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Tertullian († um 220) - Apologetikum (Apologeticum)

13. Kap. Dafür spricht auch deren Behandlung seitens ihrer Verehrer selbst und die Art der Verehrung.

"Aber uns gelten sie als Götter", sagst du. Und wie gottlos, wie sakrilegisch, wie irreligiös gegen diese Götter werdet ihr nun im Gegensatz zu uns erfunden, so nämlich, daß ihr diejenigen vernachlässigt, deren Existenz ihr behauptet, diejenigen zerstört, die ihr fürchtet, diejenigen verspottet, deren Verletzung ihr sogar vor Gericht ahndet. Widerlegt mich, wenn ich lüge. Erstens, da die einen unter euch diese, die ändern jene verehren, so beleidigt ihr jedenfalls die unter ihnen, welche ihr nicht verehrt. Die Bevorzugung des einen kann es nicht geben ohne Schimpf für den ändern, wie es keine Wahl gibt ohne Verwerfung. Ihr verachtet einmal schon die, welche ihr zurücksetzt und die ihr durch eure Zurücksetzung doch nicht zu beleidigen fürchtet. Denn wie wir oben tadelnd bemerkt haben, hing die Stellung eines jeden Gottes von der Prüfung des Senats ab. Der wäre kein Gott geworden, den ein darum befragter Mensch nicht gemocht und durch sein Nichtwollen verworfen hätte. Die Häusgötter, die ihr Laren nennt, behandelt ihr auch mit Hausherrngewalt durch Verpfänden, Verkaufen, und indem ihr bald aus dem Saturn ein Kochtöpfchen, bald aus der Minerva einen Schöpflöffel macht, je nachdem ein jeder infolge der langen Verehrung zerbrochen oder zerstoßen ist, je nachdem man den häuslichen Bedarf für höher und heiliger erachtet als den Gott. Die öffentlichen Götter beschimpft ihr in gleicher Weise öffentlich; sie bringen euch im Auktionslokal Geld ein. Man geht nach dem Kapitol wie nach dem Gemüsemarkt; unter einem und demselben Rufe des Zuschlägers, unter demselben Hammer, unter demselben Anschreiben durch den Quästor wird die Gottheit dem Meistbietenden zugeschlagen. Grundstücke jedoch, mit einer Abgabe belastet, sind wohlfeiler, die mit einer Kopfsteuer belegten Menschen verlieren an Achtung - denn das sind Kennzeichen desVerlustes der Freiheit -, die Götter hingegen sind, je mehr besteuert, um so heiliger, oder besser gesagt, je heiliger, desto mehr besteuert. Die göttliche Majestät, wird zum Gegenstand des Schachers gemacht, die Religion geht bettelnd in den Schenken umher. Ihr fordert Bezahlung für den Grund und Boden des Tempels, für das Betreten des Heiligtums; man kann die Götter nicht ohne Bezahlung kennen lernen; sie sind nur für Geld zu haben. Was tut ihr denn überhaupt zu ihrer Ehre, was ihr nicht auch euren Verstorbenen widmet? Tempel hier wie dort," Altäre hier wie dort. Dieselbe Tracht, die gleichen Abzeichen an den Statuen. Wie das Alter, das Handwerk oder Geschäft des Verstorbenen war, so ist auch der Gott. Unterscheidet sich etwa das Totenmahl von einem Festschmaus des Jupiter, das Trankgeschirr bei den Totenlibationen von dem bei dem Opfern, der Haruspex vom Leichenreiniger? Denn auch der Haruspex versieht Dienste bei den Verstorbenen. Eine würdige Einrichtung ist es da noch, daß ihr den verstorbenen Kaisern göttliche Ehre zuerkennt, da ihr sie ihnen ja auch schon bei Lebzeiten zollt. Das wird eure Götter freuen, ja sie werden sich gratulieren, daß ihre Herren ihnen nun gleich werden. Aber, daß ihr die Larentina, eine öffentliche Dirne - ich wünschte, ihr nähmet wenigstens noch die Lais und Phryne hinzu -, mit der Juno, Ceres und Diana anbetet, daß ihr den Simon Magus mit einer Statue und der Inschrift: "Sanctus Deus" beehrt habt, daß ihr einen, ich weiß nicht welchen Günstling aus den Knabeninstituten des Kaiserhofes zum Gott macht, das werden euch eure alten Götter, obwohl sie um nichts nobler sind, denn doch als eine angetane Beschimpfung anrechnen, daß das auch einem ändern erlaubt gewesen sein soll, was sie für sich allein von Alters her in Anspruch nehmen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger