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Tertullian († um 220) - Gegen die Juden (Adversus Iudaeos)

7. Kap. Wenn die Propheten dem Messias die Herrschaft über die ganze Erde beigelegt haben, so hat sich dies schon erfüllt, indem Christus ein universales Königtum aufzurichten begonnen hat.

Wir wollen also einen Strauß bestehen in betreff der Frage, ob der als kommend angekündigte Christus bereits gekommen, oder ob seine Ankunft noch zu erhoffen sei. Um diese Frage entscheiden zu können, müssen wir über die Zeiten, auf welche die Propheten die Ankunft Christi ankündigten, eine Untersuchung anstellen, und wenn wir finden, daß er innerhalb des betreffenden Zeitraumes gekommen ist, ohne Wanken glauben, er sei der, dessen Ankunft die Propheten geweissagt haben und an den wir, wir Heiden nämlich, glauben sollten. Wenn es sich ergeben sollte, daß er bereits gekommen ist, so müssen wir auch ohne Zweifel glauben, daß er ein neues Gesetz gegeben habe, und gestehen, daß für uns ein Neuer Bund in ihm und durch ihn [S. 316] errichtet worden sei. Denn daß ein Christus kommen soll, das leugnen, wie wir wohl wissen, auch die Juden nicht, da sie ja all ihre Hoffnung auf seine Ankunft richten. Darüber ist denn auch keine weitere Untersuchung nötig, da alle Propheten der Vorzeit von ihm geredet haben, wie z. B. Isaias: "So spricht Gott der Herr zu Christus, meinem Herrn, dessen Rechte ich halte, damit die Heidenvölker ihn hören: Die Tapferkeit der Könige will ich brechen; ich werde vor ihm die Tore aufmachen und die Städte werden sich vor ihm nicht verschließen"1.

Das sehen wir erfüllt. Denn wen hält Gott der Vater an der Rechten, wenn nicht Christus, seinen Sohn. Auf wen haben alle Heidenvölker gehört, d. h. wem haben sie alle geglaubt? Dem, als dessen Verkündiger die Apostel in den Psalmen Davids hingestellt werden: "Über die ganze Erde ging aus ihr Schall und bis an die Grenzen der Erde ihre Worte"2. An wen anders haben alle Heidenvölker geglaubt, als an den Christus, der bereits gekommen ist? An wen haben denn die Völker geglaubt, die Parther, Meder und Elamiter, die Bewohner von Mesopotamien, Armenien, Phrygien, Kappadozien, die Ansiedler von Pontus, Asien und Pamphylien, die, welche in Ägypten weilen und den Teil Afrikas jenseits Cyrene bewohnen, die Römer und die Umwohnenden, damals auch die Juden in Jerusalem und sonstige Völker, wie die bunt gearteten Stämme der Gätuler, die vielen Gebiete der Mauren, alle Grenzmarken Spaniens, die verschiedenen Völkerschaften Galliens, die von den Römern unbetretenen, Christus aber unterworfenen Landstriche der Britannier, Sarmaten, Dazier, Germanen, Skythen, der vielen abgelegenen Völker, Provinzen und zahlreichen Inseln, die uns unbekannt sind und die wir aufzuzählen nicht vermögen? An allen diesen Orten regiert der Name des Christus, der schon gekommen ist, da vor ihm die Tore aller Städte sich öffneten und keine verschlossen blieb, vor ihm die eisernen [S. 317] Riegel zersprangen und die ehernen Torflügel sich öffneten. Wiewohl diese Ausdrücke geistig zu verstehen sind, weil die Herzen der einzelnen Menschen, die vom Teufel in verschiedener Weise besessen waren, dem Glauben Christi sich erschlossen, so sind sie doch auch handgreiflich in Erfüllung gegangen, nämlich an allen den Orten, wo ein Volk Christi wohnt. Denn wer hätte als König über alle Völker regieren können, wenn nicht Christus, der Sohn Gottes, in betreff dessen angekündigt wurde, daß er König über alle bis in Ewigkeit sein werde.

Wenn Salomon ein König war, so war er es doch nur innerhalb der Grenzen Judäas; "von Bersabee bis Dan" lautet die Grenzbestimmung seines Reiches, Wenn Darius über die Babylonier und Parther als König regierte, so hatte er doch nicht bei allen Völkern Gewalt, Wenn Pharao über die Ägypter regierte und wer immer ihm im Erbrechte der Regierung nachfolgte, so besaß er doch immer nur dort seine so gewaltige Herrschermacht. Wenn Nabuchodonosor auch mit seinen Unterkönigen herrschte, so hatte sein Reich an Indien und Äthiopien seine Grenzen. Alexander von Mazedonien besaß auch nicht mehr als ganz Asien und die übrigen Gebiete, nachdem er sie sich unterworfen hatte. Die Germanen dürfen bis jetzt ihre Grenzen noch nicht überschreiten, die Britannier sind rundum von ihrem Ozean eingeschlossen, die maurischen Völker und die barbarischen Gätuler werden von den Römern beobachtet, damit sie nicht die Grenzen ihrer Gebiete überschreiten. Was soll ich endlich von den Römern selbst sagen, welche ihr Reich durch Besatzungen, die aus ihren Legionen genommen sind, zu schützen suchen und ihre Macht nicht- über die genannten Völker auszudehnen imstande sind, Christi Name aber ist überallhin verbreitet, an ihn wird überall geglaubt; er wird von allen oben aufgezählten Völkern verehrt; er herrscht überall, wird überall angebetet und allen in gleicher Weise angeboten. Keines Königs Beliebtheit ist größer, keines Barbaren Freude mehr innerlich3, keines Mannes [S. 318] Würde und hohe Geburt wird unterschieden; er ist für alle derselbe, für alle König, für alle Richter, für alle Gott und Herr, Zögere nicht zu glauben, was wir lehren, da du es ja mit eigenen Augen geschehen siehst.

1: Is. 45,1
2: Ps. 18,5.
3: Die Ausgaben lesen interius; wie es scheint korrumpiert.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung zu Tertullian
Einleitung: Kathechteische Schriften (Über die Schauspiele, Über die Idolatrie, über den weiblichen Putz, An die Märtyrer, Zeugnis der Seele, über die Busse, über das Gebet, über die Taufe, gegen die Juden, Aufforderung zur Keuschheit)

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger