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Tertullian († um 220) - Über den weiblichen Putz (De cultu feminarum)

Buch 2

1. Kap. Die Gefallsucht, die sich der Toilettenkünste als Mittel bedient, verträgt sich nicht mit wahrhaft keuschem Sinne.

Ihr Dienstmägde des lebendigen Gottes, meine Mitdienerinnen und Schwestern, kraft des Rechtes, wodurch ich, wenn auch als der allerletzte zu Euch zähle, wage ich es, an Euch das Wort zu richten, nicht zwar ein Wort der Zuneigung, sondern ein Wort, welches der Zuneigung dient in Sachen Eures Heiles, Das Heil aber, und zwar nicht bloß für die Weiber, sondern auch für die Männer, beruht vor allem im Besitz der Sittlichkeit. Denn wenn wir alle durch die Aufnahme und Weihe des Hl. Geistes Tempel Gottes sind, so ist doch keusche Gesinnung die Wächterin und Priesterin dieses Tempels und läßt nichts Beflecktes und Unreines hinein, damit nicht der ihn bewohnende Gott seinen Sitz als befleckt verlasse.

Doch wir handeln jetzt nicht von der Sittlichkeit, zu deren Auferlegung und Förderung die überall wachenden göttlichen Vorschriften genügen, sondern von dem, was damit in Verbindung steht, nämlich, wie Ihr auftreten und einhergehen müßt. Die meisten von Euch, - Gott möge mir gestatten, dies an allen Betreffenden zu tadeln, indem ich es an einer tadele - treten, sei es aus Einfalt und Unwissenheit, sei es aus Frechheit und Oberflächlichkeit, in einer Weise auf, als bestände die Sittsamkeit in der bloßen Integrität des Fleisches und im Abscheu gegen unzüchtige Handlungen und als käme auf das Äußerliche nichts an. In Bezug auf Putz und Schmuck, Pflege von Gestalt und Farbe bieten sie in ihrem Auftreten dieselbe äußere Erscheinung dar, wie heidnische Frauen, denen doch jede Kenntnis der [S. 187] wahren Züchtigkeit abgeht, weil an denen, die Gott, den Herrn und Lehrer der Wahrheit nicht kennen, überhaupt keine Wahrheit ist. Auch da, wo man bei den Heidinnen etwas Sittsamkeit unterstellen kann, ist sie sicher so unvollkommen und schwächlich, daß sie, wenn sie sich in gewissem Grade auch in der Gesinnung behauptet, sich doch wiederum selbst aufgibt durch eine zu freie Kleidung und man, der verkehrten Art der Heiden entsprechend, Verlangen nach dem zeigt, dessen Ausübung man vermeidet. So gibt es wenige, welche nicht wünschten, sogar fremden Männern zu gefallen, wenige, welche sich nicht schminken ließen und die es abwiesen, ein Gegenstand der Begierde zu werden. Auch ist es bei der Sittlichkeit der Heiden etwas Gewöhnliches, sich zwar nicht zu verfehlen, es aber trotzdem zu begehren, oder es nicht zu begehren, aber es doch nicht abzuschlagen. Was Wunder auch! Alles, was nicht von Gott kommt, ist ja in sich verkehrt.

Mögen also die, welche am Guten nicht ganz festhalten, zusehen, daß sie nicht etwa dem, was sie noch festhalten, Böses beimischen, was leicht geschehen kann. Ihr aber müßt notwendig, wie in ändern Dingen, so auch in der äußern Erscheinung Euch von ihnen unterscheiden, weil Ihr vollkommen sein sollt, wie Euer himmlischer Vater vollkommen ist.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Kathechteische Schriften (Über die Schauspiele, Über die Idolatrie, über den weiblichen Putz, An die Märtyrer, Zeugnis der Seele, über die Busse, über das Gebet, über die Taufe, gegen die Juden, Aufforderung zur Keuschheit)
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger