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Tertullian († um 220) - Vom Kranze des Soldaten (De corona militis)

14. Kap. Rhetorische Zusammenfassung des bisher Gesagten. Hinweis auf die Dornenkrone Christi.

So wenig also wird man etwas, was zur Idololatrie dient, seinem Haupte, nein, ich möchte fast sagen, Christo, da ja des Mannes Haupt Christus ist1, aufsetzen; es ist so frei als Christus selbst und duldet nicht einmal einen Schleier, viel weniger noch eine Binde. Selbst das, was einen Schleier duldet, das Haupt des Weibes, hat, da es schon versehen mit diesem ist, keinen Platz mehr für eine solche Binde. Es hat genug an der Bürde, die ihm seine Niedrigkeit auferlegt. Wenn es sich wegen der Engel nicht in bloßem Kopfe sehen lassen darf2, dann noch viel weniger in einem bekränzten. Es [S. 261] würde damit vielleicht jenen gekrönten Wesen Ärgernis geben. Denn was anders ist der Kranz auf dem Kopfe einer Frau, als ein Buhlen mit ihrer Gestalt, ein Schandfleck höchster Zuchtlosigkeit, die äußerste Verleugnung der Sittsamkeit und ein Zündstoff der Verführung? Deswegen wird sich das Weib nach der vorsorglichen Mahnung des Apostels3 auch nicht zu sorgfältig putzen, um nicht in ihrer künstlichen Haartour als eine Bekränzte zu erscheinen.

Man sage mir doch einmal, der, welcher das Haupt des Mannes und das Antlitz des Weibes ist, der Gemahl der Kirche, Christus Jesus, was für einen Kranz hat der sich aufsetzen lassen, zum Heile beider Geschlechter?! Ich meine, aus Dornen und Stacheln bestand er, ein Bild der Sünden, die uns dieses Land des Fleisches4 hervorbrachte, die aber durch die Kraft des Kreuzes hinweggenommen sind, indem die Schmerzen des Hauptes des Herrn jeden Stachel des Todes abstumpften. Abgesehen von dieser bildlichen Beziehung, ist die Schmach, die Verunehrung, die Beschimpfung und die damit verbundene rohe Grausamkeit, womit dazumal die Schläfen des Herrn entstellt und zerfleischt wurden, vielleicht darum so offen ins Auge fallend, damit du dich jetzt mit Lorbeeren, Myrten, Ölblättern, mit sonst einem reizenden Laub oder, was noch mehr üblich ist, mit ausgewählten Zentifolien aus dem Garten des Midas, mit Lilien von beiden Sorten und Veilchen aller Art bekränzen sollst, vielleicht sogar mit Edelsteinen und Gold, um auch jene Krone nachzuäffen, die ihm nachher zuteil wurde?! Denn den Honig bekam er später zu kosten als die Galle, und er wurde nicht eher als der himmlische König der Glorie begrüßt, bevor er als König der Juden am Kreuze geächtet worden war; erst von seinem Vater ein wenig unter die Engel erniedrigt und sodann mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt. Wenn du wegen all dieses ihm dein Haupt schuldig bist, so gib es ihm, wenn du kannst, auch so hin, wie er seines für das deinige dahingegeben [S. 262] hat; oder aber, wenn du dich mit Dornen nicht kannst krönen lassen, so solltest du dich wenigstens nicht mit Blumen bekränzen, weil das nicht angeht.

1: 1 Kor. 11,14.
2: vgl. 1 Kor. 11,10.
3: 1 Tim. 2,9; 1 Petr. 3,3.
4: terra carnis bezeichnet die vom Fluche getroffene Erde. Vgl. Joh. 3,6 und de res, carnis 45 ff.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger