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Tertullian († um 220) - Apologetikum (Apologeticum)

27. Kap. Wenn die Christen sich dem Ansinnen der Heiden, den Göttern zu opfern, nicht fügen, so ist das kein bloßer Eigensinn. Denn diese Opfer beziehen sich in letzter Instanz immer auf die bösen Dämonen.

Das Gesagte genügt wider die Anklage auf Frevel gegen die Religion und gegen die Gottheit; auf daß wir nicht als Frevler gegen dieselbe angesehen werden können, haben wir gezeigt, daß sie nicht existiert. Zum Opfern vorgefordert, stemmen wir uns also dagegen, entsprechend der Festigkeit unserer Überzeugung, in der wir Sicherheit darüber haben, auf wen sich jener Dienst unter schändlichem Mißbrauch der Bilder und unter der Apotheose menschlicher Namen bezieht. Allein manche halten dies für Wahnsinn; wir gäben unserem Eigensinn den Vorzug vor der Erhaltung des Lebens, da es ja in unserer Macht stehe, für den Augenblick zu opfern und mit heiler Haut wegzukommen, wobei im Geiste der Vorsatz bestehen bleibe. Fürwahr, ihr gebt uns einen Rat, wodurch wir mit euch ein Spiel treiben würden. Aber wir durchschauen es, von woher solche Eingebungen kommen, wer das alles betreibt, und wie einmal verschmitztes Zureden, dann wieder die grausamste Härte tätig sind, um unsere Festigkeit zu erschüttern. Jener Geist nämlich von dämonischer und engelhafter Ausrüstung, der wegen seines Abfalles unser Feind und wegen der Gnade Gottes unser Neider ist, kämpft gegen uns von eurem Innern aus, welches er durch versteckte Einflüsterung umstimmt und zu jenem gesetzlosen Gerichtsverfahren und jener ungerechten und grausamen Verfolgung antreibt, wovon wir anfangs geredet haben. Denn, mag uns auch die ganze Menge der Dämonen und derartiger Geister unterworfen sein, so gesellt sich doch bei ihnen wie bei nichtsnutzigen Sklaven nicht selten zur Furcht der Trotz, und sie brennen vor Verlangen, diejenigen verletzen zu können, welche sie sonst fürchten. Denn auch die Furcht flößt Haß ein. Außerdem hält es auch ihre, infolge der vorausgegangenen Verwerfung verzweifelte Lage für einen Trost, in der Zwischenzeit infolge des Aufschubs ihrer Strafe ihrer Bosheit fröhnen zu können. Dennoch werden sie, wenn ergriffen, sogleich überwunden, sie fügen sich in ihre Lage und sind unterwürfig und flehen in der Nähe diejenigen an, welche sie von weitem bekämpfen. Nach Art derjenigen, welche ihre Zwangsarbeit, ihre Kerkerstrafe oder ihre Verurteilung zu den Bergwerken mit Unwillen ertragen und sich gegen sie auflehnen, bricht also auch diese zur Sklaverei verurteilte Sippe aus und kämpft gegen uns, in deren Gewalt sie sich befindet. Wir aber, die wir sicher sind, daß sie schon verloren sind und wegen dieses Kampfes gegen uns noch tiefer verdammt werden, widerstehen ihnen nur ungern als solche, die ihnen gewachsen sind, wir schlagen sie zurück dadurch, daß wir in dem beharren, was sie bekämpfen, und wir triumphieren niemals glänzender über sie, als wenn wir für die Standhaftigkeit im Glauben verurteilt werden.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger