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Tertullian († um 220) - Über das Fasten, gegen die Psychiker (De ieiunio adversus psychicos)

8. Kap. Im Neuen Testament haben wir gleich an der Schwelle das Beispiel der Prophetin Anna und das Fasten Christi.

Wir werden auf das Weitere noch zurückkommen1. Denn jetzt beeilen wir uns, zu den Beweisen aus dem Neuen Bunde überzugehen. An der Schwelle des Evangeliums steht die Prophetin Anna, die Tochter Phanuels, welche den Knaben Jesus erkannte und vieles über ihn weissagte zum Nutzen derer, die das Heil Israels erwarteten. Nach dem herrlichen Lobestitel einer langjährigen Witwenschaft nach einmaliger Ehe wird sie durch das Zeugnis geschmückt, daß sie fastete2. Sie zeigt uns, mit welchen Werken man in der Kirche ausharren müsse, und daß niemand leichter Christum erkenne, als die einmal Verheirateten und die öfters Fastenden. Sodann leitete der Herr selbst seine [S. 536] Taufe, und in seiner Taufe die Taufe aller, mit Fasten ein, obwohl er imstande war, zu bewirken, daß Steine Brot würden, ja sogar, daß die Fluten des Jordan eventuell Wein seien, wenn er nämlich wirklich ein Fresser und Säufer gewesen wäre. Im Gegenteil, er ließ den neuen Menschen zur Beschämung des alten auftreten mit der Fähigkeit, Speisen zu verschmähen, um dadurch dem Teufel, der ihn aufs neue durch die Eßlust zu versuchen strebte, zu zeigen, daß er jedem Appetit überlegen sei. Er schrieb sodann für das Fasten als Gesetz vor, daß man es ohne Traurigkeit verrichte. Denn warum sollte ein Heilsmittel etwas Trauriges sein? Auch lehrte er, daß die schlimmsten Dämonen durch Fasten zu bekämpfen seien3. Wie sollte es auch auffallend sein, daß der böse Geist durch dasselbe Mittel verjagt wird, durch das der Hl. Geist zur Einkehr bewogen wird?! So lesen wir auch in Betreff des Hauptmannes Cornelius, sein Fasten habe Erhörung gefunden, so daß die Gnade des Hl. Geistes mit der Gabe der Prophetie über ihn zu kommen sich beeilte, bevor er getauft war4. Soviel ich weiß, zählt auch der Apostel im zweiten Briefe an die Korinther unter seinen Mühen, Gefahren und Beschwerden neben Hunger und Durst häufiges Fasten auf5.

1: Die überlieferte Lesart lautet: reddimus et cetera, die im Zusammenhang wenig befriedigt. Hartel schlug vor reddemus et cetera = wir werden das übrige noch vorbringen. Später, Kap. 9, kommt T. auf Daniel zurück, redeo ad Danielem, und wahrscheinlich ist zu lesen: redibimus ad cetera.
2: Vgl. Luk. 2,36 ff.
3: Mark. 9,28.
4: Vgl. Apg. 10,4.
5: 2 Kor. 11,27.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger