Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Tertullian († um 220) - Vom Kranze des Soldaten (De corona militis)

13. Kap. Auch alle sonstigen Bekränzungen, wie sie im öffentlichen und Privatleben üblich sind, erscheinen als unzulässig für Christen.

Den Trägern der öffentlichen Ämter im Staate geben die Vorfälle im Staatsleben Veranlassung zum Aufsetzen von Lorbeerkränzen. Magistratspersonen tragen überdies goldene Kränze, wie zu Athen und zu Rom. Über diesen werden noch etruskische Kränze getragen. So nennt man jene Kränze, welche aus Edelsteinen und goldenen Eichenblättern - letztere eine von Jupiter herrührende Auszeichnung - bestehen und zu den gestickten Togen beim Herumführen der Prozessionswagen aufgesetzt werden. Auch gibt es Goldkronen [S. 258] der Provinzialen1. Diese sind aber schon mehr für Statuen als für Menschen geeignet; für sie sind größere Köpfe erforderlich.

Dein Stand aber, deine Obrigkeit und der Name der Kurie, zu der du gehörst, ist: Kirche Christi. In ihren Büchern des Lebens bist du einregistriert. Dort ist dein Purpur - das Blut Christi -, dort dein Purpursaum2 - an seinem Kreuze -, dort ist die Axt schon an den Wurzelstock des Baumes gelegt, dort ist das Reis aus der Wurzel Jesse. Möge man sich auch in acht nehmen wegen der Staatsrosse mit ihren Kronen! Dein Herr und Heiland hatte, als er der Schrift zufolge in Jerusalem einziehen wollte, nicht einmal einen Esel, der sein Eigentum war. "Sie auf ihren Wagen, sie auf ihren Pferden, wir aber werden im Namen unseres Herrn anrufen"3. Schon vom bloßen Aufenthalt und Wohnen in Babylon wird uns in der Offenbarung des Johannes4 abgeraten, wieviel mehr noch von seiner Pracht! Es bekränzt sich auch der große Haufe bald einmal aus Freude über glückliche Ereignisse im Herrscherhause, bald wieder wegen besonderer städtischer Festlichkeiten. Denn die Ausgelassenheit bemächtigt sich jeder öffentlichen Freude. Aber du - du bist ein Fremdling in dieser Welt, ein Bürger Jerusalems, der himmlischen Stadt. "Unser Wandel", heißt es, "ist im Himmel"5. Du hast deine eigene Schatzung, deinen eigenen Festkalender, nichts darfst du mit den Freuden der Heidenwelt gemein haben, du mußt ihnen vielmehr entgegen sein. "Die Welt wird frohlocken, ihr aber werdet trauern"6. Und ich glaube gar, die Trauernden hat er selig gepriesen, nicht die Bekränzten7. [S. 259]

Der Bräutigam muß bei der Hochzeit einen Kranz aufsetzen; darum eben heiraten wir keine Heiden, damit sie uns nicht zum Götzendienst hinziehen, womit bei ihnen die Hochzeiten ihren Anfang nehmen. Du hast das Gesetz von den Patriarchen her, du hast den Apostel, der im Herrn zu heiraten befiehlt.

Auch die Erteilung der bürgerlichen Freiheit dieser Welt gibt sich durch Kränze kund. Du aber bist bereits von Christus wiedergekauft, und zwar um ein Großes. Wie wird auch die Welt dem Sklaven eines andern die Freiheit geben können?8 Erscheint auch ihre Freiheit als Freiheit, so wird sie sich doch als Sklaverei herausstellen. Die Dinge dieser Welt sind alle nur scheinbar und nichts hat Wahrheit. Losgekauft durch Christus warst du auch damals9 frei von den Menschen, und nun bist du ein Sklave Christi, wenngleich freigelassen von den Menschen. Wenn du die Freiheit dieser Welt für die wahre hältst, so daß du ihre Erlangung durch das Aufsetzen eines Kranzes feierst, so bist du in die menschliche Knechtschaft zurückgekehrt, welche du für Freiheit hältst; die Freiheit Christi aber, die du für Knechtschaft hältst, hast du verloren.

Sollen wir uns etwa auch noch wegen der Wettkämpfe als Veranlassungen zum Bekränzen herumdisputieren, sie, deren Verdammung schon in ihrem Namen liegt, mögen sie nun eigentlich religiöse oder Totenspiele sein? Denn das fehlte noch, daß der olympische Jupiter, der nemäische Herkules, der beklagenswerte Archemorus und der unselige Antinous in der Person des Christen bekränzt würden, und so dieser ein Schauspiel würde, das ekelhaft anzuschauen ist.

Wir haben nun, glaube ich, die Veranlassungen des Bekränzens sämtlich aufgezählt und keine ist uns günstig, alle sind für uns fremdartig, profan, unerlaubt und ein für allemal mit Ablegung des Taufgelübdes10 abgeschworen. Diese Dinge dürften gerade die Pracht des Teufels und seiner Engel ausmachen: die Ämter des [S. 260] Heidentums, seine Ehrenstellen, Feierlichkeiten, Volksfeste, falschen Gebetsangelobungen, Dienstleistungen gegen Menschen, leeren Auszeichnungen und schnöden Ehren. In allen diesen Dingen findet sich eine Art der Idololatrie also schon in dem bloßen Ursprunge der Kränze, welche bei allen diesen Anlässen gewunden werden. Mag also Claudius in seiner Vorrede davon reden, daß auch der Himmel - nach Homers Gesängen - mit Sternen bekränzt sei, diese sind sicherlich von Gott und sicherlich für den Menschen. Darum muß auch der Mensch von Gott den Kranz erhalten.

Endlich werden auch die Hurenhäuser von den Heiden bekränzt, sowie die Abtritte, die Stampfmühlen, die Kerker, die Elementarschulen, sogar das Amphitheater und seine Leichenkammern, endlich auch die Totenbahren. Wie heilig und hehr, wie anständig und nett ein solcher Aufputz sei, das wolle man doch nicht nach dem Himmel eines Poeten, sondern nach dem Verfahren der ganzen Welt beurteilen. Der Christ hingegen wird nicht einmal seine Türe durch Lorbeerkränze verunzieren, wenn er weiß, was alles für Götterwesen der Teufel an die Türe geheftet hat, den Janus als Türgott, den Limentinus als Schwellengott, den Forculus und die Carda als Gottheiten der Türflügel und Angeln, bei den Griechen noch dazu den Apollo Thyraeus und die antelischen 11Dämonen.

1: die goldenen Kronen, welche die Einwohner einer Provinz als Zeichen ihrer Erkenntlichkeit den Prokuratoren oder Prokonsuln darbrachten. Sie waren zum Aufsetzen zu groß und zu schwer.
2: latus clavus ist der Purpurstreifen an der Toga. In clavus ist eine Anspielung auf die Kreuzesnägel gegeben, die in der Übersetzung natürlich verloren geht.
3: Ps. 20,8.
4: Off. 18,7.
5: Phil. 3,20.
6: Joh. 16,20.
7: Matth. 5,4.
8: nämlich dem Christen, der Diener Christi ist.
9: tunc, nämlich als du noch Sklave warst.
10: in welchem man auch der „pompa diaboli“ widersagt.
11: ἀντήλιος d. h. nach Osten gerichtet.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Bilder Vorlage

Navigation
. . 1. Kap. Ein Soldat ...
. . 2. Kap. Die allgemeine ...
. . 3. Kap. In Fällen, ...
. . 4. Kap. Fortsetzung.
. . 5. Kap. Blumen in Form...
. . 6. Kap. Fingerzeige ...
. . 7. Kap. Die Sitte, ...
. . 8. Kap. Wenn manche ...
. . 9. Kap. Die Hl. Schrift ...
. . 10. Kap. Anwendung ...
. . 11. Kap. Über die ...
. . 12. Kap. Alles Tragen ...
. . 13. Kap. Auch alle ...
. . 14. Kap. Rhetorische ...
. . 15. Kap. Hinweis auf ...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger