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Tertullian († um 220) - Die Prozeßeinreden gegen die Häretiker (De praescriptione haereticorum)

26. Kap. Fortsetzung. Scheinbar dafür sprechende Bibelstellen befehlen in Wirklichkeit nur eine gewisse Vorsicht bei Verkündigung des Evangeliums.

Ferner, es war etwas in sich Begründetes, daß Paulus, als er einem die Verwaltung des Evangeliums anvertraute, ihm ausdrücklich bemerkte, dieselbe sei [S. 333] nicht indiskret noch unbedachtsam zu führen, gemäß dem Ausspruche des Herrn, "die Perle nicht den Schweinen und das Heilige nicht den Hunden vorzuwerfen"1. Der Herr hat öffentlich seine Lehre vorgetragen, ohne Hindeutung auf irgendeine versteckte Geheimlehre. Er selbst hatte vorgeschrieben, "was sie im dunkeln und im geheimen gehört hätten, am Tage und von den Dächern zu predigen"2. Er selbst hatte durch ein Gleichnis es vorher versinnbildet, daß sie nicht einmal "ein Pfund"3, d. h. ein einziges seiner Worte ohne Gewinn im verborgenen verwahren sollten. Er selbst hatte gelehrt, "daß man das Lämpchen nicht unter dem Scheffel zu verbergen, sondern auf den Kandelaber zu stellen pflege, damit es allen leuchte, die im Hause sind"4. Das alles haben die Apostel entweder in den Wind geschlagen oder nicht verstanden, wenn sie es nicht erfüllten und etwas von dem Lichte, d. h. von dem Worte Gottes und dem Geheimnis Christi, verborgen hielten. Soviel ich weiß, fürchteten sie niemanden, weder die Gewalttätigkeit der Juden noch die der Heiden. Um wieviel mehr war also ihre Verkündigung in der Kirche eine unbefangene, da sie nicht einmal in den Synagogen und auf den öffentlichen Plätzen schwiegen! Ja noch mehr; sie hätten weder die Juden bekehren noch die Heiden aufnehmen können, wenn sie nicht, was von diesen geglaubt werden sollte, der Reihe nach dargelegt hätten. Noch weniger würden sie den schon gläubigen Gemeinden etwas entzogen haben, um es einigen wenigen andern besonders anzuvertrauen. Aber auch dann, wenn sie über einige Dinge sozusagen nur wie in der Familie redeten, darf man doch nicht glauben, es sei etwas gewesen, wodurch nebenbei noch eine andere abweichende Glaubensregel eingeführt wurde, die verschieden und derjenigen entgegengesetzt war, welche sie als katholisch in die Öffentlichkeit brachten, so daß sie also einen andern Gott in der Kirche bekannten, einen andern in ihrer Herberge, etwas anderes vor dem Publikum als [S. 334] Wesenheit Christi bezeichneten, etwas anderes im geheimen, eine andere Hoffnung der Auferstehung verkündeten vor der Gesamtheit und eine andere vor einer Minderheit; während sie doch selbst in ihren Briefen bitten und beschwören, "alle sollten ein und dasselbe bekennen und es sollten keine Schismen und Spaltungen in der Kirche sein"5, da, sei es nun Paulus, seien es die andern, alle dasselbe predigten6. Ohnedies waren sie der Mahnung eingedenk: "Eure Rede sei: Ja, ja und nein, nein, was darüber ist, ist vom Übel"7, um nicht in die Versuchung zu kommen, das Evangelium in verschiedener Weise zu behandeln.

1: Matth. 7, 6.
2: Ebd. 10, 27.
3: Luk. 19, 20.
4: Matth. 5, 15.
5: 1 Kor. 1, 10.
6: 1 Kor. 15, 11.
7: Matth. 5, 37.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger