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Tertullian († um 220) - Über die Ehrbarkeit (De pudicitia)

17. Kap. Auch in seinen übrigen Briefen äußert sich der Apostel Paulus über die. Unzuchtsvergehen in einem so strengen Tone, daß man sieht, er will, der Christ soll ein für allemal mit ihnen gebrochen haben. Das heißt soviel, als er erklärt den Ehebruch für unvergebbar.

Fordere die apostolische Schlachtreihe heraus! Blicke hin auf seine Briefe: sie kämpfen sämtlich für die Ehrbarkeit, für die Keuschheit, für die Heiligkeit; alle werfen ihre Geschosse gegen die Werke der Ausschweifung, Geilheit und Wollust, Was schreibt er an die Thessalonicher? "Unsere Aufmunterung kommt nicht aus Irrwahn, noch aus Unlauterkeit", und "dasist der Wille Gottes, eure Heiligung, daß ihr euch enthaltet von der Hurerei, jeder von euch wisse sein Gefäß zu besitzen in Heiligkeit und Anstand, nicht in der Lust der Begierde, wie die Heiden, welche Gott nicht kennen". Was bekamen die Galater zu lesen? "Die Werke des Fleisches sind offenbar." Welche denn? Voran stellt er die Hurerei, Unreinheit und Geilheit, "in Betreff derer ich euch verkündige, wie ich euch bereits verkündigt habe: die, welche solches tun, werden das Reich Gottes nicht ererben".

Die Römer aber, was sollen sie vor allem lernen, als gerade Gott nach Annahme des Glaubens nicht mehr zu verlassen, "Was also wollen wir sagen? Sollen wir beharren in der Sünde, damit die Gnade um so reichlicher werde? Das sei fern! Wir sind der Sünde abgestorben, wie könnten wir noch in ihr leben? Oder wisset ihr nicht, daß wir, die wir getauft sind, auf Christus, auf seinen Tod getauft sind? Wir sind also durch die Taufe mit ihm begraben in den Tod, damit, wie Christus von den Toten auferstanden ist, auch wir in der Neuheit des Lebens wandeln. Denn, wenn wir mit ihm begraben sind in Verähnlichung seines Todes, so werden wir es auch sein in seiner Auferstehung, wissend, daß unser alter Mensch mit ihm ist gekreuzigt worden. Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir auch, daß wir mit ihm leben werden, wissend, daß Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt und der Tod nicht mehr herrscht über ihn. Denn was er gestorben, ist er der Sünde gestorben ein für allemal, was er aber lebt, lebt er für Gott. Daher erachtet auch euch selbst als solche, die abgestorben sind der Sünde, aber für Gott leben durch Christus Jesus", Da also Christus ein für allemal gestorben ist, so kann niemand, der nach Christus gestorben ist, der Sünde und noch dazu einer so großen wieder aufleben. Oder aber, wenn Hurerei und Ehebruch abermals könnten Einlaß erhalten, so wäre es auch möglich, daß Christus abermals stürbe.

Der Apostel fährt fort mit seinen Verboten, daß die Sünde in unserem sterblichen Leibe herrschen soll, dessen Fleischesschwäche er kennen gelernt hatte. "Wie ihr eure Glieder dargeboten habt, zu dienen der Unzucht und Gottlosigkeit, so bietet sie nun auch dar für den Dienst der Gerechtigkeit zur Heiligkeit", Wenn er auch in Abrede gestellt hatte, "daß etwas Gutes in seinem Fleische wohne", so war das nach dem Gesetz des Buchstabens geschehen, in dem er gelebt hatte; nach dem Gesetz des Geistes aber, an das er uns weist, sagt er: "Das Gesetz des Geistes des Lebens hat mich frei gemacht vom Gesetze der Sünde und des Todes". Obwohl es zum Teil den Anschein hat, als wenn er vom Standpunkte des Judentums aus spräche, so richtet er doch die sittlichen Vorschriften in ihrer Vollständigkeit und Vollkommenheit an uns, um derentwillen Gott, da wir unter dem Gesetz uns abmühten, "seinen Sohn im Fleische sendete, in der Ähnlichkeit des Fleisches der Sünde, und wegen der Sünde verdammte er die Sünde im Fleische, damit das Recht des Gesetzes an uns erfüllt werde, die wir nicht nach dem Fleische, sondern nach dem Geiste wandeln. Denn die, welche nach dem Fleische wandeln, sinnen auf das, was des Fleisches ist, und die nach dem Geiste auf das, was des Geistes ist". Die Gesinnung des Fleisches bezeichnete er als Tod, sodann als Feindschaft gegen Gott. "Die, welche im Fleische leben", sagt er, d. h. in der Gesinnung des Fleisches, "können Gott nicht wohlgefällig sein", und "wenn ihr nach dem Fleische lebt, werdet ihr sterben". Was verstehen wir unter fleischlicher Gesinnung und fleischlichem Leben anders als die Dinge, welche man sich schämt, auszusprechen? Sonstige Dinge, die das Fleisch angehen, hätte auch der Apostel mit ihrem Namen benannt.

Ebenso rückt er den Ephesern die Vergangenheit vor und ermahnt sie für die Zukunft. "In solchen Dingen sind auch wir gewandelt, tuend nach den Begierden und Lüsten des Fleisches". Er beschuldigt endlich jene, welche abgeleugnet hatten, nämlich Christen zu sein, der Undankbarkeit, weil sie sich Werken jeglicher Unreinheit hingegeben hatten, und sagt: "Ihr aber, ihr habt Christum nicht so kennen gelernt". Und wiederum, wenn er sagt: "Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr", verschweigt er: Wer bisher ein Ehebrecher war, der breche die Ehe nicht mehr, und wer ein Hurer war bisher, der hure nicht mehr. Dies nämlich hätte er sicher hinzugefügt, wenn er die Gewohnheit gehabt hätte, solchen Verzeihung zu gewähren, oder gewollt hätte, daß sie ihnen überhaupt gewährt werden solle, er, der, weil er nicht wollte, daß man sich auch nur mit einem Worte beflecke, sagt: "Keine schändliche Rede gehe hervor aus deinem Munde", und ebenso: "Hurerei und jegliche Unreinheit soll unter euch nicht einmal genannt werden, wie es bei Heiligen sich geziemt" - um wieviel weniger würde er für das Begehen derselben eine Entschuldigung zulassen -, "die da wissen, daß kein Hurer oder Unreiner das Reich Gottes besitzen wird. Niemand verführe euch mit leeren Worten! Deswegen kam der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens". Wer verführt denn mit leeren Worten, wenn nicht der, der predigt, daß der Ehebruch nachlaßbar sei, und dabei nicht einmal bedenkt, daß vom Apostel auch die Fundamente desselben zerstört wurden, indem er der Trunkenheit und Schlemmerei die Zügel anlegt, wie z. B. aa der unmittelbar folgenden Stelle: "Wollet euch nicht berauschen mit Wein, worin Unkeuschheit ist". Er zeigt auch den Kolossern, welche Glieder sie töten sollen auf Erden: "Die Hurerei, Unreinheit, Geilheit, böse Begierlichkeit und Zotenreißerei".

Gib doch nun nach allen diesen zahlreichen Aussprüchen den Satz auf, an dem du festhältst! Das Wenige wird durch das Viele, das Unsichere durch das Gewisse, das Undeutliche durch das Deutliche in den Schatten gestellt. Wenn es auch sicher wäre, daß der Apostel jenem Korinther die Hurerei verziehen hätte, so wäre das nur ein zweiter Beleg dafür, daß er für einmal den Zeitumständen entsprechend gegen seine eigene Anordnung gehandelt hat. Er beschnitt ja auch den einzigen Timotheus, und doch schaffte er die Beschneidung ab.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger