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Tertullian († um 220) - Die Prozeßeinreden gegen die Häretiker (De praescriptione haereticorum)

25. Kap. Die Apostel sind nicht im Besitz einer Geheimlehre neben der gewöhnlichen christlichen Lehre gewesen.

Es ist aber, wie schon bemerkt, ein ebenso großer Unsinn, wenn sie zwar zugeben, den Aposteln sei alles bekannt gewesen und die einzelnen hätten keine verschiedenen Lehren gepredigt, dann aber doch behaupten, daß sie nicht allen alles mitgeteilt hätten. Einiges nämlich hätten sie öffentlich und der Gesamtheit, einiges aber im geheimen und nur wenigen anvertraut, weil sich Paulus dem Timotheus gegenüber auch folgenden Ausdruckes [S. 332] bediente: "O Timotheus, bewache das Hinterlegte"1 Tim. 6, 20., und wiederum: "Bewahre das hinterlegte edle Gut!"2 Tim. 1, 14. Was ist das für ein hinterlegtes Gut? Ist es so geheim, daß man es für eine völlig andere Lehre halten kann? Oder gehört es zu jener Anweisung, von der er sagt: "Diese Anweisung lege ich dir ans Herz, mein lieber Sohn Timotheus"1 Tim. 1, 18., und ebenso zu jener Vorschrift, von der er sagt: "Ich befehle dir vor Gott, der alles lebendig macht, und vor Jesus Christus, der unter Pontius Pilatus das gute Bekenntnis abgelegt hat, daß du das Gebot haltest" 1 Tim. 6, 13.. Welche Vorschrift aber und welches Gebot ist das? Aus den vorausgegangenen und nachfolgenden Worten konnte man ersehen, daß mit diesem Ausspruch nicht etwa eine versteckte Hindeutung auf weiß Gott was für eine Geheimlehre gegeben ist, sondern vielmehr eingeschärft wird, keine andere Lehre zuzulassen neben der, die er von ihm gehört hatte, und, wie ich meine, sagt er: "vor vielen Zeugen". Wenn sie unter diesen "vielen Zeugen“ die Kirche nun einmal nicht verstehen wollen, so verschlägt uns das nichts; denn was "vor vielen Zeugen"2 Tim. 2, 2. vorgebracht wurde, das wird doch wohl nichts Geheimes gewesen sein. Wenn er aber den Timotheus ermahnt, "dieses treuen Menschen anzuvertrauen, welche geeignet wären, auch andere zu lehren", so ist auch dieser Ausdruck nicht zu deuten, als sei er ein Beweis für das Vorhandensein irgendeines verborgenen Evangeliums. Denn wenn er sagt "dieses", so bezeichnet er damit das, was der Gegenstand seines gegenwärtigen Schreibens war, für etwas Verborgenes aber, als etwas Fernliegendes, hätte er sich in seinem Bewußtsein nicht des Ausdrucks "dieses", sondern "jenes" bedient.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger