kann jener Wissenschaft, welche den höchsten Platz beansprucht, nicht das gebühren, was der niedrigsten eigen ist. Der Gebrauch verschiedener Gleichnisse und Figuren aber ist der niedrigsten aller Wissenschaften eigen, nämlich der Poetik. Also scheint dies von der höchsten ausgeschlossen werden zu müssen;

II. wird durch einen solchen Gebrauch die Wahrheit verborgen, so daß nur der tiefer Blickende sie wahrnimmt. Dagegen ist es die Aufgabe der heiligen Wissenschaft, die Wahrheit gemeinverständlich zu offenbaren; und denen, welche dieser Aufgabe gerecht werden, ist Belohnung verheißen, wie Ekkli. (24, 2l) sagt: „Die mich offenbar machen, werden das ewige Leben besitzen;"

III. erscheint es durchaus passend, daß, um das Göttliche zu er klären, die erhabensten Kreaturen, soweit man sie erreichen kann, benützt würden; denn sie sind Gott ähnlicher, haben deshalb mehr von Göttlichem in sich und können somit das Göttliche auch besser erklären. Solche Bilder und Figuren in der heiligen Schrift aber sind vorzugsweise aus den niedrigsten Geschöpfen und geschöpflichen Verhältnissen entnommen.

Auf der anderen Seite sagt der Prophet Oseas (12, 10.): „Ich habe ihnen vervielfältigt die Gesichte und Erscheinungen und vermittelst der Propheten habe ich ihnen Ähnlichleiten meines Seins gezeigt." Lehren aber etwas in Gesichten, Erscheinungen und vermittelst Ähnlichkeiten heißt nichts anderes als Bilder und Figuren gebrauchen. Also erscheint für die Theologie der Gebrauch von Bildern und Figuren als gelechtfertigt.

d) Ich antworte, daß es durchaus passend ist, wenn die heilige Schrift oder überhaupt die heilige Wissenschaft Göttliches und Geistiges unter dem Bilde körperlicher Dinge lehrt. Denn Gott sorgt für alle seine Kreaturen gemäß der Natur einer jeden. Es ist aber für die Natur des Menschen ganz und gar angemessen, daß er an der Hand des sinnlich Wahrnehmbaren emporsteigt zu Geistigem, da ja alle unsere vernünftige Kenntnis von dem, was die Sinne wahrnehmen, ihren Anfang nimmt. Deshalb ist es nach
 [S. 98] jeder Richtung hin zuträglich, daß in der heiligen Schrift die rein geistigen Wahrheiten unter der Hülle von Bildern gelehrt werden, die aus der Körperwelt entnommen sind. Und, dies meint Dionysius, wenn er schriibt (de cael. hier. c. 2.): „Anders kann de Strahl des göttlichen Lichtes uns nicht leuchten als ringsum verhüllt durch die mannigfachsten heiligen Hüllen."

Zudem ist die heilige Schrift dazu da, daß sie allen vorgelegt werde, wie der Apostel sagt (Rom. 1, 14.): „Den Weisen und den Einfachen gegenüber bekenne ich mich als Schuldner." Zu diesem Zwecke aber geziemt es sich, das Geistige unter dem Bilde körperlicher Dinge vorzulegen; damit so die Einfachen ebenfalls ein Verständnis gewinnen, da sie zum unmittelbaren Erfassen des Geistigen nicht befähigt sind.

b) Danach ergiebt sich die Antwort auf das, was entgegengehalten worden ist. II. „Weit entfernt davon," schreibt Dionysius (d cael. hier. c. 11.) gegen den zweiten Einwurf, „daß der Strahl göttlichen Lichtes erlöscht und zerstört werde durch die Bilder aus der Körperwelt, mit denen er um hüllt erscheint, bleibt er vollauf im Glanze seiner Wahrheit; damit er nicht zulasse, daß die Vernunft, an welche die Offenbarung gerichtet ist, im Bilde stehen bleibe, sondern damit er sie erhebe zur Kenntnis geistiger Dinge und daß dann vermittelst dieser Vernunft andere erleuchtet würden." Daher kommt es auch, daß die heilige Schrift, was sie an der einen Stelle unter Bildern und Figuren lehrt, an der anderen mit klaren ausdrücklichen Worten widergiebt. Das Verbergen selbst aber des Geistigen unter Figuren ist eine Übung für den Geist der Begabteren, die sich unterrichten wollen; und zugleich ein Schutz dafür, daß das Heilige, von den Ungläubigen nicht verspottet werde. Darum heißt es Matth. 7, 6: „Wollet das Heilige nicht den Hunden vorwerfen."

IlI. Auf den dritten Gegengrund hat gleichfalls Dionysius schon geantwortet (de cael. hier. c. 11.): „Es ist weit passender, daß die heillge Schrift unter dem Bilde niedriger und verächtlicher Körper, (wie z. B. bei den Sakramenten durch das Wasser, das Öl etc.) das Geistige ausdrückt als unter dem Bilde von Körpern, die hervorragender sind; und zwar zuvörderst: weil dadurch der menschliche Geist mehr der Gefahr des Irrtums fern bleibt. Denn offenbar wird dieses Niedrige nicht als wirkliche Eigenschaft der Gottheit ausgesagt und somit ist der Wortsinn ausgeschlossen. Größer wäre schon die Gefahr, wenn unter dem Bilde mehr hervorragender Körper das Göttliche beschrieben würde, zumal für jene, die nichts Höheres als jene Körper sich auszudenken vermögen. Ferner: weil diese Art und Weise des Gebrauches von Figuren und Bildern jener Art Kenntnis von Gott mehr entspricht, welche wir in diesem Leben haben. Denn wir wissen vielmehr, was Gott nicht ist als was Er ist; und deshalb erzeugen die Bilder jener Körper, welche von Gott weiter abstehen und Ihm weniger ähnlich sind, in uns eine der Thatsächlichleit mehr entsprechende Wertschätzung Gottes und zeigen mehr, was das eigentlich sei, was wir über Gott denken oder sprechen, daß es nämlich vielmehr Nichtkenntnis sei wie wirkliche Kenntnis. Endlich: weil durch diese Art Gebrauch das Göttliche vor den Unwürdigen leichter verborgen wird." < 99>

 

 

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Letzte Änderung am 1. August 2012.
Gregor Emmenegger