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Tertullian († um 220) - Über die Busse (De paenitentia)

11. Kap. Die Scheu vor den damit verbundenen Bußübungen darf davon nicht abschrecken.

Wie aber, wenn, abgesehen von der Beschämung, welche man höher anschlägt, die körperlichen Beschwerden es sein sollten, welche zurückschrecken: daß man ungewaschen, in unsauberer Vernachlässigung, daß man fern von aller Lebensfreude verharren muß, im rauhen Bußsacke, in der abschreckenden Asche und mit leerem Magen - wegen des Fastens? Ich frage, paßt es sich etwa, daß man in Scharlach und Purpur seine Sünden abbitte? Nun - dann her mit der Nadel zum Scheiteln der Haare, her mit dem Zahnpulver und der Schere von Eisen oder Bronze zum Nägelbeschneiden, und was es an falschem Glanz und erborgter Röte gibt, das streiche dick auf Lippen und Wangen! Außerdem suche vergnügliche Bäder mit Parkanlagen oder in der Nähe des Meeres auf, vermehre den Aufwand, schaffe fett gemästetes Geflügel an, laß dir den ältesten Wein klären, und wenn dich jemand fragt, wem du das alles zugedacht hast, so sage: "Ich habe gegen Gott gesündigt und fürchte, ewig zugrunde zu gehen, daher bin ich nun matt und heruntergekommen und martere mich, um mich wieder mit Gott zu versöhnen, den ich durch meine Sünde beleidigt habe," Diejenigen freilich, welche sich auf Bewerbung um eine amtliche Stelle verlegen, lassen es sich nicht gereuen und nicht verdrießen, sich durch alle leiblichen und geistigen Beschwerden und nicht bloß durch Beschwerden, sondern durch Beschimpfungen aller Art hindurch zu arbeiten um ihrer Wünsche willen. Wie affektieren sie nicht Unscheinbarkeit in der Kleidung! wie belagern sie zu Begrüßungen sogar zu später Stunde oder gleich nach Tisch alle Türen! Bei jeder Begegnung mit einer angesehenen Person bücken sie sich tief, nehmen an keinem Gastmahl teil, halten sich von Schmausereien fern und versagen sich jeden [S. 245] Genuß der Freigebigkeit und Fröhlichkeit. Das alles leiden sie nur wegen der flüchtigen Freude eines einzigen Jahres. Und wir sollten bei einer Gefährdung des ewigen Heiles zögern, über uns zu nehmen, was das Verlangen nach den Fasces ertragen macht! Wir sollten zaudern, dem beleidigten Gott eine Kasteiung im Essen und Trinken und im Putz darzubringen, welche die Heiden, ohne jemand beleidigt zu haben, sich auferlegen! Das sind diejenigen, in betreff deren die Schrift erinnert: "Wehe denen, welche ihre Sünden gleichsam wie mit einem langen Seile festbinden"1.

1: Eine solche Stelle findet sich in der Hl. Schrift nicht. Ob Tertullian an Sprichw. 5,22 gedacht hat?

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Kathechteische Schriften (Über die Schauspiele, Über die Idolatrie, über den weiblichen Putz, An die Märtyrer, Zeugnis der Seele, über die Busse, über das Gebet, über die Taufe, gegen die Juden, Aufforderung zur Keuschheit)
Allgemeine Einleitung zu Tertullian
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger