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Tertullian († um 220)
Über den weiblichen Putz
(De cultu feminarum)

Buch 1

[S. 176] 1. Kap. Daß das weibliche Geschlecht sich schmücke, verträgt sich nicht mit der Stellung, worin es durch den Sündenfall geraten ist.

1. Wenn es hier auf Erden einen Glauben gäbe, der an Größe dem Lohne entspräche, der im Himmel seiner wartet, dann würde von dem Tage an, wo Ihr, geliebteste Mitschwestern, den lebendigen Gott erkannt habt und Euch über Euren eigenen, d. h. des Weibes, Zustand klar geworden seid, keine mehr einen gefälligen, geschweige denn einen prachtvollen Anzug begehren, sondern jede würde lieber in Trauer leben, ja sogar ihr Äußeres vernachlässigen, da jede in sich selbst eine trauernde und büßende Eva herumträgt. Sie würde dann durch Bußkleidungen jeder Art um so vollständiger sühnen helfen, was Eva verschuldet hat, ich meine den schmählichen Sündenfall und den trostlosen Untergang [S. 177] der Menschen. In Schmerzen und Ängsten mußt du gebären, o Weib, zum Manne mußt du dich halten, und er ist dein Herr, Und du wolltest nicht wissen, daß du eine Eva bist? Noch lebt die Strafsentenz Gottes über dein Geschlecht in dieser Welt fort; dann muß also auch deine Schuld noch fortleben. Du bist es, die dem Teufel Eingang verschafft hat, du hast das Siegel jenes Baumes gebrochen, du hast zuerst das göttliche Gesetz im Stich gelassen, du bist es auch, die denjenigen betört hat, dem der Teufel nicht zu nahen vermochte. So leicht hast du den Mann, das Ebenbild Gottes, zu Boden geworfen. Wegen deiner Schuld, d. h. um des Todes willen, mußte auch der Sohn Gottes sterben, und da kommt es dir noch in den Sinn, über deinen Rock von Fellen Schmucksachen anzulegen!? Wohlan, tue es; wofern von Anfang der Welt an die Milesier Schafe geschoren, die Serer Seide gesponnen, die Tyrier gefärbte, die Phrygier gestickte und die Babylonier golddurchwirkte Kleider bereitet haben, wofern die Perlen in weißem und die Rubinen in rotem Glänze gestrahlt haben, wenn das Gold damals bereits danach begierig war, aus der Erde gefördert zu werden, der Spiegel bereits lügen durfte und die aus dem Paradiese verstoßene, bereits, wie mir scheint, tote Eva nach dergleichen Dingen Verlangen trug! Folglich darf auch jetzt solche Dinge nicht begehren oder auch nur kennen die, welche Verlangen hat, wieder belebt zu werden und solche Dinge nicht kannte, als sie lebte. Das alles ist nichts als ein Ballast für das verurteilte und geistig tote Weib und dient ihr gleichsam als Leichenpomp.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Kathechteische Schriften (Über die Schauspiele, Über die Idolatrie, über den weiblichen Putz, An die Märtyrer, Zeugnis der Seele, über die Busse, über das Gebet, über die Taufe, gegen die Juden, Aufforderung zur Keuschheit)
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger