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Tertullian († um 220) - Über die Aufforderung zur Keuschheit (De exhortatione castitatis)

5. Kap. Nur die einmalige Ehe entspricht dem bei der Schöpfung geoffenbarten Plane Gottes.

Um das Gesetz, nur einmal zu heiraten, zu errichten, dazu hilft die Entstehung des Menschengeschlechtes selbst, welche Zeugnis davon gibt, was Gott von Uranfang als für die Nachkommenschaft zu beherzigende Ordnung festgestellt habe. Als er nämlich den Menschen geformt hatte und ihm die ihm notwendige Genossin geben wollte, nahm er eine von dessen Rippen und bildete daraus für ihn nur ein Weib, obwohl gewiß weder der Bildner noch die Materie erschöpft war. Denn Adam hatte noch mehr Rippen, und die Hände Gottes waren nicht so schnell zu ermüden, aber vor Gott gab es keine Gattinnen weiter. Daher haben Adam, der gottgeschaffene Mann, und Eva, das gottgeschaffene Weib, in einmaliger Ehe miteinander lebend, der Menschheit die Ordnung vorgezeichnet und bestimmt, kraft der Autorität ihrer Entstehungsweise und kraft des uranfänglichen Willens Gottes. Darum heißt es auch: "Sie werden zwei sein in einem Fleische"1, nicht drei oder vier. Andernfalls wären sie schon nicht mehr ein Fleisch und auch nicht zwei zu einem Fleische. Sie werden es aber sein, wenn die Verbindung und Vermischung in der Einheit nur einmal geschieht. Geschieht sie wiederholt und mehrfach, so wird die Einheitlichkeit aufhören, und sie werden bereits nicht zwei sein zu einem Fleische, sondern eine Rippe in mehreren Teilen.

Wenn der Apostel die Stelle:"Sie werden zwei sein zu einem Fleische" auf die Kirche und auf Christus deutet gemäß der geistigen Ehe zwischen Christus und [S. 335] der Kirche - denn Christus ist nur einer und seine Kirche nur eine, - so müssen wir einsehen, daß das Gesetz von der Einmaligkeit der Ehe daraus doppelte Stärke gewinnt, einmal infolge der Entstehung unseres Geschlechtes, zweitens infolge der christlichen Glaubenslehre. Aus einer einmaligen Ehe stammen wir beide Male, sowohl in leiblicher Hinsicht bei Adam als in geistiger bei Christus. Für die beiden Geburten ist das Gesetz dasselbe, die Monogamie; in beiden entartet, wer über die Monogamie hinausgeht. Das Zählen in Sachen der Ehe nahm seinen Anfang erst von einem Manne, den der Fluch traf: Lamech war der erste, der zwei Weiber nahm und aus dreien ein Fleisch machte.

1: 1 Mos. 2,24; Eph. 5,31.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Kathechteische Schriften (Über die Schauspiele, Über die Idolatrie, über den weiblichen Putz, An die Märtyrer, Zeugnis der Seele, über die Busse, über das Gebet, über die Taufe, gegen die Juden, Aufforderung zur Keuschheit)
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger