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Tertullian († um 220) - Arznei gegen Skorpionstich (Scorpiace)

3. Kap. Strafgerichte, welche über die abtrünnigen Israeliten wegen Abfalles verhängt wurden.

Ich glaube kaum, daß man noch zu untersuchen braucht, ob Gott mit Recht verboten habe, seinen Namen und seine Ehre der Unwahrheit1 beizulegen, ob er mit Recht nicht will, daß die, welche er dem Irrtum der Abgötterei entrissen hat, wieder nach Ägypten zurückkehren, ob er mit Recht nicht dulden will, daß die von ihm abfallen, die er sich zugesellt und auserwählt hat. Darum wird man auch nicht von uns erwarten, daß wir darüber handeln, ob es sein Wille sei, daß man die sittliche Ordnung, die er zu lehren beschlossen, auch beobachte, und ob er mit Recht den Abfall von ihr ahnde, wenn er ihre Befolgung wollte. Er hätte sie ja umsonst gelehrt, wenn er ihre Beobachtung nicht wollte, und umsonst ihre Beobachtung gewollt, wenn er sie nicht sanktionieren will. Im folgenden soll ich vielmehr den Nachweis führen, daß diese Satzungen Gottes gegen die Abgötterei ebenso entschieden durchgesetzt als auch durch Strafe sanktioniert worden sind; denn darauf beruht der ganze Wesensgrund des Martyriums.

Moses weilte fern bei Gott auf dem Berge; unterdessen sucht das Volk, ungeduldig über seine so notwendige Abwesenheit, sich Götter zu verfertigen, die er selbst2 vielmehr vernichtet hätte. Man setzt dem Aaron zu, und er befiehlt, daß man die Ohrringe ihrer Frauen zum Einschmelzen bringe. Denn sie sollten zum Gericht [S. 193] für ihre Tat den wahren Schmuck ihrer Ohren, das Wort Gottes, verlieren. Tiefen Sinn hatte es, wenn das Feuer für sie das Bild eines Kalbes goß, zum Spott ihnen vorrückend, daß ihr Herz dort sei, wo auch ihr Schatz, nämlich in Ägypten, wo man unter andern Tieren auch einen Ochsen göttlich verehrt. Dies war die Ursache, warum dreitausend Menschen von ihren nächsten Verwandten getötet wurden. Sie hatten den ihnen so innig nahestehenden Verwandten3, Gott, beleidigt, und so haben sie als die Erstlinge in der Übertretung auch mit dem Lohn dafür den Anfang gemacht. Nach dem Buche Numeri gehen sie, als Israel bei Sethim weilte, zu den Töchtern von Moab, um Buhlerei zu treiben, werden zu den Götzenfesten eingeladen, um auch geistig Hurerei zu treiben, essen sodann auch von ihrem Befleckten, beten, die Götter des Volkes an und lassen sich in die Mysterien des Beelphegor aufnehmen. Auch wegen dieser Götzendienerei, die eine Schwester des Ehebruchs ist, kamen dreiundzwanzig Tausend durch die Schwerter der Ihrigen um und fielen dem göttlichen Zorne als Sühne.

Nach dem Tode des Jesus Nave verlassen sie den Gott ihrer Väter und dienen den Idolen, Baalim und Astarte. Der erzürnte Herr überlieferte sie in die Hände ihrer Plünderer, sie wurden von ihnen ausgeplündert, an die Feinde verkauft und konnten vor ihren Gegnern durchaus nicht mehr standhalten. Wohin sie auch zogen, war seine Hand über ihnen zum Unheil, und sie waren sehr bedrängt. Nachher setzte Gott über sie die Richter, das, was wir unter Zensoren verstehen. Allein sie gehorchten auch ihnen nicht auf die Dauer. Sobald einer der Richter gestorben war, sündigten sie noch schwerer als ihre Väter, indem sie fremden Göttern nachgingen, ihnen dienten und sie anbeteten. Daher ergrimmte der Herr und sprach: "Weil dieses Volk meinen Bund übertreten hat, den ich mit seinen Vätern geschlossen habe, und sie meine Stimme nicht hörten, so will auch ich nicht auf sie achten und keinen Mann von den Völkern, welche Josua bei seinem Hinscheiden übrig gelassen hat, [S. 194] mehr vertilgen"4. Und so hat er fast den ganzen Zeitraum der Jahrbücher der Richter und Könige hindurch die Streitkräfte der umwohnenden Könige und Völker erhalten und Israel durch Kriege, Gefangenschaft und Knechtschaft unter den Fremden seinen Zorn fühlen lassen, so oft es sich vollends von ihm weg- und der Abgötterei zuwandte.

1: Mendacio, im objektiven Sinne, Dinge, die nicht Gott sind und Gott ein können.
2: Nach der Lesart der Handschriften „quos potius ipse perdiderit“, wofür Junius und die Wiener Ausgabe setzen wollen: „quo se potius ipse perdiderit“. Unter „ipse“ wird aber Moses zu verstehen sein, und dann ist die überlieferte Lesart richtig.
3: ihren Befreier und Vater.
4: Richt. 2, 20. 21.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger