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Tertullian († um 220) - Die Prozeßeinreden gegen die Häretiker (De praescriptione haereticorum)

21. Kap. Die christliche Wahrheit ist nur innerhalb der von den Aposteln herstammenden Überlieferung bei den apostolischen Mutterkirchen zu finden.

Auf Grund dessen erheben wir also die Prozeßeinrede: wenn Christus, der Herr, Apostel zum Predigen ausgesandt hat, so dürfen andere Prediger als es Christus angeordnet hat, nicht zugelassen werden. Denn es kennt ja auch kein anderer den Vater als der Sohn und wem es der Sohn geoffenbart hat1, und er hat es augenscheinlich auch keinem andern geoffenbart, als den Aposteln, die er zur Predigt aussandte, nämlich zur Predigt dessen, was er ihnen offenbart. Was aber der Inhalt ihrer Verkündigung oder mit andern Worten der ihnen von Christus gegebenen Offenbarung gewesen sei, das darf - auch diese Einrede werde ich hier erheben - auf keinem andern Wege bewiesen werden, als eben durch eben dieselben Kirchen, welche die Apostel persönlich gegründet haben, indem sie selbst ihnen predigten, sowohl durch das lebendige Wort, wie man zu sagen pflegt, als auch nachher noch durch Briefe. Wenn dem so ist, so steht es folglich fest, daß jede Lehre, welche mit jenen apostolischen Kirchen, den Mutter- und Stammkirchen des Glaubens, in Übereinstimmung steht, für Wahrheit anzusehen sei, indem sie ohne Zweifel dasjenige besitzt, was die Kirchen von den Aposteln empfangen haben, die Apostel von Christus und Christus von Gott; daß dagegen von vornherein jede Lehre für falsch zu halten sei, welche der echten Lehre der Kirchen, und damit der Apostel und damit Christi2 und [S. 327] damit Gottes zuwiderläuft. Wir müssen also nur noch den Beweis liefern, ob diese unsere Lehre, deren Regel wir oben3 aufgestellt haben, von der apostolischen Überlieferung abstamme und, was sich damit von selbst ergibt, ob die übrigen Lehren aus der Fälschung entsprungen seien. Wir stehen mit den apostolischen Kirchen in Gemeinschaft, was bei keinem einzigen der uns entgegenstehenden Lehrsysteme4 der Fall ist. Das ist das Zeugnis für die Wahrheit.

1: Matth. 11, 27.
2: Nach der Lesart et Christi, die mir der vorhergehende Satz zu fordern scheint.
3: Oben Kap. 13.
4: quod nulla doctrina diversa darf nicht übersetzt werden: „weil keine Verschiedenheit in der Lehre vorhanden ist“. Der Gedanke ist: wer mit den apostolischen Kirchen übereinstimmt, besitzt die Wahrheit. Daß wir mit ihnen übereinstimmen, beweist die Gemeinschaft, in der wir mit ihnen bestehen, was kein einziges häretisches System von sich behaupten kann. Diese offenkundige Tatsache ist ein offenkundiges Zeugnis und ein bündiger Beweis, daß wir die Wahrheit besitzen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger