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Tertullian († um 220) - Die Prozeßeinreden gegen die Häretiker (De praescriptione haereticorum)

10. Kap. Wer die wahre Lehre Christi gefunden hat, der braucht nicht weiter zu suchen, sondern muß sie gläubig festhalten.

Der Grund für diesen Ausspruch beruht aber in drei Stücken: in der Sache , in der Zeit und in dem rechten M a ß1; hinsichtlich der Sache darin, daß man betrachte, was Gegenstand des Suchens sei, hinsichtlich der Zeit, daß man betrachte, wann, hinsichtlich des Maßes, daß man betrachte, bis zu welchem Ziele zu suchen sei. Gegenstand also des Suchens ist die Lehre Christi, natürlich nur so lange, als man sie noch nicht gefunden hat, und natürlich so lange, bis man sie findet. Man hat sie aber gefunden, wenn man zum Glauben gelangt ist. Denn man hätte sie im Glauben nicht angenommen, wenn man sie nicht gefunden hätte, wie man sie auch nicht gesucht hätte, als nur um sie zu finden. Indem man also deshalb sucht, um zu finden, und deshalb findet, um zu glauben, hat man jeder weiteren Fortsetzung des Suchens und Findens durch das Glauben ein Ziel gesetzt. Dieses Maß des Suchens hat dir das Ergebnis des Suchens selber vorgezeichnet, diesen Grenzgraben derjenige selbst bestimmt, der nicht will, daß du etwas anderes glaubst, als was er gelehrt hat, und folglich auch nichts anderes suchest. Müßten wir [S. 318] aber deswegen, weil es noch so viele andere Lehren von anderen Urhebern gibt, so lange suchen, als wir etwas finden können, dann würden wir fortwährend suchen2 und niemals glauben. Denn, wo wird dann des Suchens ein Ende sein? Wo der feste Standpunkt für den Glauben, wo der Abschluß des Findens? Etwa bei Marcion? Aber auch Valentinus stellt den Satz auf: "Suchet und ihr werdet finden." Etwa bei Valentinus? Aber auch Apelles setzt mir mit diesem Ausspruch zu; Ebion, Simon und sie alle nach der Reihe haben nichts anderes, womit sie sich mir empfehlen und mich zu ihrem Anhänger machen wollen. Meines Bleibens wird also bei keinem sein, da ich überall mit dem "Suchet und ihr werdet finden" bestürmt werde3, und wie nirgends, werde ich eigentlich niemals in den Besitz dessen kommen, was Christus gelehrt hat, was man suchen muß, und was zu glauben notwendig ist.

1: modus ist hier, wie sich aus dem Folgenden ergibt, nicht „die Art und Weise“, sondern das rechte Maß.
2: Nach der Lesart „quaeremus“. Rauschen liest, dem Agobardinus (dessen Lesart aber hier unsicher ist) folgend, „credemus“.
3: Ich folge der Lesart convenior.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger