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Tertullian († um 220) - Apologetikum (Apologeticum)

49. Kap. Wenn man die Lehren des Christentums auch nicht billigt, so hat man doch keinesfalls Ursache, die Christen zu verfolgen, sondern müßte es so gut dulden als jede philosophische Sekte.

Das sind Lehren, welche man nur bei uns verwegene Phantastereien, bei den Philosophen und Dichtern aber höchste Wissenschaft und erhabene geistige Einblicke nennt. Jene sind die Klugen, wir die Narren, sie müssen geehrt, wir ausgelacht, nein, noch mehr, sogar bestraft werden. Gesetzt nun, es sei falsch, was wir verteidigen, und es werde mit Recht eine Verwegenheit genannt, so ist es doch notwendig; gesetzt, es sei läppisch, so ist es doch nützlich, da ja diejenigen, welche daran glauben, gezwungen sind, besser zu werden durch die Furcht vor der ewigen Pein und durch die Hoffnung auf die ewige Freude. Und somit frommt es nicht, falsch zu schelten und für läppisch zu halten, was frommt, wenn man es als wahr annimmt. Folglich darf auf keinen Titel hin das irgendwie zu einer Strafe verurteilt werden, was Nutzen bringt. Somit liegt bei euch Verwegenheit vor, Verwegenheit ist es, wenn ihr das verurteilt, was nützlich ist! Folglich können unsere Lehren auch nicht läppisch sein - sicherlich sind sie, selbst wenn sie falsch und läppisch wären, doch niemandem schädlich. Denn sie sind vielen anderen ähnlich, worauf ihr keine Strafen setzt. Bei Dingen solcher Art, die, unter Klage gestellt, ungestraft bleiben, weil sie unschädlich sind, muß man doch, mit gleichem Maße messend, das Urteil fällen, wenn überhaupt ein solches gesprochen werden soll, sie seien dem Spott preiszugeben, aber nicht dem Schwert, Feuer, Kreuz und wilden Tieren, ein ungerechtes Wüten, über das nicht bloß die blinde Volksmenge jauchzt und dabei ihrem Mutwillen frönt, sondern auch Gewisse aus eurer Mitte, welche durch Ungerechtigkeit sich populär zu machen wünschen, suchen ihren Ruhm darin.

Als ob nicht alles, was ihr gegen uns vermöget, eigentlich unser freier Wille wäre! Fürwahr nur wenn ich will, werde ich Christ. Nur dann also wirst du mich verurteilen können, wenn ich verurteilt werden will. Da du aber alles, was du gegen mich vermagst, nicht vermöchtest, wenn ich es nicht will, so ist dein Können Sache meines Wollens, nicht Sache deiner Macht. Ebenso freut sich der Pöbel durchaus ohne Grund über die uns zugefügten Quälereien. Denn unser ist die Freude, die er sich aneignet, deshalb weil wir uns lieber verurteilen lassen, als daß wir von Gott abfallen. Jene, die uns hassen, müßten im Gegenteil betrübt sein, statt sich zu freuen, da wir ja erlangten, was wir frei gewählt haben.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger