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Tertullian († um 220) - Apologetikum (Apologeticum)

38. Kap. Daß man den Christenbund unter die staatlich unerlaubten Faktionen rechnet, ist nicht motiviert.

Demgemäß hätte man auch nicht in etwas milderer Beurteilung diese Genossenschaft zu den unerlaubten Verbindungen rechnen sollen, welche nichts von jenen Dingen begeht, hinsichtlich deren man durch das Verbot von Verbindungen Vorsorge trifft. Denn, wenn ich nicht sehr irre, so beruht die Ursache des Verbots der Parteiverbindungen in der Fürsorge für die öffentliche Loyalität, damit nicht die Bürgerschaft in Parteiungen zerrissen werde, insofern sie leicht die Komitien, die berufenen Versammlungen, die Kurien, die Volksversammlungen und sogar die Schauspiele durch den Kampf eifersüchtiger Bestrebungen beunruhigen könnten, zumal wenn sie schon die feilen und käuflichen Leistungen ihrer Gewalttätigkeiten als einen Erwerbszweig zu betrachten begonnen haben. Wir hingegen, die wir von dem Feuer der Ruhm- und Ehrsucht durchaus nichts empfinden, wir haben auch kein Bedürfnis einer Parteistiftung, und es ist uns nichts fremder als die Politik. Wir erkennen nur ein einziges Gemeinwesen für alle an, die Welt. Und sogar euren Schauspielen entsagen wir in demselben Maße, wie den Ursprüngen derselben, welche wir aus dem Aberglauben entnommen wissen, da wir auch den Dingen ganz fern stehen, wodurch sie sich vollziehen. Unsere Zunge, unser Auge, unser Ohr hat keine Beziehung zum Wahnsinn des Zirkus, zur Schamlosigkeit des Theaters, zu den Gräßlichkeiten der Arena, zu den Eitelkeiten der Fechthalle. War es doch auch den Epikuräern erlaubt, eine andere Lehre darüber aufzustellen, worin die wahre Lust bestehe, nämlich in der Ruhe des Gemütes. Wodurch denn in aller Welt beleidigen wir euch, wenn wir uns andere Vergnügungen auswählen? Wenn wir zuletzt nicht amüsiert sein wollen, so ist der etwaige Schaden unser, nicht euer. Aber wir strafen das, woran ihr Gefallen findet, mit Verachtung! - Ihr findet ja auch an dem unserigen keinen Gefallen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger